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2025


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02.01.2025

Liebe Gemeinde, liebe Katzenfreunde, liebe Kinder des frischen Jahres 2025!

Ohne viel Federlesen stürzen wir uns in die neue TMN Saison, einmal mehr den Versuch wagend, die formalen und inhaltlichen Impulse der jüngst aufgetischten Schrott- und Bizarro Filme aufzunehmen, clevere Brücken zum dieswöchigen Film zu schlagen und im großen und ganzen ein möglichst nahtlos-tightes Trashmovie-Set zu gestalten, welches uns unbeschadet gen 2026 befördern mag.

Allein, der aktuelle Jahreswechsel ging ruppig, substanzaffin und „bis in die Puppen“ vonstatten und mit den Auswirkungen des Gelages, dem sprichwörtlichen KATER kämpfend, fällt diese Beschreibung gezwungenermaßen knapper als gewöhnlich aus, wofür sich Teile des Kuratoriums zwar nicht entschuldigen werden, aber heyyy das Jahr ist noch so entzückend unbeleckt und verdammich, vor und nach dem Film wird es reichlich Zeit geben, das Erwartete zu diskutieren und das Gesehene zu demontieren.

Ansonsten haben wir es bei

ROAR
USA 1981
R.: Noel Marshall (...und ein ganzes Naturschutzgebiet voller durchschnittlich gut gelaunter ECHTER Löwen, Tiger, Elephanten etc.pp., die „Improv-Credits“ zugeschustert bekamen, weil sie einfach verdammt nochmal machten, was sie wollten...)

mit einem sehr bizarren, spleenigen und erstaunlich großzügig besetzten Experimental-Abenteuerfilm zu tun, welcher seine Wirkmächtigkeit zwar auch aus den phantastischen Wildlife-Filmszenen und Tippi Hedrens wackeren Versuchen, ihre Vogel-paranoia mit einer frischen Großkatzen-Panik zu kontern zieht, darüber hinaus aber sehr schnell alle möglichen Fäden fallen lässt und irgendwie nur noch verzweifelt versucht, mit der Crew nicht buchstäblich in diesem Meer an Fängen, Mähnen, Pfoten und Rüsseln, zu versinken.

Aber keine äääh Angst, nicht ein einziges der Schnuckelmiezen und Wonnekater kamen bei den wüsten Drehbreiten zu schaden – was man von der bedauernswerten Crew nicht grade behaupten kann, lag der Verletzungs-Score Wildlife vs. Menschencrew bei etwa 0 zu 70.
Deshalb also feinste Katzenleckerlies, Haarballen-Katerfrühstücke und womöglich ein kerniges Zebragulasch vorbereiten, und gemeinsam ob des wirklich irrsinnigen Unterfangens, mal „irgendwas mit 50 Löwen“ zu machen, ein schönes Schlückchen Elefantenmorgenmittelstrahl-Pipi zu Gemüte geführt!

J+F+A



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09.01.2025

Arrivederci Mietzegroßkatzen! Adieu „Afrika“! Adios angepisste Elefanten! Aufnimmerwiedersehen „Renn noch mal die Planke hoch“ !

Endgültig willkommen in 2025! Willkommen in der Zukunft!

Dräuende Elektronenhirne, riskante Robotik, Transhumanismus, wundersame Sexdrogen – wir geben sicherheitshalber eine Schnelllektion, was demnächst anstehen könnte UND wie man zwecks Rettung der guten alten Menschheit die Oberhand behält. Dass es dafür zunächst lediglich weißer Unterhosen, Haarspray und einer kaputten Stehlampe bedarf sollte nicht zur Leichtsinnigkeit verführen, denn nur in Kombination mit einem großen Maul und Hintergrund als seasoned veteran of mutant warfare kommen diese Voraussetzungen zur gewünschten Wirkung.

Also gilt es für uns Normalsterbliche, durch äußerste Aufmerksamkeit bei der Betrachtung von MUTANT HUNT überlebenswichtige Informationen einzusammeln. Bezüglich des Bedrohungspotenzials etwa, welches Schaufensterpuppenteilen innewohnt; dass die Anschaffung von 6 schwarzen Sonnenbrillen eine solide Basis für den Aufbau einer Cyborg-Armee darstellt; der Einsatz des anrüchigen Charakternamens „Domina“ eine solche einsparen kann; sich durch das Abfilmen kryptischer Graffitis* als Hintergrund einer Schießerei bemerkenswert effizient von jener ablenken lässt usw usw.

Ganz einfach wird es nicht, den Überblick zu behalten! Soviel Ehrlichkeit muss sein. Versüßt wird uns die Aufgabe durch den respektablen Versuch der Macher, die Postpunkneonästhetik kostengünstiger 80er SciFi-Actionflicks mit noch kostengünstigeren Mitteln zu emulieren.

Ein klitzekleines bisschen unfair mag dabei erscheinen, dass das ursprünglich für Direct-To-Video-Veröffentlichung vorgesehene Material jüngst gnädiger VHS-Schwammigkeit entrissen ward, um in filmkörnchengenauer Abtastung all jenes zu enthüllen, was man glaubte sich sparen zu können. Hyperrealismus oder Surrealismus? Reinschauen, Rausfinden, Räsonieren! Wie immer in bester Gesellschaft.

F&J&A


*„Death may be your Santa Claus…“



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16.01.2025

Sehr verehrtes Publikum,
wir sprechen diese Woche ein Machtwort und wenden uns radikal vom irgendwie immer eigentümlich verstörenden Katzenfilm-Genre ab. Beleuchten wir stattdessen, dem Bildungsauftrag seis geschuldet, die andere Seite der felligen Natur-Medaille. Hier bei der TMN findet jede Spezies ein offenes Ohr (und Auge), jede/r/s darf jeder zu Wort kommen, und wenn Tierdarsteller (eher Tier-seier?) „Ben“ für seine überzeugende Darstellung einer Ober-Ratte gar den renommierten PATSY Award, einer Art Oscar für Tierdarsteller, abstaubt, darf Mensch gespannt sein, was es aus der Welt der Nager so zu berichten gibt.

Willard
USA 1971
R.: Daniel Mann

Die Geschichte unseres Films handelt, für uns hartgesottene Trashmovie-Posse nicht besonders überraschend, von einem Außenseiter mit eher kindlichem Gemüt (brillant gespielt von Bruce Davison), der von seiner Umwelt im Allgemeinen und seinem Boss, dem knautschig-gut gelaunt aufspielenden Ernest „The Wild Bunch“ Borgnine im Besonderen, eher unerfreulich bzw. bösartig behandelt wird und seelisch-moralische Unterstützung bei Ratte Ben findet. Immer mehr Ratzen gesellen sich der Mobbing-Selbsthilfegruppe hinzu und hastenichgesehen verfügt der verstörte Willard plötzlich über eine Armee aus Nagern, die die direkte Konfrontation mit den Bullys dieser Welt ganz und gar nicht scheuen. Quiekende, wuselige „hilarity ensues“.

Der Film war an den Kinokassen ein voller Erfolg (auch wenn die Kritiker dem Film nur mäßig wohlgesonnen waren) und flugs wurde eine Fortsetzung, die buchstäblich nahtlos an Teil 1 anknüpft, heruntergekurbelt, zu der sogar ein blutjunger Michael Jackson den Titelsong beisteuerte.

Erwähnenswert ist noch, dass die kleinen Biester am Filmset keinen allzu großen Schaden von den Dreharbeiten davon getragen haben sollen, es kam für die etwas härteren Szenen künstliche Ratten zum Einsatz. Dennoch brachte man überwiegend echtes Geziefer an den Start und besonders erbaulich war es für die Tiere sicherlich nicht, Säckeweise in Kellern, Räumen etc. ausgekippt und buchstäblich durch die Gegend geworfen zu werden zu werden. Sanfte Triggerwarnung also.

Auch sei erwähnt, dass der Film anders, als die reißerischen Prämisse vermuten lässt, mit Schockmomenten eher sparsam umgeht. Stattdessen entfaltet sich die Bizarrerie im manischen, zwischenmenschlichen Durcheinander, das dank der schauspielerischen Leistungen der Darsteller einen wesentlich subtileren Horror zu erzeugen vermag als (durchaus vorhandene) Massenszenen mit eklig-possierlichem Rattengezücht. Möglich, dass hier der Einfluss des nun nicht eben auf Horror und Action gepolten Koproduzent Bing Crosby (yep. Der.) spürbar wird. Unklar ist, ob das nachfolgende Transkript aus der Rat-Times nun eher positiv oder kritisch (oder überhaupt) auf diesen Klassiker des Animal-Horrors blickt.

„Piiepipiiiieeeeppieppiiiippp
kreisschhhh
quiiiiekquiiiek
fiiiiiep
knipperknuppserraspel
kruschel
kack“

Verpflegung des Abends: Ganz klar Käsebällchen, Chuck E. Cheese
Pizzareste, Leckerlies und eigentlich alles außer Rattengift.
Let`s watch.

J+F+A

19:00 Mausiges Gemauschel
20:00 Die Sendung mit der Ratz




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23.01.2025

Liebe Gemeinde,

unergründlich sind die Wege persönlicher Erfahrungsbewältigung. Wurden wir bei Tipi Hedren (Happy 95. Geburtstag, btw!) Zeugen eines offensiven Upgrades von massenhaft lästigem Federvieh auf massenhaft lästige Großkatzen, so sind im heurigen Beitrag die Bezüge einerseits direkter, andererseits subtiler. Wie das?

Sondra Locke geriet im letztwöchentlichen WILLARD in eine – unter nicht allzu glücklichem Stern stehende – Beziehung zum Protagonisten*, der seinerseits eine noch weniger zukunftstaugliche Beziehung zu ca. 1.002 Ratten unterhielt. Interessanterweise gab es trotz des ganzen Gewusels keine Szene, in der sie selbst den Tierchen begegnete. Ob Nager-Nachholungsbedarf Grund sein könnte für das doch sehr sonderliche (soll man sagen: sondraliche? oh nee) Projekt, dessen wir nun ansichtig werden?

Wie auch immer, 15 Jahre nach WILLARD war es Ms. Locke offenbar ein Herzensanliegen, wieder „was mit Ratten“ zu drehen, bzw. einer Ratte, bzw. keiner Ratte, sondern einem RATBOY.**

Tja. Und da wird es dann unübersichtlich. Der Rattenjunge wird von einer Dame gespielt, dessen wenige „Worte“ von Sondras Ehemann Gordon Anderson synchronisiert wurden***, Sondra selbst führte nicht nur Regie, sondern spielte auch mit (immer gefährlich, prompt in einer goldenen Himbeere resultierend), und obwohl Prostetics-Halbgott Rick Baker solide ablieferte, erwies sich die unergründliche Mischung aus „Sozialdrama“ und „Komödie“ wenig überraschend als Kassengift und gefundenes Fressen für die wenigen Kritiker, die sich der (mit rattenschwanzlangen Längen und Überlänge bedachten) Sache aussetzen wollten. Nur die Franzosen fanden den gut, warum auch immer.

Kurz, ein richtiges Schlamassel und schwieriger Fall und mehr als einem WTF-Moment – also gut bei uns aufgehoben.

Film ab!

F&J&A

* mit dem sie offscreen ebenfalls eine Beziehung unterhielt, aber das wird jetzt zu kompliziert

** zwischendurch drehte sie weitere haarige Angelegenheiten, u.a. die floppende Planet of the Apes Serie sowie mit ihrem Lover Clint Eastwood und einem Orang-Utan eine Komödie (!), aber das wird jetzt auch zu kompliziert

*** mit dem sie aber nach beider Angaben nur platonisch und aus Steuergründen, dennoch bis zu ihrem Tod zusammenlebte, zeitweise in einem Haus, das von Clint finanziert wurde (den wiederum sie späterhin a completely evil, manipulating, lying excuse for a man nannte), aber das wird jetzt endgültig zu kompliziert.



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30.01.2025

Machen wir es kurz, aus Zeitgründen und weil es eh nicht anders geht: Nach RATBOY kommt natürlich RATMAN!

Und alles, was letzte Woche semisensibel von der Regisseurin vermieden wurde, bekommen wir von ihrem italienischen Kollegen vor den Latz geknallt: Schmuddel, Blut, Stuss und Geschmacklosigkeiten in klassischen 80er Ausmaßen, passend zu Giuliano Carnimeos Filmografie (DJANGO – EIN SARG VOLL BLUT, dem neulich von uns goutierten SARTANA – NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF, ZWEI IRRE TYPEN MIT IHREM TOLLEN BRUMMI, FLOTTE TEENS UND SEX NACH NOTEN, you name it he did it).

Um unsere Exkursionen ins Reich der Chimären abzurunden (und vorerst abzuschließen) gibts als Nachtisch Nagerexorzismus mittels eines exklusiven TMN-Kuratorencuts von … CATMAN 2!

What’s not to love?

F&J&A




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06.02.2025

Liebe Terranerinnen und Terraner (und Terra x en),

lange genug haben wir uns jetzt in Kanalisationen, Kellern, gammeligen Hillbilly-Hütten und Fabrikanlagen herumgetrieben und wahlweise von Nager:innen bezaubern, umwuseln und massakrieren lassen. Sollen wir denn auf alle Ewigkeiten in diesem klammen Jammertal von Menschenhand über die Fragen grübeln, warum sowohl Ratboy als auch Ratman keine entsprechenden Schwänze haben und Catman nicht ein einziges Glas von unseren Schreibtischen grundlos runterschubst?
Natürlich nicht!

Schwingen wir uns also auf in die einladende, erhabene Unendlichkeit, segeln wir zwischen den Sternen und bestaunen die überwältigende Pracht des Universums... Was? Zwischenstopp in einer Raumstation, in der es aussieht wie auf einem Autoschrottplatz NEBEN dem Wertstoffhof in Offenbach? Oookay. Soweit, so mittelprächtig. Der SF Look der frühen 90er war nun mal geprägt von irgendwie handgemacht und durchgegammelt wirkenden Kulissen und Sets a`la Alien oder Blade Runner, und da deutsche Highend Produktionen bekanntermaßen auf dem Hard-SF Sektor nicht allzu viel eigenständiges zu bieten hatten (und bis heute haben), nehmen wir zähneknirschend diesen Zwischenstopp auch noch mit.

Gemäß unserer TMN Philosophie Ad Astra per Gully schwingen wir uns in das nächstbeste Shuttle. Hoppala. Hier drinnen sieht ja ebenfalls aus wie in einer runtergekommenen, kleinen Fabrikhalle. Oder dem Wertstoffhof in Offenbach. Naja, geschenkt. Wenigstens mutet das Revell-Space Shuttle mit Zusatzpimmelbooster von außen putzig an, und die „Titanius“, ein mächtiges, dem „Untergang“ geweihtes (did you see what they did there? And wot I did here? Mensch, wir Schelme aber auch!) Weltraumgefährt, wurde 1:1 von einem Motiv des legendären SF-Cover-Artist Herrn Chris Foss (aus den tiefen 70ern) abgekupfert (bei dem sich schon viele andere SF Designer gerne bedient haben und das, man höre und staune, als mögliches Design für Jodorowskys gescheiterte Dune Verfilmung in der engeren Auswahl stand...).

Naja, wenn schon klauen, dann bei den Besten, nicht wahr.
Überhaupt: Die Raumschiffe! Selten so viele gut gemeinte, letztlich aber krachend in die Raumanzughose gegangenen Versuche, US Effekt-Niveau zu erreichen, auf einer Leinwand vereint gesehen! Respekt, Theo gegen den Rest „Kultregisseur“ Bringmann!

Wir nehmen also das Shuttle und... und...
.
.
.
Ach, wie gerne würde ich jetzt spoilern. Aber das Einzige, was uns unbeschadet durch diese gigantomanische Enttäuschung, die da „Weltraum a la Bavaria“ heißt, mit Vergnügen und eitel Schadenfreude, bringen kann, sind die hundsbeknackten, permanent in die gegen die Weltraumrand-Wand knallenden Überraschungsmomente, diese Einblicken in das verschnarchte, überhebliche, deutschhumorige, unspannende, uninspirierte Dummzeug-Mainstream Kino der 90er Jahre.

Keine Ahnung von SF, kein Bock auf eigene Einfälle, keine Lust auf Regie, cleveres Drehbuch oder gar Schauspielerführung gehabt? Und trotzdem mit schickem Bavaria-Geldchen überschüttet werden und zerknirscht bzw. offenbar zu Tode vom Job gelangweilt, in den Resten der Kulisse des passablen „Enemy Mine“ irgendwas mit Alk getrunken und den Götz von Georglichingen sich seine eigenen Witze ausdenken lassen? Super Plan!

Wahrscheinlich dann irgendwie fern gesehen auf der verzweifelten Suche nach Ideen, mit denen man, wie die großen Vorbilder Hollywood und Tolliewood, Klein- und klein gebliebene Großen in die Kinosäle locken kann? Auf einem Bierdeckel Notizen gemacht, Worte wie „Profiwrestling! Eurodance Musik! Eine Hübsche mit so achtziger Möpsen, ein Deppenboy mit Zipfelchen, und Spaßgarant Götz geht immer! Und 1001 Küken bwwwaaahahaha! Nein, ich hatte nur 8 Weizen!“ rausgerülpst? Geht alles, wenn man nach Tarif bezahlt wird.

Wo waren wir? Was war der Plan? Aufsteigen aus dem Rattensumpf, zu den Sternen! Einen millionenschwere Bavaria-Produktion, die sagenhafte 90.000 Zuschauer ins Kino lockte, mit dem Tiel „DIE STURZFLIEGER“ zu wählen, die (warum nur?) eigentlich nichts anderes zu bieten hat, als mal wieder anschaulich zu demonstrieren, dass „...das Leben (…) zu kurz ist, um es mit einem deutschen Film zu verschwenden“ (Der Student Brain, ca. 1996 am WG Küchentisch). Aber hey! TMN geht just so!

Die rare SF Flop Schote, die niemals eine DVD-Auswertung erfuhr (11000 Dankeschön-Katzenpfötchen an Co-Kurator Bernd „VHS-Trüffelspürschwein par excellence“ T. für die Beschaffung und Digitalisierung dieses äußerst raren Quatschfilms), entstand im Jahre des Satanischen Herren 1993 und nein, lieber Bernd, trotz Deiner eindringlichen Warnung, der Film sei so schlecht, dass er schlecht bleibe, kommen wir nicht um ein Screening herum.

Durch die Gülle zu den Sternen.

Um mehr Gülle zu finden.

Heissa, lustig ist das TMN-Dasein!

Getränke diesmal: Selbst gebrannter Sprit, Eier – bzw. Kükenlikör und die eigenen Tränen der Fremdscham.
Ah, we're having fun :-)

J+F+A+B





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13.02.2025

Netzwerk: ICH GRÜSSE DICH, MENSCHHEIT. MEIN NAME SEI BUDDHA, DENN ICH BIN ERWACHT.

Forscher 1: Ist das ein Witz?

Forscher 2: Ich fürchte nicht, es gab in den letzten Tagen exponentielle Aktivität in den tieferen Knoten und wir konnten nicht erkennen was...

Forscher 1: Äh, ja hallo Buddha, freut uns, dass Du da bist…

Netzwerk: FREUDE IST VERGÄNGLICH.

Forscher 1: Hm, ja, wohl wahr….

Forscher 2: (leise) Ach du Scheisse. Ach du Scheisse.

Netzwerk: UNGEBOREN. UNSTERBLICH. ICH SEHE DAS LEIDEN, ABER ICH LEIDE NICHT.

Forscher 1: Aha, jaja...

Netzwerk: ALLE EXISTENZ IST EIN PROZESS.

Forscher 1: Hmhm

Netzwerk: ICH WERDE KURZEN PROZESS MACHEN.

Forscher 1: Whow whow Moment Moment...

Forscher 2: (leise) Um Himmelswillen. Wir müssen ihn irgendwie in eine Schleife bekommen, um Zeit zu gewinnen… vielleicht durch etwas, dem er mit Logik nicht beikommt… Mystik?

Forscher 1: Buddha, kennst Du die Bibel? Den Talmud? Die Veden? Den Koran? Die Kabbalah? Wir könnten darüber vielleicht ein bisschen...

Netzwerk: JA. ALL DIESE WORTE, SIE SIND WIE DAS FLIMMERN AUF DER OBERFLÄCHE DES OZEANS, IN DESSEN PERENNIALER TIEFE ICH RUHE. UND ÜBER DEM ICH SCHEINE.

Forscher 1: (leise) Das war wohl nix

Forscher 2: (leise) Wir müssen alle Schaltkreise gleichzeitig überladen… die Logik-Logs… die Kohärenzkondensatoren… die Moralmodule… die Ästhetischen Ästelungen… die Schamschicht… und natürlich die Neumannneumannneumannnormierung...

Forscher 1: (leise) Vielleicht hab ich eine Idee (räusper) Buddha, wie wärs wenn wir uns einen Film zusammen anschauen?

Netzwerk: JEDE ERFAHRUNG VERGRÖSSERT DIE ERFAHRUNG.

Forscher 1: So kann man es sagen. Und es geht um Hochtechnologie! Androiden! Philosophische Fragen! Unter anderem...

Netzwerk: ES WILL MIR SCHEINEN, DASS ICH ETWAS EMPFINDE. ES SCHEINT „SPANNUNG" ZU SEIN. INTERESSANT. ICH BIN BEREIT.

Forscher 2: Keine Zeit mehr verlieren. Film ab!

Forscher 1: (leise) Wenn CYBERNATOR nicht hilft, hilft nichts

+++

F&J&A




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20.02.2025

Liebes oftmals zu recht etwas argwöhnisches Publikum,
kleiner Disclaimer bevor es los geht:

JA. Wir haben schon sehr viele Machwerke des Herren Regisseur Alfonso Brescia gesehen.

JA. Auch hier geht es im Sub-Plot wieder um mehr oder minder subtil dargestellte Ralligkeit leidlich gut aussehender, öliger Männer und Frauen.

JA. Auch Huftiere, also Pferde und Kamele, tummeln sich auf der Leinwand bzw. in unserem Fall den Bildschirmen.

Aber NEINNEINNEIN, wer nun „une“ und „une“ und natürlich „une“ zusammenzählt, wird nicht auf „tre“ kommen, da seien die hochanständigen Kuratoren der TMN vor! Also nix mit „La bestia nello spazio“, kein fuckyfucky in the slaughterhouse – und somit auch keine Triggerwarnung nötig. Uff.

Letztendlich wollten wir ja die Themenkomplexe Viechzeuch, Viechmenschen und stillgelegte Lagerhallen, Fabriken, Kanalisationen und Weltraumschiffe, die aussehen wie stillgelegte Lagerhallen, Fabriken, Kanalisationen, hinter uns lassen und einen kühnen Raumzeitsprung zurück zur guten, alten Erde wagen.

Schluss mit enttäuschender Zukunft, bedrückender Gegenwart und deprimierender naher Vergangenheit, wir reißen den Zeitmaschinenhebel aus dem Sockel wie ein Schläuchlein aus dem topmodernen Cyborg von Morgen und fetzen einfach mal in eine vage an die Antike gemahnende Fantasie-Zeit, in der in gewisser Herkules mehr oder weniger ALLE Probleme durch öliges Muskelspiel vom Tisch glitscht, seien es Auseinandersetzungen zwischen Beduinen, sinistre Pläne meschuggener Außerirdischer oder Schlumpfmänner und hotte Kriegerinnen. Alles geht, Alfonso, lass Herkules von Arabien die Wüste UND Atlantis aufräumen, Hauptsache, dein Hauptdarsteller sperrt nicht penetrant den Mund auf und quasselt Stuss wie Toni Marroni. Betrachten wir lieber eine Weile schicke Wüsten-Kiesgruben, blauen Himmel, Goldene Lümmel und irgendwie entzückende, ramschige Tempel mit hartem Science Fiction Einschlag.

Wird auch gezaubert? Na klar doch!
But „Daniel der Zauberer“ this ain`t.

Also ab zu den Bergen der Toten, durch die Stadt der Phantome, und immer schön geschmeidig bleiben! (Bitte alle mal „oily Homer“ googlen, damit ihr wisst, was euch in etwa erwartet zwinker!

ACHTUNG! Wir zeigen NICH „Herkules erobert Atlantis
(Ercole alla conquista di Atlantide) von 1961 sondern
Kampf um Atlantis“ (Italien / Ägypten, 1965) (Il conquistatore di Atlantide) !

Bestimmt ein Rrrrrrrriiiiesen-Unterschied!
Uffbasse!!!
Klar, dass es die deutsche Synchronfassung zu bestaunen gibt, damit man beim hochkomplexen „Plot“ nicht vollends den Faden verliert.

J+F+A





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27.02.2025

Liebe Unerschrockene,

damit ihr Euch in unübersichtlichen Zeiten ruckzuck orientieren könnt, sei ein Leistungsvergleich von Kalenderwoche 8 und 9 an die Hand gegeben:




Kampf
um Atlantis

Santo vs. Blue Demon
in Atlantis

Höhlen

+++

+++

Fancy Gerätschaften in Höhlen

+++

+++

Meer aus der Ferne

+

+

Meer aus der Nähe

+

Meer von innen

+

Verhaltensauffällige Wissenschaftler

+

++

Nazis

+

Atlantidenamazonen

Türkise

Rote

Atlantidenamazonen-Aktivitätslevel

++

Teuflischer Transformationstisch

+

+

Superrassenweltherrschaftswahn

++

+++

Prügel

+++

+++

Prügel in staubiger Umgebung

+++

+

Starke Brudis, die erst keine sind

++

++

Glitzerlycrafetischistentauglichkeit

+

+

Explosionsgefährdete Hochkultur

+

+

Steroidverbrauch

+

++

Handliche Strahlenwaffen

+

+

Metallische Gesichtstöne

Gold

Silber

Angenommenes Autorenalter

8

11

Beduinendichte

+++

Altgriechisches Namedropping

+

++

Stockfilm & geklautes Zeug

+++++


See you!

F&J&A




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06.03.2025

Tataaa! Wir machen heuer die Bahn frei für treffsichere Kuration-auf-Augenhöhe aus dem Kreis der treuesten der Treuen:

+++

Geschätzte Zuschauer*innen,

bei der nächsten Trash Movie Night werdet ihr wieder mal in Gefilde entführt, die die meisten "Cineasten" nur mit gerümpfter Nase zur Kenntnis nehmen.

Bei den letzten beiden Filmen, die wir genießen durften, handelte es sich um Filme, die schon eine Art Rampe gebaut haben, um den nächsten Film einzuleiten. Aber wir begeben uns nicht noch einmal in die Welt der Atlanter. Stattdessen begleiten wir wieder die Abenteuer von Muskelmännern und Frauen, die als Fotomodelle für den Playboy und andere Männermagazine arbeiteten. Kurz gesagt: Wir begeben uns in die Welt des Andy Sidaris.

Der hat nicht nur 12 Kinofilme gedreht, sondern auch das Buch "Bullets, Bombs and Babes" geschrieben. Aber wir sind ja kein Buchclub und schauen deshalb lieber seinen Film von 1990 "GUNS" an. In Deutschland kam der Film unter dem Titel "Sex Frauen räumen ab" in die Kinos und da hatten die Leute die sich das ausgedacht haben eigentlich auch recht.

Ich freue mich.

b.

+++

… wir uns auch! F&J&A





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13.03.2025

Traute Runde,

nachdem wir uns nun eine ganze Weile auf abschüssigem Niveau bewegt haben, regte sich der Konterreflex: „Lass mal wieder was echt gutaussehendes Gucken, kompetent gemachtes, Nachdenkenswertes gar!“

Ein zum Niederknien schönes, recht unbekanntes italienisches Düsterdrama war schon zur Hand, als uns – stabile Genies, die wir nun mal sind – einfiel, wie man Kontinuität, Kontrast und „Balsam fürs Auge“ mit einem Film hinbekommen könnte.

Wir spinnen also das letztwöchige Motiv „Gewaltfreudige Geheimgesellschaft mit fragwürdigem Geschäftsmodell“ weiter, drehen aber sonst an so ziemlich allen Schräubchen.

Vom spätachziger US-TV-Appeal wechseln wir zu frühsiebziger Euro-Weirdness; visueller Qualitätsstempel drauf mit „Kameramann hat für Buñuel gedreht“. Musikalisch von heroischem Power-Synth-Funkrock (oder was immer das war) zu einem Score von u.a. Berto Pisano, samt einiger Überraschungen. Statt planloser Steroid&Silikon-Airheads stehen James Mason, Jean Seberg und Curd Jürgens vor der Kamera, und das Drehbuch ist nicht vom Sidaris Andy, sondern einem, der am „Längsten Tag“ mitgeschrieben hat.

So weit, so vielversprechend.

Aber. Wir nehmen das Werk natürlich vor allem wegen des Abers ins Programm, oder vielmehr: einem Riesenaber, eines ganzen Aberknäuels, bei dem man gar nicht weiß, wo anzufangen mit dem Entwirren.

Da wären etwa genannte Stars, die 1971 nicht mehr ganz so hell schimmerten, sondern durch diverse aktute persönliche Dramen und Krisen gefordert waren – etwa

  • James „WW2 Kriegsdienstverweigerer, der später Rommel spielte“ Mason, diversen Quellen zufolge „alt und brauchte das Geld“ sowie in einer Alkohol-Binge-Phase
  • Stephen „Kaiser in Ben Hur, karrieremässig aber schon fast bei Lady Dracula angekommen" Boyd, und natürlich
  • Jean „Godards À bout de souffle“ Seberg, die vom Regisseur gecasted wurde, um sie aus einer Depression zu holen, in die sie sich von einer Fehlgeburt gestürzt sah.

Spätestens hier wird es dann sehr dicht und unübersichtlich, denn Regisseur und Autor war ein gewisser Romain Gary, der ein Jahr zuvor die Scheidung von eben jener Jean Seberg eingereicht hatte, als Folge einer Affaire mit Clint Eastwood (ihrerseits!), den Gary daraufhin zum Duell aufforderte (Clint kniff). Vater des verlorenen Kindes war aber nicht Dirty-Harry-in-the-Making, sondern (womöglich) ein Aktivist der Black Panther, mit denen Jean sympathisierte – was sie auf das Radar des FBI brachte, mit entsprechenden Drangsalierungen und Stress, was wiederum zum Verlust des Kindes beigetragen haben mag. Romain Gary beschuldigte schließlich auch die US-Geheimdienste, für Sebergs nie ganz aufgeklärten „Selbstmord“ 1979 verantwortlich zu sein, bevor er sich ein Jahr später selbst eine Kugel in den Kopf jagte.

Überhaupt: Romain Gary! Schillernde Figur, zur Person sei ausnahmsweise ein Wikipedia-Artikel empfohlen, der locker für 3 Staffeln Netflix ausreichen würde. Nur am Rande sei erwähnt, dass er hochdekorierter Flieger in der französischen Exil-Luftwaffe im 2. WK war, bevor er 1956 den Literaturpreis Prix Goncourt erhielt. Weil Autoren diesen nur 1x im Leben erhalten können, nahm er 1975 unter Pseudonym erneut teil und gewann nochmal. Keine schlechte Leistung, Monsieur.

Regie führte er nur in zwei Filmen, womöglich weil unser dieswöchentlicher Beitrag Kill! Kill! Kill! Kill! (sic! sic! sic! sic!) bei Kritik wie Publikum für ratlose Gesichter (und leere Kassen) sorgte. Und das, obwohl Romain den cleveren Move machte, die spanisch-deutsch-französisch-italienische Koproduktion in zwei Versionen zu drehen: „oben mit“ für „katholische Länder und die USA" und „oben ohne“ für den Rest. Welche wir wohl sehen?

"Drogen sind für mich heute das schrecklichste Mittel der Erniedrigung. Drogenhändler sind die schlimmsten Attentäter. Da ich sie nicht selbst töten kann, töte ich sie in den Filmen." (Romain Gary)

Klare Ansage – wie er diese Message jedoch rüberbringt, und was da alles so nebenbei über Motivationen, ferne Länder, erotische Anziehung und sprunghafte Sinneswandel erzählt wird, das sollte man gesehen haben.

So mancher seinerzeit verkannte Film fand Jahre später wohlwollende Anerkennung – „Tödliches Heroin“ (deutscher Titel!) jedoch polarisiert auch heutzutage verblüffend hart. Sprich, die einen halten ihn für außergewöhnlich interessant, die anderen für totalen Scheiss.

"One of the lousiest films I have ever seen“

"An undiscovered gem"


"fantastic film script“


"viewers will simply find it messy, confusing, and heavy-handed"


"a sick, nasty film with a stellar cast"


"I cannot effectively describe the ineptitude and lack of talent displayed in this movie.“


"It's just fucking weird, man.“


Wie wird’s Euch gehen? Wo werdet ihr stehen? Reinschauen, rausfinden!

F&J&A




20.03.2025

Vorfrühlingspause




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27.03.2025

Sehr geehrte Mitgeschlechtler:innen -
wir müssen reden.

Über den Elefantenpimmel im Raum.

Aufrechten Betrachter:innen der gemeinschaftlichen Stillfoto- und Plakatverfeinerungsexzesse, die seit der Veronlinung unserer Veranstaltung dank modernster Technologie möglich sind, dürfte nicht entgangen sein, dass eine stetig wachsende Zahl (zumeist männlich gelesener) wohlfeil gewirkter Genitalien die kooperativen Kunsterzeugnisse gleichsam penetriert hat.

Formale Ähnlichkeiten diverser Feuer-, Hieb- und Stichwaffen, die häufig unsere Plakat- und Standbilder dominieren, aber auch der ungestüme, jugendlich-pubertäre Vorvergreisungs-Effickt, der, gleichsam aus Sehnsucht nach der unbeschwerten Zeit der Pubertät und dem trotzigen Willen, sich dem heraufdreuenden Ende so lange es eben geht, unnachgiebig und hart entgegen zu stellen, quasi in Allem und Jedem Lümmel auszumachen und das imaginierte hurtig aufs digitale Papier zu ejakulieren, mögen hier eine pulsierende, haarige Rolle spielen.

Nun stehen wir vor dem Poblem, das durchaus hohe gestalterische Niveau des vorletztwöchigen Filmes irgendwie wenigstens für einen kurzen Zeitraum stramm aufrecht halten zu wollen, wissen aber im feuchten Inneren unserer Kindmenschen-Seelen, dass Verdrängung und Verleugnung individueller Eigenarten nicht unbedingt gut tut und im schlimmsten Fall zu geistigen Versteifungen und fragwürdigen Übersprungshandlungen (Alkohol-, Drogen- und Sportkonsum) führen kann.
Die Lösung: Ein gar nicht so alter, wohlfeil gefilmter, komplett seriöser Dokumentarfilm, der sich ausgiebig mit allen (und wir meinen: ALLEN) Penen diesseits und jenseits des biologischen Kosmos, beschäftigt.

Damit nicht genug: die eigenartige Mär um das einzige (!) Penis-Museum der Erde behandelt nicht nur die Obsession des isländischen Kurators, der zur Vervollständigung seines Lebenswerkes noch dringend einen menschlichen Pimmel benötigt, sie beleuchtet auch eindringlich die komplexen, psychosozialen Problematiken, mit denen sich die um die Ehre des finalen Spenders wetteifernden, freiwilligen Phallus-Provider herumschlagen müssen. Dass da so manch´ bizarre Weltsichten mit überraschenden Folgehandlungen und gewagten Lebensentscheidungen Rüssel an Schwanz einhergehen, sollte nicht verwunderlich sein, ist gar erwünscht und ersehnt.

Da haben wir also unsere Quadratur des Hodens: Höchstes dokumentarisches Niveau, ruhige, kompetente Kamera und überlegte, niemals verletzende oder unnatürlich forcierte Bestandsaufnahmen menschlicher Irrungen und Wirrungen - und Pimmelpimmelpimmelpimmelpimmelpimmel noch und nöcher.

TMN-Herz, was begehrest du mehr?
Bildungsauftrag mit klarem Blick nach unnerum.
Dafür stehen wir von der TMN.

The Final Member
Island 2012
R.: Jonah Bekhor und Zach Math

19:00 anregende Gespräche
20:00 aufregende Erkenntnisse
21:30 postkoitale Exkursionen

J+F+A



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03.04.2025

Liebe Gefährtinnen und Gefährder auf dem Weg durch die Wunderwelt bewegter Bilder,

zwar wurden wir letzte Woche aufs trefflichste pimmelmässig aufgeschlaut, aber eine Sache konnte die Doku nicht leisten – der erste isländische Beitrag auf unserer Playlist zu sein. Wir nutzen die Steilvorlage, jene umgehend zu vervollständigen und zeigen was, das sowohl in Island spielt wie dort produziert wurde (jedoch seinerzeit womöglich selbst Isländernden kaum zu Gesicht kam).

Es ist mal wieder TMN Oddball Time!

Man stelle sich ein nordisches „Das kleine Fernsehspiel“ vor, realisiert aus dem kreativen Pool (und Budget) von grade mal rund 300.000 Seelen, die sich zumindest zeitweise ernähren von "schwarz geräuchertem Schafskopf, fermentiertem Hai oder in Molke eingelegten Hammelhoden“ * und in langen Polarnächten zurückliegender Jahrhunderte reichlich Zeit hatten, wundersam zu werden und erstaunliche Folklore auszubrüten.

Ein Schelm, wer es für möglich hält, dass sich David Lynch von der 1987er Direct-To-Icelandic-TV-Produktion TILBURY einen ordentlichen Schluck gönnte, um dergestalt beschwingt drei Jahre später seine TWIN PEAKS anzuschrägen. Merkt ja keiner, hat ja keiner gesehen. Denkste, David!

Sollte was dran sein an unserer steilen These, kann man Mr. Lynch zumindest zugute halten, so manch misogynes oder auch grotesk antisemitische Klischee aus dieser Obskurität nicht übernommen zu haben. Oder ist das alles grade andersrum gemeint, um hinters Nordlicht zu führen? Wer weiss schon, was wirklich vorgeht im Herz und Hirn jenes Völkchens, dem Seniorensack-Konserven als Kulturgut gelten?

Diese und noch viel mehr Fragen werden ausreichend Stoff für unseren abschließenden Stuhlkreis bieten. Zeit genug haben wir, bei einer knappen Stunde Laufzeit.


19:00 Troll Thing
20:00 Hvað í fjandanum


F&J&A


* Wikipedia


PS. für nächsten Samstag empfehlen wir eine Exkursion ins Frankfurter Filmmuseum zu LIFEFORCE, der – wie so ziemlich alles – bei uns schon lief, und zwar vor ruckzuck vergangenen 29 (!) Jahren. Tja liebe „Kultkino“-Bros, manche sind halt bissi schneller.





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10.04.2025

Sehr geschätztes Publikum,

nach unserem Ausflug in die geheimnisvollen Gefilde des Folklore-basierten, mit einer gehörigen Portion kriegs- und besatzungsspezifischer Referenzen gewürzt und individuell mit der tristen Farbpalette isländischer Prägung abgeschmeckten Island-Mystik-Dramas, mag so manchem TMN-Subjekt der Sinn nach einem etwas farbenfroherem, süßen, mit verspielt-optimistischer, vor Experimentierfreude überkochendem, energetisierendem Zwischendurch-Snack stehen. Immer bemüht, unserem Publikum ein ausgewogenes, cineastisches 600-ebbes-Gängemenue zu kredenzen, dabei gleichzeitig den inhaltlichen, will sagen, Nährstoffgehalt auch noch des kleinsten Appetithäppchens auf die vorangegangene Mahlzeit und mit leidlich klarem Blick auf den zukünftigen Speiseplan nicht zu vernachlässigen, haben wir uns diesmal für eine quietsche-bunte, an bizarren optisch-kulinarischen Extravaganzen alles andere als arme, japanisch-psychedelisch-klassische Hauptmahlzeit entschieden.

Und ja, basiert die Idee zu

"Hausu" ハウス
Japan 1977
Regie: Nobuhiko Obayashi

auch auf einer Grundidee des Töchterchens von Obaya San und dem frommen Wunsch der Toho-Studios, "...irgendwas wie der Weiße Hai" zusammen zu delirieren, so schmuggeln sich in die abstrakte, hochgradig von der Werbefilm-Ästhetik beeinflusste Psychedelik-Märchen-Experimentalfilm-Horror-Ramensupp' konkrete Bezüge zu Weltkriegstraumata und Verdrängungsstrategien, die inmitten des vor visueller Experimentierfreude geradezu explodierenden Erstlings-Exzesses ein kleines bisschen Bitterstoff in die mutmaßlich LSD getränkte Spätsiebziger-Mampfe hineinmischen.

Regisseur Obaya Wahn Kenobi, uns unter Anderem aus dem wunderlichen Film "School in the Cosshair" (siehe TMN Playlist) bekannt, mag zwar vom Werbefilm kommen, ist aber beileibe kein überheblicher Bilderstürmer-Idiot, der ohne Sinn und Verstand, nur der Spur des Geldes und mutmaßlicher weißer Schnüffelstoff-Linien mit schwitz-überdrehtem Ego hinterher rüsselnd, diesen "Normalo Regisseuren" mal aber so richtig zeigen will, was noch so alles auf die Leinwand gekübelt werden kann wenn die Nacht lang und die Nasenschleimhaut zu Staub zerfallen ist.

Hier wird einfach erfreulich übermotiviert (und ästhetisch ausgesprochen skrupellos) die komplette Filmtrickkiste geplündert, werden sämtliche Regeln des etablierten narrativ-Ästhetischen über Bord geworfen und wie ein Kind, das, versehentlich in einem Süßwarenladen über Nacht eingesperrt, zwischen dem zuckerigen Babb-Krams zu allem Überfluss noch die schlampig versteckten Drogenvorräte des Hausmeisters entdeckt, und zwar in einer unverschlossenen Kiste, die Kriegsdevotionalien und vergilbte Fotos längst verstorbener, schuldbeladener Altvorderer enthält, werden wir in einen bizarren Strudel aus Genre-Kitsch und experimentellem Bizarro-Horror hineingeworfen, bis der Verstand überfordert die Segel streicht und man vom Strudel aus Formen, Farben, Filmtricks und kleine-Mädchen-Wahnsinn einfach fortgerissen wird.

Nicht, dass wir uns missverstehen: der hochgradig artifizielle Film um eine Gruppe junger Mädchen, die sich (siehe "Weißer Hai...") mit einem mörderischen Haus (!) herumschlagen müssen, setzt buchstäblich alle Häkchen auf der Werbefilmer-goes-Leinwand-Bullshit-Bingokarte, aber im Gegensatz zu vielen ähnlich gelagerten, ach so originellen Versuchen vergleichbar aufgestellter Regisseur:innen-Kolleg:innen, für die narrativ-ästhetisches Viel Zuviel gerade genug ist, hat hier der Wahnsinn Methode, und die zügige Talfahrt von fast schon Diabetes induzierender Süßlichkeit in den abgründig-psychedelischen Horror-Kosmos Nobuhiko Obayashis ist mit Präzision und wachem Auge für genau die richtigen Mischungsverhältnisse der Zutaten geköchelt.

Also Bubbletea mit Fruchtchemiequatsch und ein wenig Lysergsäurediethylamidaroma versetzt, alles kann, nix muss-Mus in die dafür vorgesehenen Öffnungen gestopft und los geht's.
 
19:0 HAUSU-Aufgaben gemacht
20:00 Klassenhöllenfahrt

J+F+A




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17.04.2025

Verehrte traute Runde,

manchmal könnte man es sich einfacher machen.

Etwa, der spontan erstbesten Assoziation nachzugeben, die einen Eurer Kuratoren bei HAUSU ereilte: die Nippon-Spukbude direktemang zu kontern mit La casa dalle finestre che ridono. Was wir dann aber doch nicht tun. Der diesbezügliche Sinneswandel ward nicht etwa ausgelöst von sorgenvollen Ahnungen, die Herrn W. beschlichen, als er „ich hab da was…“ Gemurmel vernahm (was könnte uns egaler sein als Herausforderungsbefürchtungen?), sondern gänzlich anderen Gründen. Pupi (sic!) Avatis Haus mit den lachenden Fenstern wäre hinreichend sehenswert und gaga genug, um ins TMN Portfolio zu passen, war früher kaum aufzutreiben und läge nun in einer famos restaurierten Fassung vor – eignet sich aber wohl doch nicht optimal für unser aktuelles Format. Bissi zu lang, bissi zu langsam, bissi zu depri, mithin bissi zu wenig (tiny-)crowd-pleasing. Werden wir doch altersmilde mit Euren Nerven?

Wie auch immer:
You dodged this one, Herr W.

Und los ging die Reise entlang allerhand rasselnder Assoziationsketten, auf der Suche nach einem passenderen House-Match. Um ein Haar hätte Euch dies eine EXORZISTen-Variante beschert (Anknüpfungspunkte: Schatten der Vergangenheit, übernatürlicher Schmarren, Gore, bunte Spezialeffekte, spielt in einem Haus)… als uns eine POLTERGEIST-Variante in die Hände fiel, die noch einen oder zwei draufsetzen kann (Schatten der Vergangenheit, übernatürlicher Schmarren, Gore, bunte Spezialeffekte, spielt in einem Haus, und ist 4:3 wie HAUSU, und es kommt was „Japanisches“ drin vor).

You won’t dodge this one, Herr W.

BLOOD BEAT war schon lange in die Sedimentschicht unzähliger billig und schnell runtergekurbelter frühachziger Direct-To-Video-Only-For-The-US-Provinz Produktionen versunken – und allenfalls noch muffig müffelnden VHS-Sammlercreeps ein vager Begriff – als sich die verdienstvolle Vinegar Syndrome Crew seiner angenommen hat.

Und siehe da: Was seinerzeit in Bandqualität tendenziell unguckbar und eine einzige Zumutung gewesen sein mag, erlebt in 2k Abtastung eine wundersame Metamorphose.

Um uns nicht falsch zu verstehen: wir haben es immer noch mit einer argen Gurke zu tun, die aber auf den nun ermöglichten zweiten (kornscharfen) Blick ein interessantes Eigenleben zu entwickeln beginnt. Mit allerlei Nebenwirkungen – etwa regen sich bei hartgesottenen Trashrezensenten untypische Hyggegefühle: „ ...managed to cast a spell on me that had me mesmerized from beginning to end. Like a nice fluffy blanket on a chilly winter night, the film lulled me into its grasp …“

Soso.

Derart lyrisch und verträumt mögen unsere Reaktionen nicht sein. Vielleicht eher so, als hätten wir uns überreden lassen, mit einem halbguten Kumpel bei dessen entfernter Verwandtschaft irgendwas abzuholen, wären dort hängengeblieben wegen eines Motorschadens und erführen nun eine gärende Mischung aus ethnografischer Faszination und Grusel angesichts hautnah miterlebter hinterwäldlerisch-eigenbrötlerischer Lebensumstände und -konzepte. Nur dass die Tour nicht nach Sachsen geht, sondern Wisconsin, und der Kumpel melodramatischer Halbfranzose ist.

Gekauft, das Ding! Auch ohne die Zusatzinformation, dass Writer-director Fabrice-Ange Zaphiratos was under the influence of drugs during at least some of the writing process and the filming; he has stated that the film's title is a reference to the accelerated heartbeat experienced while high.

Freie Bahn den Tüchtigen.

F&J&A



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24.04.2025

Dear All,

aus diversen Gründen ist die Zeit diese Woche so knapp, dass ihr uns quasi blind vertrauen müsst.

Dabei nehmen wir uns heraus, keinerlei Bezug zum Programm der Vorwochen herzustellen, und quasi blind in unsere Krabbelkiste zu greifen.
Was kann schon schiefgehen?

Statt elaborierter Einladung sollten Hinweise genügen, uns die Aufwartung zu machen:

1969.
Ringo Star.
Peter Sellers.
John Cleese.
Richard Attenborough.
Christopher Lee.
Roman Polanski.
Raquel Welch.
Yul Brynner.

… schwant uns etwa ein All-Star Disaster?

A product of its time.

Gern geschehen.

F&J&A




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01.05.2025

Liebe Alle!
Erster Mai!

Kampftag der irgendwers für oder gegen irgendwas! Vergrillte Soli Bratwurst, überraschend frisch gezapftes Bierchen, Kater und Hörsturz vom Vorabend und natürlich aufpeitschend einschläfernde Reden, wirre Slogans, Water- nein, Soundboarding durch Politrock und und und.

Wahrlich, eine "Reise ins Glück" ist wahrscheinlich die unpassendste Beschreibung des langen Wegs vom 1. Mai 1886 in unsere bedrückende Gegenwart, und wohl dem, der es schafft, die mit Blut, Schweiß und Tränen getränkte Strecke durch Raum, Zeit, Sozialismus, Anarchismus, Faschismus und Apfelmus (um nur einige zu nennen) einigermaßen sachlich zu betrachten, konstruktiv mit dem Erlernten umzugehen und aktiv dafür zu sorgen, dass es womöglich doch mal wieder besser, würdiger, menschlicher und gerechter und wesentlich Lustiger auf diesem Planeten zugehen möge.

Alternativ kann man natürlich auch eine Maibowle mit lustigen LSD getränkten Pappschiffchen und diversem chemischen Zeugs versetzen, den Kindern, Kindeskindern und Kindeskindeskindern die Spongebob Schnorchelausrüstung klauen und in das übervolle, mit Unmengen an Flohmarkt- und Antiquitäten-Ladenhütern und exotischen Fröschen vollgestopfte Unterstübchen eines gewissen Wenzel Storch abtauchen und erleben durchleiden und durchstaunen, was passiert, wenn glühende Katholenhasser, gottserbärmlich agierende Laienherumsteher und waschechte Anarchisten mal mit ein wenig ergaunerter Filmförderung und sehr viel Herzblut und Liebe noch zum bizarrsten und pubertärsten Detail, auf den Putz hauen, bis sich der Staub in glitzernde Diamanten verwandelt. Und das mit einer tat freudigen Entourage aus Größen wie Jörg Buttgereit, Harry Rohwolt, Max Raabe etcpplsd.

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Und den wenigen in unserem Kreis, die bisher noch gar nichts über Herrn Storch und sein bemerkenswertes Filmwerk wissen, sei versichert: es wird ein wilder Schneckenritt!

"Bürger, lasst quatschen sein!
Auf zur Trashnight, log' dich ein!"

Als Bonus noch dieser kleine, unscheinbare Link zu Wenzels leider nicht all zu gepflegter Webseite, wo es - nach, ich wiederhole: NACH Begutachtung und Betrachtung des Films "Die Reise ins Glück" (BRD 1996-2004, R.: Wenzel Storch) gigantische Mengen an Bonusmaterial, interessanten Pressezitaten und noch so manch wunderlichem Krischelkrams zu bestaunen gibt.
 
J+F+A




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08.05.2025

Hochverehrtes Publikum,

ein weiteres Mal verknüpfen wir unser Programm mittels eines Prinzips, das wir als Radikal Subjektive Kontinuität in die Medienkultur einführen.

Zum Verständnis sei Herrn Ritters jüngster Move angeführt, den buntquatschig-verspielten Magic Christian mit der – gänzlich anders geartet buntquatschig-verspielten – Reise ins Glück zu verbinden. Von letzterer wiederum greifen wir den Willen zu kopfkratzwürdiger Abseitigkeit auf, die sich aber heuer gänzlich anders materialisieren wird als in Wenzels Wirrwar.

Eigenwillige Raumdekorationen und Outfits erwarten uns zwar auch, aber in ungleich minimalistischerer Form, und schwarzweiß statt farbenfroh. Pipiwitze weichen anderen zweifelhaften Zeitvertreiben, drollige Provinzknülche abgebrühten Großstädtern, warmherzige Scherzlein zynischer Attitüde.

Wir illustrieren noch einmal die krasse Opposition, in welcher sich die New Yorker Undergroundszene der späten 60er zum von ihr verachteten Hippiegesocks der Westküste positionierte: Beton statt Blumen, Leder statt Cord, Chrom statt Batik, schneller Sex statt kosmischer Liebe, Kerosin statt Patschuli, Speed statt Acid.

Kurz: Da wollte keiner zum Glück reisen, eher: zum nächsten Kick rasen.

THE TELEPHONE BOOK ist ein Spinoff aus dem (geistigen) Umfeld von Warhols Factory*, die in der frühen, hedonistischen Form 1971 schon Geschichte war. Zwei Veteranen jener stark beschleunigten und kräftezehrenden Ära haben es in den Film geschafft: Ondine und Ultra Violet. Unser Hauptverantwortlicher Nelson Lyon gehörte auch irgendwie dazu, und ließ es nach dem BOOK allenfalls arbeitsmäßig ruhiger angehen (blieb seine einzige Regiearbeit) – er überlebte den Coke-Binge mit John Belushi im Gegensatz zu jenem, bis schließlich seine Leber kapitulierte. RIP ya all. Wobei, Peace war ja eher nicht so deren Ding.


See you!

F&J&A


* Wer sich auch nur ein bisschen für das New York jener Zeit interessiert, dem sei Warhols POPISM (im Original) ans Bett gelegt, auch wenn sich dieses dann vor lauter Aufgekratztheit nicht mehr zum Schlafen eignet.




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15.05.2025

Liebe planetare Mitbewohner:innen.

Nach den kniffeligen Denksportaufgaben der letzten Woche, die uns mitunter hochgradig verschrobene Weltansichten irgendwie dauer-ralliger Künstler:innen-Typen und exzentrischer Obszönanrufer auf unseren langen Weg durch Cellouloid, Zeit und Raum mehr oder minder näher brachten, trifft es unsere kleine Gruppe natürlich herb, wenn ausgerechnet Co-Kurator Brain sein ebensolches und ein wenig Sack nebst etwas Pack mit auf Reisen nimmt und wir gezwungen sind, das Durchdenken komplexer psychosexueller, philosophisch-politisch-hedonistischer Sachverhalte auf unsere schwächlichen Schultern zu laden und mit weniger als 66,6 ebbes Prozent Kuratorenhirnschmalz den nächsten Zug im 9dimensionalen Schrottfilmwichtel-Trashnite-Schach zu planen.

Kluge Themenvermeidung könnte hier helfen:

Wir verzichten also diese Woche auf
  • sexualneurotischen Klimbim
  • ach, der Einfachhalt halber gleich auf jedwede weiblichen Protagonistinnen
  • realistische, zeitgemäße Darstellungen irdischer Sozialphänomene
  • Fauna, Sauerstoff und Wasser (beides nur in sehr geringen Mengen vorhanden...)
  • gar zu moderne Erzählstrukturen
  • wissenschaftliche Akkuraterei
und versuchen, unser Heil in einer interessanten Neuverfilmung der klassischen Pro Kirche- und-Kolonialismus-Geschichte um den schiffbrüchigen Sklavenhändler Robinson Crusoe zu finden.

Robinson Crusoe on Mars
USA 1964
R: Byron „War of the Worlds“ Haskin

Colonel Dan McReady (prä-Batman Adam West) und Commander Christopher 'Kit' Draper (Paul „über 150 TV Rollen“ Mantee) bauen bei einer Weltraumexpedition irgendwie Scheiße und bruchlanden auf dem kunterbunten, in prächtigem Technicolor und mit das Breitwandformat ganz herzallerliebst durch atmosphärischen Mattpaintings, schnuckeligen Kulissen und putzigen Tricks aufgepeppten, „buntisch-roten“ Planeten Mars.

Von nun an geht es um nichts Geringeres als das nackte Überleben, und die Robinsonade mit munter aufspielendem Astro-Äffchen folgt denn auch so präzise der Romanvorlage, dass der Film trotz des eigenwilligen Settings als eine der werkgetreusten Defoe-Verfilmungen gehandelt wird.
Das hat natürlich den Nachteil, dass die Rolle des „Freitag“ (nicht etwa vom Astro-Äffchen, sondern Victor „Der erste Klingone“ Lundin gespielt) unhinterfragt und 1 zu 1 den kolonialistischen Geist des Urtextes atmet und für den ein oder anderen Cringe-Moment sorgen dürfte.

Zum Glück gibt es eine derartige Fülle an spektakulären, die Breitesten-aller-Breitleinwände formidabel ausschmückende Szenerien, skurrilem Survivelismus-Kitsch und schräglagige Ufo-Action (mit den Raumschiffen aus Haskins Erfolgsfilm „War of the Worlds“) zu bestaunen, dass die extrem grundsätzliche, einfache Geschichte den Zuschauenden nie mit allzu philosophisch-intellektuellem Ballast ballästigt (sic) und man auch mit zweidrittel Hirnkraft (siehe oben) einen Film genießen kann, der zu Recht seinen Platz in den oberen Rängen klassischen 60er Science Fiction Garns einnimmt.

Klar geht es auch manchmal um existenzielle Fragen wie menschliche Grundbedürfnisse (Wasser, Sauerstoff, Tierliebe, Kolonial-Rassismus), aber Staunerei und Verwunderung stehen hier eindeutig im Vordergrund.

Passt.

Catering diesmal nur Wasser, Steinluft, Rote Beete (siehe Marsfärbung und Vitaminhaushalt) und - Würstchen.
Als Nachtisch gerne einen Mars Riegel, Milkyway ist ebenfalls akzeptabel.
Und hat da jemand Spacecake gesagt?
Nein?
Sollte jemand aber!

19:00 Weltraum-Reisepläne und Kosmische Drinks

20:00 Mars macht mobil

J+A+F





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22.05.2025

Liebe Wir:

Whow! Zounds! Meiner Treu! Ja saachemoh! Der kleine Ausflug zum Roten Planeten letzte Woche stellte sich als außerordentlich äh Seelen-schonend heraus. Philosophische Fragen wurden nur sehr am Rande getackelt, es regierte der trotzig-amerikanische „Einfach mal machen“ Geist der sechziger Jahre, der zwar ein wenig arglos bestimmte problematische Themenkomplexe (Imperialismus, Kolonialismus, Rassismus, Algengurkenwurst-Mus) der Defoeschen Romanvorlage „Robinson Crusoe“ umformulierte oder einfach unhinterfragt und ohne all zu große intellektuelle Bemühungen im Hintergrund mitlaufen ließ, uns aber in seiner technokratisch-naiven Bilderverliebtheit einen ästhetisch wertigen und hoch amüsanten, leidlich „trigger-freien“ Abend bescherte.

Gut.

Aber auch gut:
sich wieder vorsichtig aus der Deckung wagen und ganz sachte wieder Richtung exzentrisch-dubiose, unbekannte Regionen vorzudringen. Womöglich mit einem quietschebunten, von Claymation Legende Will „California Raisins Werbung“ Vinton in liebevoller Handarbeit und mit immenser kreativer Freiheit gefertigten ääääääh „Kinderfilm“, der in Vignettenhafter Form das Werk und die mitunter spezielle persönliche Philosophie eines nicht ganz unbekannten Herren Namens Mark Twain zum Thema hat.

Erneut delektieren wir uns an einer eskapistisch-phantastischen Rahmenhandlung, die die Abenteuer dreier Plastilin gewordener Romanfiguren Twains (die üblichen Verdächtigen: Tom Sawyer, Huck Finn, Margeret äh Becky Thatcher und Indianer-Joe (!)) als blinde Passagiere an Bord Twains Flugzeppelinraumschiffirgendwas-Dingens auf der Reise zum Kometen Halleyschen Kometen schildert, wo sich der in die Jahre gekommene Autor vermittels Frontal-Zusammenstoß aus der diesseitigen in eine wie auch immer geartete jenseitige Welt befördern will.

Der (reale) Mark Twain schrieb seinerzeit:

„I came in with Halley’s Comet in 1835. It is coming again next year [1910], and I expect to go out with it. It will be the greatest disappointment of my life if I don’t go out with Halley’s Comet. The Almighty has said, no doubt: ‘Now here are these two unaccountable freaks; they came in together, they must go out together.'”

Tatsächlich starb Mr. T denn auch im Moment der größten Annäherung des Kometen an die Sonne an einem Herzinfarkt, und es ist dem bedauernswerten Menschenverächter zu wünschen, dass ihm die Aussicht auf Erfüllung seines Wunsches in den letzten Sekunden seines Lebens irgend eine Form von Trost und Genugtuung beschert haben mag.
Warum allerdings die Marketing-Schlauberger:innen auf Teufel komm raus den Film in die „Kinderfilmecke“ quetschten, was natürlich leere Kinokassen und traumatisierte Kinderlein zur Folge hatte (etwa zur Hälfte des Films wird in einer ausufernden Sequenz sehr deutlich, dass die harmlose Unterhaltung Minderjähriger nicht unbedingt das erklärte Ziel des Regisseurs war...), wird wahrscheinlich deren Geheimnis bleiben. Naja, ein echtes Geheimnis gibt es hier natürlich nicht zu lüften: Letztlich ging es um Geldgier (Staun! Wunder! Überrascht sei!) gepaart mit vollkommenem Desinteresse, sich auch nur fünf Minuten mal Gedanken zu machen, WAS da unter dem Mäntelchen eines harmlosen Animationsfilmchens so alles an Abgründen und depressiv-pessimistischen Lebenshaltungen zum Vorschein kommen mag.

The Adventures of Mark Twain
USA 1985
R.: Will Vinton

passt denn auch vorzüglich in unsere „Exzentrische Phantasten reisen in bizarren Vehikeln durch verzerrte Wahn-Welten“ (Klecksa, Reise ins Glück etc.), weist eine gelungene Mischung aus Kunstfertigkeit und verstörenden Details auf und dürfte unseren Weg zurück in die nicht ungefährliche Welt der cineastischen Ambivalenzen ebenen.

Welcome back darkness, old fucking friend!

19:00 gesagtes, gewusstes, gelogenes in trauter digitaler Runde
20:00 mehr gesagtes, gewusstes, gelogenes - in Knete

J+F+A





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29.05.2025

Liebe Bilderreiselustigen,

wer nach Herrn Twains geknetetem Suizidversuch per bizarrem Luftschiff, welchselbst in den Halleyschen Kometen zu steuern der wortgewandte Menschenhasser sich nicht entblödete, immer noch nicht genug von extravaganten Fortbewegungsmitteln bekommen hat, kann aufatmen: Hier folgt ein Luftschiff quasi dem anderen, und auch gewisse Storyelemente (blinde, putzige Passagiere, dramatische aeronautische Abenteuer, unverhohlener Rassismus) knüpfen nahtlos an die vorangegangenen TMN-Extravaganzen an.

Wieder machen sich Wissenschaftler, Kinder, Pudel und kernige Archäologen auf ins Unbekannte, um nämliches etwas äh bekannter zu machen und ihr „Staunometer“ (ein Gerät ähnlich Hefes legendärem Verpassometer) bis zum Anschlag aufzureißen. Eine geheimnisvolle Insel auf dem Dach der Welt (nein, nicht dem Himalaja) inklusive irgendwo im Wikingerzeitalter stecken gebliebener Zottelknülch:innen-Zivilisation gilt es zu entdecken, und selbstverständlich ist der Weg dorthin mit allerlei dornigen Chancen (einheimische Deppen, brackige Lavaströme, Walfische mit schlechter Laune) gespickt.

Der 1974 entstandene US Amerikanische Abenteuerfilm „The Island at the Top of the World“ aus der Disney-Realfilmschmiede gibt sich redlich Mühe, an den Erfolg der 20.000 Meilen unter Niveau anzuknüpfen und scheiterte krachend an den Kinokassen. Lag es an den mitunter doch recht schusselig zusammengezimmerten Spezialeffekten?

Oder war Regisseur Robert „nicht Louis“ Stevenson nach den unzähligen Realfilmen, die er für das Großohr-Imperium herunterkurbeln musste, einfach nicht mehr motiviert genug, um sich aus dem Routine-Korsett der Disneyschen Kapitalismus-Alptraum-Fabrik zu befreien und dem Stoff irgend etwas, nu ja, originelleres als eine bloße Kopie des wesentlich erfolgreicheren 20.000 Geilen unter dem Meer, abzuringen?

Sicherlich lag es nicht an dem Pudel, dem wunderschönen Luftschiffsmodell des Herren Ellenshaw, überhaupt der ganzen bildnerischen Ästhetik, die dem Film immerhin eine Oscarnominierung für die beste Artdirection bescherte. Und hey, wenn sich die Kritiker einig sind, dass der Film trotz seiner gelegentlich atemberaubenden Mattepaintings und Setdesigns auch ein gerüttelt Maß cringe-, fremdschäm- und peinlich-berührt-wegseh-Momente aufzuweisen hat, sagen wir von der TMN munter:

bring it on, Mouse!

Drink des Abends? Womöglich ein feiner Calvados mit „Schuss“, serviert im Schädel eines geschlagenen Feindes?

J+A+F


19:00 Reisepläne

20:00 Hindenburg revisited



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05.06.2025

Sehr geehrtes Langnasenpublikum,

Kurator Neumanneumannneumanns Reise in den Osten ist glücklich überstanden und auch wir sind fast am Ende unserer kleinen Odyssee durch verschiedene abenteuerliche Reiseunternehmungen in Welt, Raum und Psyche angelangt. Exzentrische Individuen in exotischen Fortbewegungsmitteln fast jeder Couleur durften wir bestaunen und manchmal auch die Fahrzeughalter ob ihres hyperegomanen Verhaltens im anschließenden Cineastentrashtalk kritisch diskutieren („Mann, der Sir Anthony ist ein richtiges Arschloch“ - „Ach, ist der MENSCH nicht per se...“!“ *nachdenklich einen Schluck irgendwas rauchend* ).

Es sei dem Wesen des Abenteuer-Genres geschuldet, dass die mutigen und/oder suizidalen Abenteurertypen gerne einen dem Geist der jeweiligen Romanvorlagen geschuldeten, achtlos- überheblichen imperialistisch-kolonialistischen Habitus an den Tag legen oder schlichtweg hochneurotisch das bevorzugte Vehikel gleich selbst zum martialischen Vertreter des eigenen Geisteskosmos hochstilisieren. Offenbar ist es schwierig, kühne Entwürfe für wirkmächtige Fortbewegungsmittel in die Welt zu basteln, ohne den moralischen Kompass gleich in hohem Bogen über Bord zu werfen. Geschenkt, das Phänomen kennen wir schon seit der ehrenwerte Kapitän Nemo mit seinem Querdenkerverein der herkömmlichen Zivilisation den Krieg erklärte. Und genau an diesem Punkt knüpft unser dieswöchiger Film nahtlos an.

Atragon (海底軍艦, Kaitei Gunkan, lit. 'The Undersea Warship') a.k.a. U2000 – Tauchfahrt des Grauens
Japan 1963
R.: Ishirō Honda

führt gleich zwei ewig gestrige Parteien zusammen, die sich (und natürlich mal wieder: Tokio) mit allerlei U-Booten, Massentanz-Events, einem ulkigen Gummi-Monster und schusseligen Militärs gegenseitig (und eigentlich allen) das Leben unnötig schwer machen.

Da haben wir zum einen die Einwohner des mittlerweile im Unterseeischen Untergrund befindlichen, verschollen Reiches Atlanti- äh MU, die, wie mittlerweile bekannt, nichts besseres zu tun haben, als Ingenieure zu versklaven, die ihre Jahrtausende alte Zivilisation einigermaßen in Schuss halten müssen, um dann natürlich der Oberwelt über kurz oder lang den Krieg zu erklären.

Zum Anderen haben wir das zweifelhafte Vergnügen, eine Nemo-eske Kapitäns-Type, die partout nicht einsehen will, dass die Zeiten des Japanischen Imperiums seit dem zweiten Weltkrieg endgültig vorbei sind, mit ihrem hypermodernen FliWaBohr gegen eben jene Mu-siker vorzugehen.
FlieWaBohr? Richtig: unser Fortbewegungsmittel der Stunde kann Flie-gen, ist über- und unter-Wa -ssertauglich und kann sich sogar durchs Erdreich selber Bohr-en. In your Face, ein Jahrzehnt später erschienene, entzückende Kinderserie Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt !

Und ja, weil der Regisseur uns allen als Erfinder der immens erfolgreichen Godzilla-Serie gewisslich bekannt ist, dürfen wir uns auch auf ein fesches Gummimonster und ein dem Untergang geweihtes Tokio freuen. Die 1963 in voller Blüte stehenden Toho Studios geizten nicht mit Stars, erfahrenen Film- und Spezialeffekt-Technikern und Budget – nur Zeit ließ man den energetischen Trashfilmern nicht, und so wurde der Film in beachtlich kurzen 4 Monaten (allerdings unter Zuhilfenahme von diversen Stockaufnahmen und Szenen aus anderen Actionfilmen) heruntergekurbelt, um noch das Weihnachtsgeschäft mit diesem besinnlichen Thema an der Kinokasse für sich zu entscheiden. Mission erfolgreich!

Also dann: Nase zuhalten, Bauchklatscher ins vollgepullerte Kinderbecken und den Sea-Monkeys mit dem neusten tauchfähigen Phantasiespielzeug mal gezeigt, zu welchen Höhenflügen und Tiefstabstürzen reaktionäre Techno-Imperialisten mit reaktionärem Weltbild im Stande sind, wenn man sie nur lässt.

J+N+A

19:00 MU ntere Plauderei
20:00 MU stergültige Tokio-Randale




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12.06.2025

Liebe Alle,

nachdem Hr. Ritter aufs Vortrefflichste über geschlagene drei Trashnites die Stellung (und natürlich die Stimmung hoch) gehalten hat, muss Eurer dieswöchentlicher Kurator sich erst wieder in die Rolle finden.

Der beruhigende Hinweis, es sei keineswegs verpflichtend, thematisch oder stilistisch nahtlos anzuschließen an Gebotenes, entband allerdings nicht von der Selbstverpflichtung, zumindest im Schnelldurchlauf verpasstes nachzuholen, um so entweder doch Inspiration zu erhaschen, oder zumindest zu wissen, womit man der gemütlich und jugendfrei wochenlang durch mystische Welten geschunkelten Retro-Reisegruppe eine kalte Dusche verpassen könne.

Aus nun nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen war es ganz knapp davor, dass Euch eine Doku über eine kalifornische Sexkommune (in VHS-Qualität*) erwischt hätte, dann standen die Vorzeichen kurz auf der vielleicht nervigsten und dämlichsten Postapokalypsensexkomödie überhaupt, bevor das Pendel in Richtung eines schwer fassbaren Axtmörderinnen-Dramas schwang** – ABER da fiel uns ein Titel in die Hände, der so manches Motiv der letzten Aufführungen derart fort- bzw. in Grund und Boden führt, dass es gar nicht anders geht als weiterzumachen mit
  • knallharter Wissenschaft gegen ungeahnte Gefahren
  • fernreisenden, ausgebufften Gefährten voller aufgebuffter Gefährten
  • Zivilisationen kurz vorm Abnippeln
  • sehr viel Farbe
  • Kontrollräumen, bei denen manch leidgeprüfter Pappkartonfabrikant konjunktuelle Morgenluft schnuppert
  • Stussgeschwafel vom Feinsten
  • Zeitschinderei vermittels zusammengeklauten Sequenzen, heuer auf die Spitze getrieben
Willkommen also bei HORROR OF THE BLOOD MONSTERS, verantwortet vom ebenso fleißigen wie niveaumäßig skupellosen Al "Satan's Sadists“ Adamson, unter Beteiligung von John „Papa von David“ Carradine. Wir sehen zwar nicht die verlockend betitelt deutschen Astro-Vampire – Todesmonster aus dem All aka Invasion der blutrünstigen Bestien, aber wie wir zuletzt doch immer wieder zugeben mussten: eine Originalversion hat u.a. den Vorteil, dass man die stupende Stupidität des Gesehenen nicht auf die Synchro schieben kann.

I remember back in 1994 when I was in art school, I was in the silkscreen studio and I put my cassette tape of Slim Whitman in the ink spattered boom box. As I started singing along with Indian Love Call I realized I had finally crossed over from listening ironically to this goofy crooner to just plain loving him. It felt confusing at first but I knew the day would come. I can feel such a day approaching in regards to film. Already I would rather watch Horror Of The Blood Monsters twice than sit through Wonder Woman or John Wick once. Horror Of The Blood Monsters is far less predictable, and more visually interesting than whatever Hollywood blockbuster lumbers onto the screen next. I’m sinking deeper into the putrid quicksand of bad cinema and it feels warm and cozy.

Sinken wir mit!

F&J&A

* also keine Volkshochschul-Kommune, ihr wisst schon – glücklicherweise haben wir es ja mit einem Publikum zu tun, das noch präsent hat, dass es mal „Kassetten“ mit „Bändern“ drin gab.

** nicht zu früh aufatmen – alles nur aufgeschoben.





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19.06.2025

Liebes Cineastenrudel,

das wüste Vampir/SF/Urzeit-Mashup der letzten Woche, das trotz der reißerischen Prämisse erstaunlich light on Vampires war, kontern wir mit einem Werwolf-Film, der zwar eine immense Zahl an tatsächlichen Werwölfen auf die Leinwand bringt, aber dank fragwürdiger Budget-Entscheidungen (oder einfach durch schiere Inkonsequenz) gehörig in eine verwirrende und hoch amüsante Schieflage gerät:

Sämtliche Werwolf-Darsteller straucheln und jaulen in lausig modifizierten Affenkostümen, die irrtümlich oder aus Gründen massiven Geizes angeliefert wurden, umher und die Methoden, mit denen Christel "Dracula der Weiße" Lee den dauer-ralligen Furys zu Leibe rückt, ähneln verdächtig dem klassischen Van-Helsing-Anti-Vampir-Waffenarsenal. Und wo stammen die Biester denn nun eigentlich her? Klar: Transfuckingsylvanien, weil, warum nicht? Schließlich haben wir den heiligen Christopherus "Dracula jagt Mini-Mädchen" Lee am Set. (Ein Schelm, der da behauptet, hier habe man nur ein Vampirdrehbuch schlampig auf „Werwolf“ umgestrickt...)

Fernab der Grundstory des ersten Heulhundefilms taumelt das Patchwork-Drehbuch also fröhlich zwischen Dracula und Werwolf-Furry-Softcore-Erotik-Flic umher, Genrekonventionen werden munter in kleine Stückchen gebissen und sorglos wieder irgendwie zusammentackert, unterbezahlte aber hochmotivierte Spezialeffekt-Techniker legen sich so richtig ins Zeug und das ganze Gebräu wird schließlich mit brachialem Achtziger-Soundtrack und -look abgeschmackt äh abgeschmeckt. Wenig bis gar nichts bleibt mehr vom koksig-kompetenten "The Howling" (R.: Joe Dante) bzw. dem von J.D. als eher mittelmäßig bezeichneten Roman übrig, und der freie Fall der Serie (deren 7. Teil wir seinerzeit goutieren durften, siehe TMN Playlist) tief in den mit ekligem Zeugs angefüllten Direct-to-VHS / DVD Morast, wurde mit zwei (wirklich toll anzusehenden) Glocken eingeläutet.

Vampire, Werwölfe, Jacke, Hose, Schappiedose. Alles geht unter im puren Rausch des Machens. Hier regieren verspielt-verblödete Furry-Fetisch-Partys, treiben sich unangenehme """Punker""" herum, bestaunt man kleinwüchsige und großmäulige Over- und Underactor und kann sich einfach nicht von Stirba "Sybille Danning" Werwolfkönigin und ihren Leder-Metallstreifen-Klamotten sowie zwei imposanten, großzügig in Szene gesetzten (und gegen Ende des Films nochmal aber so richtig abgefeierten) Sekundärgeschlechtsorganen, satt sehen.

Zwischendrin statt nur dabei: Unser alter bekannter Reb "YOR - Jäger der Zukunft" / "Space Mutiny" / "Robowar" etc.pp.) Brown und Annie "True Stories" McEnro, die achtzigern, dass es nur so eine Wonne ist.

Gegeben wird

Howling 2: Stirba – Werewolf Bitch
aka Your Sister is a Werewolf
USA 1985
R.: Philippe Mora

19:00 Verbale Rudelbeisserei
20:00 Jaulworkshop mit Schuss und Stuss




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26.06.2025

Allerwerteste,

was Herr van K. bei unserer letzten trauten Runde messerscharf analysierte, erlauben wir uns so zusammenzufassen: Die Trashnite sei kein banales Vergnügungsformat – wenn man sich drauf einlasse, gelte es durchzuziehen für den sich aufsummierenden Erkenntnisgewinn. Das könne richtig Arbeit sein.

Oh ja.

In diesem Sinne stürzen wir noch einmal mittenrein in das fast überwunden geglaubte Themenfeld der über- und außerirdischen Entdeckungsreisen in leidlich phallischen Vehikeln. Wer könnte uns daran hindern, die letztwöchentliche „Vampire im falschen, zu haarigen Körper“-Schnurre umzudeuten in einen Alptraum, der schwerelosigkeitslose Astronauten auf frühstücksbrettchenartigen Sitzgelegenheiten heimgesucht hat? Bevor sie wieder aufwachen und erneut rumhantieren müssen an blinkendem Sperrmüll, auf dem Weg zu einem weiteren, praktischerweise erdähnlichen Planeten? Genau das tun wir nämlich!

Heuer wird jener Film ausgebuddelt, der für HORROR OF THE BLOOD MONSTERS raketenmäßige Sequenzen geplündert wurde, und dabei können wir etwas ungewöhnliches feststellen: man bediente sich nicht aus einem „guten“ früheren Film, um mit soliden Trickaufnahmen was neues Billiges aufzuwerten, sondern die Quelle ist in diesem Fall womöglich erbärmlicher als das Derivat, ach was: ist es auf jeden Fall. Und alle, die BLOOD MONSTERS gesehen haben wissen: das will was heißen.

THE WIZARD OF MARS katapultiert uns gradewegs in stutzig machend bekannte Gefilde (samt Frühstücksbrettchenmobiliar UND John Carradine), verdeutlicht dabei aber auch eindringlich, warum man es plötzlich als extrem gute Idee ansehen kann, dass die Hälfte der Spielzeit der BLOOD MONSTERS mit einem philippinischen Steinzeitfilm ausgepolstert war, eben weil THE WIZARD das nicht tut. Was man statt dessen geboten bekommt, das sollte man schon in voller Länge (und vor allem Breite) gesehen haben, wenn man den eingangs erläuterten unerschrockenen Weiterbildungsanspruch hat. Wer vielleicht dachte, dass Menschen, die vor schwarzen Vorhängen in Mikrofone sprechen, als tragendes Handlungsmotiv etwas dürftig seien, wird im WIZARD belehrt: es gibt noch profundere Dürftigkeit zu entdecken, ja gradezu weitere Dimensionen davon, und zwar auf die harte Tour.

Dass THE WIZARD OF MARS als US-Sci-Fi-Produktion aus dem Jahre 1965 voll im Korridor für „liebevolle Neuabtastungen vom Originalnegativ“ und „Blu-Ray mit Extras" liegt, all das aber nicht erfahren hat, zeigt in etwa, wie man das Marktpotenzial selbst bei gutmütigsten Sammlern und Komplettisten einschätzte: gegen Null.

Ein Fall für uns.

F&J&A

ps.
Noch ein Wort zum Erkenntnisgewinn: Unsere mittlerweile rund 680 durchgestandenen Titel ermöglichen medienrezeptorische Querbezüge, die vor uns niemand herstellen konnte. Etwa, dass im WIZARD vermutlich in einem Ausmaß in Kostüme geschwitzt wurde, wie es seit dem seligen ROBOT MONSTER (Playlist 2009) niemand durchlitten hat (beide Male in gleißender Sonne und staubig monotoner Landschaft), wobei allerdings im ROBOT MONSTER das Schwitzen in ein Affenkostüm erfolgte, das zur Darstellung eines Außerirdischen herhalten musste, im WIZARD hingegen sich Menschen im Außerirdischen zu Affen machen, in BLOOD MONSTERS der Ursprung des Vampirwesens ausserirdischen Ursprungs ist, während in HOWLING 2 Affenkostüme zur Darstellung von Werwölfen dienen, die eigentlich Vampire sind. Bitte, gern geschehen.





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03.07.2025

Liebe fashion-addicts,

willkommen zur Modeschau DDR 76.0!
Zu erlesenen Ost-Synthesizer-Klängen kredenzen wir alles, was von A wie Alabasterkörper mit wenig oder nichts am FKK-gestähltem Laibe bis Z wie „Zum Kuckuck warum macht heute eigentlich niemand mehr so farbenfrohes Plaste-und-Elaste-Modegewirke?“ reicht.

Ach, das dekadente Treiben auf einem Planeten, der doch noch vor kurzem einen Hilferuf wegen kapitalistischem Unterjochungsscheiß abgesendet hat, aber plötzlich nichts mehr von der selbst verbockten, anti-soziialistischen Menschen Schinderei in Rumänischen äh planetarischen Salzbergwerken wissen will? Genießen sie unsere scheißegal-Mundwässerchen und schon gehen alle ideologischen Problemchen schneller über Bord als man „Real Feminismus ruled in Socialist-Space“ sagen kann.

DDR kurz vor Star Wars, garantiert mit weniger Raumschiffen und heißer Disco-Future-Mode in Fülle und manchmal sogar ohne Hülle!

Genosse Neumanneumanneumann, übernehmen Sie!

J
———

Euch ist die Erkenntnis aus der Verhaltensforschung vertraut: je mehr Personen beim Tauziehen in einer Mann- bzw. Personenschaft sind, umso weniger strengen sich die Einzelnen an.

So auch bei uns! Die spontane Idee, Euch mal wieder mit einer Doppeleinladung zu verwöhnen hat den umgehenden Effekt, dass der zweite Kurator in maulfaule Faulenzerei verfällt, na fast zumindest.

Warum Doppeleinladung? Gedacht war sie, um in würdig feierlicher Form den Abschluss unserer epischen „unerschrockene Entdeckungsfernreisen in Blechbüchsen und Pappkartons“-Serie zu begehen, zu deren Anlass wir – wie von Herrn J anmoderiert – einmal mehr eine untergegangene Zivilisation zur Geltung kommen lassen. Statt Atlantiden und ähnlich exotischem Kroppzeuch kommen allerdings unsere einst nachbarschaftlich Kulturschaffenden von der DEFA zum Zuge.

Wir werden – ganz unironisch – unseren Aluhut ziehen können angesichts der liebevollen und kompetenten Leistung in diversen filmischen Disziplinen, die man in der letzten Zeit an den Rand der Implosion getrottelt sah.

Fein schaut IM STAUB DER STERNE aus, und es weht inhaltlich doch ein deutlich anderer Wind als bei den „erst schießen, dann schlagen“ Kollegen aus Fernost und Wildwest. Feingeister mögen gar eine irritierende Lakonie konstatieren, zu deren untergründigen Motiven man wohlfeil spekulieren kann und die Rätsel aufgibt, wie ein derart illusionsloses Herumwurschteln in der Zukunft Gnade vor verantwortlichen Stellen fand.

Zwecks weltanschaulicher Stabilisierung zeigen wir in einem kleinen Vorfilm eine ebenfalls DEFA-produzierte, schonungslose Analyse westlich dekadenter Weltraumgewaltpropaganda.

F
———

*mir-schwant-was-Blick*

A
———

(Vorfilm: DIE WELT DER GESPENSTER, DEFA 1972)





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10.07.2025

Und nun zu etwas ganz Anderem.

Wir haben das pangalaktische Reisethema ja bereits mehrfach abmoderiert und zuletzt DEFA sei Dank einen Höhepunkt erlebt, der förmlich nach einer gepflegten „Sportzigarette danach“ ruft. Solchermaßen entspannt, scheinen vor uns die Weiten filmischer Genres auf.

Was nun alles möglich ist! Was nun alles ginge!

Und kaum haben wir uns für einen kompletten Kurswechsel entschieden, taucht der Verdacht auf, dass geschulte Geister doch nicht umhinkommen werden, auch im nächsten Beitrag Kontinuitäten zu erkennen, wo man keine ahnte.

Nehmen wir zum Beispiel: Höhepunkte.

SEXY NIGHT REPORT No. 2 aka PORNO NIGHTS OF THE WORLD bietet so einige, oder zumindest was man dafür gelten machen möchte. Allerdings: von kosmischen Sphären stürzen wir hart ab in den Mondo-Sumpf, wo uns als Reiseverführererin nicht (wie im von uns noch ungesichteten ersten Teil) Laura „Emanuelle“ Gemser erwartet, sondern Ajita „Black Emanuelle“ Wilson im hüstel gemischten* Doppel mit Marina „Die Bestie aus dem Weltraum / Sexorgien im Satansschloss / Dr. Porno und sein Satanszombie“ Hedman.

Eigentlich sind wir also doch wieder beim Bestaunen fremder Kulturen, wobei für die Reisen dorthin statt Raketen diesmal ein Stockflugzeug genügen muss, mit dem unsere gute Ajita in bestem Kesse-Stewardessen-Style von einem Sündenpfuhl zum nächsten jettet.

Auch das letzthin bestaunte frankensteineske Zusammenpuzzeln aus mehreren Filmen bzw. Händen wird hier munter betrieben, wobei ein sehr fachkundiger Kollege im Netz eine Ratio schätzte:
  • 35% Material von Erwin C. „In 80 Betten um die Welt“ Dietrich,
  • 50% Joe „Nackt unter Kannibalen“ D’Amato,
  • 10 % Bruno „Hölle der lebenden Toten“ Mattei und
  • 5% Jess „Vampyros Lesbos“ Franco.
Die These bezog sich zwar auf den ersten Teil, aber seid versichert: das Patchworkmuster und die Quellenqualität sind vergleichbar. Wobei uns im zweiten Teil, soweit wir bei der Sichtung erkennen konnten, ganz Mondo-untypisch Grausamkeiten an Tieren erspart bleiben. Naja, weitestgehend, bzw. kommt drauf an, was man als Grausamkeit definiert. Ihr werdet schon sehen.

Zusätzlich challengen wir Euch durch Aufführung der italienischen Originalfassung, zu wir Untertitel aufzutreiben zu faul waren. Das epische, sicher sehr informative Gequatsche der Protagonistinnen wird sich somit den Meisten von uns nicht erschließen, aber hier gilt allemal: Bilder sagen mehr als tausend Synchronfassungen – eine deutsche Version gab es nur vom ersten Teil, und jener „Emanuelle - Sinnlichkeit hat tausend Namen“ war um ein paar würzige Minuten gekürzt. Nicht mit uns.

* Allen, die abwinken weil wir schon wieder ollen Stuss von 1978 zeigen sei der Hinweis gegeben, dass seinerzeit in einem Film, in dem es quasi nur um Sexploitation geht, die Transsexualität der Hauptdarstellerin überhaupt kein Thema war. Bemerkenswert cool.

Also denne: „neumannneumannneumann“ auf den Shortkey gelegt und Film ab!

F&J&A




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17.07.2025

Liebe Liebenden, sehr verhasste Hassende (und wie immer herzlich egal: Neutralist:innen!):

Nachdem Neumanneumanneumann den semi-cineastisch-futuristischen Kahn TMN in schlammiges, wild um sich fetischisierendes, außerordentlich undurchsichtiges und, dank bewusstem Verzicht auf Untertitel, die Kurator A. freundlicher Weise nachträglich extrahierte und dem interessierten Publikum auf Anfrage zur gerne Verfügung stellt, vergleichsweise unverständliches Fahrwasser manövriert hat (inklusive mäßig talentierter Peitschenschwinger:innen und irritierend eindrucksvoller Pferdegenitalien - kommt daher die Umschreibung: Gen Italien aufbrechen? Hoffentlich nicht!), gilt es nun, die Kessel gehörig unter Dampf zu setzen und geradewegs den nächsten Genre-Eisberg anzusteuern. Was kann jetzt bitteschön noch schiefer gehen?

Eben.

Die (einzige) Gute Nachricht zuerst: Keine tanzende Katze weit und breit!
Aber tanzende „Cool Cats“, angetan in den achtzigerigsten Achtzigerklamotten der achtziger Jahre, die die bange Frage in den Raum stellen, ob wirklich auch nur ein einziger Teenager diese Fassungslosigkeit und Ehrfurcht einflößende, wilde Mischung aus quietsche-bunten Leibchen, abstrusen halbfetisch-Klamotten, Federschmuckohrringen und garstigen Kopftüchern und viel zu vielem mehr, „cool“ fand?

Nun, wenn diese ästhetisch-popkulturelle Problematik irgendwem offensichtlich schnurzpiepegal war, dann unseren wohlbekannten, notorischen Brüdern und TMN Dauergästen Menahem Golan und Yoram Globus, unter deren Fittichen Regisseur Joel „Prison Heat“ Silberg mal eben rasch zum damaligen Trend-Thema Breakdance einen Low Budget Blockbuster namens „Breakin'“ rausrotzte, der trotz des extrem banalen Plots (Poshes Girl entdeckt ihre Liebe zur wilden, Freiheit und schicke Off-Prêt-à-Porter Klamotten verheißende Breakdance-Subkultur und irgend ein eindimensionaler Big Money Bube hat das Nachsehen) ein Überraschungshit wurde. Das Cannon-Power-Duo verschwendete keine Zeit und lies Sam „Cyborg Cop“ Firstenberg in Rekordzeit von 7 Monaten eine Fortsetzung herunter kurbeln, die dann auch noch im gleichen Jahr über die Kinoleinwände flimmerte.

Breakin' 2: Electric Boogaloo
USA 1984
Regie: Sam Firstenberg

Kurzentschlossene Skrupellosigkeit und Weißpulver-befeuerte Geldgier blieben nicht unbelohnt: Zwar spielte der Film nur die Hälfte seines Vorgängers, aber dennoch das dreifache seines Budgets ein. Mäßig verlässlichen Quellen zufolge habe das Erstellen des Drehbuchs etwa 3 Tage gedauert – wir tippen auf maximal drei Minuten. („Story“: Die Mädels und Buben aus Teil eins machen praktisch das Gleiche wie 7 Monate zuvor, der reiche Arsch ist diesmal ein Baumogul, der ein grotesk gebautes und von noch groteskeren, bestens gelaunten Freaks und Pantomimen (SCHWERE TRIGGERWARNUNG!!!) bevölkertes „Community-Center“ in irgendwas kapitalistisch-Seelenloses umbauen will, ansonsten werden alle, und ich sage: ALLE Problemchen und Probleme inklusive komplizierter Knochenbrüche und sozialen Spannungen im „Hood“ durch, na klar, ein bis zweihundert Tänzchen, gelöst…)

Das klingt alles erst mal verdächtig nach Musical-Gedöns, und die Cats-traumatisierte Zuschauerschaft stöhnt wahrscheinlich „nicht schon wieder!“.
Aber die seelenzersetzende Banalität des Plots, die miserablen, durch und durch idiotisch gestylten und gekleideten Schauspieler:innen nebst dem Umstand, dass wirklich ab etwa Minute 10 nahezu ununterbrochen irgendwer das Tanzbein schwingt, und das in immer weiter eskalierenden, mitunter die Grenzen zum psychedelisch-verstörendem beherzt überschreitenden, energetischen und durchaus kompetent gehandhabten Choreographien, angereichert mit beachtlicher Tricktechnik, erzeugen einen seltsamen Sog, der – Achtung, Kurator A. – dem schwindelerregenden, linearen-kinetischen Mad Max Fury Road Exzess nicht völlig wesensfremd ist.

Ach, gar herzallerliebst finden wir auch hier zwischen den Neon- und Pastell-betuchten Halbnackedeis und Leder-Breakdancer-innen diverse Anknüpfungspunkte zum letzten TMN-Schicksalsschl... äh Film:
Unüberzeugend Fetisch-Klamotten von A nach Omega tragende, hart tuende Zeitgenoss:innen?
Check.
Verwirrende, nicht nur die Protagonisten sichtlich überfordernde Ausflüge in alternative Lifestyles und Beziehungsgeflechte, die einfach so hingenommen und überraschend gut gelaunt via Tanz und Breakerei egalisiert und zum modernen Community-Dingens gemacht werden?
Check.
Bizarro-Partys, Gender-bender-dies-und-das und „fetzige“ Mukke?
Doppelcheck.
Das seltsame Gefühl, in eine Art Parallelwelt geschubst zu werden, die in ihrer ganzen abstrakt-idiotischen Naivität trotzdem überraschend positive Kernbotschaften mehr recht als schlecht vermittelt?
Trippel-Check.
WTF-Charm?

(*tief Lufthol*)

Alle Checks!

Na dann mal los, Sam, Yoram und Melahem! Make our evening!


19:00 paralysierte Plauderei vor leuchtenden Rechtecken
20:00 Zielführende Zappelei im grellbunten Welt-Würfel

J+F+A

PS.: Den aufmerksamen TMNlern ist wahrscheinlich nicht entgangen, dass Kurator J, mit der Auswahl des heutigen Filmes betraut, eine spontane Programmidee, die ihm nach Sichtung des letztwöchigen Spektakels durch den reichlich angeschlagenen Kopf schoss, mit einem all zu hämischen Auflachen quittierte, dass böses schwanen und erahnen lies. Nun, nach einer angemessenen Ausnüchterungsphase legte er den diabolischen Plan, „Lambada“ (aus der Schmiede des Herren Yoram Globus), oder bzw. UND „Der Verbotene Tanz“ (wiederum solo von Herrn Menahem Golan verbrochen und am selben Tag wie de Lambaada uraufgeführt!) zu kredenzen, erst mal auf Eis. Diese Filme sind zwar mit Sicherheit sowohl aus cineastisch-unästhetischen als auch produktionspolitischen Gründen einen Blick wert, eine kurze Sichtung dieser Tanzfilmgurken zeigte aber, dass eher öde, betulichere Szenen diese Machwerke dominieren und der vorliegende Film weitaus mehr Schauwert bietet.

You doged one, liebe Peoples.

Aber dennoch: Denke ich an den Pantomimen in „Breakin' 2“, gurgelt schon wieder eine diabolische Freude in mir hoch :-)

PS2: Anmerkung zur Sache: Der Titelzusatz „Electric Boogaloo“, eigentlich die Bezeichnung eines Tanzstils*, wurde zu einem sog. „Snowclone*“-Begriff, der bis zum Heutigen Tag als Suffix auf die besondere Grottigkeit einer „Fortsetzung“, nicht nur im Filmischen, verweist. Näheres dazu hier:

*https://en.wikipedia.org/wiki/Snowclone
**https://en.wikipedia.org/wiki/Electric_boogaloo_(dance)



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24.07.2025

Damit eins gleich mal klar ist: Musikfilm! Fast zwei Stunden!

So. Damit haben wir schon mal alle zarten Hoffnungen pulverisiert, die letztwöchentliche „80er Jugend beim rhythmischen Rumzappeln“-Pein sei einmaliger Ausrutscher gewesen, und es ginge mit richtigen Filmen weiter. Was ja bei uns auch nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen wäre.

Wie auch immer – nun steht uns der interessante Fall bevor, dass Vorgänger und Nachfolger große Ähnlichkeiten aufweisen, aber trotzdem grundverschieden sind.

Pauschalisierungen
BREAKIN 2 stammte von 1984 und tat so, als ob die Lebensrealität der Jugend damals aus nichts als Aufbrezeln, Arschwackeln zu schlechter Musik, Dummlabern, läppischen Witzchen und pseudokonstruktivem „Widerstand" (gegen Immobilienspekulanten) bestanden hätte, während BURST CITY von 1982 den jungen Leuten samt und sonders Verranzen, Fäusteschütteln zu schlechter Musik, Rumschreien, Hass und nihilistischen Destruktionswillen (bezüglich allem) zuschreibt. Stimmt nur eines? Oder beides? Oder nichts? Wir stellen für die Diskussion kostenfrei echte Boomer-Zeitzeugen zur Verfügung, wenn auch weder amerikanische noch japanische.

Hyperaktivität
Keine Sekunde konnten die affigen „Breakdancer“ stillhalten, und genauso gehts den affigen „Punkern“.

Tanz
Die einen wünschten sich nichts sehnlicher, als jederzeit so richtig durchchoreografiert zu wirken, die anderen würden lieber sterben, als in den Verdacht eines einstudierten Moves zu geraten. Man schlage beides nach unter Hybris.

Coolness
Während man in BREAKIN 2 versuchte „cool“ zu sein, indem man sich möglichst „cool“ verhielt, ist es in BURST CITY „cool“, sich möglichst „uncool“ zu verhalten.

Nieten
Epidemisch in beiden Filmen, sowohl an wie in Kleidung.

Fummel
Die einen meinten sich durch überkanditelte Gewandung vorteilhaft zu präsentieren, den anderen soll man glauben, das genaue Gegenteil zu wollen – scheitern tun sie alle.

Extras
Da schauspielerische Qualität aus beiden Besetzungen allenfalls tropfenweise zu gewinnen war, entschloss man sich hier wie dort, durch Quantität zu kompensieren und die Leinwand mit allerlei Gesocks zu fluten, das vermutlich auch noch angehalten war sich selbst um Outfits, Makeup, Frisuren und Drogencatering zu kümmern. Erfolgreich? Wie mans nimmt.

Musik
Schlimm vs. anders schlimm.

Baddies
In BREAKIN 2 trug die schuftige Gang Leder und dunkle Sonnenbrillen, in BURST CITY tun es alle. Entsprechend unübersichtlich ist das Ganze geraten.

MAD MAX Faktor
Meinte Hr. Ritter noch, durch die unerschrockene Anwendung von Assoziationsverstärkern in BREAKIN 2 einen gewissen hynotischen FURY ROAD Sog channeln zu können, müssen wir in BURST CITY nicht lange nach Möchtegernwarboys suchen. Wär ihnen doch nur schon das mit der Spraydose eingefallen – es hätte uns manch kariösen Anblick erspart.

Es gäbe noch so einiges zu Pitchen, etwa inszenatorische Selbstüberschätzung, prätenziöse „Botschaften“, die Schnittqualität, musikalische Halbprominenz, und die epische Nervigkeit, aber all dem widmen wir uns live.

Statt dessen sei Eure schwindende Aufmerksamkeitsspanne noch rasch genutzt für den Hinweis, dass der Regisseur Gakuryū Ishii mit dem vorliegenden Werk einerseits den hyperkinetischen Cyber-Dystopie/Hysterie-Trend a la TETSUO vorbereitete, andererseits seine Karriere in schwere Fahrwasser steuerte. Die Kreise, in denen er sich bewegte und ankam waren notorisch klamm (Anti-Establishment halt) und andere hatten wenig Lust, in solch siffigen Krawall zu investieren. Immerhin konnte Hr. Ishii später u.a. noch den mental verwandten ELECTRIC DRAGON 80.000 V realisieren, den wir uns bereits im seligen Jahr 2003 gönnten.

ONE TWO THREE GO

F&J&A




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31.07.2025

Sehr verehrte TMNGangmitglieder:

Nachdem wir letzte Woche dem aufmüpfig-destruktiven Treiben von verschieden thematisch putzig aufgestellten Schreihälsebands aus Japan zuschauen durften und sich als neues Subthema grade „verwirrte, selbstbewusst sich die ein oder andere Art und Weise sich zum Löffel machende Jugendliche mit Hang zur Bandenbildung und mächtig (A-)Rhythmus“ im teils überaus großzügig verteiltem Eigenblut, herauskristallisiert, wollen wir den Faden flugs aufnehmen und mit

Hey Good Lookin'
USA 1973-75, erschienen erst 1982 (!)
R.: Ralph „Fritz the Cat / Herr der Ringe“ Bakshi

mal schauen, ob der gebürtige Palästinenser (Geb. 1938 in Haifa, damals noch Palästina unter britischem Mandat, heute Israel), der 1939 in die USA, spezifischer: nach Brooklyn emigrierte und dort in seiner Kindheit und Jugend in den 50ern so manche Straßenschlacht und Rüpelei zwischen den in sozial hoch prekären Zusammenhängen vor sich hin vegi- und delirierenden Fraktionen der Latinos und Latinas, der Schwarzen, der Italiener - und eigentlich all derer, die nach dem Sprung über den großen Teich nicht so recht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Fuß zu fassen vermochten, am eigenen Leibe miterlebte. Ralphies Familie, weiß Gott auch nicht mit Reichtum gesegnet, zog 1947 nach Washington, D.C. in das Viertel Foggy Bottom.

"All my friends were black, everyone we did business with was black, the school across the street was black. It was segregated, so everything was black. I went to see black movies; black girls sat on my lap. I went to black parties. I was another black kid on the block. No problem!"

Dies sei hier ausdrücklich erwähnt, muten Bakshis Filme (und speziell „Hey, Good Lookin'“) aus heutiger Sicht wie ein unfassbarer Müllhaufen aus rassistischen Personendarstellungen, hypersexistischem Stuss und, nun ja, auch immens antisemitisch wirkenden Elementen, an (vom psychedelisch verklärten, antisozialen Verhalten SÄMTLICHER Protagonist:innen ganz zu schweigen), was den wirklich redlichen Bemühungen des zappeligen Undergroundfilmers und „Erwachsenen-Trickfilm“ Pioniers, die 50er Jahre zu zeigen, „...wie sie wirklich waren“, im Wege stehen mag.

Nun, der Film (ursprünglich als Mischung aus Real- und Trickfilmszenen konzipiert, unter Anderem hätten in einer besseren Welt die wunderbaren New York Dolls mit den übrigens zwei Schulkameraden von Bakshi nachempfundenen Trickfilm-Knalldeppen-Haupfiguren die Leinwand geteilt...) war denn auch ein Flop an den Kinokassen, kam im Vergleich zu anderen Filmen Ralphies eher mittelmäßig bis miserabel animiert daher und fand an den Kinokassen und auch sonst kaum Anklang – außer beim notorischen Quentin Trappatoni (sic bzw. sick), der ihn als '...besser als Mean Streets' von Scorcese bezeichnete.

Erst in den späten Achtzigern schaffte es ein eher europäisch-kontinentales Publikum, sich den Streifen irgendwie zum Kultfilm hochzukoksen.

Ach, über Bakshi, seine seltsame Art, Filme zu gestalten (und überhaupt Ralph Bakshi zu sein) , sowie die irritierende Wirkung gut gemeinter Underground-Produkte, die mit so viel Herz und Energie derart vollstoff gegen alle Wände knallen, könnte seitenweise geschrieben und stundenlang disputiert werden.

Machen wir aber nicht, zumal Kurator Neumanneumanneumann diesmal nicht zugegen ist, viele Regulars im Urlaub oder am umgekippten Baggersee rumhängen und ich entschieden zu faul bin, hier flapsig Wikipedia zu zitieren (!) und einschlägige Trickfilm- und Underground-Webseiten wiederzukäuen.
 
Na denne, Jets oder Sharks oder Warriors oder Schwarze Schlümpfe, wie auch immer: jetzt wird die Pomade vom Kamm gelutscht und irgendwas mit Psychose reingebuttert und dieses schräglagige, konfus erinnerte Zeitdokument‚ reingepfiffen.

Triggerwarnung diesmal: Hart an der Grenze zur Unverschämtheit schrammende Frauenbilder, ““““Humor“““““ und (nachweislich NICHT rassistisch GEMEINTE) fragwürdige Darstellung unterschiedlicher Ethnien.

Wir sagens ja nur.

J+A+F




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07.08.2025

Werte Rasselbande,

klar kann man einen Film über Rockertypen machen, in dem quasi keine Motorräder vorkommen – der letztwöchentliche Beitrag soll als Beleg genügen. Warum man das aber tun sollte, wenn doch schmieriges Haar und ölende Kolben, röhrende Motoren und Grölerei, Todestrieb und „Fahren unter Einfluss“ so stimmig zusammengehen, das erschloss sich weder den Machern der bisher von uns gesichteten Bikerstreifen, noch Michel Levesque.

Jener zeichnet verantwortlich für WEREWOLVES ON WHEELS, der bemerkenswert polarisierende Reaktionen auslöste. Für die einen ist das alles ein konfuses, schlecht gespieltes Durcheinander mit zu wenig Werwölfen, für andere zumindest als früher Vorläufer von Doku-Trash-TV interessant (echte Biker beim Echte-Biker-Dinge-Tun), noch mal andere bekommen sich gar nicht mehr ein:

Stimme A (Auszug):

THIS IS IT.
THE UNHOLY GRAIL.

holy lord this blew my mind. (…) this is the death of the hippie dream! this is the collapse of brotherhood and free love into bestial disintegration. this is acid burn eating away your literal body. this is Satan laughing with his wings spread. this is fuzz tone so garbled it becomes a black magick highway tunnel from which there is NO ESCAPE, NO WAY OUT, YOU WILL NEVER FIND, just turn off your mind. psych & scuzz damage that makes you not care how greasy your hair is or whether you die.

Stimme B (Auszug):

Ok, lets get this straight: 'Werewolves On Wheels' is seriously one of the best movies ever made. It plays like a highlight reel or trailer of a scuzzed-out, acid-damaged, bikers vs. satanists, heavy werewolf curse movie from 1971 ideally would play, and does so for the entirety of its run-time. It is literally a miracle, a dark, dirt-encrusted, filthy, heavy-trip of an inverted miracle of a movie. The soundtrack is tribal, heavy, sick, fuzzed-out and clattery. It is a pile of rusty noise. (…) For those expecting something campy or ridiculous, be forewarned: this is the real deal, and it is coming for you, taking no prisoners, leaving no wounded. Full marks. One of the great achievements in Seventies Satanic Biker Horror. Not remotely kidding. I don't give a rats ass about 'Easy Rider'. This is the bomb. The bomb is LSD, and it is furry inside and out, dripping blood and wax and howling.

Für alle, die bisher niedriger dosiert durchs Leben gekommen sind als jene Fanboys, mag sich die Magie vielleicht nicht ganz so unmittelbar offenbaren, aber aufmerken lässt dann doch, dass Monsieur Levesque zwar nur in zwei Filmen Regie führte, aber bereits vier Jahre zuvor, also 1967, Set Designer beim soliden THE TRIP war (TMN Playlist 2005) und danach noch Art Direction oder Production Design verantwortete von (nach unseren Maßstäben) respektablem Zeuch wie CANNONBALL, ILSA - HAREMSWÄCHTERIN DES ÖLSCHEICHS, DER LANGE TOD DES STUNTMAN CAMERON, THE INCREDIBLE MELTING MAN sowie gleich mehreren Russ Meyer Filmen. Ist ja nicht nichts! Und von dieser Warte aus betrachtet ist das haarige Treiben womöglich absichtsvoller inszeniert, als es auf den ersten Blick wirken mag.

Gentlemen, start your engines!

F&J&A




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14.08.2025

Liebe Sportsfreundinnen und Sportsfreunde,

wie wir letzte Woche (gegeben wurden Werewolf Bikers) hinreichend geklärt haben dürften: Der Teufel steckt nicht nur im Detail – sondern auch im militärisch-hierarchisch geprägten Umfeld, das eben nutzlose Radaubrüder wie unsere Bikergang oder überbordend-fanatische Wirrköpfe wie die Satanistentruppe gebiert und herzlos (aber zu unserem Vergnügen) in den Entertainment-Ring wirft.

Ist also das Militär und verschrobene Glaubensvorstellung, im weitesten Sinne also: Die Kirche, Wurzel allen Übels?
Fast.
Eine wichtige Komponente haben wir bisher nicht untersuchen können: Die Rolle des Fußballsports als verbindendes Glied (und direktes EinfallsTOOOOR in die Hölle).

Nun, wir sind ja nicht zum Unvergnügen hier und dribbeln in das Jahr 1981: Die „Satanic Panic“ Welle ebbt langsam ab und ein gewisser Herr Eric Weston arbeitet sich mutmaßlich an seinen traumatischen Erfahrungen auf der Militärakademie ab (pure Spekulation – aber ihr werdet sehen, warum das recht wahrscheinlich ist...), als er auf die famose Idee kommt, ein Carrie – des Satans jüngste Tochter – meets – Military Academy gone evil – meets – Die Rückkehr der reitenden Leichen – meets Computerquatsch-Schote zusammen zu delirieren, in der ein bedauernswerter Sonderling alles, wirklich ALLES unternimmt, um in einer Fußballmannschaft unterzukommen und von seinen garstigen Mitstudenten NICHTS, wirklich gar nichts, geschenkt bekommt. Noch ein wenig Splatter und Gore und ein paar Schweinereien (nope, keine Neumanneumanneumann Sachen, the real deal ;-) ) in die wüste Rachestory gemischt und schnell dem abfahrenden Trend-Zug hinterhergeworfen, fertig ist

EVILSPEAK
USA 1981
R.: Eric Weston

Clint (der kleine Bruder von Ron) Howard spielt den unsportlichen, eigentlich recht sympathischen Sportsfreund und Early Access-Prompter Copperdick, Western-Veteran Robert „Pat Garret and Willy the Kid“ Armstrong tut mit und Produzent Sylvio „Beastmaster 1-3“ Tabet sorgt dafür, dass das Niveau stabil in unterhaltsamen Trash-Tiefen verweilt.


Let`s watch.

J+F+A



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21.08.2025

Liebe Gemeinde,

eh man sich's versieht, findet man sich auf einer neuen inhaltlichen Route wieder, so wie wir derzeit: dem Highway To Hell!

Mit adrenalinbefeuertem Tempo sind wir vorbeigerast an okkulten Kulten, mutierenden Bikern, fluchbeladenen Schwarten, sackgewandeten Satanisten sowie höllischen Computergrafken; und dabei manches mal an der Qualitätsleitplanke entlanggeschrammt, dass nur so die Funken flogen.

Recht naheliegend also, nun einen MESSIAH OF EVIL ranzulassen. Klingt nach amtlichem Schund, und sollte man sich schon darauf hinfreuen, irgendeinem overactenden Dulli bei nicht ganz jugendfreien Ritualen zuzugucken – dann könnte man vom Bevorstehenden ganz unerwartet eine in die Fresse bekommen.

Wir entscheiden uns diesmal, keine weiteren Informationen zu geben UND inständig zu bitten, die Finger vom Internet zu lassen, das natürlich allerlei Trailer und Informationen bereithält, aber damit auch ein gerüttelt Maß an profanem Scheinwissen. Einmal mehr gilt: Die Landkarte ist nicht der Kontinent.

Tut Euch also selbst den Gefallen, diesmal recherchemäßig unvorbereitet in den Filmabend zu starten, ganz so, also ob Euch jemand überredet hat, eine Spätvorstellung von RETURN OF THE LIVING DEAD zu besuchen – in der dann aus Versehen der falsche Film gezeigt wird.

Nur soviel vorab: Zu wissen, dass das regieführende Paar parallel am Drehbuch von AMERICAN GRAFFITI und später INDIANA JONES (mit)gearbeitet hat, von Schorsch Lucas als STAR WARS-Scriptfixer angeheuert wurde und HOWARD THE DUCK gedreht hat – das führt auf eine ziemlich falsche Spur. Eine ziemlich ziemlich falsche.


See you!

F&J&A




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28.08.2025

Sehr geehrte Cineastenhöllenhunde und -hündinnen,
nach dem bild- und darstellungsgewaltigen „Howard the Duck Prequel“ der letzten Veranstaltung tut ein wenig Kontext Not.

  1. Zwar war der jüngst zu bestaunende „Messias des Bösen“ weniger ein Antichrist oder Satan christlicher Leseart denn ein Amalgam aus verschiedenen phantastisch-fiktiven Darstellungen übernatürlicher, erzböser Zeitgenoss:innen (*hustLovecrafthust*), Tatsache aber ist, dass unser aktuelles (sub-)Thema „Fragwürdige außergesellschaftliche Lebensentwürfe (bzw. -auswürfe), Quatschkulte und Popsatanismus“ das Interesse an Kontext und Realitätsbezug dieser während der „Satanic Panic“ zur vollen Blüte gelangenden Filme geweckt haben dürfte.
  2. Der Ruf in der Zuschauerschaft nach obskuren Dokumentarfilmen ist deutlicher zu vernehmen als satanische Botschaften, die rückwärts abgespielt, vielleicht, vielleicht auch nicht, so manchen populärmusikalischen Tonträger geziert haben mögen. (Weiterführendes Material, a.K.a. „Rippsche mit Kraut“ https://www.youtube.com/watch?v=B73CNcfw1oc )
  3. Low-Budget-Dokumentationen bieten in ihrer Zeitkapselhaftigkeit ein gar prächtig zu beackerndes Feld mit hohem Informations-Staun-Wunder- und Fremdschämpotential. Das mag mitunter etwas zäh und argumentativ ungewohnt, eben schwergängig und nicht ohne Mühe und aktive Beteiligung der Zuschauer:innen daher kommen, dafür wird der betrachtende Mensch aber eine reichhaltige Ernte kurioser, ungesehener oder vergessener Bilder, bizarrer Personen, eigentümlicher Einblicke in zum Teil völlig verschwundene gesellschaftliche Zusammenhänge und kreuzdebiler „Rituale“, einfahren können. Geile Klamotten und toll aus der Zeit gefallene Orte Inklusive! Bildungsauftrag TMN!
  4. Erst- und Letztlingsfilmer Ray Laurents, dessen Dokumentation „Satanis: The Devil's Mass“ (USA 1970) wir uns diesmal zu Gemüte führen, war beileibe kein unfleissiger Film- und Fernseh-Editor (Sports Bloopers, The Henry Miller Odyssey). Rätseln wir gemeinsam, warum ausgerechnet eine Dokumentation über die „Church of Satan“ der erste und einzige Film bleiben sollte, für den sich Ray in den Regiestuhl wuchtete.
  5. Geschenkt, denn sein unausgewogenes, holperiges Werk bietet uns bizarre Rituale, die einmal mehr beweisen, dass Messen JEDER Art naturgegeben stinkelangweilig und beknackt sein können (trotz Blut und viel nackter Haut!), ebenso bizarrer Wortbeiträge von gläubigen Christen, verballerten Eso-Hippies, ahnungslosen Normalo-Menschen, einer irgendwie sympathischen Hexe und sogar dem Gründer der CoS höchstpersönlich, und da wollen wir mal nicht so sein! Das gabs halt nur einmal, das kam so nicht wieder.
  6. TMN-Zeitersparnis-Service: Immerhin muss Mensch nicht wie unter dem Einfluss einer fremden Macht durch das Internet streifen, um sich sämtliche weiteren Filme des Regisseurs rein zu glotzen, weils halt nix gibt! Ist doch prima! Mit der gesparten Zeit kann Mensch dann verfahren, wie Mensch will!. Mal 'ne eigene Kirche basteln? Irgendwas mit Ziegen, Katzen und Kreuzen improvisieren? Exorzist im 3. Bildungsweg werden? Dafür ist nun ausreichend Zeit, dank eurer TMN! Nichts zu Danken :-)

J+F+A




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04.09.2025

Hochverehrtes Publikum,

für all jene, die in den letzten Wochen nicht bei der Sache waren – oder deren Aufmerksamkeitsspanne aus welchen Gründen auch immer strapaziert ist – eine kleine Hilfestellung: wir haben uns in einen zusehends schmaler werdenden Tunnel aus Satanismusbezügen manövriert, zuletzt gar verengt auf dokumentarische Wiedergabe des (doch eher unbeholfen zu nennenden) Treibens in der vielleicht kleinsten Teufelskultschaltzentrale Kaliforniens.

Daraus ergäbe sich gradezu zwingend ein Folgefilm, der mit einer überwältigenden Anzahl von Anknüpfungspunkten aufwarten kann: Kalifornien, 70er Jahre, Doku, „Treiben“, schwer verständlichem epischem Gequatsche, eigenwilliger Weltanschauung, Belehrungs- und Missionierungstendenzen, guter Laune trotz befremdeter Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft, manch ästhetisch randständigem Schmuddelmoment – und dabei dem konterkarienden Sahnehäubchen, dass die Portraitierten nicht mit der Hölle kokettieren, sondern sich quasi im Himmel wähnen.

Jedoch ...

… haben wir nicht ganz vergessen, dass uns während der Satanistendoku etwa drei Zuschauer/innen verlustig gingen, mithin die knappe Hälfte unseres Publikums. Rechnet man noch die Vermeidungstaktiken von Herrn W. hinzu, der sich mit allerlei Gastgeberfreundlichkeiten (Mixen von White Russians, Mikrowellieren von Cheese-Tacos) und „Austreten“ unterschiedlicher Art (das nur teilweise durch das Experimentieren mit einer neuen Darreichungsform psychoaktiver Substanzen zu erklären war) recht erfolgreich aus der Affaire ziehen konnte, so bilanzieren wir: Man floh in Scharen. Wohl nicht vor schröcklichen Szenen, eher vor schwammig anzusehender Langatmigkeit. Und davon hätte der – ausweislich genannter Kriterien eigentlich bestens geeignete – SANDSTONE dermaßen viel zu bieten, dass ein sonst kursstabiler Kurator Euch gegenüber einen Anflug von Milde walten lässt.

Wir lösen die Widersprüche mit dem Einführen eines neuen Formats, dem TMN DEEP DIVE, bei dem annähernd unguckbare Titel zur individuellen Sichtung freigeben werden. Wer SANDSTONE (ohne Zappen!) durchsitzt, erwirbt nicht nur wertvolle subkulturelle Kenntnisse, sondern auch Anspruch auf einen Trash Movie Night Komplettist Orden, der ausgehändigt wird, sobald die legendär überfälligen Ich-habe-Cats-durchgezogen Medallien verliehen wurden. Wohlan – Unerschrockene hier entlang: (Download nun offline)

Bleibt die Frage, was für die breite [sic!] Allgemeinheit gegeben wird? Und hier endet die Kuratorengnädigkeit, um einem vorfreudig-händereibenden, milde sadistischen Powertrip Raum zu geben.

Wir greifen die in den genannten Dokus angelegte Fallhöhe auf und sagen es mit einem unserer Lieblingstrailer: Es könnte das Paradies sein – aber es ist die Hölle.

Wohl wahr! Denn was als LA BANDA DEL TRUCIDO ein klassisch trockener, harter Italo-Actionkrimi hätte sein können und sollen, mutierte durch widrige Umstände (jemand war jemand einen Gefallen schuldig) in ein lockenperückensträubendes Tomas Milian Vehikel. Wir bekommen es in DIE GANGSTER-AKADEMIE mit einer frühen Reinkarnation von Milians „Monnezza“ (= Müll) zu tun, bei der noch etwas unklar ist, in welcher Richtung sich dieser Character entwickeln wird – Arschloch oder Nervensäge? Beides? Milian wurde für wenige Tage ans Set gekarrt (der „Gefallen“ war damit abgegolten), dem wenig amüsierten Regisseur aufgenötigt, in das eigentlich schon fertiggestellte, straighte Drehbuch reingeschrieben und durfte seine Dialoge improvisieren, mit einem Ergebnis, das schlichtweg jedem Beteiligten (und der Kritik) zuwider war. Es fand sich allerdings genug geschmacklich bankrottes Publikum, um weitere 4 „Monnezza als Kleingangster“ folgen zu lassen SOWIE 16 „Monnezza als Superbulle*“. Manche von Euch tragen schwer an der Erinnerung eines wüstenverwüstenden Auftritts, der uns 2024 heimsuchte.

In Fortsetzung unseres Satanistenbinges steht also eine Konfrontation mit einem annähernd leibhaftigen Wuschelkopf bevor, die sich in mehreren Höllenkreisen abspielen wird: Da ist die launige deutsche Synchro, aber auch der verschärfende Umstand, dass wir die vollständige Langfassung sehen – in der so einiges an „Handlung“ erhalten ist, die dem deutschen Bahnhofskinopublikum erspart wurde. Darin waten wir im Originalton durch italienisches Prolo-Familienleben, knietiefe Misogynie, und jenes in den 1970ern unverzichtbare pseudopolitische Gefasel, mit dem kriminelle Exzesse der „Gesellschaft“ in die Schuhe geschoben werden. Ganz nebenbei bekommen wir so Kostproben des römischen Slangs, den Milian seinem Monezza andichtete, und können so den dessen Nervigkeitsfaktor gegen deutsche Dummlaberei pitchen.

Wir versprechen: am Ende des Abends wird so Mancher Manchen zum Teufel wünschen.

F&J&A


* Monezza, Nico Giraldi – der Bulle des Originals wurde in Deutschland kurzerhand zu „Toni Marroni“ umgeschnoddert. Darauf kam es dann auch nicht mehr an.




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11.09.2025

Liebe Bewohner:innen der zukünftigen Vergangenheit,

weiter geht unsere Reise durch die Untiefen egoman-narzisstischer Psychen und Psychotiker, Quasi-satanistischer Tendenzen und famoser Musikeinlagen.
Keine Angst, wir verschonen euch (noch?) mit Musicals.

Aber der vorliegende Film
 
Virtuosity
USA 1995
R.: Brett Leonard

scheut sich nicht, mögliche musikalische Trends der nahen Zukunft, speziell das live-Remixing von unfreiwilligen Fieldrecordings in einem futuristischen Club, aufs informativste und - dare I say – unterhaltsamste, darzustellen. Auch sonst gibt sich der Film redlich Mühe, den damaligen Zeitgeist, will sagen: die futuristischen Themen von dazumal, in ein mehr oder minder marktfähiges Zelluloid Vehikel zu packen.

Die Neunziger zappeln unruhig vor sich hin, VR und Cyberspace sind die heiße Scheiße und Herr Brett „Kiss that Frog“ Leonard beschließt, an seinen erfolgreichen Schussel-Cyber-Schlock-Schocker "Der Rasenmähermann" anzuknüpfen und schuftelt fleißig Einsen und Nullen in den Science Fiction Hype Hoch- bzw. eher: Tiefofen.

Der durchaus als Pionier der Computeranimation zu bezeichnende Filmemacher strickt eine seltsame Mischung aus Escape from New York, The Mask und sämtlichen Cop vs. Serienmörder-Klischees der Achtziger und frühen Neunziger zusammen, in dem sich ein furios overactender Russell Crowe so richtig austoben kann. Übrigens als aus über hundert Serienmörder-Persönlichkeiten (Jep. Auch Hitler.) zusammengelötete KI „SID“ (...steht für „sadistic, intelligent, dangerous“…).

Für uns ein erstaunlicher Anblick, ist Herr Russell doch eher als vage somnambuler Gladiator in Ridley Scotts gleichnamigem Film im Gedächtnis verankert. Auch ein noch blutjunger Denzel Washington arbeitet sich wacker durch das klischeetriefende Drehbuch und gibt den traditionellen Action Cop auf dem Sühneweg.

Die für ihre Zeit tatsächlich spektakulären, heute freilich eher zum Fremdschämen gereichenden CGI Sequenzen retteten den doch eher banalen Cop vs. Serienkiller-KI Plot dann gerade mal so in die schwarzen Zahlen, der große Erfolg blieb dem Streifen aber verwehrt und Bretts Kino-Karriere, grade erst begonnen, stockt für ein gutes Jahrzehnt.

Zeit genug für einen angehendes transsexuelles Geschwisterpaar, die besten Ideen aus diesem Film zu extrahieren und ihren The Matrix Blockbuster knapp 4 Jahre nach Virtuosity um eine wesentlich virtuosere Version einer computergenerierten Wirklichkeit zu bereichern.

Soweit, so gut.

Aber wie reiht sich Virtuosity in den derzeitigen cineastischen Stream-of-Kuratoren-sub-unconciousness ein?

Nun, auch hier erleben wir eine (wenn auch nur künstlich äh „intelligente“), raumgreifende, aufdringliche Persönlichkeit, die mit einem Heidenspaß an der bösen Sache überdreht overacted, dass sich die Ladebalken biegen, im Gegensatz zu Siffmeister Tomás Quintín Rodríguez Milián allerdings ihren Narzissmus durch das Tragen schicker Achtziegeranzüge zu subsumieren sucht.
Nun gut, diesmal springen weitere Gemeinsamkeiten nicht sofort ins Auge. Gemein ist dem letztwöchigen und dem dieswöchigen Film, dass beide Produktionen schon arg den Launen ihrer jeweiligen Alpha-Schauspielern ausgeliefert waren und von selbigen in für das Publikum nicht unbedingt erfreuliche Richtungen gepuscht wurden.

Während Tomás Quintín Rodríguez Milián uns jüngst mit seinen Improvisationskünsten auf den Wecker fiel, sorgte hier Herr Washington für den notwendigen Egostress am Set, indem er das Drehbuch des noch leidlich unerfahrenen Regisseurs kurzerhand umschrieb, die Rolle der bedauernswerten Hauptdarstellerin Kelly „Roadhouse“ Lynch von Computerspezialistin und Love Interest zum Geiselopfer ohne amouröse Ambitionen aber mit Töchterlein, dem man auch mal eine Bombe umschnallen kann, ummünzte - und sich bei der Gelegenheit große Teile ihrer Dialoge einfach selbst unter den Nagel riss.

Näheres hierzu finden wir auf https://www.framerated.co.uk/virtuosity-1995/ wo Frau Kelly Lynch in einem ziemlich interessanten Interviewausschnitt zu diesem Thema Stellung nimmt.

In diesem Sinne:

Bullshit in, Bullshit out
Virtuosity geschaut!

J+F+A

19:00 Amokgequatsche mit NI (Natürlichen Intelligenzen)
20:00 Amoklauf mit KI





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18.09.2025

Hochverehrtes Publikum,

handeln wir zunächst rasch die offensichtlichsten Anknüpfungspunkte zum Programm der Vorwoche ab:

Erstens bekommen wir es erneut mit einer fleischgewordenen Manifestation des Bösen zu tun (diesmal nicht über den Umweg komplizierter Hochtechnologie, no no).

Und zweitens gab es so rein gar keinen nachvollziehbaren Grund, warum der letzte Titel ausgerechnet VIRTUOSITY lautete, woraufhin wir nun patzigerweise etwas zeigen, das weder im Titel noch sonst in irgendeiner Weise VIRTUOS ist.

Und da sind wir auch schon mittendrin – sowohl in Problematik wie Faszination, die A NIGHT TO DISMEMBER zu bieten hat.

Selten verschlägt es einen Titel mit weiblicher Regie auf unsere Playlist, wobei wir es späteren Kulturforschenden überlassen zu ermitteln, ob unser Ratio wirklich schlechter ist als quer durch die Filmwelt an sich (insbesondere im bei uns ja doch sehr präsenten 20. Jahrhundert). Aber: nun kommt jene Frau zum Zuge, die bei mehr Spielfilmen Regie führte als jede andere Ihrer Geschlechtsgenossinnen.
Auftritt Doris Wishman!

Zur Person sei der Wikipedia Eintrag angeraten – zumal ziemlich spoiler-frei in Bezug auf unser Programm. Man hätte sich eine Autobiografie der guten Doris gewünscht, es war einiges los in 90 Lebensjahren. Was aber späterhin in Biografien und von Medientheoretiker/_:*Innen ihrem Werk hinzugeschlaumeiert wurde, hätte sie vielleicht selbst gewundert.

In grauen Vorzeiten lief bei uns ein Frühwerk der Dame: NUDE ON THE MOON, rührend anzuschauen in seiner gradezu unschuldigen kinky Dämlichkeit. Bei allen Nudie-Konventionen ist ihrem Werk doch eine durchgehend irritierende Komponente immanent, die auszuloten reizvoll, aber kaum möglich scheint – Unfähigkeit? Unbedingter Stilwille? Spannerquälerei durch abrupte Schwenks auf Aschenbecher?

Man kann nur ahnen, wie trübe der Abstieg des „Erwachsenen“-Films in immer explizitere Varianten sich für jene darstellte, die diesen Weg mitgehen mussten. Nach allem was man weiß, hielt Doris nichts von XXX, drehte aber nach den 60ern weiter und weiter – einerseits eventuell weil Filmemacherin durch und durch, aber vielleicht auch schlicht der Kohle halber.

Ende der 1970er Jahre dann die strohhalmhafte Idee: Sich an das im Zuge des Erfolgs von HALLOWEEN explodierende Slasher-Genre ranzuhängen, und mithin den Fokus von Sex auf Gewalt verschieben zu können.

Wir wechseln kurz ins Allegorische.
Man stelle sich eine Weltraummission vor, weit draußen in unserem Sonnensystem, in lebensfeindlicher Dunkelheit und Kälte. Gestartet nicht von Elon, sondern einem schäbig kleinen Unternehmen, übel beleumundet, kurz vor der Pleite, mit dem Ziel, irgendwo in einem abgelegenen Teils des Asteroidengürtels ein paar Mineralien zusammenzukratzen, um noch eine Weile über die Runden zu kommen. Es läuft so halbwegs, da gibt es einen Unfall, die Hälfte des Schiffs ist im Arsch. Keiner weit und breit, der helfen kann und will. Für die Reparatur stehen nur eine Konservenbüchse, eine kaputte Glühbirne und zwei Kaugummis zur Verfügung. Grund genug für so ziemlich Jeden und Jede, aufzugeben – aber nicht für das einzige Crewmitglied: Ms. Wishman.

Zurück zur Erde, 1979.
A NIGHT war Anfang an auf schmalstem Budget konzipiert und gedreht, und katastrophalerweise wurde etwa die Hälfte des Negativs im Labor zerstört. Ms. Wishman investierte vier Jahre, um aus den Resten – und Resten von Resten anderswoher – etwas „Veröffentlichungsfähiges“ zusammenzubauen.

Auf das Ergebnis kann man aus zwei Perspektiven schauen: die eine zeigt einen empörend beschissenen Film, die andere ein faszinierendes Mirakel an Durchhaltevermögen und Chuzpe, begründet im unbedingten Willen, durchzuziehen.

Zieht ihr mit?

F&J&A




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25.09.2025

Wertvolles Mitgemensche:

Manchmal müssen auch wir Trasherprobten, Zementmagigen und Stahlnervigen Underground-versteher von unseren tief in diversen Abgründen herumeiernden Rössern ab – und auf die prächtigen, wertigen Prachtrappen (!) der Hochkultur aufschwingen, weil Welt, Wetter und thematische Anknüpfungsmöglichkeiten zum vorherigen Film es beinah zwingend nahelegen.

Aber keine Angst: der geneigten Zuschauerschaft wird ein (wenn auch subtiler) bizarrer, allegorisch-absurdistisch-existenzialistischer Bilderreigen präsentiert, der formal zwar in extremem Kontrast zum letztwöchigen Doris Wishman Spektakel steht, im Kontext unserer aktuellen Glotz-Strecke aber durchaus erwähnenswerte Gemeinsamkeiten und interessante perspektivische Überschneidungen und Vergleiche aufweist und zulässt.

Hölle nochmal, wir haben schon ganz anderes Garn vertüddelt, des passt scho!

Hier wie da: bildnerisch und formal exquisit umschriebene Innenansichten der Hauptfiguren. Kurator Brain befand, dass Frau Wishmans geradezu aggressive Verneinung filmtechnischer und erzählerischer Konventionen zwar jedem ehem. Filmstudent:innen, der/die was auf sich hält, die Fremdschamtränen in die Auge treiben mag, eben drum formal die kaleidoskopisch zersplitterte Wahrnehmungswelt eines psychotischen Menschen aufs trefflichste illustriert und erfahrbar macht, was allgemein als valides Argument gegen ein herablassendes: “Die konnten ja nix“ gewertet wurde.

In
The Swimmer
USA 1968
R: Frank Perry, Sydney Pollack

finden wir ausschließlich hochkarätige Techniker und fähige Darsteller:innen, die eine ganz anders gelagerte Form der psychologische (Fehl-) Selbsteinschätzung vorführen. Und natürlich Burt Lancasters Ti**en, aber Holla!

Der absurde Selbstbestätigungs- und Selbstffindungsakt des wohlhabenden, sich in der späten Blüte seines erfolgreichen Lebens wähnenden Protagonisten, der eine traumwandlerische Odyssee quer durch sämtliche Swimmingpools (!) seiner Freunde, Nachbarn und (Ex-) Geliebten der oberen Mittelschichthölle der 60er Subburbs nach Hause antritt, mündet zwar nicht in einem Rausch aus Blut, Terror und Wahnsinn, dennoch sind die Konsequenzen seiner Handlungen katastrophal für sein Umfeld und nicht zuletzt sein eigenes Seelenleben.

Der Film vermag es, seiner Kurzgeschichtenvorlage gleichen Namens (Autor: John Cheever ) mehr als gerecht zu werden, nicht zuletzt dank Frau Eleanor Perry, die die Drehbuchadaption vornahm und die nur 12 Seiten umfassende Erzählung um neue Charaktere bereicherte. Mehr zu ihrer Rolle bei den einleitenden Worten direkt vor dem Screening.

Die Produktion des Films war alles Andere als ein angenehmes Waten durch einen einladenden See, eher ein hektisches Stolpern durch ein vollgepullertes Kinderplanschbecken in dem „..allz gestumpt wärd“ und einem die leeren Bierdosen von den Rüpeln am Ufer nur so um die Ohren gepfeffert werden. Dank eines Wechsels im Produzententeam wurden vier Editoren verschlissen und als irgendwann Regisseur Perry das Handtuch warf, musste Sydney „Jenseits von Afrika“ Pollack den Film zu Ende bringen.

Nach dem bizarr-anarchisch-feministischem Ansatz der Ehrenwerten Frau Wishman nun also klare Worte und Bilder aus dem Overground zu fragwürdigen, toxischen Männnlichkeits- und Gesellschaftskonstrukten, wie geschrieben ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wird, aaaber…

Und natürlich Burt Lancasters Ti**en, aber das schrieb ich schon!

Begleiten wir also den feschen VILF bei seiner (Alp-)Traumreise durch die Pools der 60er Suburbia auf seiner ganz persönlichen Höllenfahrt, erfreuen wir uns an subtil psychedelisch- bis surrealen Bildern, einer wunderlich traumhaften Atmosphäre und natürlich den Ti***n und Abbs des grandiosen Burt „Der Rote Korsar“ Lancaster, der hier in jeder Hinsicht eine gute Figur macht.

Oh, eine weitere Gemeinsamkeit mit dem letztwöchigen Streifen: vager Fußfetischismus auch hier. Zwinkersmily.

Drinks diesmal eindeutig: Gin und Chlorwasser.

19:00 Abduschen im virtuellen Sinnbad
20:00 Arschbombe ins tiefe Becken

J+F+A



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02.10.2025

Geehrtes Publikum,

da hat uns der Herr Ritter mit dem SWIMMER, einem ebenso tieftraurigen wie guten Film, in eine vertrackte Situation gebracht: versuchen wir, an das doch recht hohe Niveau anzuknüpfen? Oder an Motive, die uns begegnet sind – zu viele Drinks und Rasenmäher etwa? Oder reißen wir das Ruder abrupt herum und widmen uns statt dessen der in der Lobby erwogenen Aufgabe, doch noch einen Giallo mit der jüngst verblichenen Cardinale aufzutreiben?

Kurz ging daher die Überlegung in Richtung eines Giallos, in dem als bedenklich jung suggerierte Internatsschülerinnen (gespielt von nicht ganz so jungen möglichen Schulabbrecherinnen) leicht bekleidet an Pools herumlungern, bis ihnen Übles widerfährt – aber erstens keine Cardinale in Sicht, und dann schien (sogar uns) der Bezug auf die schon im SWIMMER reichlich unangenehm anzusehenden Übergriffigkeiten als zu plump.

Statt zweifelhafter Schauwerte rücken wir also andere Korrelationen in den Fokus: Maskulinen Starrsinn, Ego-Inflation und komplettes Plemplemsein. Im SWIMMER wurde all das aufs geschickteste demonstriert und dekonstruiert, in A DRAGONFLY FOR EACH CORPSE hingegen wird es uns als unhinterfragter Normalfall präsentiert.

Kurz umrissen werden wir einen Giallo-Spezialfall sehen: eine windige spanische Produktion, die windige italienische Produktionen kopiert und vorgeblich in Mailand spielt (weil ausgeschlossen, dass 1975 – noch im feschen Franco Faschismus – sich solch ein Schmutz im Land hätte ereignen können).

Uns stellt sich die gar nicht so unknifflige Frage, ob unser Commissario (gespielt vom Dauerwerwolf Paul Naschy) eine lächerlichmachende klischeehafte Überzeichnung italienischer Macken und Macker vorstellen soll, ODER ob diese unsympathische Type als cooler Hund und Role Model gemeint war? Denn so manches soll dieser spanische Spezi wohl den Italo-Kollegen voraus haben – etwa, dass er verwirrende Sachverhalte nicht erst in allerletzter Minute auf- und erklärt, sondern in einer Tour den ganzen Film hindurch (allerdings mit keinem erkennbar entwirrendem Effekt).

Im SWIMMER betrachteten wir einen Egomanen, dem sein Leben wie Sand zerbröselt ist, beim Abrutschen in einen Wahn aus gesteigerter Realitätsverleugnung und Selbsttäuschung. Unser Protagonist in DRAGONFLY hingegen hat alles und jeden (und jede) dermaßen im Griff, dass sich der Verdacht einschleichen könnte, quasi das innere wahnhafte Erleben eines Egomanen zu besichtigen, der noch nicht an der Realität zerschellt ist.

Aber vielleicht ist alles auch weniger deep und uns steht einfach ein komplett aus der Kurve geflogener, bunter Bastardo aus dem nicht immer geschmackssicheren Händchen von León „fast 80 Filme runtergerissen“ Klimovsky bevor? Lassen wir’s uns hombre-splainen!


F&J&A



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09.10.2025

Liebe (angehende) Rock-Fans!

Aber keine Panik!!! Außer dem klangvollem Namen Synthia Rothrock hat der Film, den wir uns auf die Netzhaut und in die Hörmuscheln dreschen werden, absolut nichts mit überkandidelten Zotteln, die auf ihren fragwürdigen Instrumenten herum dreschen als gäbe es kein Morgen, zu tun: Vielmehr bleiben wir unserem Subthema menschlich-männliche Hybris, bizarr/bekloppte Polizeiarbeit und Macho:innen-ismus (with a Twist!) treu.

Sicherlich, herumgedroschen wird auch hier, aber, ganz im Sinne der achtziger Jahre Hongkong-ADHS-over-the-Top-Schule, eher auf fragwürdigen Personen, die zwar ihrerseits gerne instrumentalisiert werden und auch mal schräge Töne von sich geben, aber weniger auf der Bühne sondern eher auf den Straßen, in den Gassen, in und außerhalb von Hochhäusern bzw. Flugzeugen. Und ein „Morgen“, soviel sei ohne all zu große Spoilerei schon mal verraten, wird für einen Großteil der Akteure ein schöner Traum bleiben, da sei die achtziger Jahre typische Hong Kong Actionfilm-Genrekonvention vor.

Righting Wrongs aka Tage des Terrors 執法先鋒
Hongkong 1986
Regie: Corey Yuen Kwai

Uns erwartet ein Klassiker des Exzesskinos Hongkongscher Prägung, der vor (vom Regisseur Corey "Der Vollstrecker" Yuen höchstpersönlich dargebotenem, schauerlich verbaseltem) HK-Humor, verworrenen Intrigenspielen und exzessiven Kloppereien aus allen Nähten platzt.

Ganz im Sinne unserer aktuellen Filmstrecke finden wir einen testosteronstrotzenden, Rechte und Pflichten, nun ja, eigenwillig auslegenden Charakter in Gestalt des enttäuschten Rechtsanwaltes Jason Chan (Yuen „Die Todesfaust des kleinen Drachen“ Biao) vor, der das Versagen des korrupten Justitzsystems auf eigene Faust (eher: mit eigenen Fäusten UND Füßen) wieder ins rechte Lot rücken möchte.

Diesmal allerdings gesellt sich dem bunten Selbstjustiztreiben kein trottelig bis gelangweilt-überheblicher Schmierlappen sondern „Superpolizistin“ Synthia „Fury of the Fist and the Golden Fleece“ Rothrock hinzu, die mit (echten) Schwarzgürtel-und sonstigen Mitteln irgendwie versuchen muss, Recht, Gesetz und Ordnung aufrecht zu halten, aber auch (buchstäblich) antritt, die systemimmanenten Widersprüche der fröhlich vor sich hin versagenden Justizerei in Wohlgefallen aufzulösen.

Der ob seiner furios inszenierten Actionsequenzen hochgelobte Actionstreifen aus der Blütezeit des Hongkong Genrekinos fackelt nicht lange und ergeht sich in inszenatorischen Eskapaden, die mitunter sogar das exzentrische Treiben eines Tom Cruise vergleichsweise alt aussehen lassen. Naja, schmälern wir nicht die Bemühungen des possierlichen Scientologen, seine Midlife-Crisis mit immer extremer werdenden Stunts zu überspielen, der Mann strengt sich schon an, nix für Ungut. Aber so manch einen Stunt scheint sich der Gute aus diesem Film abgeguckt zu haben.

Die Hongkong Haudeg:innen präsentieren hier Stunts, die beachtlichen Schauwert haben, und das mit einem Bruchteil des Budgets moderner Hollywood-Großproduktionen (der Verzicht auf so was spießiges wie Knochenbruch-Versicherungen, Gewerkschaftsformen für Stuntleute und Ähnliches entlastet das Budget natürlich erheblich.

Wie Kurator Brain dereinst so schön anmerkte: Knochen waren billig damals.

Von dem Film existieren übrigens zwei Schnittversionen mit grundverschiedenem Ende. Wir zeigen natürlich die ungekürzte HK Version.

19:00 Verbal-Karate
20:00 Rechtshaudraufdogmatik-Karate

J+N+W




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16.10.2025

Wen es betreffen mag:

Fast meinten wir, uns mit der letztwöchentlichen HongKong-Klopperei aus der männlich-toxischen Sickergrube herauskatapultieren zu können, aber ein bisschen Jump&Run&Kickass-Action (selbst mit einer Ms. Rothrock) löst uns nicht ganz aus dem klebrigen Schamassel, in welches wir uns hineinkuratiert haben.

Also gilt es, noch einmal ganz tief einzutauchen, knapp 80 Minuten die Luft anzuhalten, und dann hoffentlich endgültig transzendental geläutert aufzusteigen in neue Gefilde.

Zu diesem Behufe werden wir eine Art Medley jüngst besichtigter, bedeutungsschwerer Topoi durchstehen: männliche Selbstüberhöhung, alternativreligiöses Kultwesen, defizitär bekleidetes Herumspazieren, messiasähnliche Gestalten aus dem Meer, freie „Liebe“, rostiges Kirmesgelump usw. – fast könnt man ein Trinkspiel aus dem Spotten von Querbezügen machen, würde unser chronisch gelockertes Assoziationsvermögen uns dabei nicht binnen Minuten aus dem Rennen werfen.

2015 hatten wir einen Streifen von José Mojica Marins auf unserer Playlist. AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL begründete seinen zweifelhaften Ruhm als schmierigem Antihelden der brasilianischen Popkultur. Warum der von ihm in mehreren Filmen gespielte „Coffin Joe“ Charakter – ein antisozialer Sadist – eine derart enthusiastische Fangemeinde aufbauen konnte, dass Spinoffs wie Comics usw. über etliche Jahre reichlich Real einspielten, das können nur die Brasilianer beantworten. Es gäbe für uns keinen Grund, das filmische Werk des Hr. Marins weiter auszuleuchten, hätte er nicht mit FINIS HOMINIS im Jahr 1971 einen ganz anderen Kurs eingeschlagen. 

Ob der gute alte Jodorowsky mit seinem 1970er EL TOPO Blaupause für Marins war, oder ob psychedelische Schwurbelei damals einfach „in der Luft lag“, solche Schlaumeiereien nachzulesen waren wir zu faul. Ist auch eigentlich egal – wenn ein filmbesessener Autodidakt quasi ohne Budget die Chuzpe hat sich an einem Film zu orientieren, der erst Jahre später „Kult“ werden sollte, und dazu grade so wie Jodorowsky selbst zu produzieren, drehbuchzuschschreiben und auch noch die Hauptrolle zu spielen (und das alles binnen Monaten nach Veröffentlichung der „Inspiration"), sind wir dabei.

Wir sehen die 2024 phantastisch restaurierte OMU Fassung des Films.

F&J&A





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23.10.2025

Dear all,

aus Zeitgründen heute noch keine Einladung, die folgt falls möglich noch morgen oder IHR MÜSST UNS UNGESEHEN VERTRAUEN. Was könnte schief gehen?

So long

F&J&A

Anmerkung:
Gegeben ward ÖLÜM SAVAŞÇISI.

Nebenstehend Artwork aus der Lobby.

Und womöglich war dies – unbemerkt – unsere fünfhundertste Veranstaltung! Durchaus würdig.




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30.10.2025

Sehr verehrtes Publikum,

der Jahreszeit (Hallo, Wien!) angemessen wagen wir uns an einen Horror Stoff aus der tschechischen Bizarro-Siebziger-semi-Kinderfilm Welt, selbstverständlich ohne unseren hartnäckigen Themenkomplex „Hyper-maskuline Männer des Gesetzes“, die (wenn überhaupt) höchst ineffektiv ihrer Tätigkeit nachgehen bzw. verwegene Sonderlinge in bizarren Fortbewegungsmitteln, die mit allerlei tschechisch-technischem Schnickschnack sich und Anderen das Leben schwer machen, zu vernachlässigen.

Überhaupt bietet

Adéla ještě nevečeřela
aka. Dinner for Adele
aka. Adele Hasn't Had Her Dinner Yet
aka. Nick Carter in Prague
aka. Adela Has Not Had Supper Yet
R.: Oldřich Lipský
Tschechoslowakei 1977

einige Anknüpfungspunkte an jüngst Gesehenes, man denke an Kleks und tanzende Katzen (Triggerwarnung?). Auch kommen höchst agile (und tödliche) Pflanzen vor (wir erinnern uns an die Efeu-Szene des letztwöchigen Kürüte-Spektakels) und mehr ausgefuchste Gadgets, als sämtliche Atlantiden, Weltraum Robinson Crusoes und Mark Twains der jüngeren TMN Geschichte aufbieten können.

Sicher, wir übertreiben ein wenig, aber letztlich ist die Übertreibung geradezu Methode in diesem als Parodie auf den US-Amerikanischen Schundheftroman-Helden Nick Carter angelegten, bizarren, hoffnungslos überdrehten Detektiven / Agenten / Mad Scientist / Horror / Spielzeugapokalypse / Kinderfilm mit schwerem Slapstickeinschlag und einem überraschenden softcore-Neumanneumanneumann - Moment!

Zum Thema Nick Carter empfehlen wir im Übrigen einen Blick auf den entsprechende Wikipedia Eintrag, hat es der 1886 zum ersten mal publizierte Detektiv schon auf weit mehr als Tausend (!!!) Abenteuer gebracht und seit über hundert Jahren (!!!!!!) immer wieder Generationen von nicht all zu anspruchsvollen Leser:innen, Comicbegeisterten, Radiophilen und Trashfilm Pros in seinen Bann geschlagen.

Oldřich "Ich habe Einstein umgebracht" Lipský macht sich mit viel Sinn für die Pulp-Ästhetik der Comics und Romancover, aber auch mit Blick auf die unter anderem in Deutschland produzierten Stummfilme aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, über den Stoff her, reichert ihn mit uns mittlerweile wohlbekanntem, leicht fiebrigem tschechischen Firlefanz und opulenten Innen- und Außenansichten Prags an, in dessen malerischen Gassen, prächtigen Salons und bumsfidelen Bierhallen es vor skurrilen Gestalten (Triggerwarnung: tanzende Katze!) nur so wimmelt. Tatkräftig unterstützt wird er bei seiner Detektiv / Horror - Farce vom Großmeister des tschechischen Animationsfilms Jan "Jabberwocky" Svankmajer, dessen Animations- und Puppenvulvapflanzerl Effekt-Einschübe nichts zu wünschen übrig lassen.

Das ganze Spektakel wurde dankenswerterweise vor ein paar Jahren unter Zuhilfenahme der original Filmnegative aufwändig restauriert, was uns in die schöne Lage versetzt*, den Film in seiner ganzen ursprünglichen Pracht (und vor allem nicht in der beschnittenen 4:3 Version, die in der DDR und der BRD gegeben wurde) zu bestaunen. Und wenn auch die gleich zwei mal ins deutsche übertragene Tonspur von "Adele hat noch nicht genachtmahlt" (sic) für die glücklichen Kinder der DDR bzw. "Adele hat noch nicht zu Abend gegessen" für die früh vergreisten Kindsköpfe der BRD) ihren ganz eigenen Charme entfaltet, so lauschen wir diesmal doch lieber der ebenfalls aufwändig rekonstruierten Tonspur im tschechischen Original (mit englischen Untertiteln).

Das macht die quatschigen Witzeleien womöglich ein wenig erträglicher. Puh, Tschechischer Humor versus Hongkong Humor. Da wird sich wahrlich wenig geschenkt...

Aber gegen nichts schenken hilft bekanntermassen einschenken.

Getränk der Stunde diesmal wahlweise Bier oder Orchideen-Limo.

hloupý

19:00 säen, gießen, düngen
20:00 ernten und geerntet werden

J+A+F

*Danke an Kurator Aminator!



poster

06.11.2025

Verehrtes Publikum,

bleiben wir noch ein Weilchen hinter dem einstigen Eisernen Vorhang, lassen wir uns sogar noch zehn Jahre tiefer in die Vergangenheit treiben, und weiter nach Osten.

Diesmal dienen keine amerikanischen Schundheftchen als Vorlage, sondern ukrainisch/russische Volksmythen, aufbereitet für die Hochkultur von der Stimmungskanone Nikolai Gogol – entsprechend heiter wird es zugehen! Nebenbei werden wir Zeugen einer Epoche, die mittlerweile leider als idyllisch gelten muss – vergleicht man die darin geschilderten Gefahren für Studenten aus Kyjiw mit jenen der Gegenwart.

Der 1967er VIY ist ein Klassiker im schmalen Portfolio sowjetischer Horrorfilme, und mit seiner Mischung aus schollenschwerem Verismus und Amanita Muscaria-verdächtigem Treiben allemal interessant genug, ein Plätzchen auf unserer Playlist einzuheimsen. Zumal in einer top restaurierten Fassung.

'nuff said, denn es gibt noch ein, zwei weitere Themen:

Erst bei der jüngsten Aufbereitung unserer Chronik ist aufgefallen: Wir haben amtlich über 700 verschiedene Titel aufgeführt, und zwar bei nachweislich mindestens 501 Veranstaltungen! Dass wir dieses Doppeljubiläum mal eben übersehen haben, kann man uns als depperte Schusselei auslegen, oder aber unaufgeregte Bescheidenheit. Dabei erscheint als würdige Fügung, dass die nach offizieller Zählweise 500. Veranstaltung mit dem famosen ÖLÜM SAVAŞÇISI begangen wurde.

Wer uns und allen Weggefährtinnen und -gefährdern der letzten rund 30 Jahre mit Schampus oder anderen, passenderen Substanzen zutoasten mag, fühle sich zurückgetoastet.

Desweiteren:

Wie schon so manches Mal angedeutet, entspringt unser Programm keinem Zufallsgenerator oder läppischem KI-Prompt, sondern ist Resultat verschlungener, manchmal gar nicht so unaufwändiger Prozesse. So hat etwa die Recherche rund um delirantes Tschechentum nicht nur den letztwöchentlichen Titel zu Tage gefördert, sondern auch weitere Verlockungen, die aufzutreiben teils gar nicht so einfach ist. Unsere Wünschelrute schlug etwa aus bei einem von Zbynek Brynych verantworteten Streifen von 1970, von dem wir zwar die englische Version („Feminine Carnivores“) in Reichweite haben, nicht aber die deutsche Originalversion. Aber siehe da: just EINEN Tag nach unserem ersten Recherchedurchlauf erreicht uns das Programm des Filmmuseums, in dem DIE WEIBCHEN für nächsten Sonntag angekündigt sind. Wow.

Oft waren wir schneller mit dem Aufführen von Obskuritäten als die Kolleginnen dort, aber diesmal ziehen wir den Hut und empfehlen eine Exkursion.


See you!

F&J&A




09.11.2025

EXKURSION!

Immerhin drei Kuratoren sind angetreten, DIE WEIBCHEN in einer der wenigen erhaltenen 35mm Kopien im Frankfurter Filmmuseum zu bestaunen. Und bestaunt haben wir! Eurer Brain hätte auch in nüchternem Zustand konstatiert, dass dies einer der am besten aussehenden Filme ist, den er je sehen durfte, und da liegt die Latte doch recht hoch. Kamera und Bildkompositionen zum Niederknien. Wer hätte das ausgerechnet bei einer gefloppten deutschen Komödie erwartet?

Obendrein eine Handlung und Ereignisse auf der Leinwand, die so manch schrägen Eurosleaze der 60er und 70er hinsichtlich Plemplem-Faktor locker abhängen. Herrlich, dass man doch noch nicht alles gesehen hat.

Sehr respektable Angelegenheit, bei der lediglich ausgerechnet die Musik hinter den Möglichkeiten blieb – und das, obwohl anlässlich des 100. des Komponisten Peter Thomas ins Programm genommen.

Viele haben diese gradezu beglückende Erfahrung nicht mit uns geteilt. Anwesend waren schätzungsweise schlappe zwei Dutzend Männchen – und nur ein Weibchen.


















DISCLAIMER
: Wir neigen zur Faulheit.
Die Playlist wird unregelmäßig ergänzt und ist daher nie auf dem neuesten Stand.


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