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2022


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06.01.2022

Nach dem die flamboyante Megaforce-Spezialeinheit letzte Woche anschaulich demonstriert hat, wie reine Männertruppen internationaler Prägung mit spitzbübischem Lächeln auf den Lippen und kindgerechten Gadgets zwischen und unter den Popobacken, querfeldein durch wüste Wüsten und noch wüstere Plots manövrierend, für irgendwas ähnliches wie eine hoffnungsvolle Global-Utopie einzustehen imstande sind, wenden wir uns nun einem eher faschistoid-retrofuturistischem Justiz- und Regierungsmodell britischer Prägung zu.

DREDD
GB 2012
R.: Travis / Garland

Basierend auf der in England seit den Siebzigern sehr erfolgreichen Comicserie um einen gewissen Joseph „Joe“ Dredd , der in einer dystopischen, von Megacitys (gigantischen, stadtstaat-artigen Wohnblocks inmitten verstrahlt/verseuchtem und von Mutanten durchwimmelten Ödlandes) und allgemeiner Hoffnungslosigkeit dominierten, quasi-faschistischen Zukunftswelt mit allerlei Kolleg:innen mehr oder weniger für „Recht“ und „Ordnung“ sorgt, erzählt der Film die Geschichte zweier Judges, die ihren Status als als Judikative und Exekutive in Personalunion rechts schaffend nutzen, um exzessiv krawallig gegen nicht minder rabaukige Gegnerschar:innen vorzugehen.

Joseph kann Motorrad und Superpimmelwumme (die bzw. der im Comic lustiger weise „Lawgiver“ heißt und aber auch wirklich NUR von SEINEM / IHREM Judge bedient werden kann! Wo kämen wir da auch hin...), Judge Anderson kann Psi, Telepathie und sexy aufs Maul.

Nach der ersten Verfilmung des Stoffes in den 90ern mit dem zerdetschten Boxsoldaten Arnold äh Sylvester Stallionini oder so, mit der Co-Erfinder und Haupttexter der Comicserie John Wagner nicht besonders zufrieden war, schickten sich 2012 Herr Pete „Omagh“ Travis und, nachdem Pete irgendwie mit irgendwem irgendwo warumauchimmer kreativen Stress bekam und hinschmiss, Drehbuchautor Alex „The Beach“ Garland an, diesmal mit Herrn Wagner als Berater, ein adäquatere Verfilmung des Stoffes zu realisieren. (Alex holte die Faschokartoffeln scheinbar derart souverän aus dem postapokalyptischen Feuer, dass ihn Dredd-Darsteller Karl Urban in einem Interview als den eigentlichen Regisseur bezeichnete.)

Begleiten wir also den grimmen Schlagmichtot Dredd und seine bezaubernde Rookie-Richterin Schlagmichauchtotaberetwasgefühliger Anderson durch das digital aufgepeppte Kappstadt, diverse zum zerballern gut geeignete Bauruinen und gimmelige Hinterhöfe und holen wir noch ein bisschen Sylvesterfeuerwerk nach, während wir, sorgenvoll immer wieder an die real existierende Faschisierung der Weltgemeinschaft gemahnt, den beiden irgendwie nur halbherzig zujubeln können. Ein Mann wie ein Stahlpimmel, der grimmig Recht spricht und aburteilt, eine Frau, deren Empathiefähigkeit zu einer Art PSI-Telepatie-Superkraft hochgejuckelt wird, ein 200 Stockwerke hoher Wolkenkratzerstadtstaat voller Junkies, brutaler Gangster.innen und quietschebunte Slowmo-Glitzer-Drogeneffekte, was will man mehr?
(Höchstens noch mal irgendwann „The Raid“ von 2011 gucken, wo ebenfalls ein Bulle in einem Hochhaus aufräumt. Gemein geklaut haben die Briten aber nicht, Gareth Evans' Indonesisch-Walisischer Auf-die-Fresse-Streifen weist zwar große formale Ähnlichkeiten mit Dredd auf, weil sich jener aber auf zwei wesentlich ältere Comicstrips bezieht und die Produktion von Dredd schon im Jahr 2006 ihren Anfang nahm, wollen wir mal nicht so sein...)

Film 3d.
Wir nix.
Wir 2d.
Gut.
Grunz.

„Willkommen“ in 2022!

““““Willkommen“““““ in der Zukunft!

J+F+A



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13.01.2022

„Wenn das Ei gackert, legt es noch lange kein Huhn“

Diese „Indonesische Weisheit“, oberflächlich betrachtet sinnbefreit, bei näherer Untersuchung von zwingender Belanglosigkeit und nachdenklich stimmender Faktenarmut geprägt, soll hier nicht weiter in Tiefe, Quere und Breite erörtert werden.

Dennoch („dennoch“? Wtf dude? Wtaf!) möchten wir den aktuellen „Männer regeln / in der Regel / mit höchstem / Testo-Steron-Pegel“-Block um einen weiteren Film aufstocken, der das „auf-die Fresse-Kino“ in den 10nern dieses blütenfrischen Jahrtausends um einen formidablen Neuzugang bereichert hat. Außerdem schließt er nahtlos an das letztwöchige Grunz-und-Grimmigkeit-Seminar Dredd 2.0 an, nimmt es thematisch streng genommen sogar vorweg, obzwar die Diskrepanz zwischen Veröffentlichungsdatum (Dredd 2012, Raid 2011) und Produktionszeitraum (Dredd ab 2006, Raid etwas später) nur mittelbar auf eine direkte Beeinflussung oder gar Plagiatsabsichten schließen lässt.

Nun ist der Kern der Geschichte (sehr kompetente Elite-Ordnungshüter bringen Unterweltboss zur Strecke und ballern und hauen eine drastische Überzahl von Schergen in Sack und Asche) nicht gerade von Homerscher Epik und Dostojewskischer Menschenseelenkenntnis durchdrungen. Eher gemahnt die ununterbrochene Aneinanderreihung zwischenmenschlicher Gewaltexzesse und allgemeiner Grobheiten an die „Handlung“ etwa 8734 Video- und Computerspiele und ungezählte Schundromane der letzten 17.000 Dekaden. (...wie das Internet sicherlich belegen kann, sind Höhlenmalereien überliefert, die bildnerisch eben jene Szenen um NukNok und seine getreuen Jäger abbilden, die einer Bande von Säbelzahntigern welche sich in einem Mammut verschanzt haben, mit Faustkeilen und Maschinenpistolen gegen jede Chance den Gar aus machen. Google it, Gang! UggNuggh!)

THE RAID (Serbuan Maut),
a.k.a. The Raid:Redemption
Indonesien 2011
R: Gareth Evans

Da verschlägt es also einen walisischen Herren namens Gareth Evans nach Indonesien, er lernt Sitten, Gebräuche und so neue alte Schlagmichtot-Kampftechniken (Silat anyone?) kennen und denkt sich: " Toll, sieht alles irgendwie gröber und härter aus als dieses Tunt-Fu, Knochen sind hier billig und Stuntmen:women-Gewerkschaften nur eine Art westlicher Fiebertraum, da dreh ich doch rasch einen entspannenden Klopper mit Kumpel und Esia-Telekom-Fahrer bzw. Silatlehrer Iko Uwais, verhelfe ihm zu Weltruhm, dem „Plügel, Dlesche, Lote Ohlen"-Genre (siehe TMN 0.1)“ zu erneuter Aufmerksamkeit und mir selbst zu diversen Film- und TV-Serienjobs (Gangs of London) daheim in der „Zivilisation“".
(Naja, grade entnehme ich der allwissenden Müllhalde, dass The Raid auf Netflix neu aufgebrüht wird, unter Beteiligung von Herrn Evans, Michael „Robopatriotfaschist oh gesundheit“ Bay und Patrick „erfolgreicher Nichtskönner“ Hughes.
Soviel zu „Zivilisation“...

Lieber schnell das Original gucken, bevor einem mal wieder die erbarmungslose Geld-Maschine in die Suppe kotzt und man sich plötzlich sehr müde fühlt und lieber um den hiesigen Bioladen als um Mainstream-Schnickfuck kümmert...)

Klingt wieder nach einem „Typischen Jungsfilm“ (Antje M.H.), aber da unser Brain den Krawall der letzten Woche dank seines Engagements für besagtes lokales Biolädchen verpasst hat und wir unbedingt verhindern müssen, dass er zu einem weichlichen Körnermüsliezottel verkommt, gibt es jetzt quasi als glorreichen Abschluss unserer inoffiziellen Männer-Trilogie und Testosauffrischungsboostershot so viel MANN auf die Netzhaut, dass beep beep beeeeep beeeeeep eierstöcke beepbeeeeeep samenundmuskelfrbeeeep

beepveganodervaginbeepBlutblutblutbeeeeeeeeeeeeeepdrogenmixmesserblutbeeeeeeeeeep.

(im Interesse des Autoren wurden einzelne anstößige oder nicht mehr zeitgemäße Worte und Formulierungen freiwillig ausgebleeeeeeeept. Uff. Hätte schwer in die Hose gehen können, der Text. Glück gehabt! Danke, tapferer Hirnrest! Darauf ein Tütchen?)

J&F&A

19 Uhr Diskussionsrunde zur Wohnraumsituation in urbanen Niederpreisliegenschaften im asiatischen Raum unter Berücksichtigung schwacher einkommensstrukturaler und prekär motivierter illegaler Aktivitäten in und um das Objekt.

20 Uhr Verdammt! Die Bullen! Wir müssenbeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep



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20.01.2022

Hochverehrtes Publikum,

in den letzten beiden Wochen erlebten wir Personen, die hochmotiviert hoch hinaus wollten, um in irgendwelchen Oberstübchen für Ordnung zu sorgen. Katzenjammer auf allen Ebenen und aus allen Rohren war die Folge, sowie teil-digitale Kollateralschäden, die eine Kleinstadt entvölkert hätten.

Nun gehen wir die Sache anders an: Nehmen wir Menschen, die schon ganz oben angekommen sind und keinen Job zu erledigen haben. Zwar einem kleinen Mord hier und da nicht abgeneigt sind, aber naturalmente darauf bedacht, dass man unter sich bleibt. Auch sonst ist so ziemlich alles anders als zuletzt: statt in dystopische Megacities geht’s in eine analoge Villa mit Meerblick (die eher gediegen ausgebreitet als hochgestapelt ist), kein „verprügelter-Loser-mit-Hautkrankheiten-Look“ weit und breit, statt Schimmel findet sich poppige Kunst an den Wänden. Mann und Frau hat Zeit dekorativ herumzuliegen und sich auch sonst den Freuden des Lebens zu widmen: Drinks, Rauchen, Tanzen, Poussieren und natürlich: Pläne zu schmieden, wie man an eine milliardenschwere Geheimformel kommt.

It’s Giallo Time.

5 BAMBOLE PER LA LUNA D'AGOSTO
Five Dolls for an August Moon
Italien 1970

Nun gibt es jene, die FIVE DOLLS für einen eher schwachen Mario Bava halten, dies aber vor allem vor dem Hintergrund einer unflexiblen Erwartungshaltung: Blutige Seide wenige Jahre zuvor sei doch so stilprägend für das Genre gewesen: etwa das Einführen schwarzer Lederhandschuhe, die bei expliziten Morden assistieren (hier: hellgraue); der 71er Blutrausch des Satans weise kreativeres Aus-dem-Leben-Scheiden auf; und mehr solcherlei Wehklagen. Geargwohnt wurde, Hr. Bava sei jemandem einen Gefallen schuldig gewesen und habe rasch ein vermasseltes Projekt retten müssen und FIVE DOLLS daher nur ein „halber“ Bava.

Völlig außer acht gerät dabei, dass Bava selbst halb ohnmächtig Dinge zaubern konnte, die andere zu ihren Sternstunden zählen würden – etwa, innerhalb von 2 Tagen nach dem Briefing eine Crew zusammenzustellen, mit dem Dreh zu starten und dabei nicht ein Bild zu verkacken. Bavas Markenzeichen ist eben nicht sicker Signature Bodycount, sondern Klasse. Er konnte alles 10x besser aussehen lassen als in echt, aus Pappe und fürs halbe Geld. Mit seinem langjährigen Kamera-Bro Antonio Rinaldi gerät jeder Blumentopf zur  Augenweide, wobei es in FIVE DOLLS viel besseres zu zeigen gibt: Tolle Klamotten mit Edwige Fenech drin etwa.

Edwige war in desorientierend vielen Giallos zu sehen, sowie in haarsträubenden Sexkomödien (zugegebenermaßen passend zu ihrer stets phänomenal auftoupierten Mähne). Mein Verdacht wäre, dass sie mit einer Klassifizierung als Top-Hottie dieser Ära nicht hadern würde, ja vllt sogar beleidigt wäre, spräche man ihr jenes ab. Immerhin wirkte sie stets sehr fine damit, jedem, jeder und allem auf der Leinwand und im echten Leben den Kopf zu verdrehen. Diese Fähigkeit versetzte sie auch in die Lage, Quentin Tarantino zu veranlassen, sich einmal mehr als den kompletten Volltrottel zu outen, zu dem er nun mal nach Pulp verkommen ist. Im jämmerlichen Bemühen, allerlei „Tribute“ in seinen Filmen unterzubringen und „clevere Insider-Anspielungen“, mit denen er seine Fanboys bei der schmierigen Stange zu halten versucht, benannte er einen Character in seinem überflüssigen Castellari-Rippoff Basterds „Ed Fenech“. Sagenhafte Idee, Quentin! Obwohl es nicht die geringste Korrelation zwischen der ehemals französischen, aktuell italienischen und stets üppigen Edwige (oder deren maltesich-sizilianischen Wurzeln) und einem eindimensionalen englischen Offizier gab (irgendwie Old Europe halt), versuchte Quentin offenbar, ein Quäntchen Drive-by-Effekt zu generieren, indem er Ms. Fenech zu Promotion-Events einludt. Mit Schampus und Gala hatte Edwige nie ein Problem und war dabei. Damit allerdings kollabierte Quentins überzogenes Karma-Konto endgültig: die Pressefotos zeigen ihn als formlosen Creep, während Edwige eines der wenigen Wesen auf diesem Planeten zu sein scheint, das sogar nach massiven Beauty-OPs fantastico aussieht. Und deren Credibilty durch einen solchen Quatsch keinen Kratzer bekommt. Chapeau!

Es gibt natürlich noch mehr schauspielendes Personal in Five Dolls, über das auch zu berichten wäre: eine waschechte Jetset-Adlige von Fürstenberg, ein Bond Girl und natürlich auch kernige Kerle – es muss schließlich ein Plot absolviert werden, dessen Agatha-Christie-Archetyp wohl kaum noch als „10 Little Indians“ bezeichnet werden sollte, auch wenn „One Indian, One Chinese, One North-African, One Southeast-Asian, One Inuit, One Indegenious Australian, One Sub-Saharan-African, One Caucasian, One Japanese, One Native American“ etwas sperrig scheint und für die Südamerikaner kein Slot mehr frei wäre.

Unbedingt erwähnt werden sollte noch der Soundtrack, für den Piero Umiliani verantwortlich zeichnete. Ein ganz kleines bisschen fragt man sich schon, ob Zeit war ihm das Drehbuch zukommen zu lassen, oder falls nicht, doch zumindest ein kurzes Telefonat ihn in Kenntnis hätte setzen können, dass gar nicht so wenig gestorben werden würde zu seinem Score. Vielleicht hat man auch, und sowohl seine wie auch Bavas Entscheidung war in ihrer Radikalität volle Absicht: selten sah man Unheil sich so beschwingt vertont entfalten.

Jedoch: Dass hier kein Unfall vorliegt, sondern Umiliani es einfach faustdick hinter den Ohren hatte, scheint plausibel, hört man die Vocal Version des Themes (die in einem giallo-würdigen Twist ausgerechnet nicht im Film zu hören ist): ist doch da völlig unerwartet einer der tückischsten Ohrwürmer der Musikgeschichte eingeschmuggelt: Viva la Sauna Sverige. Wer glaubt, diesen Titel nicht zu kennen, liegt voll daneben: In FIVE DOLLS funkelt eine Variante von Mah-Nà Mah-Nà auf, welches von Umiliani für den Mondo-Film Schweden – Hölle oder Paradies? komponiert und erst später unter seinem notorischen Titel zum popkulturellen Wiedergänger wurde. All das ist rätselhaft und womöglich so tiefgründig wie auch der Titel unseres Films. Wer ein neues Hobby sucht, kann sich am Entschlüsseln der Zusammenhänge zwischen Giallo-Titeln und dem, was auf der Leinwand zu sehen ist, versuchen. Never ending fun.

Zu alledem sehen wir eine zum Heulen schöne neue HD Abtastung.

I could go on and on – aber wir belassen es bei einem lässigen...

See you!

F&J&A




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27.01.2022

O LUCKY MAN
GB 1973
R.: Lindsay Anderson
(Britannia Trilogie Part 2)

Was wäre, wenn ein junger Mann namens Travis, der im (irgendwann schon mal in der TMN gezeigten) Revoluzzer – meets – Unimassacker - Feelgood-Film „if...“ von Lindsay Anderson, nach seiner zünftigen, besagten Film abschließenden Amok-Ballerei, mittlerweile feststellen musste, dass das bloße Abknallen der ungeliebten korrupten Autoritätsfiguren irgendwie nicht als gesellschaftlicher Gegenentwurf fruchtet, weil einfach nie genug Munition zum Beseitigen aller Arschlöcher dieser Welt mit den begrenzten Mitteln wild um sich graduierender Studierender zu erwerben ist und die ganze Sache auch sonst irgendwie nicht so recht durchdacht daherkommt?

Travis, gespielt von Malcolm McDowell, schmeißt in dieser „Fortsetzung“ des Anderson-Klassickers (Teil Zwo seiner „Britannia-Trilogie“) seine Black Panther-Poster mitsamt der Studentisch - antikapitalistischen Gesinnung auf den Müllhaufen der Geschichte und arbeitet eine Weile in einer Kaffeefabrik. Es half Malcolm „Alex Droog“ McDowell gewisslich, dass er selber einige Jahre in einer solchen Fabrik geschuftet hat. Ursprünglich sollten seine Erfahrungen gar die Basis des ersten Drehbuchentwurfs zu „Oh Lucky Man“ gebildet haben, McDowells Gebräu war Herrn Anderson dann aber wohl etwas zu dünn und er legte selber Hand an.

„If you can`t beat `em, join `em“ ist fortan Travis Devise und „Karriere“ heißt jetzt der Weg jenseits des „Karl mag's – Che GueJava-MalcolminthemiddleX-HohoHo-Chi-Minh-Pfades“, den unser wackerer Overactor beherzt querfeldein durch ein surrealistisches, wirres und irgendwie fast schon rührend verschusseltes 70er England (und ebbes weiter nach Afrika), einschlägt. Auf dem verknotetem Pfad nach „ganz oben“ (wie wir aufgeklärten Zeitgenossen:innen des 23. Jahrhunderts wissen, das neue „ganz unten“ - oder schlimmeres) begibt er sich auf eine zunehmend surrealistischer werdende Reise durch den realen und psychologischen Kosmos Britanniens und des siechen spätkolonialistischen Westens der 70er Jahre.

Und genau hier fangen die Probleme an. (Aber hey, wäre es ein „guter“ Film, wozu sollten wir ihn dann in der Trashnight zeigen?) Der überambitionierte Film will irgendwie alles auf einmal sein. Alle paar Minuten wird ein neues Fass Kritik aufgemacht, mal überschäumend psychedelisch und opulent, mal schal wie eine auf weiche Kekse gekippte Limo aus den Sechzigern.

Kritik an Allem und Jedem und irgendwie Kapitalisten fies finden? Glaubt nicht, dass die einfachen Menschen auf der Straße nur ein Jota besser sind als die Fetten Bosse da oben. Psychologie und Wissenschaft im Dienste der Menschheit? Wer den Eierköpfen traut, ist selber Schuld. Männer? Frauen? Liebe? Da lachen doch die Hühner! Religion? Schlimmer als Opium! Opium? Schlimmer Marxismus. Marxismus? Kälter als Kaffee im Hospiz. Oder so.

Was Herr Anderson nun eigentlich will oder nicht, es bleibt dem Betrachter größtenteils verborgen. Aber auf sehr unterhaltsame Art, mit einer zum Teil mehrere Rollen spielenden Oldschool-Schauspielerklicke (unter Beteiligung nicht weniger Clockwork Orange-Alumni) und einem sehr gut gelaunte blutjungen McDowell.

Ich hatte das fragwürdige Vergnügen, den Film als reichlich junger Mensch quasi halb zufällig im TV entdecken zu dürfen. Er wurde unter anderem als „Fantasy Kommödie“ gehandelt, ich dachte mir nur: Fantasy! Nicht so geil wie Science Fiction, aber man nimmt ja, was man kriegt...

Ach, meine lieben Droogies, wie ermattete und perplexte mich das Gesehene – und irgendwie war ich dennoch glücklich, genug von all dem erfasst zu haben, um ein klitzewinzig kleines bisschen besser zu begreifen, warum alleallealle Menschenwesen der (westlichen) Welt irgendwie entweder gutmütige Deppen oder scheißige Deppen oder nichtsnutzige Deppen oder scheinheilige egoistische Deppen oder jede nur erdenkliche Art Deppen sind und man seine Ansprüche getrost einige Umdrehungen runterschrauben kann.

Alan Price und Band, die quasi als Griechischer Chor ab und zu in einem Studio klampfend und siebziegerlnd das Gesehene kommentieren, um sich auf irgend einer der vielen Meta-Ebenen dann sogar in die sich immer weiter auflösende Handlung zu mogeln, wollte ursprünglich mit Anderson eine Tour-Doku drehen; gelandet sind die wackeren Zottelmusiker stattdessen in dieser völlig aus dem Ruder gelaufenen, wild auf alles und jeden eindreschenden Sozialsatire ohne Ziel und Zweck, die auch gut und gerne als Bekenntnis zum „Scheißegalismus“ („Bleibt halt cool und irgendwie gesund, bevor ihr sterbt, mehr gibt’s net“ hjr) verstanden werden kann. Und grade diese Botschaft aus einem nicht minder turbulenten, vergangenen Jahrzehnt, scheint mir die heutige Zeit gar nicht so schlecht abzubilden und zu kommentieren.

Ein Film, der heute verständlicher ist als damals, weil wir die seltsamen Übersteigerungen, das fast schon pompös- und aufdringlich-besserwisserische Getue bei gleichzeitiger Weigerung, dann auch mal Buddha bei die Fische zu geben bzw. IG Farben zu bekennen, eben nicht als schwarze Fantasy - Kommödie sondern seltsam vertraute Zustandsbeschreibung (und somit recht dicht an unserer eigenen bizarren Lebenswirklichkeit andockend), begreifen können. Und hey, mit „meta“ süßen wir heutzutage unseren Kaffee, das haut uns nun wirklich nicht mehr vom Sockel wie seinerzeit Juniors Zuckerwürfel die Omama.

19:00 Tagesaktuelle Tea-Time
20:00 Hoppla, „aus versehen“ die Zuckerwürfel vertauscht?

ACHTUNG! Film hat Überlänge. Aber weil diese Briten gar fürchterlich nuscheln, gibt es englische Untertitel als Bonus-Keks. Keine Pause!

J+F+A




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03.02.2022

Hochverehrtes Publikum,

noch rechtzeitig haben wir bemerkt: unser Barbarenbarometer ist gefährlich abgefallen – höchste Zeit, Fell und Keulen nachzulegen.

Davon finden wir reichlich in CONQUEST, auch wenn man manchmal ziemlich genau hinschauen muss, um überhaupt irgendwas zu erkennen. Nein, kein jämmerlicher VHS-Rip kann verantwortlich gemacht werden, sondern die eigenartige Konsequenz, mit der Lucio Fulci diesen Streifen in diffusen Zwischenwelten angesiedelt hat – es ist nie ganz hell, aber auch nicht komplett dunkel; es gibt Kleidung, aber eher wenig; dafür reichlich Landschaft, jedoch von bemerkenswerter Banalität; Bronze-Tech ist angesagt, was gelegentliches Lasern nicht ausschließt; alles ist in Farbe, dabei völlig ausgelaugt; eine italienische Produktion ist es, in der auch Mexikaner herumgepfuscht haben; es wird in Sandalen herumgewatschelt, aber zu grellem Synthie-Score; es geht grob und explizit zu, aber über allem und jedem und jeder liegt ein dubioser Bilitis-Filter.

Dass man dennoch im Barbarenland verortet bleibt, dafür sorgen die Dialoge: beim Versuch zu ermitteln, ob wir gerade den richtigen Audio-Track codieren, mussten wir an ca. 10 Stellen zappen – bei den ersten neun ward nur Grunzen, Stöhnen oder Schreien gegeben.

Was den Herrn Fulci bewogen hat, seine 1983 bereits in Schlussfahrt Richtung Jammertal befindliche Karriere mit einem weiteren Genre kollidieren zu lassen, werden wir nicht mehr erfahren. Vielleicht war es ein verwegener Versuch, nicht nur für seine Horrorsplattereien in den Jahren zuvor in Erinnerung zu bleiben, die ihm zwar einerseits ein bescheidenes Auskommen, anderseits aber die glühende Zuneigung einer Zielgruppe bescherten, mit der man auf keiner einsamen Insel stranden möchte.

Wenn dies sein Plan war, ging er in beide Richtungen schief: in CONQUEST werden immer noch genügend anatomische Gemeinheiten präsentiert, um ein „Prädikat Wertvoll“ zu verhindern, andererseits wurden Gorehounds nicht mit der erforderlichen Dosissteigerung ggü. dem Haus an der Friedhofsmauer et al. versorgt.

Ein Film, der nicht so recht weiß, wohin mit sich selbst, unbeholfen hierhin und dorthin tapst, dabei eine Menge Zeit und Mutanten und Schurken totschlägt. Inhaltlich wird erwartungsgemäß Kokolores erzählt, womit man heutzutage vielleicht etwas vorsichtiger umgehen würde – es fände sich ja ruckzuck eine Telegram-Gruppe, die das alles plausibel und megawichtig und für unterschlagene frühgeschichtlich-bare Münze* hielte.

Für eine valide Einschätzung muss man diesmal keine bloggenden Kollegen bemühen, es genügen die drei Einträge in der Sektion „Kritik“ der deutschen Wikipedia:

„Lucio Fulcis neuer Großauftrag für die Schlachthäuser in der Umgebung von Cinecittà.“
– Hahn, Jansen, Stresau: Lexikon des Fantasy-Films

„Trotz kunstvoll arrangierter Naturaufnahmen ein Film der übelsten Sorte, in dem in nahezu jeder Szene gemordet und geprügelt wird.“
– Lexikon des internationalen Films

„Fachleute werden sofort die sehnsüchtige, fast liebevolle Art wiedererkennen, mit denen Fulci alle Arten der Verwesung vorführt.“
– Monthly Film Bulletin

Film ab!

F&J&A

*Reichsmark versteht sich



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10.02.2022

Geneigtes Publikum,

ein gutes Jahr gaben wir Euch Gelegenheit, DOUBLE DOWN zu verarbeiten. Manche konnten dieses Werk wohl erfolgreich verdrängen, andere mögen noch schwer daran tragen.

Um alle wieder auf den gleichen Pegel zu bringen, füllen wir ein Fäßchen Gülle nach – nach dem Erstling kommt der zweite Streich aus dem Hause Breen. Ach was Haus – ein Palast wär noch zu wenig, ein Kontinent zu eng, erst ein Sonnensystem mag grad so reichen, um das Ego des Meisters unterzubringen.

Wer auch immer versucht, sich dem Phänomen Neil Breen zu nähern, weiss sich bald nicht anders zu helfen, als mit allen möglichen psycho-pathologischen Zuschreibungen um sich zu werfen, auf dass man diesen Irren möglichst auf sicherer Distanz halte. Kniffligerweise ist es genau der narzisstische Größenwahn, der Breen so relevant macht – er kann als lebender Beweis dafür gelten, dass man sich nur genug selbstüberschätzen muss, um groß rauszukommen, und damit als direkter Vorläufer von Trump. Beide haben irgendwas mit Immobilien gemacht und damit genug Geld zusammengeschachert, um ihr megalomanisches Ding durchzuziehen. Aber man muss anerkennen: Neil war ein paar Jahre früher am Ziel – zweiter Film 8 Jahre vor Donalds erster Präsidentschaft.

Ob es nun unser Glück oder Pech ist, dass Mr. Breen kein Interesse am höchsten Amt hatte und es attraktiver fand, gleich mit der Rolle des Erlösers höchstselbst zu liebäugeln, ist noch nicht abschließend geklärt. Dennoch hat es einen gewissen Reiz, sich – unter sicheren Laborbedingungen – die kollektiv narkotische Wirkung und Bedeutungsscheinschwangerschaft eines Präsidenten Breen auszumalen.

Männern dieses Formats scheint es inhärent, multidisziplinär zu agieren – der eine als gewissenloser Geschäftsmann, Trash-TV-Ikone, cholerischer Oberkommandierender, sexistischer Rüpel, notorischer Lügner, korrupter Machtpolitiker, bildungsferne Ökokatastrophe etc.; der andere als Drehbuchautor, Regisseur, Casting Agent, Kameramann, Oberbeleuchter, Stunt Koordinator, Cutter, SFX-Mann, Ausstatter, Produzent, Haardesigner und natürlich: sexy Leading Man.

In einem Aspekt sind die Herren völlig kongruent: Mit unerschütterlicher Vehemenz und ohne jede Selbstironie Dinge zu tun, welche alle, die noch ihre drei Groschen beieinander haben, in schiere Fassungslosigkeit versetzen.

Was konkret erwartet uns also? Man könnte argumentieren, dass Breen bei seinem Zweitling bereits Kompromisse ans Studiosystem machte, indem er das Catering nicht mehr selbst besorgte (ihr erinnert Euch? Dosenthunfisch?), aber das ist ein Ablenkungsmanöver. Breen all over the place: Ein feuchter Traum für Stockfetischisten (wir sprechen von Video und Audio); die größe Dichte von Wüstenschwenks, die jemals in diesem Universum realisiert wurde; innovative Stigmata, bei denen die Nägel offenbar rein, aber nicht durch gehen; Puppen, die Babys darstellen sollen und Puppenköpfe, die weiss-der-Teufel-was darstellen sollen; Dialoge, die Tommy „Wiseau?!?“ kaum fesselnder hinbekommen hätte; exakt zwei Rollen für schwarze Schauspieler (Gang-Thug & krimineller Politiker); Zwillinge, die sich nicht ähnlich sehen; allerlei Wunder mehr – und üppig Zeit zum Nachdenken.

As an aspiring filmmaker and film student, I can appreciate just how hard it is to write, produce, direct, cater, and star in an eighty-six-minute film.
On the other hand, Neil Breen should not be allowed anywhere near a video camera.

See you!
F&J&A

(geben ward I AM HERE ... NOW)




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18.02.2022

Liebe Genossen:innen:

Kalter Krieg oder heißer Kaffee?

Wir von der Trashmovienight kennen die Antwort. Aber wir leben ja auch im aufgeklärten Jahr 2022. Alle Kriege gehören der Vergangenheit an, die Welt wird von fähigen Allround-Genies wie Neil Jeezus Breen verschussel...- äh verteidigt. Atombomben oder sonstige Mordwerkzeuge sind also komplett unnötig und werden dementsprechend bestimmt gar nicht mehr hergestellt. Juchhe.

Was uns da so alles erspart bleibt, schildert der dieswöchige Film

S-a furat o bomba
Die gestohlene Bombe,
Rumänien 1961,
Regie Ion Popescu-Gopo.


Vielleicht als kleine Wiedergutmachung für den Sitzfleisch-Hornhaut provozierenden, extrem langen Film über „Lucky-Mann“ McDowell bzw. den um einiges kürzeren, aber irgendwie auch vielvielviel längeren Film „Jesus Breenius Turnberg weiß, kann, macht ALLES besser!“, begleiten wir diesmal einen grundanständigen, ahnungslosen Nichtskönner eine gute Stunde bei seinen Bestrebungen, einen geheimnisvollen Koffer dem rechtmäßigen Besitzer zurück zu geben.

Verdammt, wir wollen nur euer Bestes, deshalb verzichten wir sogar auf Farbe oder Dialoge! Die surrealistische Kalter Kriegs / Agenten / SciFi / Romcom / Slapstick-Schote aus Gheorghe Gheorghiu-Dejs Rumänien (bis zu Ceaușescus Aufstieg zum Ersten Sekretär des ZK der PMR waren noch knapp 4 Jahre Zeit, in denen er als „ZK-Sekretär für Organisationsfragen“ für Stimmung sorgte), wurde vom Trickfilmpionier und Disney-Konterrevolutionär Ion Popescu-Gopo als einer seiner wenigen Realfilme inszeniert.

Sicher, hier regiert klimabedingt eine gewisse vorsichtig-betuliche Umständlichkeit beim tackeln brisanter Themen wie eben des kalten Krieges, der Angst vor dem letzten Atombombenknall, dem allgegenwärtigen Misstrauen westlich geprägter Korruption und der generell für uns glückliche 2022-Westler-Kinder undurchsichtigen Strukturen des Rumänischen Alltags des Jahres 1961, aber hey, uns erwarten jede Menge Ballereien, heiße Clubbingszenen, rasante Actioneinlagen, Mobster, Militärs, eigentlich alles, was das Trashmovieherz begehrt.

Seid gespannt, rät fürsorglich aber auch nachdrücklich das TMN ZK.

„Fun Fact“ aus dem lebendigen Buch des Wissens, Wikipedia:

„Ion Popescu-Gopo died in Bucharest on 29 November 1989, just weeks before the Romanian Revolution. He suffered a heart attack while trying to push his car, stuck in snow, into his garage. His death was the first step into the downfall of the Romanian animation studios Animafilm, which later suffered from financial issues after the 1989 revolution.“

Was? 74 Minuten sind Euch nun wieder zu kurz?

Keine Angst, ein kleines Schmankerl für die unersättlichen Genossen.innen gibt es noch in Form einer soeben aufwändig digital restaurierten filmischen Überraschung aus der Offenbacher Filmpropagandaschmiede HfG, vorzüglich besetzt mit zwei uns wohlbekannten Größen der sachlich-konkreten Hyperrealisschauschpielschule, die unter der gestrengen aber kompetenten Regie einer herrausragenden Genossin ihr didaktisch-schauspielerisches Talent zur allgemeinen Erweiterung unseres lokalen Horizontes nachdrücklich unter Beweis stellen. Mit scharf.

19 Uhr Bombenstimmung
20 Uhr Stimmungsbomben

Danach: Aufklärung der Massen
J+F+A

(Zugabe waren GUT SCHMECKT MUSS SEIN von Sabrina Dörr sowie GEMEINSCHAFTLICHES WOHNEN von Christoph Nogay)




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24.02.2022

BRD, 1984. Ungemütlicher Ort. Man befindet sich in jener Zukunft, die Punks schon abgeschrieben hatten, bevor sie so beschissen wurde wie sie nun mal ist. Alte Nazis, neue Lügen, Plastik, Retortenleben, Komaarbeiten, Konsumsiechen, Verzweiflungssaufen im Überwachungsstaat, und als wär’s nicht schon schlimm genug: zu all dem läuft Fahrstuhlmusik!

Es hilft nur noch Vorneverteidigung: voller Angriff – den ganzen Dreck, der sich immer höher türmt, abfackeln bevor er alles erstickt. Losloslos, Action, inhaltlich ist sowieso alles klar!

Es war die wundersame Zeit, als junge Leute unter Druck und mit apokalytischen Zukunftsaussichten gleichzeitig illusionslos, hyperaktiv, paranoid, lebensgierig, todessüchtig und wutentbrannt waren, statt FDP zu wählen. Nicht in ETF einzahlten, sondern Musik und krankes Zeugs machten, auf das noch keiner gekommen war. Tritte in die Eier wurden nicht als NFT geminted, sondern kostenlos verteilt.

Alte Zöpfe und lange Haare: abgeschnitten. Im Zweifelsfall lieber was kaputt machen als ganz lassen. Dennoch: Kollaborationen mit weißen alten Männern waren drin. Wenn jene heroinsüchtige, waffenvernarrte Schwule mit abwegigen Manipulationstheorien waren und chronisch auf Krawall gebürstet.

So ungefähr ist das fröhliche Mindset, dem unser diesmaliger Programmpunkt entspringt.

DECODER sieht aus und hört sich an wie eine ungesunde Party, auf der Christiane F., der Throbbing Gristle Frontmann und einer von den Einstürzenden Neubauten auf Metall rumhämmern und aneinander vorbeischreien, während William Borroughs im Hintergrund mit schnarrender Stimme Zynismen reisst und sich einen Schuss setzt. Das liegt daran, dass es ziemlich genau so ist. Die wollen nicht spielen, die beißen.

Ein kleines, dreckiges, hoffnungslos überambitioniertes und unterfinanziertes Zeitdokument und genau deshalb ein ODDBALL, den wir uns gönnen bevor er 40 Jahre alt wird und zuhause rausfliegt, der Penner.

Wenn anschließend Euer Hirn noch nicht komplett kurzgeschlossen ist, gibt es noch eine wundersame 10minütige Dokumentation über ein paar Italiener, die seinerzeit von dieser teutonischen Dystopie dermaßen beeindruckt waren, dass sie diese ein paar Jährchen später in Second Life nachgestellt haben. Kannste Dir nicht ausdenken.

Also: Glotzen, ihr Schweine!

F&J&A




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03.03.2022

Liebe Trashmoviepeoplez,

auch irgendwie gestresst? Vom Hier und Jetzt, vom unermüdlichen quälenden Gang durch die turbulenten Weltgeschehnisse, dem großen immer gleichen Nichts entgegen? Sehnt Ihr Euch nicht auch nach Besseren Zeiten zurück? In ein anderes Jahr, wo alles noch supitollitolli, optimistisch, leicht verpeilt und summa summarum zehntausendmal besser war?

Wir von der TMN scheuen weder Mühen noch … na gut, weder Mühen, Euch diesen Wunsch nach einer Zeitreise in eine glückselige Vergangenheit zu erfüllen.

Unsere Mittel sind leider knapp und unsere gammelige Zeitmaschine nur sehr bedingt für längere Reisen zu gebrauchen, deshalb langt es nur für einen sportlich kurzen Trip in das wonnige Jahr 2021, als ja alles bekanntermaßen besser war, der Mond besiedelt, die Amüsierdamen in den Mondsaloons leicht und farbenfroh beschürzt, die Raumanzüge selbstbewusst quer über die Farbpalette durchgegendert und verwegene Prospektoren und skrupellosen Mondrinderbarone – äh – naja, das übliche geldgierige Gesocks, noch so richtig verwegene Prospektoren und übles Geldgieriges Gesocks waren.

Hier sausen unermesslich wertvolle Asteroiden querfeldein durch das erstaunlich vollgestopfte „Nichts“, hier rauchen die Colts – buchstäblich – auf einem Mond, der wirklich nur ab und an so viel Anstand hat, wenigstens so zu tun, als ob Gravitation oder das Fehlen derselben in irgend einem wie auch immer gearteten Zusammenhang zum Physikalischen Universum stünden, es wimmelt von wirklich ganz herzallerliebsten Raumstationen (Sydneyoper auf dem Mond anyone?) und possierlichen Fahr- und Fluggeräten. Die oben schon erwähnte Mondsaloonbar inklusive psychedelisch angehauchter Tanzgruppe und viel Mondwhiskey lädt ein, nur allzu verständlichen Frust, etwa, wie unser Held, nach einem stattlichen Marsabenteuer (off screen) wieder auf den Erdenmond (relativ on screen) runtergesackt zu sein, vergessen zu machen.

Überhaupt lugen so viele zauberhafte swinging sixtys Details um jede Ecke der liebevoll ausstaffierten Mondphantasmagorie dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, nicht im Jahr 2021 sondern 1969 in einem eher günstigen Filmset der legendären Hammer Filmstudios gewissen Filmschaffenden bei dem irgendwie leicht in die unstabile Seitenlage geratenen Plan beizuwohnen, im Jahr der echten Mondlandung einen Spielfilm zu kredenzen, der einfach fröhlich auf die realen Fernsehbilder eines der grötßen Menschheitsabenteuer pfeift und lieber einen in vielerlei Hinsicht beknackten Mondwestern zusammendeliriert, für den sich dann konsequenter Weise irgendwie niemand so richtig interessierte.

Wem nun langsam der Verdacht kommt, dass unsere „Zeitmaschine“ auch eher verdächtig einer Bong ähnelt als einem technologischem Wunderwerk aus irgend einem verschusselten Phantasielabor dubioser High (sic) Techniker, könnte auf der rechten Spur sein. Andererseits: Die Mondlandung wurde ja bekanntermaßen auch von einem britischen Filmemacher (hustKubrikhust) insziniert und uns ist im Moment ohnehin alles Mögliche möglich und ziemlich scheißegal, deshalb einfach mal zurücklehnen, Sixtys-Smarties, Rauchwerk und Feuerwasser zurechtgelegt, um sich eine schöne Drönung Moon Zero Two ins Hirn zu strahlen, damit endlich mal, wenigstens für ein paar dutzend Minuten, etwas anderes unsere Sinne vereinnahmt als die schreckliche Kacke, die uns grade auf allen Kanälen vor den Latz geknallt wird.

MOON ZERO TWO

GB 1969
R.: Roy Ward Baker

19:00 Startvorbereitung, Countdown, aufsatteln
20:00 Giddyup up and away!

J+F+A

ps.: random musictip yall




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10.03.2022

Hochverehrtes Publikum,

nun haben ja nicht alle unserer Stammgäste und -zuschauerinnen eine waschechte HfG-Biografie auf dem Kerbholz, aber durch unser Programm unvermeidlicherweise eine nicht immer unanstrengende Seh- und Denkschule absolviert. Aus dieser in vielen Stunden erarbeiteten gemeinsamen Perspektive lassen sich Sachverhalte beleuchten, die keine Hochwissenschaft durchdringen könnte. Etwa die Fragestellung, wie sich wohl Offenbacher Filmstudenten der 90er einen 80er Jahre Diplomfilm der Kollegen in München vorgestellt hätten.

Thesenhafterweise etwa so: Schnösel aus besserem Hause (ausschließlich Männer) sind erst kürzlich den krachledernen Hosen entwachsen und geben sich angepunkt, obwohl sie genetisch unzweifelhaft Popper sind. Dabei bleiben sie filmstilistisch und politisch unverdächtig genug, um dicke Fördertöpfe anzapfen und damit bereits vor Beginn ihrer aalglatten Karriere in Farbe und 35mm drehen zu können. Als Simulation sozialer Kompetenzen wird ein „Gemeinschaftswerk“ produziert, in dem der Abschied von der eigenen, nicht annähernd ausgelebten, aber als progressiv verklärten „Jugend“ zelebriert wird. Dabei bedient man sich einer vorgeblich gesellschaftskritischen Attitude, die hinreichend diffus bleibt, um keinem wehzutun. „Authentizität“ wird erzielt durch das Casten luftig bekleideter, medienprominenter Drogensüchtiger, wobei natürlich keinesfalls voyeuristische Mitnahmeeffekte beabsichtigt sind. Die kreuzspießige, muffige Führerstadt wird mangels echter Grittyness zur verruchten Metropole umdekoriert, um einen Rahmen für Handlungsfetzen zu bieten, die ebenso pathetisch konstruiert wie verachtenswert weinerlich sind. Mühsam wird mit einigen betont kantigen Tracks (die nie im Bajuwarischen hätten entstehen können) kaschiert, dass Spider Murphy Gang der schlüssigere Soundtrack gewesen wäre. All das ermöglicht den Absolventen einen reibungslosen Übergang in den mittelklassigen Mainstream, und wird flugs mit zahlreichen Aufträgen honoriert – Polizeirufe für die einen, Manta Manta für den anderen.

Ist es so? Oder sind die imaginierten HfGler der 90er schwer belastet von substanzlosen Vorurteilen? Gar schlicht nur neidisch auf maßgeschneiderte Bundfaltenhosen und Maßkrüge voll Kokain?

Ihr entscheidet! Hierfür gilt es einzutauchen in die NEONSTADT, den nächsten Flashback in unserer Miniserie „Bundesdeutsche Peinlichkeiten der frühen 80er“.

See you!

F&J&A




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17.03.2022

Ist wirklich, liebe Freunde:innen filmischer Extravaganzas,

„Alles Fürchterlich“?

Von der Gegenwart schweigen wir jetzt mal einen Moment, aber das Treiben diverser Filmstudenten:innen, deren Ergüsse wir in den letzten Sessions goutieren durften, lässt bei aller bunter Verspielt und Verspultheit zumindest den Schluss zu, das schon immer so einiges im Argen lag und liegt und liegen wird, aber trotzdem oder gerade deshalb auch sehr vieles dafür spricht, dass die vielen Irrungen und Wirrungen von Lebensgefühligkeit, dubiosen Modenarreteien und allgemeinem zielos-haedonistischem Getue ganz und gar nicht fürchterlich, eher das genaue Gegenteil davon bedeuten, waren, sind und hoffentlich auch noch lange sein werden.

Realität ist eben nicht nur, was sie ist, sondern auch, was man aus ihr in ihr macht.
Die große HfG Antwort-Show auf die Münchner, Berliner und sonstigen frisch geschlüpften Kreativneurotiker der letzten TMN Wochenschauen, steht schon in den Startlöchern bzw. wird eifrig gesichtet und konvertiert, aber aus gegebenem Anlass (und weil ein paar Player aus unserer Hochschulvergangenheit nicht anwesend sein können, um uns in Persona mit wichtigen und unterhaltsamen Input, Anekdoten und fadenscheinigen Rechtfertigungsversuchen zu den jeweiligen Filmen zu beglücken), zeigen wir heute ein Spezialprogramm, das sowohl mit der TMN im allgemeinen, als auch deren Akteuren im Spezielleren und möglichen Schwestern und Brüdern im Geiste jenseits des großen Teiches im Allgemeinsten, zu tun hat.

EVERYTHING IS TERRIBLE: THE MOVIE
und
Selektiertes aus den Schatzkämmerchen der HfG Filmklassen, subjektiv und ein wenig egozentrisch von einem gewissen 55 jährigen Kurator handverlesen.

Die überbordende Bilderflut darf bei aller Respektlosigkeit in Form und Inhalt, mit ein wenig Augenzwinkern und von nervös rauchigem Husten begleitet, als große Liebeserklärung an das Abseitige, an die Zauberkraft der Montage und die ästhetische Freude am Missverständnis, dem Fehler, dem Irrtum und dem ganzen Schlambambes, der bilderflutigen Hemmungs- und Respektlosigkeit von wüst zusammenassoziiertem Bewegbilderwahnsinn, verstanden werden.
 
Lasst Euch überraschen!*
 
19 Uhr: Alle so: Wir könnten das Paradies sein (Glugger, Dampf)
20 Uhr: Auch Alle so: Doch wir sind: Die Hölle. (Gröhl! Jubel! Prost!)
 
J+F+A

* Gegeben ward ein HERRJÖRGRITTER SPECIAL (rapid eye groovement, Jaques et Cornele, jack not Jack Pilot, terrible dream, Fake fact File three 1-3, techitechitekkyskapypopo Show 2.0)




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24.03.2022

Tja Leute,

die 80er sind noch nicht vorbei. Einen haben wir noch. Nach unseren Ausflügen nach Hamburg (DECODER, dytopische Paranoia) und München (NEONSTADT, filmemachende Nabelschau) müssen wir natürlich noch in die Mauerstadt. Seinerzeit wär es vielleicht auf DER EINBETONIERTE ENGLÄNDER als Titel rausgelaufen, aber in 2015 wurde es dann

B-MOVIE: LUST & SOUND IN WEST-BERLIN 1979–1989

Egal – wichtiger ist, dass uns eine verdammt elegante Überleitung gelingt vom letztwöchentlichen Found-Footage-Massaker. Auch dieses Mal erwartet uns ein Stakkato von Material aus unterschiedlichsten Quellen, nicht nur Terrible, sondern auch hypernervös, hyperaktiv, hyperkreativ, autoagressiv depressiv, mit gespikten Haaren oder gleich ohne, vollgedröhnt und die Kerze an drei Enden angezündet. Dabei gelingt das Kunststück, gleichzeitig merkwürdig uplifting zu sein – könnte daran liegen, dass wir einer semi-fiktiven Biografie folgen, einer Art Independent-Version historisierenden Event-Fernsehens.

Allerdings: Hier malt die Erinnerung nicht mit goldenem Pinsel, sondern die Macher feuern eine Schrotflinte auf eine Kiste voller Goldlack-Sprühdosen ab. Aber hey – die dürfen das, denn der Ich-Erzähler war dabei, ja ist dabei, sowohl in historischem Material wie auch auf neu gedrehtem vermittels eines proper Lookalike, und in diesem Durcheinander verliert man schließlich komplett den Überblick. Fast wie auf einer guten Party. Und wie dort ist es ein bisschen übersteuert, ein bisschen zu voll mit interessanten Leuten, ein bisschen too much, zu großmäulig und zu euphorisch, aber scheiss drauf, für heute.

See you!

F&J&A



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31.03.2022

Hochverehrtes Publikum,

auf verschlungenen Wegen hangeln wir uns weiter durch einen dampfenden Dschungel voll prallem Leben, wimmelnder Found Footage, spekulativer Zeitgeistanalyse, Mansplaining-Voiceovern und allerlei Lebenskonzepten, die zwar IRL ins evolutionäre Off führten, mit zunehmender zeitlicher Distanz aber umso erinnerungswürdiger scheinen.

War unser Programm letzter Woche noch gesprenkelt mit subkulturellem Herumrandalieren (welches sich posthum zum zivlisatorischen Meilenstein verklären ließ), wird in dieser Woche der letzte Niveaustöpsel gezogen und das Auditorium mit unverdünntem Schund, Sleaze und Schwachsinn geflutet.

DAS IST AMERIKA, Teil 1 ist ein später, aber mustergültiger Mondo-Film, also in jenem Genre verortet, das unter dem Vorwand dokumentarischer Aufklärung ziemlich genau das Gegenteil leistete. So unterschiedlich die verantwortlichen Crews und Ursprungsländer waren, so sehr man abseitigste Themengebiete ausdeutete (Mondo Freudo, anyone?), gab es doch Gemeinsamkeiten zwischen all diesen Produktionen: Authentizität war fakultativ, Sex, Crime und Gewalt hingegen obligatorisch, das Draufhalten auf ahnungs- und hilflose Personen üblich und eine zynische, auf maximales Aktivierungsniveau zielende Grundhaltung sowieso.

Daher sei gleich angemerkt, dass wir uns und Euch keine der wirklich üblen Shockumentaries zumuten. Die machen keinen Spaß. Also wirklich gar keinen.

DAS IST AMERIKA hingegen hat zwar einige Grobheiten aufzuweisen, spielt seine Stärken jedoch überwiegend auf andere Art aus – es schmuddelt nach Kräften und ist somit TMN-relevant. Dabei filmhistorisch schillernd wie eine Schmeissfliege: niemals remastered, nur auf einem russischen (!) Server in voller Länge im Netz zu finden, und selbst zum Regisseur lassen sich nur dünnste Spuren eruieren.

Die schöpferische Kraft jenes Romano Vanderbes scheint sich in drei AMERICA EXPOSED Filmen weitestgehend erschöpft zu haben, und man könnte fast vermuten, dass wir es mit einem Pseudonym zu tun hätten, wenn Pseudonyme Töchter haben könnten, die in haargenau einem Film mitspielen, den sich ihr Pseudonymvater ausgedacht und produziert hat.

Pädagogische Empfehlung - Wir raten ab.
www.filmdienst.de

Wir haben einiges an Mühen auf uns genommen, um dieses von 1977 datierende Sammlerstückchen für Euch aufzubereiten, und zwar in der unbezahlbaren deutschen Synchro, welche nicht mal die Russen haben. Erstmals in der TMN in voller Länge, nachdem wir vor schlappen 19 Jahren ein Potpourri aus Teil 1-3 im Hauptzollamt (!) in Ffm aufführten.

Es ist Zeit für die ganze Wahrheit.

Seid ihr Reiche Ranchers genug?

F&J&A





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07.04.2022

Von Tag zu Woche höher geschätztes, strapazierfähiges Publikum:

Bleiben wir einfach unten im Sumpf des wissentlichen Ignorierens, exploitistischem Habitus und kostengünstigem Leckmich-Filmemachertums. Auch der dieswöchige Film ist ein mit rostiger Heckenschere und ranzigem Pferdeleim zusammengestümpertes Zelluloid-Ungetüm, dass sich zwar nicht erdreistet, auch nur im entferntesten irgend etwas mit den realen Zuständen unseres an realen Missständen reichen Planeten zu tun haben zu wollen, aber dennoch mit gutem Gewissen als anschauliches Beispiel für real existierende Skrupellosigkeit im Umgang mit Material, Menschen, Publikum und Zeitgeist zwecks Mehrung der Kokain-Portokasse windiger Produzenten durchgehen kann. Ein garstiges geistiges Geschwist (sic) der beknackten Letztwochenfilme ist

NIGHT TRAIN TO TERROR
(USA 1985, Regie: drei arme Schweine, Drehbuch: Herr Yordan, Schnitt: irgend ein verkokster Praktikant?)

allemal.

Wie schon so häufig, hatte irgend ein seelenloser Produzent aus Langeweile und Geldgier die Idee, tief ins Fahrwasser eines aktuellen Filmtrends einzutauchen. Und zwar dort, wo es am brackigsten ist. Es galt, ohne allzu großes Engagement, Kosten, Geschmack und Skrupel drei Filme, die damals einfach zu beschissen zum auch nur Fertigstellen waren, aus den Studioarchiven zu fischen und, aufgepeppt mit einer „Rahmenhandlung“ und fetziger 80er Popmusik („Darf nix kosten! Lassen wir den Rahmenhandlungsdrehbuchschreiber-Sohnemann einfach mit ein paar Freunden ein einziges Lied wieder und wieder vor sich hin jaulen, das kommt bestimmt gut an bei der MTV-Generation“), zu einem trendigen Anthalogiefilm-Klon a`la „Creepshow“ oder „Unheimliche Schattenlichter“ zu verhackstücken.

Und die triefäugigen Jungmenschen des Jahres 1985 staunten denn auch nicht schlecht, als sie die Geschichte von Gott und „Lu Sifer“ (warum darf eigentlich Gott Gott heißen und Luzifer muss als Lu Sifer herumwursteln?) vorgesetzt bekamen, die in einem magischen Zug durch das Weltall rasen und drei bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Kurzversionen nicht zuende produzierter Horrorschlockfilme angucken, um zu beurteilen, welche der gemeuchelten Seelen nun in den Himmel oder in den Trump-Tower gehört, während ununterbrochen eine quatschig posende achtziger „Band“ immer das gleiche Lied durch die Eisenbahnwaggons (die verdächtig nach schlecht dekorierten Wohnräumen aussehen) plärrt und Teenager-relevante Meta-Statements zum besten gibt. „Everybody has got something to do – everybody but you!“ Damit kann nur das Kinopublikum gemeint sein. Immerhin bietet der schwer verdauliche Resteeintopf einiges, was das Herz des gepflegten Trashkonsumenten höher schlagen lassen dürfte: verworrene Handlung, sadistische Foltereien, Naziunfug, Satanisten, Neumanneumanneumann-Momente galore, Knetmonsterspinnen, Modelleisenbahnen, wirres found footage Jahrmarktzeugs: You name it.

Der Vater des Bandleaders, wie oben schon erwähnt als Drehbuchautor für die Gott / Lu Sifer Zwischensequenzen verantwortlich, ein gewisser Herr Yordan, ist übrigens ebenfalls eine durchaus schillernd bis schattige Figur! Von den Dutzenden von Drehbüchern und Story-Ideen, die er vorgeblich in seiner immerhin 52 Jahre umspannenden Karriere verfasst habe, scheint nämlich ein gerüttelt Maß nicht auf seinem kreativen Mist gewachsen zu sein. Das lag einerseits daran, dass er in der McCarthy-Ära als Strohmann Skripts von auf der schwarzen Arbeitsverbotsliste stehenden Autoren unter seinem Namen veröffentlichte und an den Produzenten“Mensch“ brachte (was recht Ehrenwert war, denkt man an die sprichwörtliche Hexenjagd, der seinerzeit unter Kommunismus-verdacht stehende Autoren:innen ausgesetzt waren), er allerdings andererseits auch schon deutlich vor Beginn des fröhlichen Kommunistenjagdzeitalters gerne mal die ein oder andere Idee „aufschnappte“ oder sich unverdiente Credits zuschusterte und gerne als Skript-Doktor vielen Drehbüchern den „letzten Schliff“ verpasste – um dann gleich die Kredits als Drehbuchautor einzukassieren. Wikipedia tratsch gut gelaunt:

"A common anecdote in Hollywood was that he hired someone else to go through law school for him using his name to get the degree without having to do any of the work, however Yordan himself denied it."

Machen wir uns also gemeinsam auf zur philosophisch-religiösen Popreise im Star-very-very-light-Express zwischen Himmel, Hölle und MTV-Klappsmühle!

J+F+A

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14.04.2022

Allerwertestes Publikum,

unwiderstehlich ist die Verlockung, anlässlich von DAS IST AMERIKA, Teil 2 die kürzeste Einladung aller Zeiten abzuliefern:

(....) rattenvertilgende Stadtstreicher in der Kanalisation Manhattans und eine genüßlich Blutwürmer verzehrende Mittelstandsfamilie gehören zu den Schock-Höhepunkten dieser angeblichen Dokumentation im Stil der "Mondo Cane"-Filme, unterlegt von einem verlogen moralisierenden Kommentar.

Wir raten ab.
www.filmdienst.de


Wir nicht!
See you

F&J&A







DISCLAIMER: Wir neigen zur Faulheit.
Die Playlist wird unregelmäßig ergänzt und ist daher nie auf dem neuesten Stand.


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