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2013

 

 

Mi, 16.02.2013poster

Aus der Einladung:

"Hochverehrtes Publikum, die erste Trashnite im neuen Jahr ist gleichzeitig die letzte im alten Semester – Grund genug, bleibende Eindrücke zu schaffen!

Dabei helfen uns einmal mehr zwei japanische Regisseure, als da wären der immer noch aktive und notorisch bekannte TAKASHI MIIKE und der bereits 1983 an Leberzirrhose verstorbene und ungerechterweise ziemlich vergessene SHUJI TERAYAMA. Letzterer wurde bereits vor vielen Jahren mit einem "Best of unglaubliche Kurzfilme" Special bei der Trashnite gewürdigt und sei allen an die Hand gegeben, die glauben, schon so ziemlich alles gesehen zu haben. You're wrong!

FRUITS OF PASSION
Japan 1981

Allen, die uns des Populismus beschuldigen mögen, ausgerechnet jetzt einen Film zu zeigen, in dem Klaus Kinski unter anderem an ziemlich jung aussehenden Japanerinnen herummanipuliert, denen sei entgegnet: der ist schon ganz lang auf der Liste! Die Frucht ist jetzt überreif und fällt ins Publikum, welches sich mit einer kruden und schwer verdaulichen Mischung aus Arthouse-Allüren, politischem Drama, Kostümschinken, verschwitzen Fieberträumen der nicht jugendfreien Art und sehr, sehr bunten Sets konfroniert sieht.

Ganz grob geht es um eine fiese Erniedrigungsphantasie, die ein dekadenter, sexuell hyperaktiver Aristokrat (guess who) im Hong Kong der 1920er Jahre auslebt. Das ist aber ziemlich wurscht, denn Herrn Terayama ging es einmal mehr darum, jedes seltsam poetische Bild auf Zelluliod zu bannen, das in seinem nicht gerade faulen Hirn herumspukte. Ein völliges Rätsel bleibt, warum er ausgerechnet den ollen Kinski – weit jenseits seiner besten Tage – importierte, um in der ganzen Sache herumzustolpern, sein Kinski-Ding durchzuziehen und alles zu versauen. Kommt und spekuliert!
Frank

ZEBRAMAN (ゼブラーマン Zeburaman)
Japan, 2004
Regie: Takashi Miike

Sprechen wir einen Moment über Shinichi Ichikawa.

Der gute Mann hat ein unerfreuliches Leben.

Als Grundschullehrer (3. Klasse) kann er keine nennenswerten pädagogischen Erfolge vorweisen. Sein Sohn wird (als Spross eines unpopulären Lehrers, siehe oben) von seinen Mitschülern drangsaliert, seine Teenager-Tochter treibt sich mit viel zu alten Männern herum und seine Frau betrügt ihn nach „Stlich und Faden“.

Außerdem ist er Fan einer unpopulären 70'er Superhelden-TV-Serie namens „Zebraman“, die schon nach der 7. Episode abgesetzt wurde. Dieser Mann ist kein Millionär, Kein Zeitungsreporter, nicht mal ein verkiffter Biologiestudentenlümmel oder ein cholerischer grünlicher Klotzkopf. Dieser Mann verkleidet sich nicht als Fledermaus und hopst in uninspirierten, farb- und humorlos gestrickten, semi - faschistoiden Endlosfilmen von einst talentierten Regiewunderkindern herum und tötet (beim Versuch, Bösewichter „gewaltlos“ zur Strecke zu bringen), Hundertschaften von ehrenwerten Polizisten.

Dieser Mann verkleidet sich als Zebra, schließt Freundschaft mit einem behinderten Jungen, der seine Vorliebe für obskure 70er Superheldenschmonzetten teilt, ach ja, und er rettet die Welt vor einer außerirdischen Invasion. Dieser Mann ist ein „good man“. Kein „bad-man“. Und schon gar kein „Batman“.

Positives, verspieltes Mittnullerzeugs von Trashnight-Regular Takashi Miike. Check it out!

Tztztz. Fledermausmann. Absurd.

Teil 2 wird im Laufe des Semesters folgen.
Jörg"


Mi, 26.06.2013poster

Aus der Einladung:

"Liebe Trashgeneigten,

nach erneuten Verzögerungen die nächste Trashnite eines holprigen Semesters! Als Wiedergutmachung fürs Warten und besonders für all jene, die beim letzten Mal geradezu epische technische Probleme miterleben mussten und dennoch am Ball blieben, hier nun ein tiefer Griff in die Schatzkiste. Dieser dürfte reichlich Stoff zum Nachdenken für die bevorstehende lange Semesterferienpause bieten. Also nicht verpassen:

ROBO VAMPIRE
Hongkong 1988
Regie: "Joe Livingstone"

Bereits am 5.7.1993 (!) zeigten wir dieses Machwerk in der Trashnite, und das gehört noch zu den am wenigsten erstaunlichen Fakten rund um den Film.

Seinerzeit war die olle ausgeleierte VHS aus der Videothek noch ein unerklärliches Mirakel, über das keine weiteren Informationen aufzutreiben waren. Außer Fassungslosigkeit ward einem nichts an die Hand gegeben. Kurz darauf wurde das Internet erfunden, und kaum 20 Jahre später finden sich zahllose Kritiken und meist hoffnungslose Versuche, Handlung und das Ausmaß des Scheiterns dieses (völlig ernst gemeinten!) Sci-Fi-Drogenthriller-Fantasy-Actiondingsbums wiederzugeben.

Sagenhaft die Chuzpe, mit der Produzent Tomas Tang hier die Abfallprodukte diverser gescheiterter Filmprojekte zu einem neuen Produkt zusammenrührt. Ein Erfolgsrezept, welches er übrigens in einigen anderen von uns geschätzen Produktionen bis zur Vervollkommnung entwickelte, bis er leider eines Tages bei einem Brand seines Büros ums Leben kam. Nach der Entdeckung von ROBO VAMPIRE durchforsteten wir die Videotheken nach weiteren Produktionen, die sich bezeichnenderweise meist in der billigsten Kategorie ganz unten im Regal fanden… einige der bizarrsten Trashnites waren dank Titeln wie COUNTER DESTROY die erfreuliche Folge.

Sein Stil war klar der Zeit voraus, hat er doch einen enorm desorientierenden Effekt, der erst in jüngster Vergangenheit von dubiosen Designerdrogen wieder erreicht wird.

Wer sich nicht vorstellen kann, dass man eine Mischung aus ROBOCOP, A CHINESE GHOST STORY, Söldner-, Kung-Fu- und Vampirfilm hinbekommen kann, muss sich hier eines besseren belehren lassen. Alle anderen lernen auch noch was dazu. Zum Beispiel, dass hier definitiv das schlechteste Stunt-Double aller Zeiten zum Einsatz kommt.

Hierzu zitieren wir einen fiktiven, aber sehr realistischen Dialog, den sich die Kollegen der "encyclopedia obscura" ausgedacht haben:

...Meanwhile, the priest is talking to some guy who is somehow connected to the drug boss. The priest thinks that the ambush earlier must have been the result of treachery, and suggest that all the drug dealers involved in the operation must be terminated. This was of course not what the scene originally was about, but an excuse to insert a scene where drug dealers are killed in the other movie, which has no robots, vampires, ghosts or kung-fu people and is therefore infinitely inferior.

Some people we've never seen before bust into a church to confront a priest about some disappeared drugs. So not only was the added dialogue in movie #1 a flimsy excuse to cut to movie #2, the altered lines also failed to actually be relevant to what they were supposed to set up. Also, the plot temporarily moves from Asia to Mexico or Puerto Rico or Colombia or something. The thugs accidentally find the missing drugs inside a crucifix, but when they're about to kill the priest, a blonde woman we've never seen before appears and blasts away on her machine gun before jumping out the window and serving us the most obvious stunt double ever.

I can only imagine how the casting agent presented this situation to the director:

Livingstone: So, Sarah, we're shooting the church stunt today, could you get the stunt woman ready for make-up?

Sarah: Yeah, about that... She kinda isn't here, so we had to get someone else.

Livingstone: Well, does she look like the actress she's standing in for? Sarah: Uh, she's not as much a 'she' as she is a... em... 'he'.

Livingstone: What? Everybody is going to notice if a big burly stunt guy suddenly takes over!

Sarah: In fact, he's quite a bit shorter than her. I think it will work out, though, as soon as the interpreter has managed to explain what he's supposed to do.

Livingstone: He's a Mexican?!

Sarah: No, no, he's Asian.

Livingstone: Oh god, please tell me his skin color is at least close to white!

Sarah: Actually, he's one of those dark ones. Livingstone: Jesus Christ, just give him a damned wig and get him ready. I'll see what I can do.

Sarah: Yeah, that's another thing. We can't find the long blonde wig, so we'll have to settle for a short grey one. And the interpreter isn't completely sure, but he thinks the stunt guy refuses to shave his moustache. The name of the casting agent has been altered in the above dramatization, not just because I want to protect her privacy, but also because this movie has no end credits.

Überzeugt? Bonus: wir zeigen die ORIGINAL VHS Kassette, die bereits vor 20 Jahren in der Trashnite lief!

Superbonus: es handelt sich um die deutsche Synchro, die eine Meta-Ebene einzieht, die sich gewaschen hat. You won't believe it.

Als wäre das alles noch nicht genug, schieben wir das amerikanische Pendant in Bezug auf das Level der Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung hinterher, das sich da nennt

R.O.T.O.R.
USA 1989
Regie: Cullen Blaine

R.O.T.O.R. is bad beyond any scale known to man. Its so epically bad that its AWESOME. It’s like discovering Troll 2 again. Everything about it is just painfully awful but you can’t help but smile the entire time. I mean when one scene shows an alarm clock going off at 5:00 am and then not more then 1/1000 of a second later the clock says 4:50…you know you’re in for a good time.

In diesem Sinne!

Frank & Jörg"


Mi, 23.10.2013poster

Aus der Einladung:

"Wir zünden diesmal ein anglo-italienisches psychedelisches Feuerwerk, mit original Stoff aus den 60ern!

WONDERWALL
England 1968

"The first thing that comes to mind, a few minutes after finishing the film, is 'This must be what it's like to do peyote, throw up, and then spend two hours staring at your vomit and marveling at how wondrous and beautiful your former lunch now looks….' " Ein lang verlorenes "Meisterwerk", so sehen es zumindest einige Kritiker.

In die Handlung rund um einen verklemmten Professor, der ein Loch in einer Wand entdeckt durch welches er seine Hippie-Nachbarin beobachten kann, ist nicht so viel Energie geflossen – um so mehr in die visuelle Ausgestaltung dessen, was er zu sehen bekommt! Doppelter Nutzen als bewußtseinserweiternder Filmspaß und lehrreiche Zeitmaschine mit Einstellung auf das Swinging London. Wir sehen und hören eine nagelneue restaurierte Fassung in voller Pracht!

FEMINA RIDENS
Italien 1969

If there’s one thing I always appreciate, it’s a movie that completely fucks with audience expectations.

In der (lateinisch) "lachenden Frau" (im englischen Sprachraum aber lieber übersetzt mit "The Frightened Woman") haben wir es wiederum mit einem Mann zu tun, der sich an einer fremden Dame delektieren möchte.

Da es sich allerdings um einen Streifen aus der deliriösesten Phase des italienischen Kinos handelt, kommt einiges so ganz anders als erwartet. In Punkto Stilsicherheit, Design und Coolness wird hier gegenüber den englischen Kollegen sogar noch so manches Schippchen draufgelegt, was den Film zu einem echten Schmuckstück aus dem Trasnite-Tresor macht.

Elegante Regie, Schauspieler in Höchstform, verquerer Plot und feiner Soundtrack – persönliche Empfehlung!

See you
Frank & Jörg"


Mi, 20.11.2013poster

Aus der Einladung:

"Liebe Filmfreundinnen, liebe Filmfreunde, weiter geht's mit unserem Wintersemesterprogramm und dem doch eher dankbaren Thema "Surrealismus"!

BLUEBERRY
Frankreich/Mexiko 2004

Manche Stinker reifen in aller Ruhe vor sich hin wie ein Handkäs – 10 Jahre nach Veröffentlichung ist nun bei BLUEBERRY die Stunde der Verkostung gekommen. Warum Jörg Euch diese Produktion ans Herz legt, erzählt er Euch am Mittwoch in der Kapelle höchstpersönlich.

Sein Text hat mich leider nicht mehr rechtzeitig erreicht, deshalb belasse ich es mit falsch aus dem Gedächtnis zitierten Begründungen: "Total bescheuert" aber auch "irgendwie ganz geil" von einem "Trottel" gedreht, der auf halber Strecke der Dreharbeiten etwas zu viel Kaktus genascht hat (da werden wir immer hellhörig) und sich daher entschloss, dem Streifen einen etwas anderen Drall zu verpassen. Viele Kritiker waren entnervt von der sogestalt begründeten 10minütigen CGI-Orgie, aber die muss natürlich durch unseren berüchtigten Glaubwürdigkeitstest für Drogenvisualisierungen. Testet mit!

Hoppla! In allerletzter Sekunde erreicht mich soeben Jörgs Darstellung der Dinge:

Der Satz „Im wesentlichen beibehalten wurde der Name des Titel gebenden Hauptdarstellers“ beschreibt diesen entzückenden Psychedelischen Western-Clusterfuckup, der nun so gar nichts mit der gleichnamigen Comicserie des Autoren Jean-Michel Charlier und des Comic-Künstlers Jean „Moebius“ Giraud gemein hat, recht präzise.

Der von Indianern großgezogene Mike S. Blueberry , gespielt von Vincent Casselle, durchlebt und durchleidet eine mit zunehmender Dauer des Films immer verworrener anmutende Transformation vom klassischen Westernheld mit tragischer Vergangenheit zu... ja, zu was eigentlich? Regisseur Kounen, einigen von euch sicherlich bekannt durch den etwas großmäuligen Off-Beat Gangsterfilm „Doberman“ bzw. die erfolgreiche Verfilmung des Werber-gone-batshit-crazy Romans „99 Francs“, scheint mit jeder Minute, die der Film andauert, weniger Interesse an seiner eigenen klassisch-biederen Genre Rachestory zu haben und bevorzugt es, mal mehr, mal weniger erfolgreich, ein vage esoterisches, Drogen – und CGI getränktes Westernpsychedelic-Selbstfindungspuzzel zusammenzudelirieren dessen spektakuläres Finale dann um so mehr dadurch überrascht, dass es den längst in Sack und Asche erzählten, vernachlässigten Plot zu einem schlüssigen Ende zusammengeknibbelt bekommt.

Ursächlich dafür verantwortlich dürfte Kounens während der Vorbereitung zu dem Film aufgeflammtes Interesse an Ajyahuasca, Peyotel und ähnlichen Substanzen gewesen sein, welches er in der durchaus interessanten Dokumentation D'autres mondes ein wenig disziplinierter und trashferner erneut zum Thema machte und das diesen wirren Genremix zumindest um einige Szenen bereichert, die in einschlägigen Kreisen als ernstzunehmender Versuch gewertet werden, die an sich nicht visuell übertragbaren Bildwelten herber psychedelischer Innerspacereisen auf die Leinwand zu bugsieren.

Mag der Film auch gewisse Längen aufweisen, holperiges Schauspiel von überforderten Weltstars, und bestürzend kitschig-unauthentisch wirkende echten Shamanenperformances zu einer krude Icherfahrungssuppe zusammenrühren die einen mehr als einmal etwas ratlos in den Sitzen hängen lässt: dreimal im Hirn geschüttelt UND gerührt, kann man, etwas guten Willen vorausgesetzt, erstaunliches aus dieser Westerntrashperle herausfiltern und sich um so mehr auf den nächsten Jodorowski-Film freuen
JR

„Looks like the West just swapped wild for weird.“ (Jamie Russel, BBC)

Nach dem High kommt das Down, und zwar ein amtlich tiefes, geradezu unterweltliches in Form von

ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA
a.k.a. Hercules And The Haunted World
a.k.a. Hercules In The Haunted World
a.k.a. Hercules At The Center Of The Earth
a.k.a. Hercules vs the Vampire
a.k.a. Vampire gegen Herakles

Italien 1961

First things first. This is a flick about a guy with lots of muscles who hates, and I mean hates, clothes in any shape, form, or color if they would cover his pectorals.

Schon länger haben wir keinen Film vom hochverehrten Mario Bava gezeigt, was wir hier in aller Form wettmachen. 1960 entwickelte er mit seinem Erstling Maschera del Demonio bereits einen unverwechselbaren Punch – keiner konnte allerdings ahnen, dass er erst in Farbe und Cinemascope so richtig in Schwung kommen würde!

Aus dem Stand hebt Bava das Sandalenfilmgenre ungefähr so mühelos auf ein neues Niveau wie sein Protagonist mit kühlschrankgroßen Felsbrocken um sich wirft. Fast glaubwürdig kommt das rüber durch die Besetzung des Ercole mit Reg Park,

a bodybuilder of some noteriety, having been beat out by none other than Steve Reeves in 1950 for the Mr. Universe title, Reg came back and took the title outright in 1951, 1958, and 1965. The man knew how to work!! We're talkin' Mr. Universe here! Damn!

Unglaubwürdigen Quellen zufolge entstanden in den 60ern mehrere hundert Filme in Italien, die antike Mythologien in Drehbücher umschliffen, aber keiner sieht aus wie dieser. Wort.

Bava elevates this into something like psychedelic poetry, dammit.

Jedem einzelnen Werk von Bava sieht man an, dass er mit unerschütterlicher Leidenschaft Filmemacher war, der das Licht erst ausmachte wenn er etwas verzauberndes und verblüffendes im Kasten hatte. Zudem war er ein verdammt talentierter Handwerker, der sich auch noch die Spezial- und Kameraeffekte selbst ausdachte und aus ein paar Lire Wunderwelten erschuf.

You can actually have sunrise and sunset all in the same shot and get away with it if you're Mario Bava!

Geölte Muskeln, Pappmachémonster, Primärfarben und Geflacker:

... it's the Grateful Dead at the Fillmore West, it's early Pink Floyd at the UFO Club. It's pure, unadulaterated movie magic for Chrissakes.

Und wer glaubt, dass fliegende Zombie-Vampire eher so klingen als ob die frühestens ab den Nuller-Jahren erfunden worden wären wird auch eines besseren belehrt!

Herc has to kick a whole lot of dead ass in the end…

Oh, und Christopher Lee spielt auch noch mit. Bei unserem Rating schließen wir uns dem für heute letzten aus dem Netz geräuberten Zitat an:

Excellent Hercules film -- the best of all!

See you! Frank & Jörg"


Mi, 18.12.2013poster

Aus der Einladung:

"Hochverehrtes Publikum,
am Mittwoch geht es in die letzte Runde für dieses Jahr, und da ihr Euch in den Feiertagen schön erholen könnt, servieren wir 2x Überlänge! Los geht es mit

MACBETH
von Roman Polanski, 1971*

Sollte ein Kumpel von Euch am letzten Wochenende eine Zeitmaschine erfunden haben und ihr mit dem Gedanken spielen, mal so in die Zeit um 1050 reinzuspazieren - tut es erst, wenn ihr diesen Film gesehen habt! Es könnte sein, dass ihr das Rädchen doch lieber auf eine andere Epoche einstellt.

Das frühe Mittelalter zeigt sich hier als eine dermaßen trostlose, verregnete, feuchtkalte, brutale und abgrundtief verkommene Angelegenheit, dass man sich wundert, wie zum Teufel überhaupt irgendjemand übrig blieb, um sich weiter durch die kommenden Epochen zu schleppen. Die Damen und Herren von der schottischen Tourismusbehörde haben vermutlich den Schreck ihres Lebens bekommen, als sie Polanskis Schlamm- und blutverkrusterer Version des ollen Shakespearedramas ansichtig wurden. Binnen zweieinhalb Stunden bekommt man reichlich Argumente geliefert, den nördlichen Teil der britannischen Insel tunlichst zu meiden, und wenn heute Alkohol und Fastfood für die kürzeste Lebenserwartung in der EU verantwortlich sind – damals lags an anderen Sachen. Und die bekommen wir alle zu sehen! Bände sprechen die ratlosen Reaktionen der Jugendschutzbehörden (FSK 16, ab 15 in UK, ab 18 in Irland), vermutlich weil es kein adäquates Rating für "niederschmetternde, lakonische Grausamkeit" gibt. In dieser Kategorie läge MACBETH so bei "ab 25".

Nun ist es ja nicht überraschend, dass sich ein Regisseur klassischen Stoff vornimmt, aber Polanskis Zugang ist bitterer motiviert als einem lieb sein kann. Nur zwei Jahre vor Drehbeginn wurde seine schwangere Frau samt einigen seiner Freunde im leider wahrsten Sinne des Wortes abgeschlachtet - die Täter manipuliert und angetrieben vom charismatischen, aber wahnsinnigen Charles Manson. In diesem Kontext ist die Handlung um einen größenwahnsinnigen, von Visionen gesteuerten König, der seine Herrschaft mit Mord begründet hat und aufrecht erhält, schon ziemlich starker Tobak. Polanski stritt zwar stets diese direkten Bezüge ab, woher er allerdings sonst die Motivation gezogen haben könnte, dieses Ding hier abzuliefern liess er offen.

Erstaunlicherweise gibt es trotz dieser Warnhinweise dennoch reichtlich Gründe, MACBETH anzusehen - teilweise sind diese sogar identisch mit jenen! Dazu kommen eine exquisite Kamera, Spitzenschaupieler, und ein ganz eigener düsterer, psychedelischer Sog.

Wer also Schwerter klappern hören möchte, kann sich überbudgetierte Zwergenfilmchen sparen (sorry Peter "Bad Taste" Jackson, wir haben Dich geliebt) und sich den echten Stoff reinziehen. Englisch mit englischen Untertiteln, versteht sich.

Wenn wir unsere zitternden Hände dann mit einem schönen Scotch beruhigt haben, bleiben wir in Küstennähe und nähern uns einer weiteren mythischen Gestalt, nämlich

POPEYE
von Robert Altman, 1980

Kennt ihr die Comics? Man könnte sagen: egal! Vielleicht ist dann alles noch ein bisschen surrealer. Oder gerade andersrum?

Ein früher Vorläufer der Comicverfilmungen, von dem es meines Wissens noch kein 3D-Remake gibt - wohl aus gutem Grund! Ein Desaster epischen Ausmaßes und ein möglicherweise etwas problematischer Karrierestart für Robin Williams, der hier – in seinem ersten Film, also noch bevor es eine vernünftige Ausrede gab, Star-Probleme zu haben – bereits dermaßen dem Kokain zugetan war, dass nur die Flucht ins Overacting blieb.

A balding, muttering, one-eyed sailor with a seemingly stroke-induced speech impediment, a filthy, chewed-up corncob pipe jammed in the corner of his slack mouth at all times (even while asleep), freakishly swollen forearms and possibly rickets (or at least severe hip dysplasia)? This was leading man material? Someone evidently thought so…

An seiner Seite sehen wir Shelley Duvall,

fresh off of being psychologically tortured by Stanley Kubrick on The Shining, would appear as Olive Oyl, by her own reluctant admission the “role she was born to play.” … And while many films were made under the influence of coke, few show it as clearly as Popeye.

Watching the movie is like being in a room with thirty people all snorting lines and yelling half-baked epiphanies at each other, flitting from subject to subject and mood to mood on a moment's notice.

Therefore, Popeye is, on a moment's notice, a broad Marx Brothers-esque comedy, a romance, a song-and-dance show, a leaden ensemble drama, a period piece, an intellectual homage to the old cartoons, an interior monologue, and a swashbuckling adventure. What it is through all of these is a fucking mess. I can't think of any kid who would enjoy it.

See you! Frank + Jörg

* Produziert wurde MACBETH übrigens unerklärlicherweise von Hugh "Playboy" Hefner; hier prallten Welten auf eine Art und Weise zusammen, die nur in den 70ern möglich war...


 

 

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