Playlist

Plunder

Kontakt


powered by FreeFind

2012

 

 

Mi, 18.01.2012poster

Aus der Einladung:

"im Dezember verstarb ein Filmemacher, der ganz in unserem Sinne wirkte und daher schon ein oder zwei Aufführungen beisteuern durfte: der ebenso bizarr-kreativ wie ökonomisch unverantwortlich handelnde Ken Russel. Da wir ja (zumindest in Filmen) schon so manches gesehen haben, warteten wir lieber ab, ob er es sich nicht doch noch anders überlegt. Als knurrender Untoter tauchte er aber nicht wieder auf, und daher ziehen wir nun endgültig unseren Hut, und zwar mit

SALOMES LAST DANCE
GB 1988

Trashnite Mit-Kurator Frank hatte seinerzeit ein ziemlich verblüffendes Kinoerlebnis, als er eine Nachmittagsvorstellung im seligen "Broadway" Kino besuchte (Kaiserstraße in OF, heute: Spielothek), zugebenermaßen verlockt von einem selbst für das bunte Broadway-Programm recht lasziv-eigentümlichen Plakat, nur um dann 87 Minuten eines noch wesentlich surrealeren Werkes durchzustaunen. Auch hier gilt wieder: so etwas wird heut nicht mehr hergestellt, und einen deutschen Kinostart (synchronisiert!) bekäme es schon gar nicht. Halb Kammerspiel, halb schwüler schwuler Fiebertraum, halb christlich-fetischistische Römerorgie – da geht keine Genre-Schublade mehr zu. Seinerzeit grandios gefloppt, sowohl bei Kritik wie an der Kinokasse, fand diese sehr, sehr bunt glitzernde Perle lange, lange Jahre nicht den Weg auf DVD. Nunmehr aber müssen wir doch nicht Jörgs olle (deutsche) VHS vorführen, sondern bringen Euch den Genuss eines endlich aufgetauchten Rips in der OV. Vorhang auf!

Und wo wir gerade so schön beim letzten sind, schieben wir danach das allerletze rein, nämlich

ENDGAME
Italien 1983

Der Klappentext zeigt, wo es lang geht:

Das Unvorstellbare ist geschehen. Die Atomkatastrophe hat den Globus verwüstet. Nur wenige Menschen haben in New York überlebt. Haß und Machtgier aber gibt es wie eh und je. Eine neue Art von „Untermenschen" ist durch die Strahlenschäden entstanden: DIE MUTANTEN. Sie werden von den „Normalen" gehaßt und gnadenlos gejagt. Die neuen Diktatoren stillen den Hunger nach Gewalt durch das ENDGAME, eine Art von mörderischem Gladiatorenkampf vor versteckten Fernseh-kameras, bei der nur der Stärkste überlebt. SHANNON ist der hohe Favorit und vielfache Sieger. Aber heute trifft er auf den fürchterlichen KARNACK...

Was die Klappe aber verschweigt ist, dass die Regie keineswegs dem dort genannten "Steven Benson" oblag, no sir, sondern niemand geringerem als Joe D'Amato alias Aristide Massaccesi, seines Zeichens einer der skrupelloseren unter den italienischen Billigregisseuren. Wenn dann im Cast noch Laura "in Black Emanuelle fast so gut wie Emanuelle" Gemser, George "fraß seine eigenen Eingeweide in Anthropophagus", Al "Szenenapplaus in der letzten Trashnite in Voodoo Schreckensinsel der Zombies" Cliver und Gordon "erlebte mehr als einen Weltuntergang" Mitchell in der immer wieder gern gesehenen italienischen Endzeit-Kiesgrube schwerbewaffnet aufeinandertreffen, sollte klar sein, dass ein eher unterhaltsamer Abend auf uns wartet. Allerdings sollte man die Hinweise eines Kritikerkollegen beherzigen: "...aber auch ein Werk bei dem man bloß nicht mitdenken sollte."

Nie auf DVD erschienen, wir ziehen das VHS-Orginal aus dem Schatzkästlein!

Wir freuen uns ganz besonders, dass wir diesmal in der Ex-Cafete zur Gast sein dürfen, in der wir früher so manches Filmchen wegguckten und auch sonst so manches taten, das uns lachend vom Stuhl kippen ließ. Word!"


Mi, 18.04.2012poster

Aus der Einladung:

"Liebe Filmfreundinnen,
liebe Schundfreunde,

am Mittwoch ist es endlich wieder so weit: das neue Semesterprogramm an der HfG wird abgerundet durch popkulturelle Sumpfblüten.

Diesmal wohl wieder im guten alten Raum 09, wie immer um 19:45!

Da wir vergessen haben, rechtzeitig das neue Semesterthema der Filmklasse nachzufragen, entscheiden wir uns für einen Eröffnungsfilm, der einfach ALLES bietet:

ENTHIRAN - The Robot
Indien 2010
Regie: S. Shankar

Der indische Superstar Rajinikanth gibt hier eine Doppelrolle als Wissenschaftler und seine eigene Schöpfung, den namensgebenden Blechbruder. Was im einzelnen genau passiert, ist hier völlig egal - allerdings hätte der gnadenlos quer aus der Filmgeschichte zusammengeklaute Plot einen echten Vorteil für jemanden, der sagen wir mal die letzten 30 Jahre verschlafen hat und in 165 Minuten alles Verpasste zusammengucken möchte: TERMINATOR 1-3, XANADU, MATRIX 1-3, IROBOT, TOTAL RECALL, ROBOCOP 1-27, TRANSFORMERS und eigentlich auch alles andere, in dem irgendwas morphte, explodierte oder Sonnenbrillen trug. Umso bizarrer, dass die Macher eine Plagiatsklage an die Backe bekamen, aber nicht etwa aus Hollywood, sondern von einem tamilischen Autor, dessen Kurzgeschichte sie angeblich geklaut haben.

Auch das ist uns recht egal, viel mehr beschäftigen wird die Frage, warum der Hauptdarsteller so irritierend an eine Mischung aus dem frühen Chow Yun Fat und dem späten Kim Yong IL erinnert und dabei trotz seiner irritierend speckig-roboterhaften Art vom indischen Publikum als phantastischer Action- und Charakterdarsteller bewundert wird; warum die Filmmusik am zweiten Tag der Veröffentlichung die Top 10 der Albumcharts in Australien erreichte, warum ein Film, der in einer Tour mit massiver Zerstörung und Geballer die Leinwand füllt, von indischen Zeitungen als "super fun for the entire family" eingeschätzt wird; und noch so manche Frage mehr.

"The film has the best special effects ever seen in an Indian film" - Aniruddha Guha (wer sich da ein bisschen auskennt, ahnt das relativierende der Aussage)

"Very Original" - Oliver "Ach Oliver" Stone

"A loud, overdramatic and exaggerated mess." - Hindustan Times

Kommet und Staunet!

ps. Die einen werden es erleichtert als letztes Bollwerk indischer Kulturidentität in einem verdammten Sci-Fi-Action-Klon sehen, die anderen mit Grausen registrieren: auch hier wird gesungen und getanzt!

Nach dieser Achterbahnfahrt für Hirn und Auge reißen wir konsequent das Steuer herum und treten auf alle möglichen Bremsen: Budget, Effekte, Drehorte, Erzählgeschwindigkeit, Filmformat, Greenscreens, Spieldauer und sogar Anzahl der Mitwirkenden:

KICKBOXER GLADIATOR
OT: Contemporary Gladiator aka Iron Thunder
USA 1989
Regie: Anthony "Amp" Elmore
Drehbuch: Anthony "Amp" Elmore
Hauptdarsteller: Anthony "Amp" Elmore
Produktion: Anthony "Amp" Elmore
Musik: Anthony "Amp" Elmore

Handlung: die Lebensgeschichte des Anthony "Amp" Elmore!

Gern wird immer wieder von Independentfilmen gesprochen, die mit ganz wenig Geld super wurden und vielleicht sogar erfolgreich. Hier ist ein Beispiel zu sehen, bei dem beides nicht geklappt hat.

Anthony erzählt seinen Lebenslauf vom planlosen Jugendlichen, der seinen Lebenssinn im Karate findet, leider nach einer fiesen Enttäuschung wieder verliert und glücklicherweise einen neuen findet: im Kickboxen! Hier bringt er es (wie im wirklichen Leben) bis zum Weltmeister, was er uns mit vielen, vielen Archivaufnahmen alter Kämpfe beweisen wird - die sind allerdings dergestalt, dass man erstaunt annehmen möchte, dass in dieser Sportart seinerzeit eine tägliche Handvoll Valium zum Trainingsprogramm gehörte. Abgerundet wird dieses unglaubliche Stück durch mimische Darbietungen allerunterster Kajüte, geschuldet dem Umstand, dass sich alle Beteiligten selbst spielen - und zwar in jedem Lebensalter!

Eine neue Bestimmung als Filmemacher war Hr. Elmore trotz der Gründung der Produktionsgesellschaft "Contemporary Gladiators Productions" (leider?) nicht gegeben, dafür eine als Modedesigner und Museumsdirektor! Aber das ist eine andere Geschichte...

Übrigens: Die Kamera führte Anthony nicht, aber vielleicht wäre das sogar besser gewesen, denn was Larry Ray Dunn hinter der Linse zusammenfilmte, sieht erbärmlich aus – was aber auch daran liegen mag, dass offensichtlich immer nur ein Scheinwerfer zur Verfügung stand…

Bombe!

Natürlich in deutscher Synchro in Highlight Video Qualität."

Leider schwächelte unser Publikum dergestalt, dass wir den zweiten Film aus pädagogischen Gründen ausfallen lassen mussten: "The Amp" sollte niemand entkommen – also vertagten wir den zweiten Film auf den nächsten Termin...


Mi, 23.05.2012poster

Aus der Einladung:

"Am Mittwoch ist es so weit: um 19:45 treffen wir uns diesmal wieder in der alten Cafeteria der HfG im dritten Stock! Wir freuen uns über diese Einladung an einen ebenso historischen wie aktuellen Ort, um gemeinsam dem Schund zu huldigen. Oh ja.

Beim letzten Mal konnten wir fast (aber nur fast!) einen historischen Minusrekord bei den Besucherzahlen begehen, der uns auf eine fiese Idee brachte: falls unser hochverehrtes Publikum dachte, klammheimlich dem KICKBOX GLADIATOR entgehen zu können, machen wir diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, indem wir ihn diesmal WIEDER aufs Programm setzen, und das machen wir so lange, bis mindestens zwei Gäste durchhalten! Ein bisschen Zug und Strenge muss sein, schließlich haben wir einen Bildungsauftrag… So leicht kommt ihr uns nicht davon.

Um vor diesem Meisterwerk unsere Gäste entsprechend vorzubereiten, verpassen wir Euch einen "Supertrip quer durchs Gehirn" (offizieller Werbetext) mit den "Superheroes der übernächsten Generation" (dito), und was könnte das anderes sein als:

SONS OF STEEL
Australien 1989
von Gary L. Keady

Australien ist ein gelinde gesagt "schwieriges" Feld, was filmische Qualität angeht, kommen doch neben Mad "Hinter der Dönerkuppel" Max so tilgenswerte Gestalten wie Yahoo Serious und Crocodile Dundee aus dieser ehemaligen Sträflingskolonie, bei der nie zufriedenstellend geklärt werden konnte, wie sich die ganzen Typen da unten eigentlich vermehren konnten. Der Anblick von Ron Hartley, der als "Black Alice" einerseits die Hauptrolle spielt und andererseits für den Power-Metal-Soundtrack verantwortlich zeichnet, lässt den Verdacht aufkommen, dass sich Männer vielleicht einfach amöbenhaft teilen können, wenn sie nur genug Steroide und so Zeugs schlucken…

Der eine oder andere obskure Streifen von down under fand seinen Weg in die Trashnite ("Death warmed up" aka "Robot Maniac", "Escape 2000", und ein Ding in dem renitente Jugendliche in ein Autokino-Gulag verfrachtet wurden, word! …), SONS hebt sich allerdings in so ziemlich jeder Art und Weise nicht nur von diesen, sondern auch allen anderen Filmen ab, die wir so kennen. Und sei es nur, weil das Genre des Sci-Fi-Metal-Musicals nicht allzu viele Titel umfasst… Laut, dämlich, prollig, bunt und nebenbei wird gezeigt, wie Revolution geht. Brauchts noch mehr?

Come and see!"


Mi, 27.06.2012poster

Aus der Einladung:

"Ola,
genau eine Woche zu spät und – damit SYNC mit unserer letzten Verschiebung – dürfen wir erneut, erfreut und geehrt in die Ex-Cafete im dritten Stock der HfG einladen. Gleich vorneweg: das Warten hat sich gelohnt, denn insbesondere unser erster Film

PUMA MAN

wird besser mit jeder Minute, die zwischen seiner Entstehung im Jahre 1980 und dem Anschauen vergangen ist – wenn das überhaupt noch möglich ist.

Ein Streifen, der in der IMDB nur einen Stern hat, ist immer ein Blick Wert, aber spätestens wenn sich andeutet, dass der Oberschurke reihenweise Leute aus dem Fenster wirft, um rauszubekommen, welcher der von einem übriggebliebenden Aztekenpriester gegen seinen Willen rekrutierte "Puma Man" sein könnte (nur der überlebt so was!), wird es Zeit sich die Sache genauer anzuschauen. Bis zum Ende!

Das Genre der Superheldenfilme ist seit jeher von mehr Downs als Ups gekennzeichnet, aber um eine ähnlich windige Gurke zu produzieren brauchten beispielsweise die Briten 7 Jahre länger ("Superman 4 – die Welt am Abgrund", anyone?), und so sehen wir einen der seltenen Fälle, in denen die Italienischen Filmschaffenden zeitlich die Nase vorne hatten – und sei es auch nur im Wettbewerb, den fragwürdigsten fliegenden Capeträger aller Zeiten auf die Leinwand zu bannen.

Verblüffend:
Unser Superheld ist mit allen Fähigkeiten eines echten Pumas ausgestattet, inklusive der zu Fliegen (lange! oft!).

Noch verblüffender:
Die Action Figures geben erstaunlich präzise die schauspielerischen Fähigkeiten der Beteiligten wieder:
http://www.figuronomy.com/customcon4/puma-man/index1.php

Total verblüffend:
Zu welchem Filmtitel gibt es schon ein gleichnamiges Duftwässerchen, welches auf einer Parfümbewertungsplattform eher schlecht abschneidet, aber immer noch drei mal besser als der Film selbst bei der International Movie Database?

Uber-blüff:
Die vielleicht längste Review, die ich zu einem unserer Programmpunkte je fand, fand ich zu PUMA MAN:
http://www.agonybooth.com/recaps/The_Pumaman_1980.aspx?Page=1

"EVERYONE MUST SEE THIS MOVIE, IF YOU SEE ONE MOVIE IN YOUR ENTIRE LIFE THIS IS THE ONE TO SEE!" – D.Vader aus Ridgewood, New Jersey auf IMDB.

Was zeigt man nach PUMA MAN? Natürlich

ZEBRA MAN 2
von Takashi Miike
Japan 2010

Viel mehr muss man gar nicht sagen, außer vielleicht zu zitieren:

"Im offiziellen Katalog der Filmfestspiele von Venedig fiel der obligatorische Kommentar des Regisseurs zu seinem Film äußerst knapp aus. Takashi Miike gab den potentiellen Zuschauern von „Zebraman 2" nur die Empfehlung, vor Filmbeginn möglichst viel Bier zu konsumieren, um sich so richtig gehen lassen zu können."

Pumahaft reißzähneknirschend bzw. zebraartig wiederkäuend mussten wir diesmal kapitulieren vor technischen Problemen mit einem Blu-Ray-Rip, dessen Ton sich auf dem ollen Asta-G5 partout nicht abspielen ließ - allerdings auch nicht auf einem noch geschwindt herbeigezauberten Studenten-Laptop. Fluch der modernen Technik! Das sind die momente, in denen man sich ein leierndes VHS Tape herbeiwünscht, dass sich noch irgendwie abspielen lässt... Egal, die Stunde der Bewährung führte zu einer weiteren Premiere: dem spontanen Umschwenken auf ZEBRAMAN 1, der per Stream aus dem Web auf die wackelige Cafetereia-Leinwand gezaubert wurde. Dies allerdings zu bereits deutlich vorgerückter Stunde, so dass die Schar der Zuschauer durch einen Zweischichtbetrieb ergänzt werden musste - ein Hoch auf die Spätkommer!

 

 

 

 

<< 2011