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06.01.2021

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„Mama, der Märchenfilm fängt an!“

„Du kannst schon mal alleine gucken, ich mach noch schnell die Suppe“

„Das Kind ist ganz allein im Wald… das darf ich nicht … Mama, können Pilze wirklich Tote wieder lebendig machen?“

„Nein“

„Aber wenn, das wär doch was für Oma … Mama, laufen Wurzeln weg, wenn man sie essen will?“

„Unsere Karotten nicht“

„Aber schimpfen Karotten? Und rauchen? Und fliegen?“

„Nee… was für einen Quatsch redest Du da“

„Mama, wenn ein Kind von einer Schlange gebissen wird, kommt dann ganz viel Blut?“

„Hä?“

„Und hilft dann eine Wurzel?“

„Naja vielleicht kann man aus irgendeiner Wurzel so Schlangengiftpillen machen…“

„Nein Mama, hilft die Wurzel, wenn sie herkommt, raucht und sich auf einen legt?“

„WAS?“

„Und Mama, wenn die Wurzel doch hilft, warum wollen dann die Männer mit den komischen Gesichtern die jetzt mit Schwertern kleinhacken? Ist das vielleicht weil sie so gruselig aussieht? Aber warum will die Prinzessin dann trotzdem mit ihr schmusen? Mama, ich versteh den Film nicht…“

„Ich komm ja gleich“

„Jetzt zieht die Prinzessin sich aus, damit sie besser mit den Männern kämpfen kann … und das stimmt mit den Toten! Die kommen aus der Erde, wenn jemand ein Stückchen von der redenden Wurzel abreisst und das auf den Boden fällt … oje, jetzt will der die anderen fressen“

„Mäuschen, bist Du Dir sicher, dass das so ähnlich ist wie Die Unendliche Geschichte?“

„Aber Mama, das stand doch im Programm, nur halt aus einem anderen Land“

„Stimmt, Taiwan war das … hat der Papa nicht neulich auch so einen Film von da gesehen? Irgendwas mit einer Frau, die bei Wölfen aufgewachsen ist?“

„Ja, die musste auch ganz viel kämpfen hat er gesagt … so wie die gerade … ui, jetzt ist die Mama gebissen worden von dem Toten“

„War da nicht in Papas Film auch was mit einer Wurzel? Ginseng oder so?“

„Ja, Ginseng heisst die hier auch! Und ist 1000 Jahre alt!“

„Ach was, die 1000 Jahre alte Ginseng Wurzel hat die Frau in dem Film von Papa doch gegessen aus versehen… autsch, heiss die Karotten“

„Hier will die Wurzel nicht gegessen werden Mama… da ist fast so viel Nebel wie bei Dir in der Küche … nur dunkler und bunter“

„Schatzi, hier ist kein Nebel, das ist Dampf vom Kochen“

„Mama, wenn wir die Karottensuppe essen werden wir dann auch so stark wie der tote Mann? Der hat eben die Suppe getrunken mit einem Stück vom Bart des Ginseng drin und ...“

„Mach diesen Quatsch jetzt aus, dann werden wir das ja sehen“

„Aber Mama, jetzt wird es noch spannender, der Mönch steckt so lange Nadeln in den toten Mann“

„Jetzt reichts aber, ich mach das aus … was, da ist ja erst eine halbe Stunde um? Den Rest kannst Du später mit Papa gucken.“



 

Mi, 13.01.2021poster

"Dear all:
Ein KLASSE Film erwartet uns am Mittwoch.

Wie KLASSE? Etwa fünfzehn Jahre KLASSER als der Klassiker DIE KLASSE VON 1984.

Class of 1999
USA 1990, R: Mark L. Lester

Die Welt mal wieder am Abgrund. Chaos regiert in den Großstädten. No Go Areas, in die sich kein Gesetzeshüter mehr freiwillig hinein traut. Mittendrin eine kleine Schule, hoffnungslos isoliert und terrorisiert von bildungsfernen Letzte- und Allerletzte-Bank-Lümmel*Innen. Der überforderte Lehrkörper, sich trotz der miserablen Arbeitsbedingungen immer noch dem Bildungsauftrag verpflichtet fühlend: restlos am Ende mit den Nerven...

So kann es nun wirklich nicht weitergehen. Hat jemand eine Idee? Jep, Sie dahinten, Herr Keach! Hören Sie auf, an Ihrem dämlichen weißem Rattenschwanz-Zopf herumzufummeln und sagen Sie, wie man auf vernünftige Weise Herr*In der Lage werden kann!

Selbstverständlich hat der Man of Science eine streng wissenschaftlich-pädagogisch wertvolle Lösung parat:

Ausgemusterte Kampf-Androiden als Aushilfslehrkräfte.

Hilarity ensues.

Nach seinem nicht minder pädagogisch wertvollem Sozialbildungsdrama Class of 1984 hat Regisseur Mark L. Lester offenbar erst einmal einen Haufen Filme wie Terminator, Escape from New York, Mad Max 2 und The Class of Nuke em High in seinen ganz persönlichen Lehrplan aufgenommen und kam zu dem Schluss, dass es an der Zeit sei, den Themenkomplex Gewalt, Drogen und Anarchie im amerikanischen Bildungssystem der nahen Zukunft einer neuen Jugend als bizarres Lehrstück aufzubereiten und das Ergebnis mit Schmackes auf die Netzhäute der lethargischen MTV Generation zu semmeln.

Stacy „American History X“ Keach, Malcolm „Alex“ McDonald und Pam „Coffy – die Raubkatze“ Grier geben alles und overacten sich bestens gelaunt durch diesen „Club der mausetoten Dichter“. Eine Molotov-Cocktail-Feuerzangen Bowle aus der fernen Zukunft des Jahres 1999, die sich nun sooo sehr auch nicht von unserer Gegenwart unterscheidet (Naja, mehr Roboter halt), inklusive Mad Max Fahrschulstunde und Fashion-Workshop als freiwillige außerschulische Aktivität, erwarten Euch. Wer zu spät kommt erhält einen Eintrag ins Klassenbuch – geschrieben mit seinem EIGENEN BLUT!

Fack yuh Eisenschtain, dräschmuviNait is in se Schulhaus!

ab 19 Uhr: Party like it`s 1999!
ab 20 Uhr: Nachsitzen

J+F+A"



 

Mi, 20.01.2021poster

"Liebe Gemeinde,
was hat ein sehr angetanes Publikum letzte Woche nicht alles lernen können!

Wurde doch schon 1999 demonstriert, was dabei herauskommt, wenn psychisch instabile Großmäuler mit kurzer Zündschnur und der geistigen Reife von Vorschulkindern unbeschränkten Zugang zu Waffen, billigen Drogen und albernen Outfits bekommen: erhabene weiße Gebäude werden zur Krawallkirmes, Bildungsferne zum Fashion Statement, Chaos und dumme Ideen spießen wohin man schaut, und am Schluss ist es mit besenrein Fegen nicht getan.

Man hätte also einiges sehen kommen können in den US of A, aber selbst wir hatten diesen warnenden Klassiker lange nicht auf dem Radar.

Solcher Ahnungslosigkeit sei künftig vorgebeugt. Unserem Bildungsauftrag entsprechend betreiben wir weitere kulturanthropologische Studien und schauen uns heuer außerhalb der „Free Fire Zone“ um. Auf der anderen Seite der Stadt, in der wohlbetuchten und gediegen sedierten Vorstadt haust die

SOCIETY
von Brian Yuzna
USA 1989

Weniger Rauch, leisere Autos, andere Haarpflegeprodukte, weniger Nieten aus Metall, aber genauso viele auf zwei Beinen. Statt Punksimulanten beim großflächigen Losen zuzuschauen, wohnen wir den Irrungen und Wirrungen windelweicher Popper bei. Jedoch haben wir es nicht etwa mit einer grausig aseptischen spätachziger Highschoolromanze oder gar -komödie zu tun, sondern geraten in eine seltsam sicke Angelegenheit, die jedwede Form von „Social Awkwardness“ mehr als angemessen erscheinen lässt.

Hat man in der letzten Woche an jungen Leuten gekratzt, kam Blut. Bei Erwachsenen, Metall. In SOCIETY liegen ganz andere Sachen unter den Oberflächen, den Gesichtern, den Konventionen, den Seelchen. Lassen wir sie raus!

See you
F&J&A"



 

Mi, 27.01.2021poster

"Liebe Alle,
und schon geht’s weiter!

Mit
L'invenzione di Morel
Italien 1974, R: Emidio Greco

Nachdem Herr Yuzna uns letzte Woche drastisch vor Augen geführt hat, dass es die High Society einem mitunter außerordentlich schwierig machen kann, auf konstruktive Weise in einen fairen klassen-basierten Diskurs einzusteigen, begeben wir uns diesmal beherzt in die Siebziger Jahre, streng genommen sogar die Vierziger, sehr streng genommen gar die 20er, um die komplexen Spielweisen einer gänzlich anders gepolten, ebenfalls eher distanzierten Gemeinschaft privilegierter Gesellschafter durch die Brille eines geflüchteten Sträflings, den es an eine wundersame Küste irgendwo im Nirgendwo verschlagen hat, unter die Lupe zu nehmen. Der Entflohene stellt alsbald fest, dass seine Angst vor Entdeckung noch das geringste Problem ist, mit dem er sich auf diesem geheimnisvollen Stückchen Ort, Raum und Zeit herumschlagen muss. Dabei bewegt sich der Film zuweilen mit der Geschwindigkeit eines hypnotisierten Gletschers voran. Ein Genuss in dieser ereignissüberladenden Highspeed-Zeit.

Trashmovienite in „Zeit-Loop-e“ sozusagen.

Der Science Fiction Roman des argentinischen Autoren Adolfo Bioy Casares "La invención de Morel“ aus dem Jahr 1940 wurde bereits mehrfach verfilmt. Wir führen uns die italienische Fassung von 1974 zu Gemüte, nicht zuletzt, weil die ruhige, glasklare und ästhetisch ausgesprochen stilsichere Verfilmung eine interessante Schnittmenge von Franks Faszination für Mode, Stil und Habitus des italienischen 70er Kinos und meine Begeisterung für mysteriöses Retro-SciFi-Zeugs bildet.

Rasante Achterbahnfahrten quer durch den Trash-Gemüsegartenfreizeitpark werden die geneigten Trashnite-Conniseure diesmal nicht geboten bekommen. Hier wird entschleunigt, dass die Bremsen qualmen. Uns erwartet ein nahezu schweigsam-meditativer, konzentrierter Reigen aus Beobachtungen, gescheiterten Interaktionsversuchen und bizarren phantastisch-technischen Gedankenspielen, gefilmt in eher sonnig entlegenem, stylish bebauten und von vorzüglich gekleideten geheimnisvollen Akteuren bevölkerten Ambiente. Gesprochen wird wenig, dafür umso genauer beobachtet und gezeigt.

Es sei schon mal vorweggenommen, dass diesmal ein beherzter Schlag in die Fresse der degenerierten Hoch-Gesellschaft nicht zur Auflösung des gesellschaftlichen Konstruktes beitragen wird.

Und dennoch…

Nun, lassen wir uns überraschen.
 
"Wechsel von Glibber auf Sand hält geistig beweglich"
(Brain in seiner Antwort-email auf den Filmvorschlag).
 
19 Uhr Konspiration
20 Uhr Kontemplation
 
J+F+A"


 

Mi, 03.02.2021

"Liebe Gemeinde,
letzte Woche endete unsere Miniserie „Schiffbrüchige, die auf Inseln geraten, die von irren Doktoren mit M im Nachnamen und deren fragwürdigen Erfindungen heimgesucht sind“, und das gibt uns Raum Neues zu erkunden.

Wie lange lag man uns schon in den Ohren, doch endlich mal einen estnischen Film zu zeigen. Möglichst einen, der in Kasachstan gedreht ist!

Unser Zieren soll ein Ende habe, diese Woche ist es soweit. Wir checken ein ins

"Hukkunud Alpinisti“ hotell

Sein Haus „Hotel zum verunglückten Alpinisten“ zu nennen wäre vielleicht nicht die allerklügste Wahl, wollte man dick ins Geschäft als Kuschelwellnessresort in den Bergen einsteigen. Da die literarische Vorlage unseres Films jedoch 1970 hinter dem eisernen Vorhang verfasst wurde und die Handlung wiederum im Westen spielt, kann gemutmaßt werden, dass man dem Klassenfeind schlichtweg jeden Unfug zutraute.

Die merkwürdigen Ereignisse in den Alpen anzusiedeln kann als ein ebenso notwendiger wie fadenscheiniger Move interpretiert werden, um eine Geschichte aufzutischen, die in keinen Fünfjahresplan gepasst hätte. So soll es also kein aufrechter sowjetischer Kriminalkomissar sein, der sich durch den zunehmend delirösen Plot knurrt – obwohl er aus westlicher Sicht verdächtig viele Züge eines eben solchen aufweist: Die Sturheit eines Kolchosentraktors, leistungsfähige Leber, sprödes Sozialverhalten und einbetonierte Dienstanweisungen. Ob gerade letztere in einer Situation helfen können, die sich von einem scheinbaren kriminologischen Fehlalarm über eine Film-Noir-artige Angelegenheit ins komplett Unerwartbare wandelt, werden wir sehen.

Einmal mehr können wir uns auf die Suche begeben nach Querbezügen scheinbar völlig unverwandter Filme, Morel vs. Hotell – mangels Double Feature nun wochenübergreifend, aber zwei so sperrige Dinger hintereinander wären ohnehin zuviel des Guten gewesen. Freuen wir uns also auf
„Outlaw auf der Flucht“ vs. „Kommissar tritt zum Dienst an“,
„Eingeschlossen vom Meer“ vs. „Eingeschlossen von Lawine“,
„Rätselhafte Gestalten mit Kommunikationsdefiziten“ vs. „Rätselhafte Gestalten mit Kommunikationsdefiziten“ und noch viel mehr. Estnischen Prog-Rock etwa.

Die Autoren Arkadi und Boris Strugazki konnten ihr Talent für beschwingte Unterhaltung etwa zeitgleich in ähnlichem Maße bei Stalker unter Beweis stellen, bei dem sie ebenso wie beim Hotell intensiv am Drehbuch mitarbeiteten.

Wie Jörg dazu anmerkte: "Unbedingt zeigen!!! Und dann diese hunderte von genialen oldschool-filmpostern, die die Googlelowski Maschine hierzu ausspuckt. Hachikowski!!! Toptoptop!!!!!"

Und in der Tat, wir veneigen uns vor der klassischen Ostblock-Grafikerkunst und kleben eine Auswahl Originalposter an – es gibt Dinge, die kann nicht mal ein Trashnite-Logo besser machen. Wenige.

See you!
F&J&A"

poster

(in der Online-Lobby bearbeitetes Originalposter)


 

Mi, 10.02.2021poster

"Liebe Alle,
heute machen wir kurzen Prozess bzw. kurzes Programm.

Nachdem wir letzte Woche Estland abgehakt haben, wird nun eine weitere Leerstelle in unserer Playlist planiert – der erste Titel, der mit einem X beginnt, steht an!

Und zwar

XTRO
England 1982

Mussten wir zuletzt in den kasachischen Bergen miterleben, wie eher planlose Außerirdische bankräubernden Terroristen aus interplanetarer Gutmütigkeit behilflich waren, nur um letztlich Undankbarkeit in Form von Luft-Boden-Raketen zu ernten, erwartet uns diesmal recht hartgesottenes Material aus dem All. Triggerwarnung für Alienparanoiagefährdete!

Ihr mögt Lasergeballer und techniklastige Science-Fiction? Fehlanzeige – statt dessen gibt’s Sicko-Fiction: alptraumhaftes Dräuen, WTF-Momente wohin man schaut und eine Flatrate ekliger Ideen. Komprimiert in schlanke 82 Minuten.

All das fühlt sich sehr wenig nach Hollywood an, und sorgte bei den britischen Kuturbehörden für Stirnrunzeln. Der Versuch des Verschwindenlassens im „Video Nasty“ Gilftschrank erwies sich – wenig überraschend –  als äußerst effektive Marketingkampagne, so dass XTRO in Folge viele Jahre als „Geheimtipp“ in den Videotheken lauerte (für den jedoch die wenigsten Dankbarkeit empfanden).

Pesonen aus der überschaubaren Gruppe hartnäckiger Fans ("I have probably seen Xtro more than any other film -- twice or three times a year since 1983. You do the math.“), möchte man keine harten Widerworte geben, aber auch nicht länger den Rücken zuwenden.

Warum also anschauen?

„Maybe that is what some people like about the film … that it is such an extraordinary mess“
Harry Bromley-Davenport, Regisseur

Log in & find out!
In glorious HD.

See you
F&J&A"


 

Mi, 17.02.2021poster

"Dear All,
unabhängig voneinander fragten uns zwei Männer, ob wir nicht diesen von einem Mann gedrehten Film zeigen wollen, in dem es um zwei Männer geht. Und solange es gerade gendermäßig so schon unkompliziert ist, geschehe es!

Dem Anlass angemessen hatten wir beide Herren um jeweils eine Einladung & Poster gebeten, jedoch nur eine erhalten – fangen die Rätsel schon an? Oder nur die zeitvergessene Eigenbrötlerei, was wohl auch passend zum Programm wäre? Am Mittwoch wird sich alles aufklären, sonst Kielholen.

Leinen los!

+++

Ahoi ihr Steamsratten*innen,

Nachdem die letzten Events im Sternkreiszeichen Synthesizer Aszendent Schulterpolstersakko standen, gibt es diesmal etwas Bodenständiges mit noch nicht abgelaufenem Verfallsdatum.

Der Film THE LIGHTHOUSE ist von 2019 und für Trash-Movie-Verhältnisse etwas feucht hinter den Ohren und wäre eigentlich gar nicht meine Wahl gewesen, wenn nicht noch ein anderes Mitglied unserer Selbsthilfegruppe und ein Teil des selbsternannten Kuratorenstabes der Meinung gewesen wären, dass es doch ”voll gut wäre den mal zu zeigen”. Na, wenn Beuys sagt, alles ist Kunst, dann ist wohl auch jedes Movie Trash *augenrollendes Emoji*.

Um den Erschaffer dieses Streifens, Robert Eggers, zu zitieren: "Nothing good can happen when two men are trapped alone in a giant phallus." beschreibt auch ziemlich genau die Zielsetzung des Filmes und seine Handlung: Lockdown-Männer-WG tut was Lockdown-Männer-WG so tut: saufen, sich heimlich den Lachs buttern, häkeln (yup, Willem Dafoe hat für den Film extra häkeln gelernt), Streit über Haustiere, Körperhygiene vernachlässigen und sich zunehmend immer mehr auf den Sack gehen bis es auf’s Maul gibt.

Natürlich wäre es so alleine kein Material für unsere Therapiesitzungen, wenn er das nicht auf sehr visuell ansprechende Art tun würde: mit 35mm Film und klaustrophobem 1.19:1 Seitenverhältnis.

Die Schauspieler Willem Dafoe und Robert Pattinson machen ihre Sache auch ganz anständig, Willem Dafoe sieht einfach so aus, als wäre er schon immer Leuchtturmwärter gewesen, sein Kollege Robert Pattinson hingegen schafft es zusehends sich von seinem Image als Teenieschwarm aus der Highschool-Vampierschmonzette “Twilight - Biss zum Morgengrauen (Wortwitz-Alarm und wirklich Trashmoviematerial)” zu entfernen. Auch zu empfehlen mit Robert Pattinson: The Rover von 2014, meiner Meinung nach der Beste Mad Max Film (was ja auch keine Kunst ist).

In diesem Sinne, nich lang schnacken, Kopp in Nacken.

TheRealAminW"

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Kunst aus der Lobby und für alle die es genau wissen wollen der Chat

 

Mi, 24.02.2021poster

"… und weiter gehts, liebe Leute!

Ganz im Sinne unseres diesjährigen inoffiziellen Themenkomplexes „Fragwürdige Methoden außer-gesellschaftlichen Miteinanders“ haben wir schon einige male das Vergnügen gehabt, den unterschiedlichsten Gruppierungen mehr oder minder besonnener ZeitgenossInnen beim Selbstfindungstreiben und völliger Auflösung über die Schulter schauen zu dürfen.

Gut gemeint ist leider selten gut gemacht, und Reibereien sind vorprogrammiert, wenn gesellschaftliche Grenzen gewaltsam verengt oder auf Kosten Anderer erweitert werden, unabhängig davon, ob sich die Gewalt gegen das Außen oder das Innen oder die Leber richtet.

Eyes of Fire
USA 1983
R.: Avery Crounse

Für die kleine Gruppe religiöser Querdenker und Siedler, die aus Ihrer Stadt den Rückzug in die amerikanische Wildnis von 1700ebbes antreten, um mal so richtig das eigene Ding (Polygamie, ein wenig Zauberei, viel puritanisch-christliches „entitlement“) zu machen, gerät die Suche nach dem Christlich-Westpießer-Utopia zu einem verworrenen folkloristisch-mystizistischem Americana-Alptraum. Der polygame Priester (viel blabla, aber nix machen, kennt man ja) als Anführer kann von Glück sagen, dass ihm eine wunderliche Hexe (redet wenig, versucht mit Ihren Methoden wenigstens zu retten, was nicht zu retten ist) tatkräftig zur Seite steht. Ob`s was nützt?

Wer aber in Konfliktsituationen mit einer mäßig gut gelaunten indigenen Bevölkerung auf die saudumme Idee kommt, ausgerechnet dieses eine für die Einheimischen verbotene, magische Tal sei ein prima Ort, eine kleine neue Sekten-Siedlung zu errichten und gleich noch ein Kind von „denen“ zu bekehren (wozu eigentlich? Den werten christlicher okay-i-sierter Bigamie?), muss sich nun wirklich nicht wundern, wenn da der ein oder andere Geist ein Wörtchen mitzureden hat und die Sache schneller aus dem Ruder läuft, als man „Missionarischer Kolonialismus“ sagen kann.

Eyes of Fire von Avery Crounse ist einer der recht raren Vertreter des „Colonial Horror Movie“ Subgenres ( „The VVitch“ vom „Lighthouse“-Regisseur, den wir letzte Woche gesehen haben, schöpft hier deutlich Insperation) und der Erstling des Regisseurs. Und wie so viele ambitionierte Jungfilmemacher hat er sich einiges, vieles, womöglich hier und da zuviel, vorgenommen: fast schon dokumentarisch-historischer Beobachtungsduktus tanzt mit effektlastigem Psychedelik-Mystizismus und Western-Folk-Horror einen fröhlichen Anything-Goes-Mashup-Shuffle. Sehr viel rohe, pure Lust am Filmemachen bestimmt allenthalben das Geschehen.

„Es gibt Indianer, Siedler, Pfeile und so Matschleute, und die Bäume sind auch komisch...“ (der kleine Melanie, 13 Jahre, Produkt meiner Phantasie). Munteres Chaos zum Staunen und Wundern, gar mitten im Walde falleralla.

Schade, dass es ausgerechnet von diesem Film bisher keine DVD oder Blueray-Neuveröffentlichung gibt. Gut, dass wir trotzdem eine der besseren schlechten Versionen für euch vom Indianerfriedhof ausgebuddelt haben.

Vorderlader gestopft, Rosenkranz gefuttert und los geht’s!

19 Uhr Waldeslust
20 Uhr Waldesfrust

See you, J&F&A"


Mi, 03.03.2021

"Italien, Mitte der 1960er Jahre.
Farbfilm wird bezahlbar. Und weil es geht: warum nicht deutlich bunter werden als die Wirklichkeit? Und wenn Abschied vom Realen, warum nur beim Look? Man beginnt zu Eskapieren, dass es eine Art hat. Aber wohin? Das Publikum ist ein wenig auf Duce-Entzug und anfällig für Superhelden. Statt amerikanischer Comics wird zunächst altbewährte Kulturgeschichte geplündert – die große Zeit des Sandalenfilms. Gladiatoren, Tataren, Spartaner und andere Heerscharen purzeln nur so übereinander und crashen die letzte Party in Pompeii. Nächste Eskalationsstufe: mythische Helden und Einspannen der Götterwelt. Romulus & Remus vs. Odysseus vs. Maciste vs. Goliath vs. Herkules in der Unterwelt. Heranwachsende, die sich ins Kino schummeln, kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Italien, Ende der 1960er Jahre.
Ehemals Heranwachsende ziehen in die große Stadt, in eine WG und den ersten durch. Zuckerwürfel und Löschpapier werden gereicht. Junger Mensch staunt mehr als je zuvor und beginnt, was Kreatives zu studieren.

Italien, Anfang der 1980er Jahre.
Studium abgebrochen oder abgeschlossen, irgendwie gelang der Einstieg ins Filmgeschäft. Die Karriereleiter in Cinecitta so weit hochgeklettert, dass man endlich was entscheiden darf als Ausstatterin, Kameramann, Beleuchterperson. Und hei, da sind die ganzen güldenen Erinnerungen an verstaunte Nachmittage mit Farben für die es keine Namen gab und Mythisches, das sich ins Kosmische steigern ließe – warum nicht die alte Gang zusammentrommeln und mal so richtig einen rauslassen? Die Sterne stehen günstig!

Denn es sind die Zeiten, in denen Kindsköpfe auf dem Regiestuhl unbeschwert mit Darstellern hantieren dürfen als seien sie fleischgewordene Actionfiguren, Böse nichts sein müssen als böse und Gute gut, Happy Ends erlaubt sind, jedwede Tricktechnik der Filmgeschichte angewendet werden möchte (sofern nicht zu teuer), und Männer riesige Brüste haben können ohne nachdenken zu müssen, welche Genderidentität ihnen das einbrockt.

Hauptverantwortlich für den auf geradezu herzerwärmende Weise in mehrfacher Hinsicht aus der Zeit gefallenen HERCULES zeichnet Luigi Cozzi alias Lewis Coates, der uns bereits den hochverehrten STAR CRASH bescherte und dessen Alien-Ripoff CONTAMINATION wir eventuell bei passender Gelegenheit nachreichen.

Seinen Stil fasst Wikipedia in einem einzigen Satz zusammen:
Most of Cozzi's films become "increasingly silly and strange" as their plot goes on.


You bet.

Bei den vorbereitenden Arbeiten für das Poster tauchte http://ultimatehercules.blogspot.com/ auf, und damit war entschieden: Hut ziehen und bedienen. Besser wird's nicht.

poster

See you!
F&J&A"

 

Mi, 10.03.2021poster

"Hochverehrtes Publikum,
es geht weiter Schlag auf Schlag, diesmal wieder mit Stammgastprogrammgestaltung – zeig’s uns, Bernd!

+++

Von Zeus zu Seuss.

The 5,000 Fingers of Dr. T.

"Dieser [Film] ist nicht nur in seinen Symbolen und in seiner umfangreichen Ausarbeitung von Träumereien abstrus, sondern es fehlt ihm auch der Humor oder die Verzauberung, die ein solcher Gegenstand enthalten sollte."  Bosley Crowther

Dieses Zitat eines zeitgenössischen Filmkritikers ist so ziemlich das Gegenteil von dem was uns bei diesem wunderbaren Film erwartet. Fantastische Kulissen die uns an deutsche Filme der 20er Jahre denken lassen, knallbunte Farben und, ja, tolle Musik.

Erwähnt habe ich dabei noch nicht einmal die fantastischen Kostüme die es alleine schon wert wären den gesamten Film mehrmals hintereinander zu schauen.....

Egal.

Erwähnte ich schon das das ganze natürlich ein 50er Jahre Musical ist? Das Dr. Seuss die Geschichte und die Texte der Songs geschrieben hat?

Na dann... FILM AB!

See you
B&F&A&J"

 

Mi, 17.03.2021poster

"Heute als Ausnahme ausnahmsweise ein Ausnahmeprogramm:

Anlässlich des pandemiebedingten Ausfalls der Geburtstagsfestivitäten eines der Kuratoren gibt es eine Art virtuelle Cineastenkindergeburtstagsparty, natürlich inklusive Geschenklein für die lieben Kleinen (Euch) in Form eines Zusatzprogramms.

Den Auftakt macht ein Überraschungsfilm, nicht zu gut und nicht zu schlecht, nicht zu kompetent und nicht zu hässlich anzusehen, stabil und mittig, edel und schlecht frisiert, wie der große rundliche Kurator, dessen Nachname ein kleiner Hinweis auf das Thema des Golan Globus Schusselstreifens sein mag.

Was erwartet uns?
  • Kackfrisuren
  • Erste Liga Weltstars die glitzern (funkel, schimmer, irritier)
  • Bezirksoberligastars die "Wallen" (resp. deren "Frisuren")
  • Öliges Muskelgeflexe (glitsch, tröpfel, verspann)
  • David Prowser, keine Vampire jagend und keinen Todesstern steuernd (grimm, grummel, grantel),
  • Metal auf Metal (klang! Klack! Hack!)
  • Kopfgerolle (kuller, padauz, staun, wunder)
  • Mensch zu Fuß (latsch taumel stolper) und zu Pferd (Galoppel hoppel popoppel),
  • Gezauber und Bezauber (hex, schmacht, sülz, plapper, quak)
  • Hoch fragwürdige Essgewohnheiten (mampf, hey, ist der Zahnstocher wirklich groß genug für die Hufe zwischen meinen Zähnen?) und noch so eiiiniges mehr.
Lasst euch in eine erstaunlich inkompetent das Potential der Star Riege in den Matsch semmelnden Historienfilmwelt entführen, wie bei Menahem und Yoram üblich mit viel Desinteresse an Dramaturgie, exzessiv laxem Umgang mit Hau und Stichwerkzeugen und rein pekuniärer Zielsetzung. Das launige, wie in den Achtzigern nicht unüblich im trüben Gewässer zwischen Drama und "alles-nicht-so-ganz-ernst-nehmen" langsam aber sicher leckschlagende Starvehikelschiff ist schon der zweite Anlauf des Regisseurs, einen schon mal vergeigten Stoff irgendwie mit anderen Leuten in den Griff zu bekommen. Mit eher mäßigem Erfolg, soviel sei verraten.

Im Anschluss feiern wir die Premiere der ersten handverlesenen Trash-Trailer-Compilation, die eindrucksvoll demonstrieren wird, dass nicht nur das Synchronteam um Herrn Rainer Brandt (Spencer/Hill/Die Zwei etc.) im Stande ist, haarsträubenden Unfug beim freien Übertragen fremdsprachiger Inhalte ohnehin schon reichlich fragwürdiger Trailer, zu fabrizieren. Die ganze Vielfalt und Schönheit der Trailer-Übersetzerkunst. Nicht dabei, aber das Gemeinte hübsch illustrierend, diese formschöne Textperle: "Es könnte das Paradies sein - doch es ist: DIE HÖLLE."

19:00 Aufbruch ins Abenteuer
20:00 Tappsen im Dunklen
22:00 Heilloses Durcheinander

See you! J&F&A"

(gegeben ward SWORD OF THE VALIANT: THE LEGEND OF SIR GAWAIN AND THE GREEN KNIGHT, eine selbst für Trasniteverhältnisse herausragend wirre Angelegenheit)


 

Mi, 24.03.2021poster

"Liebe Alle,
ganz kurz waren wir davor, das in letzter Zeit doch recht fantasylastige Ruder komplett herumzureissen, und einen Super8-Film ins Programm zu nehmen, in dem es um einen notgeilen Staubsauger geht. Vom Mars.

Gerettet haben Euch keinesfalls Bedenken, nachhaltige Verstörung oder Empörung auszulösen oder Skrupel, den Restruf bezüglich unseres Urteilsvermögen zu ruinieren, ja nicht einmal die 99%ige Wahrscheinlichkeit, mit „träshig gemeint“ erneut zu scheitern – nein, es war Dr. Albanistans letztwöchentlicher, aus Fassungslosigkeit und Respekt amalgamierter Kommentar „Golan-Globus 4 life“ , der zu denken gab.

Wobei in allerletzter Minute die Entscheidung fiel, doch kein weiteres Meisterwerk aus der Cannon-Schmiede aufzuführen – denn auch wenn die Herren bis zu 40 Filme pro Jahr produzierten, ist die Verarbeitung derselben eine andere Sache, und daher wird der schon startklare Barbarenfilm durch einen anderen Barbarenfilm ersetzt.

Eine zwingende Logik bekommt dieser Move durch Kongruenz des Haarvolumens unseres dieswöchentlichen Protagonisten mit jenem der letzten Woche UND die Tatsache, dass es beiden Blondis an ikonischem Starpotenzial derart mangelte, dass nur großflächiger, möglichst unerklärlicher Krawall davon ablenken konnte.

Seid bereit für ein desorientierendes Oszillieren zwischen Deja-Vu und Never-Vu, angerichtet von einem Großmeister dieser Disziplin – Antonio Margheriti, seineszeichens dermaßen souverän, dass er über seine zweifelhafte, kommerziell krachend gescheitere Schöpfung bemerken konnte „Ich habe immer eine Menge Spaß, wenn ich mir den Film nochmals ansehe, wirklich ein perfekter Partystreifen und so habe ich ihn eigentlich auch immer eingestuft.“

Oh, und es ist der erste Titel in unserer 456 Filme langen Playlist, mit einem Y beginnt. In glorious HD. Don’t miss.

See you!
F&J&A"


 

Mi, 31.03.2021poster

"Nachdem wir uns in den vergangenen Wochen ausgiebig mit dem Thema „Barbarei: Damals, Heute, Morgen“ bzw.: “Alle möglichen Unmöglichen Frisuren“ beschäftigt haben, gilt es nun, die Realitäts-Check-Brillen zu desinfizieren und sich mit der gelebten Sozial-Barberei unseres eigenen wonnigen Heimatlandes, präziser: den besonders keimig-tröpfeligen Eckchen der Hansestadt H-Burg des Jahres 1973, zu stellen.

Supermarkt
R.: Roland Klick
BRD 1973

An Barbarei ist Roland „Deadlock“ Klicks Sozialactiondrama wahrlich nicht arm: Barbarische Frisuren Marke Vokuhila plus dünnem Schnauzer, Marius Müller-Westernhagen als Synchronstimme von Herrn Wierzejewski und Titelsongkomponist, Udo Lindenberg als Mann für das Gedudel im Hintergrund, auch irgendwie nicht zivilisiert, hochbarbarische Polizistenschnauzer und flächendeckende allgemeine Sozialumgangsbarbarei stehen auf dem Programm.

Antiheld Willi latscht von einer Arschgeige zur nächsten, taumelnd, er „tut lieber allein“, aber wenn man eben nicht in Ruhe gelassen wird, dann passiert halt nur Mist, nichts klappt, keinem kann man trauen, alles Kaggä, alles immer in Bewegung. Klicks Kameramann Jost Vacanos lässt sich nicht lumpen und filmt souverän den rasanten Absturz aus der Hüfte, bis hin zum frenetischen Finale, das in der deutschen „Action-Film Geschichte“ (pfffhihihi) den Autorenfilmerkollegas ziemlich ruppig zeigt, wo der Hammer hängt. Herrlich untypisch für den sperrigen Film der deutschen Siebziger – sehr stringent, gradlinig, gar actionorientiert und, Rainer Werner Herzog von Trotta bewahre: ...Unterhaltsam!!!

Na denn man tau Ihr Lüdden, Koän und n Bieä eingepackt, eine gute Pfeife Seegras gestopft, etwas Benzin und Jägermeister unter die Axeln geschmiert und mit uns abgetaucht in die Verliererwelt von Willi von der Waterkante!

Kleine Triggäwarnung was die Darstellung des Homosexuellen-Milieus angeht, Schnuckis.

19:00: Lungern vor dem Supermarkt
20:00: Ausverkauf


 

Mi, 07.04.2021poster

"Liebe Gemeinde,

Bereits während der online Nachbereitung von SUPERMARKT – die unter erschwerten Bedingungen stattfand, da letzte Woche nur Textchat möglich war und olala, wer kann zu vorgerückter Stunde noch gerade tippen – wurde entschieden, dass auf einen blonden 70er Burschi, der auf ganzer Strecke versagt am besten ein blonder 70er Bursche folgt, der einfach ALLES im Griff hat. Haben wir im Angebot: Christian Anders alias Mr. „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“.

Über die bis in jüngste Tage sich fortsetzenden Irrlichtereien des Hr. Anders könnt ihr Euch online trefflich informieren. Denn so gerne wir jemanden sympathisch finden würden, der geniale Albumtitel wie „Love, das ist die Antwort“ ersann, so wenig Lust haben wir, eine weitere Biografie auf seinen vom Nebel des Irrsinns umflorten Egoberg zu schaufeln.

Für ein Filmvergnügen taugt es aber allemal, wenn ein Schlagersänger im Tandem mit einem verkrachten spanischen Leihregisseur inszeniert, wie er Bruce Lee inkarniert. Im Kampf u.v.a. gegen einen „größenwahnsinnigen Zwerg“ (VHS Klappentext).

Zwar müssen wir auf die deutsche Tonspur verzichten (die auch im Original schon nachsynchronisiert war aufgrund der babylonischen Sprachverwirrung am Set, die deutliche Spuren in Konsistenz und Schauspielerführung zeitigte), aber immerhin sehen wir die ggü. der Kinofassung geschlagene 12 Minuten längere Spezialversion in HD, for better or worse – you decide, morgen!"


 

Mi, 14.04.2021poster

"Eher vermuten wir nicht, dass ihr um Olympia bangt – sollte dies dennoch der Fall sein, bieten wir vorauseilend Trost in Form eines Recyclingvorschlags für unausgelastete Spitzenathleten.

*** Approved by TMN Martial Arts Consultant Pierre ***

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Hallo Ihr da Zuhause!
 
Damit beim Schauen keine Verwirrung aufkommt, gleich vorab die Handlung unseres nächsten Features Gymkata von 1985.
 
Ein Turner, unser Held, wird vom Geheimdienst rekrutiert, um in Parmistan “The Game” – ein tödliches Parcour-Rennen zu gewinnen. Als Gewinner hat er einen Wunsch frei – und dieser ist Mitte der 80er selbstverständlich, dass Parmistan den USA den Aufbau einer Satellitenweltraumabwehr gegen die bösen Raketen der bösen Russen, gewährt.

Menschen die sich trauten den Film zur Gänze anzusehen ließen verlautbaren, dass hier seltsamste Settings und Prämissen verwendet wurden, und deren filmische Umsetzung einer unfreiwilligen Komik nicht entbehrt.  Der Film war entsprechend für viele “Worst-of”-Preise nominiert, doch gibt es unter anständigen Filmliebhabern echte Fans - Red Letter Media sei hier erwähnt. Uns erwartet ein spektakuläres Crossover von Turnergymnastik mit Martial Arts und Ninjas in fiktiven Sowjetsatellitenstaaten. Familendrama und Love-Interest runden das Drama ab.
 
Sowohl der Regisseur Robert Clouse (Enter the Dragon) als auch der Hauptdarsteller Kurt Thomas (einer der erfolgreichsten Gymnasten überhaupt) standen nach großen Erfolgen an einem Scheidepunkt ihrer Karrieren. Was liegt da näher als das Martial Arts Movie Genre und die eigene Karriere zu revitalisieren, wenn nicht gar zu revolutionieren, indem ein ganz neuer Kampfstil Gymkata erfunden wird? Was die Chinesen mit der Peking Oper konnten, dass kann in den 80er die USA viel besser. What could possibly go wrong?
 
Lasst uns also schauen wie das gelungen ist, selbstverständlich hat sich euer Gastkurator selbst den Film noch nicht angeschaut. Ein Vorurteil soll nicht durch Kenntnis des Gegenstands verfälscht werden.

Erwartungsschwanger,
Pierre"


 

Mi, 21.04.2021poster

"Liebe aussterbende Spezies,

genug Zeit haben wir jetzt auf den letzten Metern unseres kümmerlichen Daseins mit dem Genuss eskapistischen Quatsches verbracht. Ein harter Realitäts-Check tut Not.

The Hellstrom Chronicles
USA 1971
R.: Walon Green, Ed Spiegel

Siebzigerjahre Regisseure: den Schalk im Nacken. Oder Substanzen im Hals bzw. Hirn. Oder Beides.

Herr Walon Green jedenfalls hatte augenscheinlich nach seinem ebenfalls aus dem Jahr 1971 stammenden, schon reichlich traumatisierendem Kinderfilm „Willy Wonka & the Chocolate Factory“, so richtig Bock, mal eine Schippe drauf zu legen und jetzt was für die studentische Stonerjugend zu tun, indem er mit seinem weggetretenen Sozio-Ökohorror-Mokumentary-Dokumentarfilm den druffen Studentlein ein bischen ultrabrutale Wissenschaftsparanoia in die beeinträchtigten Hirne pumpte. Ihm zur Seite: Drehbuchautor David Selzer. DerSelbiger, ebenfalls grade frisch vom Aufpeppen des an grotesken, vage (Kinder-) menschenfeindlichen Schrullen nicht armen Willy Wonka Drehbuchs kommend (und auf dem Weg zu seinem Omen Skript wohl schon mal Anlauf nehmend), zieht vom Ökokalypsen-Leder und lässt einen gewissen Querwissenschaftler Hellstrom (von der wissenschaftlichen Community gedisst, ausgebuht und nicht für Voll genommen) mit gelassenem Salon-Nihilismus die Schauermär vom großen Jahrmillionen währendem Insektenkrieg erzählen, in dem wir Deppen nicht die geringste Chance haben werden, Weil: Menschheit Summa Summmmmmmm Sumarum Wissenschaftikum eben Scheiße ist! Mensch balzt zu kompliziert, bummst zu selten, ist auch Umwelt-mäßig auf jedem möglichen Holzwurmweg, und hat er auch „Herz und Seele“, so gereicht ihm das im großen Krabbelkrieg nur zum Nachteil.

„We earlier established that the insect has no heart. Now let it be known that he has no soul.“

stellt Helstrom passiv-aggressiv grinsend und fern ab jeder Wissenschaftlichkeit, fest, dabei mindestens so entrückt und jenseitig-druff den Blick schweifen lassend wie weiland Wilders Willy Wonka. Ach, und die Kamera! Helmuth, Ken und Vilis schwelgen in Insekten-Action, Farb- und Formenwelt der kleinen Kribbelkrabbelkiller knattern in nie dagewesener Detailfreude auf die Netzhaut, dass es eine Pracht ist. Da wird metamorpht, gefressen, Insektensegsualität (sic) gemacht, zerrissen, gebissen und verhackstückt, das die Fühler fliegen! Ein fürstliches Mikro-Makro-Massacker. Lalo „Mission Impossible“ Schifre reißt die Pforten zur Jazz-und Atonal-Horror-Filmscore Hölle auf und schafft es, sogar die Balzversuche zweier gewöhnlicher Motten in ein pures Alptraumszenario zu wandeln. Chaos.

Ein Internet-Kollege resümiert trefflich:

„...we realize why this documentary was so popular on college campuses in the 1970s; you can almost see the clouds of pot smoke rising up in front of the five-foot tall black beetles with their jutting horns silhouetted against the sunrise, and hear the low murmurs of “far out, man.” "

Machen wir uns also auf in eine Fake-und Somewhat-Real-News Wissenschafts-Buchstabensuppe mit einem tüchtigen Schuß Lysergsäure und Insektozied-Snuff-Einlagen, schnappen uns einen butterigen Mehlwurm-Snack und genießen wir die paar Jahre, die uns auf diesem Planeten noch vergönnt sind.

„If you dare think this is lunacy,” hisses Dr. Hellstrom, “I invite you to learn the inevitable destiny of ignorance.”

„We for one welcome our Insect Overlords“.
(Kent Brokman, H.G. Wells und Frank, Amin und Jörg)

19 Uhr: Verpuppen
20 Uhr: Ausschwärmen"



 

Mi, 28.04.2021poster

"Hochverehrtes Publikum,
letzte Woche wurde uns in den HELLSTROM CHRONICLES unmissverständlich klargemacht: der/die/das Mensch hat's komplett vermasselt, insbesondere im Vergleich zum Erfolgsmodell Insektentum.

Nach dieser „Doku“ aus dem Jahr 1971 drehen wir einen Looping, um wiederum in einer „Doku“ aus just demselben Jahr zu landen, diesmal allerdings mit vollem Fokus auf die Conditio Humana:

W.R.: Mysteries of the Organism

Im Zentrum der Ereignisse steht erneut ein Wissenschaftler, jedoch kein cordjackentragender Zyniker diesmal, sondern Wilhelm Reich himself, seines Zeichens abtrünniger Freud-Schüler, Sexual- und Wetterforscher und zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 14 Jahre tot. Zeit genug, um Verschwörungstheorien zur Entfaltung zu bringen, die den Namen noch verdienten und die nicht nur kreuz und quer durch die Popkultur*, sondern bis zum heutigen Tage nachhallen. Ausnahmsweise sei auf den Wikipedia Artikel zu Reich verwiesen, der ein Leben und Werk skizziert, das für sich allein schon schwindelerregend wirkt und Stoff genug für mehrere Staffeln was-auch-immer wäre.

Aber wie wir letzte Woche gelernt haben: der Mensch macht es gern noch komplizierter, als er selbst schon ist.

Auftritt Dušan Makavejev, der uns bereits 2008 mit seinem surrealen 1974er Politik-Performance-Cocktail SWEET MOVIE mehr als ein Rätsel aufgab und nun unter Beweis stellt, dass er drei Jahre zuvor schon volle Flughöhe erreicht hatte. In geringeren Händen wäre es vllt. bei einer halbwegs konventionellen Darstellung einer unkonventionellen Biografie geblieben, aber da Hr. Makavejev wie auch immer die Verantwortlichen des jugoslawisch-staatlichen Filmfonds bequatschen konnte, ihm nicht nur eine Doku über Reich zu finanzieren, sondern auch noch eine Reise in die USA für On-Location-Shots an dessen letzter Wirkungsstätte (ländliches Maine, of all places), wurde flugs die Gelegenheit ergriffen, auf unbekannten Wegen Kontakt mit diversen New Yorkern Off-Culture-Weirdos herzustellen. Und die Kamera laufen zu lassen beim Sightseeing durch allerlei zwielichtige Viertel und Lebenskonzepte.

In ihrer Ratlosigkeit und Verzweiflung mögen die Apparatschiks versucht haben, Kritik am Klassenfeind herauszulesen – als Startrampe konnte halbwegs die skandalöse US-geheimdienstliche Schikaniererei Reichs dienen, und der bunte Reigen genderfluider Wirrköpfe ließ sich noch irgendwie als Schilderung kapitalistischer Dekadenzkultur interpretieren – aber dass all das noch kombiniert wurde mit einem poststalinistischen Sexualdrama, in dem ein leninesk benannter Eiskunstläufer Köpfe rollen lässt, war dann doch zuviel. Aufführungsverbot und Ausweisung aus der Sozialistischen Föderativen Republik.

Angesichts dieses Wirrwarrs würden Termiten Köpfe schütteln, ginge ihnen das nicht alles sowieso am kollektiven Arsch vorbei. Sexualität? Da kümmert sich die Königin drum, man hat anderes zu tun. Individualität? Führt zu nichts als Scherereien. Politik? Die Systemfrage wurde vor 200 Millionen Jahren gelöst. Geheimnisvolle Lebensenergie? Das, was man fressen kann.

Da wir jedoch ein paar Beinchen weniger haben, ist das alles hochinteressant für uns. Also richten wir uns gemütlich ein in unserer trägen und komplizierten Biologie und beschäftigen das überdimensionierte Oberstübchen mit einer neuen Runde ungeahnter Fragen, auf die es keine Antwort geben wird.

See you!
F&J&A

* eines der bizarreren Beispiele ist ein Musikstück samt Video, inspiriert durch die Memoiren von Reichs Sohn Peter, welches durch die notorische Kifferei der Fr. Bush nur notdürftig gerechtfertigt erscheint.


 

Mi, 05.05.2021poster

Liebes Cineastenchapter,
nach unserer aufwühlenden Reise durch das biologisch-/psychologisch-/politologische Zelluloid-Unterholz der Herren Makavejev und Reich (W R: Mysteries of the Organism) ist womöglich ein gewisser Appetit auf weitere alternative Lebensentwürfe geweckt geworden. Steht euch der Sinn nach etwas handfesterem als postkommunistischem Ringelpiez mit Anfassen? Ja? Nein? Vielleicht? Gibt es da auch gute Musik? Wird es feucht und heiß unnerum, auch wenn der Film diesmal von Herrn Ritter kuratiert wird?

Let's find out und tauschen wir einfach den Lehr- gegen einen Feuerstuhl, das sozialistisch-dauerrallige Jungmenschengehirn gegen eine von Suff, Benzin und LSD berauschtes ebensolches und versuchen, die bange Frage zu beantworten: ist es nicht im Grunde ausreichend, eine kraftvolle Maschine zwischen den Beinen, allerlei Substanzen im Blut und den Satan im Herzen zu haben, um das erfüllte Leben einer freien Gemeinschaft Gleichgesinnter führen zu können? Die Antwort könnte ein aufheulender Motor, ein donnernder Rülpser, ein verblödetes Acid-Grinsen liefern - oder eben ein Film, der "Das alles und noch viel mehr" (R. Reiser) in knappe 98 Minuten kompaktet.*

STONE
Australien 1974
R.: Sandy Har(d)butt

Klar, dass ein eloquent durchgeführter, stabiler Gegengesellschaftsentwurf Neider und Krisengewinnler auf den schlecht erinnerten Plan ruft. Motorsport-Enthusiasten für sinistere Zwecke missbrauchen, das hat was. Vom Motorradfahrer zum Mordradkümmerling via Sniper-Wumme, von 80 Sachen auf Null entschleunigen, steht auf dem Fahrplan eines undurchsichtige Politkomplotts. Eigentlich schon reichlich unerfreulich für die aufrechten Motorsalonsatanisten von Haarhausen an der Zottelbartstraße.

Dergleichen kann durchaus mal einen unangepassten Bullen, der sich auch seiner Frisur ein wenig schämen könnte, auf den Plan rufen: rücksichtslos auf dem zarten Pflänzchen des selbstbestimmten Mobilitäts-und Konsum-Utopias herumtrampeln und harmlos vor sich hin trippende, motorisierte Zweiradfahrer von wunderlicher Aufmachung und querem Wuchs einfach so aus der Landschaft befördern, da wird es sogar dem mit sämtlichen Out- und Inback-Wassern gewaschenen Polizisten STONE zu bunt. Der schon quo Namensgebung nicht grade auf der Seidenseite der Empathie-Stulle gebutterte Vokuhila-Cop wird ins Zweirad-Rennen auf Leben und Tod geschickt, sich eifrig mit den Biker-Boys (und der ein oder anderen dazugehörigen Accessoire-Dame) fraternisierend und dem Treiben der undurchsichtigen Politmörderbande mit allen ihm zur Verfügung stehenden, mäßig bis gar nicht legalen Mitteln, ein Ende zu setzen suchend. Packen wir noch Hughes "Toecutter/Immortan Joe" Keays-Byrne an seine Seite, schon feuert der Mad Max Vorläufer auf allen Zylindern.

STONE ("Sie nannten ihn Stone"), zeitweise übrigens quatschig beworben als "Nachfolger" von Mad Max ("After "Mad Max" comes Stone" heißt es auf einer VHS Kassettenhülle, kaum möglich, da der Film glatte 5 Jahre früher gedreht wurde und Herrn Miller überhaupt erst zu seinem Meisterwerk inspirierte), ist ein fetziger Australien-very-low-Budget Klopper, einer der erfolgreichsten Filme, den dieses an kruden Überraschungen nicht arme Filmland in den siebzigern zustande gebracht hat und der unter Bikerfreunden einen hervorragenden Ruf genießt, was immer das für uns Sofasurfer im Moment bedeuten mag...

Mit tatkräftiger Unterstützung diverser "Chapters" der haarigen Australischen Bikergemeinde und einer schon fast unübersichtlichen Menge hübscher motorbetriebener Penisersatzfahrzeuge schusselt sich Regisseur Sandy (der es sich nicht nehmen lies, als "The Undertaker" höchstselbst durch die motorisierte Fetthaarhölle der schlecht gekleidetsten Menschen des Kontinentes zu taumeln) durch sämtliche Tropen des klassischen Biker- und Stonerfilms, lässt nix aus, treibt unser Gehör mit zeitgenössischer Acidrock-Krachmusik der 70er an die Grenzen und die todesverachtenden Stuntleute deutlich darüber hinaus. Hier wird so mancher Stunt "...halt mal eben so..." von den mutmaßlich dauer-druffen Motorradfahrern ab- und durchgezogen, für den heutzutage allein die Versicherungskosten mehr als das Doppelte des kargen 1974er-Budgets verschlungen hätten.

Ein umtriebiger, überbordender, auf seine verstrahlt-versoffene Weise bizarr-realistischer Australia-Exploitation-Kracher, als antithetischer Kommentar zu den retro-sozialistisch-erotizistischen Schrullen unseres letztwöchigen Filmes mit massig Alk und chemischem Blödsinn zu genießen!
Die Modellentwürfe für gemeinschaftliches irgendwie-sich-einen-Planeten-teilen-müssen liegen für Euch, werte Zuschauerschaft, b(e)reit. Ihr süßt nur noch zugreifen bzw. zusehen.

19:00 Mofaführerschein
20:00 Feldweg zur Hölle
See you!

J&F
*Der Film lief im Kino in einer etwa 132 Minuten langen Fassung, die, scheints,  Herrn Harbutt selbst ein wenig anödete. Wir gutieren den "Directors Cut", der seit 1985 kursiert und den Segen des Regisseurs hat.




 

Mi, 12.05.2021poster

Morgen Kinder wird was geben,
und zwar einmal mehr einen Lieblingsgeheimtipp aus dem Fundus eines Lieblingsstammgasts, caramba.

Herr Thiele, übernehmen Sie!

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Ich könnte jetzt ein bisschen über den Regiesseur Ted Kotcheff schreiben, darüber das seine Filme nach Rambo nicht mehr so rund und schön waren, das Kotcheff sich offenbar für Action- die auch immer Männer-filme (eigentlich Filme über Männlichkeit und Männerbilder) interessiert hat, aber das könnt ihr viel besser im Internet nachschlagen. Auch müsste ich jetzt, da ich die Gleichung Actionfilm = Film über Männerbilder aufgemacht habe, ausholen und über Kathryn Bigelow schreiben. Oder ich mache schnell eine weitere Gleichung auf. Eine über Tanzfilme die immer, auch wenn sie noch so scheiße sind, Filme über den (sozialen) Aufstieg sind. (Also Tanzfilm = Film über Aufstieg) Aber ich will ja nicht abschweifen und über

WAKE IN FRIGHT von 1971

schreiben.

Da wir in der letzten Woche schon einges an Motorengeheul erlebt haben, wird es stiller und heulen tun diesmal andere. Wie schrieb ein besserer Autor als ich vor zwei Wochen so schön: "der Mensch macht es gern noch komplizierter, als er selbst schon ist." 

Wake in Fright, den Film den wir am Mittwoch sehen, spielt in Australien, besser im Outback. Es geht also in den Sand und scheinbar mag ich Filme mit Sand, den auch Deadlock gehört ja zu meinen heimlichen Lieblingen. Sowieso ist Deadlock in vielen Punkten diesem Film nicht unähnlich. Damit meine ich nicht nur die Mischung aus Hitze, Sand und zu viele Männer in zu dreckigen Klamotten. Den auch Roland Klick guckt sich gern den Mann an. Wir haben das auch schon vor einigen Wochen im schönen Film Supermarkt erlebt. Aber zurück zu Wake in Fright. Offensichtlich führt diese Mischung aus Hitze und zu vielen Männern zu Filmen, in denen Männlichkeit verhandelt und gedeutet wird. Also "Wo Männer noch Männer sind", nebenbei bemerkt auch ein sehr schöner Film der im Original den hübschen Titel "Pardners" trägt und uns auch in eine Welt des Sandes führt. Aber sehr 50er Jahre lustig, schließlich spielen Jerry Lewis und Dean Martin die Hauptrollen..... ZURÜCK ZUM THEMA.....

Wir tauchen wir also ein in eine Welt der Männer, eine Welt in der Mann sich die Zeit mit Spielen und dem trinken von Alkohol vertreibt, und beim mixen von zuviel Testosteron, Alkohol und Langeweile explosives bastelt.

Wir können ja in unserer (hauptsächlich aus Männern bestehenden) Trash Movie Gruppe nachher darüber reden. (^_^)




 

Mi, 19.05.2021poster

Liebe Kulturbeflissenen,

nachdem wir uns in den letzten Wochen ein wenig im Jahres des Herrn 1971 verheddert haben, läge nichts näher, als die Serie mit dem 50jährigen Jubiläum einer weiteren Produktion fortzuspinnen. Der Griff ging schon in Richtung eines belgischen Vampirfilms (mit generösen Schmuddeleinlagen, versteht sich)*, als eine kurze Sichtung ein Quentchen zu viel Schwermut andeutet und nach letzter Woche braucht’s vllt. doch etwas Aufmunterndes.

Daher fällt auch ein ebenfalls erwogener blutiger Kirmesausflug ins Jahr 1973 durchs Raster, obwohl dieser mit mannigfaltiger menschlicher Niedertracht für programmatische Kontinuität gesorgt hätte.

Ein italienisch-nordkoreanischer (!) Actionfilm aus dem Jahre 88 hätte, ja hätte, hinreichenden Eskapismus bieten können, erweist sich jedoch als ebenso langatmig wie beklemmend, und muss als Feldstudie verschoben werden, bis wir dereinst mal wieder Filmstudentchen am Schlafittchen haben.

In Momenten großer Ratlosigkeit sollte man sich erinnern, dass es Menschen gibt, die von keinerlei Selbstzweifeln beirrt einfach mal was raushauen: Menahem Golan und Yoram Globus zum Beispiel. Also nehmen wir uns ein Beispiel, fackeln nicht länger und präsentieren eine weitere Produktion der couragierten Cousins, und zwar schon wieder einen Barbarenfilm!

Kann man zu viele Barbarenfilme sehen? Nein, allein schon wegen der sympathischen Grundprämisse, dass diese auch ein Publikum nicht abhängen, das etwas langsamer im Kopf ist. Dies beginnt im vorliegenden Fall mit dem dankenswert eindeutigen Titel THE BARBARIANS und setzt sich u.a. fort durch ein assistierendes Voice-Over, welches eine Handlung erklärt, die auf einem Bierdeckel reichlich Raum ließe für wichtigeres. Für dieses filmische Äquivalent von „Einfacher Sprache“ zeichnet Ruggero Deodato verantwortlich, der in der TMN bereits mit ATLANTIS INFERNO und CANNIBAL HOLOCAUST seine inszenatorische Sensibilität unter Beweis stellte und sich hier eine kunterbunte Verschnaufpause vor dem nächsten Schlitzerfilm gönnte.

Ebenfalls umsichtig: Damit die Zuschauenden Zeit haben, sich das hauptdarstellende Gesicht zu merken, gibt es dieses gleich zwei Mal – in Form der Zwillinge Peter Paul und David Paul. Klingt irgendwie nach vier Personen, sind aber nur zwei, die aber so breit sind wie vier. Da es hier schon bedenklich kompliziert wird für das durchschnittliche Barbarenfilmpublikum, und weitere Informationen verwirren könnten (etwa, dass Deodato eine Nebenrolle im komplett nutzlosen MACHO MAN 2 absolvierte), beschränken wir uns auf ein herzliches...

See you!
F&J&A

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* es gibt sogar zwei belgische Vampirfilme aus dem Jahre 71, so dass Euch irgendwann ein Double Feature mit ausgesprochen morbider Erotik blühen könnte. Hehehe.



 

Mi, 26.05.2021poster

Liebe Gemeinde,
nicht am Mittwoch, sondern schon heute, am 24. Mai, jährt sich ein Ereignis, das bereits als geradezu historisch angesehen werden kann – die erste Trashnite-Vorläuferveranstaltung! Diese gilt als solche, weil wir sie kurzerhand dazu erklärt haben, und zwar aus guten Gründen, die nachzulesen empfohlen sei:

https://www.trashmovie.com/pages/playlist/1991.html

Es sind also nun unglaublicher- und staunenswerterweise schon 30 Jahre, die im Dunstkreis der HfG – zumindest aber in Offenbach – von uns Unglaubliches und Staunenswertes serviert wird. Hätte man uns das damals prophezeit, an jenem denkwürdigen und bedenklichen Abend, oder auch „erst“ ab der offiziellen Betitelung als Trash Movie Night spätestens anno 95 (als das von Julian erschaffene TMN-Logo eingeführt wurde), wir hätten's nicht geglaubt oder nervös gekichert angesichts der sich daraus ergebenden Verpflichtung, die kommenden Jahrzehnte immer wieder neuen Schund auszugraben und auszuhalten. Eine kleine Stoner-Paranoia hätt's einem wohl sicher eingebracht.

Eine angemessene Jubiläumsveranstaltung würde eine echte Herausforderung darstellen und lässt sich im Onlineformat schlicht nicht unterbringen – hätten wir etwa Pappen per Post versenden sollen? Dieser Kelch geht also an Euch vorüber, gottseidank oder leider, je nach persönlicher Neigung.

Da aber ein Ende der TMN weder geplant noch absehbar ist, sich das eine oder andere noch jähren wird und sich sowieso Anlässe finden lassen (aktuell 270 Veranstaltungen, 471 Filme and counting), blüht Euch möglicherweise – sobald es wieder geht – das eine oder andere Sonderformat, bei dem es dann allerhand nachzuholen gilt.

Nun aber zum Mittwoch: DIE TODESHAND DES GELBEN ADLERS hätten wir schon ganz gerne gezeigt, waren dann aber zu geizig, um in eine Disc mit deutscher Synchro zu investieren. Ersatzweise muss Barry Prima ran, der uns schon vor Jahren mit seinem 81er THE WARRIOR in die bizarre Welt Indonesischer Mystik-Action einführte. Im WARRIOR lag der Fokus noch auf postkolonialistischem Empowerment (= „Holländer“-Bashing mittels Magie), auf solch komplizierte Messages wird in THE DEVILS SWORD kurzum verzichtet, um mehr Raum zu lassen für … so ziemlich alles andere.

What the film lacks in pacing consistency it makes up for in psychedelic intensity, a facet that extends to its surrealistic sex scenes including... (usw.)

Aufmerksame Zuschauerinnen, Zuschauer, Zuschaux und Zuschaudernde werden interessante Querverbindungen zu allerlei Filmen der letzten Zeit entdecken – der Wahnsinn ist doch eine verblüffend universelle Sprache.

In diesem Sinne – see you!

F&J&A




 

Mi, 03.06.2021poster

"Erst wenn der letzte Köttbolar hinter schwedischen Gardinen verschwunden ist und das letzte Schwedenkraut geraucht, werdet ihr feststellen, dass man diese wässerigen Hotdogs im Ikea nicht essen kann".

Und dann ist es Zeit, diese deprimierend vor sich hin zerfallende Welt zu verlassen, um sein Glück woanders zu finden, sagen wir: auf dem Mars. Schnell ist ein Raumschiff mit Siedlern vollgestopft und los geht die Reise. Jedoch:

Wie so oft hat Mensch die "Bill" ohne den "Värt" gemacht und "det stolta rymdskeppet" kommt schneller vom Kurs ab, als man "Was um der Liebe Einsteins Willen soll denn ein 'Äppelkaka' sein und wie vermeidet man sowas?" sagen kann. Los geht die kosmische Odyssee des quengeligen Schwedenhaufens, einem nur bei sehr großzügiger Betrachtung "ungewissen" Schicksal entgegen. Dabei hat die Crew und die glücklose Siedlergemeinschaft sattsam Zeit, über absolut Alles und Jeden ein fein Liedelein zu schmettern.

Aniara
Schweden 1961
R.: Arne Arnbom

...die mir einzige bekannte (Fernseh-)Film-Weltraumoper, die Ihren Namen wirklich verdient und fast schon den Soll übererfüllt: ist das noch Trash (höre ich es hier und da herum maulen)?
Nein, das ist SPART…
äh TRASHMOVIE HARDCORE, ein beim letzten Vorglühen endgültig aus der Taufe gehobenes (oder als Kind mit dem Bade direkt in die Lava geschüttetes) neues Spezialformat, in welchem wir versuchen, Euch ab und zu mal Kost vorzusetzen, die man sich wirklich nur als hartgesottenster*in TMN-PROFI-MENSCH reinzieht. Und Ihr seid diese unzerrüttbaren Wesen, liebe TMN Gang! Geht mit uns durch das Feuer der (Schluck) verschrobenen Hochkulturentgleisung des Schwedenjahres 1961!

Ersonnen hat diese kosmische Trübsinnigkeit der schwedische Dichter Harry Martinson. Satte 4 Jahre brauchte er, um sein 103 canti (Gesänge) schwere Weltraum-Meditation über alles, was so schief gehen kann, wenn man mal ganz weit draußen falsch abgebogen ist, zu Papier zu bringen.

1959 vertonte Karl-Birger Blomdahl den Stoff und brachte seine Oper, die mit Fug und Recht "Space Opera" genannt werden kann, unter anderem sogar in Darmstadt, Hessen, (Erde) zur Aufführung.

Menschheit: Im Arsch?

Für die 1961 Fernsehverfilmung, die wir uns heute Abend in bedrückendem 4/3 und hoffnungslosem Schwarz/Weiß zu Gemüte führen werden, steuerte er ebenfalls die Musik bei.

Irgendwie zündete der Stoff und führt seitdem ein interessantes Eigenleben, das bis zu einer (allerdings gesanglosen) Hightech-Neuverfilmung im Jahr 2018 führte (näheres auf Wikipedia).

Wir zeigen Euch natürlich, um die Fallhöhe noch weiter zu forcieren, auch den Trailer zu dieser aufwändigen Neuproduktion - VOR dem Abstieg in die TV-Sauna der farblosen 60ger - nichts zu danken :-)

Und weil wir schon mal beim Thema Vorfilm und Hardcore sind, packen wir sogar noch den thematisch irgendwie nur durch die Erwähnung des Wortes "Schweden" schräg um die Ecke dazu-asoziierten Arthouse-Schocker "Schwedinnen wischen feucht" von TMN Veteran C.Frisch ins Programm, der mit stattlichen 45 Sekunden (bei einem Entstehungszeitraum von "1996-1999") eigentlich alle Fragen wegwischen bzw. beseitigen sollte und ein formidables Einstiegserlebnis in diesen unseren ersten (und womöglich auch letzten) Opernfilm in der Geschichte der Trashmovienight bietet.

Weil das facking kurz und nun auch schon alles egal ist, zeigen wir DAVOR auch noch den Videoclip "Ett Fönster" der leidlich unopernhaften Band "TODESMAGNET" aus gleicher Bilderschmiede, weil: Musik und Schweden und wasweißich, Gründe eben.

Für die eigene Seelenrettung ist diesmal jeder selbst verantwortlich, wir empfehlen: ALLES, nur STARK GENUG sollte es sein.

"The well-known American science fiction writer, Theodore Sturgeon, in reviewing a 1964 American edition for a genre audience, stated that "Martinson's achievement here is an inexpressible, immeasurable sadness. [It] [t]ranscends panic and terror and even despair [and] leaves you in the quiet immensities, with the feeling that you have spent time, and have been permanently tinted, by and with an impersonal larger-than-God force."

19:00 Ikea Bauanleitung, Vorfreude, Schwedentrunk.
20:00 Teile fehlen, Schwermut, saufen um zu vergessen.



 

Mi, 10.06.2021poster

Liebe Gemeinde,
versammelt euch nun mit uns um diese brennende Benzinpfütze und höret die traurige Ballade eines gebeutelt(ier)ten Regisseurs, der Australiens größten Science Fiction Film der achtziger unverschuldet im Outback versenkte und mit diesem, seinem ersten und letzten Spielfilm, so vollständig und restlos baden ging, wie man im australischem Hinterland eigentlich ohne eine, sagen wir, Alp-Traumzeit große Bierdose (5000 Liter?) gar nicht baden gehen kann.

The Time Guardian
Australien 1987
R.: Brian Hannant

Oder stopp, lest einfach diesen famosen, ausführlichen Artikel, der die ganze traurige Saga von zwei Idealisten, die auszogen, eine bescheidenen SF-Lovestory zu verfilmen und in den Wirren einer überambitionierten und gleichzeitig irgendwo im Niemandsland zwischen Gier, Doofheit, Selbstüberschätzung, Inkompetenz und Knauserigkeit mäandernden Filmindustrie-Realität der 80er Aussi-Jahre, restlos zermalmt wurden, in rührender Schreibe mit hübschen Bildern eindrucksvoll und detailliert erzählt.

Noch besser: Lest den Artikel erst NACH Betrachtung des Films, sonst quält einen ein was-hätte-das-nicht-feines-werden-können-Gefühl und bringt uns um das rohe Vergnügen, frisch und unbedarft dieses im Lasergewitter von beknackten, Dr-Who-artigen Mensch/Maschinenroboterwesen, zeitreisenden Städten (hustXANADUhust), jeder Menge billiger Terminator-Plagiate, hübschen jungen Australierinnen in Tümpeln, famos explodierenden Tankstellen (ohne Benzinverschwendung geht’s einfach nicht in Australien) spektakulär implodierende SF-Trash-Känguru-Köttelchen, in seiner vollen Pracht beim Scheitern genießen zu dürfen. Denn eins muss man dem bedauernswerten Herren Bennet lassen: der Co-Autor von Mad Max: Road Warrior geht mit einer verzweifelten Energie ans Werk, die beste verschrobene Aussi-Action-weirdness, wie wir sie schon das eine oder andere mal goutieren durften, garantiert.

Kaum mit von der Partie: eine kaum vorhandenen Prinzessin „Schneeia Organa“ (Carrie Fischer) und Herr Dean „Blue Velvet“ Stockwell, der irgendwie auch nix zu tun hat.

Außerdem bemerkenswert: diesmal werden unsere friedlichen Beuteltierfreunde in Ruhe gelassen. Ebenfalls garantiert.

„With a script ‘in progress’ and a thirteen-week shoot cut down to nine, Hannant was trapped in an increasingly nightmarish situation… as Ginnane made his usual presence felt with pages of the script being dropped during filming. The director was faced with fifteen set-ups per day which led to numerous night shoots and a final sequence which was apparently never shot.

‘It was like watching the Titanic going down’, said Hannant.“

J&F&A



 

Mi, 16.06.2021poster

Hochverehrtes Publikum,

wenn ein Ehepaar es sich in farbenfrohen Synthetik-Schlafanzügen und seinem hypermodernen Wohnzimmer gemütlich macht um bei CLOCKWORK ORANGE zu entspannen, der Fernsehabend aber leider unerfreulicher verläuft als das, was auf der Mattscheibe zu sehen ist, dann sind wir wohl gelandet in

UNA GOTA DE SANGRE PARA MORIR AMANDO
aka
TO LOVE, PERHAPS TO DIE
aka
MURDER IN A BLUE WORLD
aka
CLOCKWORK TERROR

Angesichts dieses – sagen wir: ungewöhnlichen – Werks muss sich selbst Wikipedia kurz sortieren und die Kategorie Spanish-French science fiction crime horror film einführen. Zu verdanken haben wir dieses ambitionierte Vorhaben Eloy de la Iglesia, der es (ungeachtet seines kaum zu überbietenden Provo-Profils als schwuler sozialistischer Baske) ausgerechnet im spätfranquistischen Spanien anno `73 schaffte, ein ganzes Œuvre von Filmen zu produzieren, für die das Prädikat „gesellschaftskritisch“ monumental untertrieben wäre. Auf Krawall gebürstet war Iglesia allemal: Den ollen Kubrik nur zwei Jahre nach CLOCKWORK zur historischen TV-Unterhaltung zu degradieren und en passant die Darstellerin aus dessen LOLITA in einen mental instabilen Todesengel umzuwidmen, das zeugt von Cochones.

Bereits bei diesen ersten dürren Informationen schlug unsere Weirdness-Wünschelrute aus, um nicht mehr zur Ruhe zu kommen: Drehbuch von José Luis „La Cabina“ Garci (siehe TMN Kindertrauma Special), vor der Kamera Chris Mitchum (der nichtsnutzige Sohn des sympathischen Stoners Robert, der hier möglicherweise aus reinem Zufall ein Engagement mit Anspruch absolvierte, bevor er sich vermittels asiatischem Söldner-Schrott à la H-BOMBE in unser Herz stümperte), als Arthouse-Querschläger Jean „Belle de Jour“ Sorel, sowie Irrungen und Wirrungen, die im europäischen Kino sonst bestenfalls italienische Giallos zustande brachten. Für cinephile Checklistenfetischisten gibt es die vermutlich erste Darstellung einer Gay Bar im spanischen Kino abzuhaken. Angeblich hat dieses obskure Nischenprodukt Paul Verhoeven beeinflusst, was plausibel wäre, wenn er es denn gesehen haben mag – denn: wer könnte unbeeinflusst bleiben?

Wer jetzt noch nicht überzeugt ist und sexuell deviante Krankenschwestern, fadenscheinige Psychologisiererei, Drag Kings ohne Bartstoppeln (aber mit Lippenstift), psychedelische Innenarchitektur und so manch ultrabrutales einfordert, bekommt auch das zugesichert und ist am Mittwoch bei uns richtig. Trashnite halt!

See you

F&J&A



 

Mi, 23.06.2021poster

... uuuuuuuuund weiter gehts:

Das Auge
Regie: Claude Miller
F. 1983

Liebe Gemeinde:
Wir schreiben das Jahr 1983. Der französische „Anspruchsfilm“ in steht voll im Cineastensaft. Mittelalte weiße Meisterregisseure, die blutjunge Schauspielerinnen durch verquere Pubertäts- und Mordfantasien hetzen, immer ein zerknautschtes Alter-Ego in Form eines zähen, zynischen Lebemannbullens der alten Schule an die Seite gestellt, bestimmen den Ton in der Arthouse-Kinos. Die Devise lautete: wenn es aus Frankreich kommt, muss es eine Schippe besser sein als, naja, alles Andere. Und obzwar diese naive Faustregel in den achtziger noch einigermaßen greift, ist hier schon das unangenehm versnobt-verquastete Filmverständnis in die Jahre gekommener Studenten*innen zu erkennen, die einen soliden, ehrlichen Trashfilm nicht mal mit dem ausgesessenen Hinterteil angucken würden (und uns dann endlose Reigen todlangweiliger „Der gute Film Open Air Festivals“ bescherten, die in ihrer risikounfreudige Gutgemeintheit bis zum heutigen Tag die Wiesen und Felder in und um unsere Metropolen verschandeln). No Risk, no respekt, no fun. Die Trashmovienightmacher lehnen dankend ab. Sorry, Brettschneider und Co ;-)

Lino Ventura, auf dem Höhepunkt seines überskeptisch-bulldoggigen Shticks, verhört in Monsieur Claude Millers intensivem Kammerspiel „Das Verhör“ von 1981 Michel Serrault, der, direkt von seinem Erfolg „Ein Käfig voller Narren“ resp. „Noch ein Käfig voller Narren“ kommend, einen Industriellen spielt, der des Mordes an zwei Mädchen überführt werden soll. Es mag ironisch anmuten, dass Miller mit Sereault nur zwei Jahr Später einen Thriller vorlegt, in welchem Serrault einen Detektiven spielt, der die Morde einer (bzw. zweier) junger Frauen aufklären soll und, zunächst nur beobachtend, dann in recht fragwürdiger Manie aktiv in das Geschehen eingreifend, in ein ziemliches Schlamassel gerät. Seine Odyssee führt ihn auf den Spuren der schwarzen Witwe Isabelle Adjani und auf der Flucht vor den finsteren Schatten seiner eigenen tragischen Vergangenheit quer durch Europa, einmal mit Karacho in die eigene depressive Obsessionswelt und dann geradewegs in Richtung Hölle. Was zum Geier soll das denn nun wieder mit „Trashfilm“ zu tun haben, hören wir die Profi-Skeptiker unseres elitären Cineastenzerstörungszirkels rufen.

Nun, zunächst einmal hat Herr Claude Miller nichts, aber auch gar nichts mit Herrn Ritters heimlichen Regisseur-Crush George „Mad Max“ Miller gemein. Das hört sich vielleicht argumentativ nicht besonders logisch an, ist aber keineswegs selbstverständlich. Der Autor dieser Zeilen will nur darauf hinweisen, dass in jedem ernstzunehmenden Film ein kleines bisschen MILLER nicht schaden kann.

Vielmehr handelt es sich bei „Das Auge“ um einen der erklärten Lieblingsfilme der 2-Personen-Trashmovienite-Vorläufer-Crew C. Nogay und J. Ritter. In den undurchsichtigen und sehr schlecht erinnerten neunziger Jahren trafen sich die beiden Filmstudenten oft im spartanisch eingerichteten WG Zimmer Nogays, um auf einer am Boden liegenden Matratze und umringt von diversen bis zum bersten mit dubiosen VHS Kassetten gefüllten Regalen wunderliche Irr- und Wirrläufer der Filmgeschichte zu goutieren. Oft traf man sich auch in der HFG, wo ein auf Rollen befestigter „Medienschrank“, bestehend aus VHS Recordern und Fernsehgerät, gerne mal in unabgeschlossenen Räumen und manchmal sogar einfach auf den Schulgängen herumstand, der dann einfach in den nächstbesten Stromkreis eingestöpselt und unter den mitunter sehr skeptischen Blicken der Mitstudent*innen in Betrieb genommen wurde. Bald war das gemeinsame Schauen von eher abseitigem Filmgut in der HfG eine liebe Gewohnheit und andere Freunde des Schräglage-Kinos (E. Corsano) gesellten sich hinzu, wenn – damals komplett ohne Plakate oder sonstigen modischen Firlefanz – einfach irgendwo eine der raren, gehütet und gepflegten Trashperlen durch die leeren Uni-Gänge schallte und flackerte. So oder so ähnlich jedenfalls. Über diese Phase der prä-TMN soll an anderer Stelle noch detaillierter berichtet werden, wenn Herr Ritter mal wieder die Gelegenheit bekommt, das mit Sicherheit nicht so arg vernachlässigte Gedächtniszentrum des Herren Nogay anzuzapfen, um das ein oder andere verschüttete Erinnerungsfragment zu revitalisieren.

Das Auge jedenfalls bietet eine famos aufgelegten Schauschpieler*innen Truppe, rasante, geschliffene und ungemein witzige Dialogmomente, eine Top Kamera und jede Menge 80er-noir-flair, einen erfreulich hohen Bodycount und eine grundsolide fatalistische Gesamthaltung, die die heitere Seite von Psychose, Obsession, Mord und Totschlag mit fragwürdigen Folgen für alle Beteiligten, aufs vorzüglichste zur Geltung bringt. Wir zeigen den Film in deutscher Synchronfassung, weil er nebenbei eines der raren Beispiele für eine rundum gelungene sprachliche Übertragung eines nicht deutschsprachigen Filmes ist, der unsere Verwunderung über den Umstand befeuert, das es dem deutschen Film nicht möglich zu sein scheint, leichtfüßig-elegant-komplexe Dialoge, für die man sich nicht vor aller Welt schämen muss, hervorzubringen.

19:00 Pastis und süße Teilchen
20:00 Nicoise mit Tränendressing

See you!

J&F&A


 

Mi, 30.06.2021poster

Liebe Gemeinde,
und schon ist es wieder später Montag und ein Programm möchte ins Leben gerufen werden. Also los!

Nun ließe sich sicher in fachkundigstem Abwägen ein Film finden, der allerlei Anknüpfungspunkte an zuvor Gesehenes hat, aufs prächtigste unterhält, genau das richtige Tempo bietet und die rechte Balance zwischen allen Ansprüchen, die man berechtigterweise an uns herantragen mag. Macht aber Mühe und dauert am Ende gar bis Dienstag.

Da kommt es Zupass, dass es ein langsam, aber stetig wachsendes Reservoir an Titeln gibt, die immer mal wieder in Betracht gezogen wurden, jedoch ebenso häufig wieder kopfschüttelnd verworfen. Und zwar, weil sie zwar das eine oder andere haben, das sie für eine TMN Aufführung prädestiniert, andererseits jedoch sperriger/langatmiger/dämlicher/deprimierender/sonstwie-abseitiger sind als selbst die Ausreißer in unserem Portfolio. Schwierige Fälle also. Aber wer soll ein Herz dafür haben, wenn nicht wir?

Eröffnen wir also neben TMN HARDCORE (letzthin glanzvoll eingeführt mit schwedisch-schwarzweißer Weltraumoper) ein weiteres Subsegment und nennen es TMN ODDBALL. Als allerersten Beitrag servieren wir

BELLADONNA OF SADNESS
Japan 1973

über den hier gar nicht allzuviel gesagt sein soll, außer dass es sich um einen „nicht animierten Animationsfilm“ handelt, der für gelinde gesagt zwiespältige Reaktionen verantwortlich ist. In den Entstehungsjahren noch mit einem gewissen Wohlwollen ob der visuellen Opulenz aufgenommen (Berlinale, aber kommerziell gefloppt), wird er aus  aktueller Perspektive (anlässlich restauriertem Rerelease) teils ratlos bewundert als Meisterwerk mit emanzipatorischer Botschaft, teils glutvoll gehasst als misogyner Mist. Sicher ist nur: das Erkennungszeichen japanischer Regisseure – eine chronische Vollmeise in Bezug aufs Weibliche – ist auch hier in voller Pracht zu bewundern.

Mit „Finger weg“ würden wir es uns aber zu leicht machen, denn da gibt es noch allerlei anderes zu entdecken und eigene Meinungen zu bilden. Etwa über die Validität der Einschätzung "der Soundtrack des japanischen Rockpioniers Masahiko Sato klingt immer noch wie eine psychedelische Gehirnoperation“

See you!
F&J&A


 

Mi, 07.07.2021poster

Buddha bei die Fäuste!
 
The Boxer's Omen
R: Kuei Chih-hung
HK 1983
 
Als Boxer Chan Hungs Brudi im Rahmen eines sportlichen Kräftemessens irgendwo downtown Thailand brutal in den Ringboden gestampft wird, schwört Hung (Phillip Ko), es dem Babo Ba Bo (gespielt von Bolo Yueng) auf Hongkongdollar (港元 ) und Baht (บาท) heimzuzahlen.
Soweit, so Sportfilm.

Die Angelegenheit verkompliziert sich allerdings im Quadrat, als sich herausstellt, dass besagter Ba Bo mit sinistren satanischen Mächten im Bunde ist, die ihm den nötigen magisch-manischen Killer-Wupp und als Bonus einen Schleichweg zur Unsterblichkeit bieten.Da hilft natürlich nur "gute" Magie, und Buddha-Buddie / Mönch / Coach Elvis (Tsui) setzt alles daran, aus seinem neugewonnenen Magie-Azubi die Sorte von Buddhistisch gestählter ein-Mann und-Zig-Dämonen-Zauber-Kampfmaschine zu machen, die dem finsteren Treiben der Bad Babos endgültig ein Ende zu setzen imstande ist.

Auch in Team Buddah ist jeder scharf auf Unsterblichkeit, was zunächst irgendwie naheliegend erscheint, bei all dem ultra-brutal-psychedelischen Durcheinander, welches das Dasein als dauergestresster Magier-Boxer-Killer-wasweissich-Mönch so tagein, tagaus mit sich bringt, dann aber doch einiges an Attraktivität einbüßt. Merke: Entscheidungen von Tragweite besser bei einem entspannenden Thai Stick überdenken, bevor man sich überambitioniert und unterinformiert in magische Box-Schlamassel stürzt.

Und was abseitig-grellbunte Hardcoreaction und höchst fragwürdige, explizite Darstellungen unappetitlicher Wandlungen von Mensch zu Tier zu Tot zu Dämon und querwärts wieder zurück ins glibberige Dasein angeht, liefert Kuei Chih-hung kompromisslos, korrekt, krass und konkret. Triggerwarnungen können wir uns eigentlich nahezu schenken - der Film ist ein einziger (Cosmic) Trigger! Aalgekotze, Augenpiercing, magisch-misogyner Mischmasch, trippige Viecher, trippigere Optik.

Keine Bremse an der Rikscha ins Delirium.

Warum wir diesen 1983er Schundfuzius-Streifen aus dem eigentlich eher auf Ballet-Fu und Wire-Dresche spezialisierten Shawn Brothers Studios, der als einer der Wegbereiter der ein paar Jahre später in Hongkong eingeführten Kategorie 3 Klassifizierung (Gucken erst ab 18, keine Ausnahme, Freibrief für abseitigsten Stuss und Scheiß) betrachtet werden kann, bisher noch nicht auf dem Radar hatten, ist so rätselhaft wie verständlich, bedenkt man die mysteriös/mystisch-biochemikalischen Begleiterscheinungen, die den Blick des gestählten Trashmovienight-Veteran-Menschen mitunter etwas ziellos ins Hedonistisch-Unaufmerksame verlagern. Aber Torschuss in der Verlängerung hat noch immer gezählt, und Buddha hasst Klugscheißer, deshalb:
Thai-Sticks aus dem Eisfach geholt und ein gepflegtes Blue Girl Bier angesteckt! Willkommen auf dem TrashWeg, der das Movienight-Ziel ist.
 
19:00 Erleuchtung / Dharma Spiegelung
20:00 Verdunkelung / Dharmatologischer Befund
 
J&F&A


 

Mi, 15.07.2021poster

Er so: Gibts am Mittwoch keine Trashmovienight?

Wir so: Nee, diesmal am DONNERSTAG

Sie so: Reichlich schpät, euerne Ahlaadung!

Ritter so: …

Er und Sie so: Was gibts denn?

Wir so: Schnecken.

Er, sie und * so: Come again, Boomer?

Wir so: Schnecken, die beißen.

Alle so: Schnecken. Die. Beißen.

Wir so: ...yep, beißen und töten.

Alle so: Wir hatten doch schon Würmer, die töten!

Wir so: Yep. Und jetzt Schnecken.

Irgendwer so: Geht was in die Luft?

Wir so: Yo.

Alle so: Na dann.

Wir so: Na dann.

Slugs, muerte viscosa
Spanien/USA 1988
R.: Juan Piquer Simón


 

Mi, 22.07.2021poster

Es ist mal wieder soweit!

Weltuntergang!

Erfreulicherweise ist dieser dank Stock-Atompilzerei schnell vorbei, so dass wir uns subito der unterhaltsamen Zeit danach widmen können. Mit allem, was eben so dazugehört: Mutanten in abgewickelten Fabrikgeländen, Herumgefahre in Kiesgruben, unbeholfen marodierenden Milizen und verschwitzen Männern, die das alles in Ordnung bzw. den Orkus bringen müssen.

Nachdem Regisseur Tonino Ricci ein Jahr zuvor einen Mann namens RUSH durch die Endzeit scheuchte, ließ setzte er 1984 noch einen drauf bzw. drunter mit A MAN CALLED RAGE, der in Deutschland als RUSH 2 vermarktet wurde, aber mit diesem nichts zu tun hat. Egal!

Zugegebenermaßen sieht die Postapokalyse dieses mal noch etwas ausgelaugter aus als bei anderen italienischen Produktionen jener Zeit  – möglicherweise können wir hier jenen Film identifizieren, der das untere Ende des damals noch eben für vertretbar gehaltenen Budgets markiert, und das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Die ausgesprochene Schäbigkeit von RAGE führte allerdings zu einem Nischenstatus im Nischengenre, einhergehend mit nur leidlicher Verfügbarkeit. Eine nicht unbeträchtliche Investition in die vergriffene DVD haben wir uns verkniffen, statt dessen gibt es einen fast nostalisch stimmenden schlimmen VHS RIP (mit norwegischen Untertiteln). Dennoch: Euer Leben könnte schlimmer sein, z.B. so wie im Film.

Things I learned about our future military uniforms from this film:
  • Epaulets are to be worn on the chest, not the shoulder.
  • All women in the military will be issued Daisy Dukes and tied-off half tees.
  • Motocross guys get to bring their own uniforms, bright colors encouraged so you’ll make a better target.
  • Ponchos can protect you from radiation.

See you!

F&J&A


 

Mi, 16.06.2021poster

Regisseur:
„Du weisst ja: Ich hab bisher nur Pornos gedreht, so richtig Kunst! Aber dann immer dieses Gemaule: Alle wollen sich nur einen von der Palme wedeln und schaffen es nicht, die Deppen! Als ob es nicht geil wäre, wenn da reichlich Dialog ist und Höhlenmenschen in Babykleidern, die mit Knochen trommeln, während ein Maus-Mann 69 mit einer Stripperin macht! Oder die Sache mit dem Riesenbleistift, der vor einem Flipchart vögelt! Du kennst ja CAFE FLESH. 1982 war das, vor sieben Jahren. Perlen vor die Säue, sag ich Dir.

Ich will die Sache jetzt anders angehen: wir lassen das Hardcorezeugs weg. Damit hat keiner mehr ne Ausrede, den Film blöd zu finden. Genial, oder? Wir landen einen Hit! Kann ich Kohle dafür bekommen?“

Finanzier:
„Ok. Aber nur, wenn CALIGARI im Titel vorkommt. Alles andere ist mir egal.“

Drehbuchautor:
„Ich hab da schon länger diese Spitzenstory liegen über eine Privatpsychiatrie, in der „Nympholepsie“ behandelt wird. Ja, ich weiss… von mir aus lassen wir dann eben die Bumserei diesmal weg, wir können ja statt dessen surrealistisches Zeug einbauen, um auf sagen wir 78 Minuten zu kommen. Ach so, expressionistisch soll es sein? Was war noch mal der Unterschied?“

Art Director:
„Hmmm CALIGARI … wenn die Expressionisten heute Filme machen würden, sähe es aus wie Memphis Design. Oder Miami Vice in einem schwarzen Kasperltheater. Mit Ton. Ganz sicher.“

Special Effects:
„Ich ruf an wegen den Brüsten. Also einen Meter Zwanzig lang, korrekt? Ich wollte nur sicher gehen.“

Schauspieler:
„Natürlich bin ich dabei! WIZARD OF OZ ist mein Lieblingsfilm! Ich wollte immer schon die Vogelscheuche sein. Immer, immer. Jede Menge Stroh in der Hose haben! In dem man rumwühlen kann! Bis es brennt! Das war doch so, oder?"

Schauspielerin:
„Also gut, ich zieh mich in diesem CALI-Dings aus. Von mir aus ein paar mal. Also ständig. Aber nur, weil ich in die Zukunft sehen kann und weiss, dass ich danach bis mindestens 2021 im Filmgeschäft bleiben kann. Als Stuntfrau.“

Das Internet:
„Not every movie about involuntary neurosurgery performed on cannibals by German dominatrixes seeking world domination has to be dark and brooding."

Trashnite Team:
„ODDBALL. Film ab.“

See you!
F&J&A

(gegeben ward DR. CALIGARI, in der "Fassung" von 1989 versteht sich)




 




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