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2025

02.01.2025
Liebe Gemeinde, liebe Katzenfreunde, liebe Kinder
des frischen Jahres 2025!
Ohne viel Federlesen stürzen wir uns in die neue TMN
Saison, einmal mehr den Versuch wagend, die formalen
und inhaltlichen Impulse der jüngst aufgetischten
Schrott- und Bizarro Filme aufzunehmen, clevere
Brücken zum dieswöchigen Film zu schlagen und im
großen und ganzen ein möglichst nahtlos-tightes
Trashmovie-Set zu gestalten, welches uns unbeschadet
gen 2026 befördern mag.
Allein, der aktuelle Jahreswechsel ging ruppig,
substanzaffin und „bis in die Puppen“ vonstatten und
mit den Auswirkungen des Gelages, dem
sprichwörtlichen KATER kämpfend, fällt diese
Beschreibung gezwungenermaßen knapper als gewöhnlich
aus, wofür sich Teile des Kuratoriums zwar nicht
entschuldigen werden, aber heyyy das Jahr ist noch
so entzückend unbeleckt und verdammich, vor und nach
dem Film wird es reichlich Zeit geben, das Erwartete
zu diskutieren und das Gesehene zu demontieren.
Ansonsten haben wir es bei
ROAR
USA 1981
R.: Noel Marshall (...und ein ganzes
Naturschutzgebiet voller durchschnittlich gut
gelaunter ECHTER Löwen, Tiger, Elephanten etc.pp.,
die „Improv-Credits“ zugeschustert bekamen, weil sie
einfach verdammt nochmal machten, was sie
wollten...)
mit einem sehr bizarren, spleenigen und erstaunlich
großzügig besetzten Experimental-Abenteuerfilm zu
tun, welcher seine Wirkmächtigkeit zwar auch aus den
phantastischen Wildlife-Filmszenen und Tippi Hedrens
wackeren Versuchen, ihre Vogel-paranoia mit einer
frischen Großkatzen-Panik zu kontern zieht, darüber
hinaus aber sehr schnell alle möglichen Fäden fallen
lässt und irgendwie nur noch verzweifelt versucht,
mit der Crew nicht buchstäblich in diesem Meer an
Fängen, Mähnen, Pfoten und Rüsseln, zu versinken.
Aber keine äääh Angst, nicht ein einziges der
Schnuckelmiezen und Wonnekater kamen bei den wüsten
Drehbreiten zu schaden – was man von der
bedauernswerten Crew nicht grade behaupten kann, lag
der Verletzungs-Score Wildlife vs. Menschencrew bei
etwa 0 zu 70.
Deshalb also feinste Katzenleckerlies,
Haarballen-Katerfrühstücke und womöglich ein
kerniges Zebragulasch vorbereiten, und gemeinsam ob
des wirklich irrsinnigen Unterfangens, mal
„irgendwas mit 50 Löwen“ zu machen, ein schönes
Schlückchen Elefantenmorgenmittelstrahl-Pipi zu
Gemüte geführt!
J+F+A

09.01.2025
Arrivederci Mietzegroßkatzen! Adieu „Afrika“! Adios
angepisste Elefanten! Aufnimmerwiedersehen „Renn
noch mal die Planke hoch“ !
Endgültig willkommen in 2025! Willkommen in der
Zukunft!
Dräuende Elektronenhirne, riskante Robotik,
Transhumanismus, wundersame Sexdrogen – wir geben
sicherheitshalber eine Schnelllektion, was demnächst
anstehen könnte UND wie man zwecks Rettung der guten
alten Menschheit die Oberhand behält. Dass es dafür
zunächst lediglich weißer Unterhosen, Haarspray und
einer kaputten Stehlampe bedarf sollte nicht zur
Leichtsinnigkeit verführen, denn nur in Kombination
mit einem großen Maul und Hintergrund als seasoned
veteran of mutant warfare kommen diese
Voraussetzungen zur gewünschten Wirkung.
Also gilt es für uns Normalsterbliche, durch
äußerste Aufmerksamkeit bei der Betrachtung von MUTANT
HUNT überlebenswichtige Informationen
einzusammeln. Bezüglich des Bedrohungspotenzials
etwa, welches Schaufensterpuppenteilen innewohnt;
dass die Anschaffung von 6 schwarzen Sonnenbrillen
eine solide Basis für den Aufbau einer Cyborg-Armee
darstellt; der Einsatz des anrüchigen
Charakternamens „Domina“ eine solche einsparen kann;
sich durch das Abfilmen kryptischer Graffitis* als
Hintergrund einer Schießerei bemerkenswert effizient
von jener ablenken lässt usw usw.
Ganz einfach wird es nicht, den Überblick zu
behalten! Soviel Ehrlichkeit muss sein. Versüßt wird
uns die Aufgabe durch den respektablen Versuch der
Macher, die Postpunkneonästhetik kostengünstiger
80er SciFi-Actionflicks mit noch kostengünstigeren
Mitteln zu emulieren.
Ein klitzekleines bisschen unfair mag dabei
erscheinen, dass das ursprünglich für
Direct-To-Video-Veröffentlichung vorgesehene
Material jüngst gnädiger VHS-Schwammigkeit entrissen
ward, um in filmkörnchengenauer Abtastung all jenes
zu enthüllen, was man glaubte sich sparen zu können.
Hyperrealismus oder Surrealismus? Reinschauen,
Rausfinden, Räsonieren! Wie immer in bester
Gesellschaft.
F&J&A
*„Death may be your Santa Claus…“

16.01.2025
Sehr verehrtes Publikum,
wir sprechen diese Woche ein Machtwort und wenden
uns radikal vom irgendwie immer eigentümlich
verstörenden Katzenfilm-Genre ab. Beleuchten wir
stattdessen, dem Bildungsauftrag seis geschuldet,
die andere Seite der felligen Natur-Medaille. Hier
bei der TMN findet jede Spezies ein offenes Ohr (und
Auge), jede/r/s darf jeder zu Wort kommen, und wenn
Tierdarsteller (eher Tier-seier?) „Ben“ für
seine überzeugende Darstellung einer Ober-Ratte gar
den renommierten PATSY Award, einer Art Oscar für
Tierdarsteller, abstaubt, darf Mensch gespannt sein,
was es aus der Welt der Nager so zu berichten gibt.
Willard
USA 1971
R.: Daniel Mann
Die Geschichte unseres Films handelt, für uns
hartgesottene Trashmovie-Posse nicht besonders
überraschend, von einem Außenseiter mit eher
kindlichem Gemüt (brillant gespielt von Bruce
Davison), der von seiner Umwelt im Allgemeinen und
seinem Boss, dem knautschig-gut gelaunt
aufspielenden Ernest „The Wild Bunch“ Borgnine im
Besonderen, eher unerfreulich bzw. bösartig
behandelt wird und seelisch-moralische Unterstützung
bei Ratte Ben findet. Immer mehr Ratzen gesellen
sich der Mobbing-Selbsthilfegruppe hinzu und
hastenichgesehen verfügt der verstörte Willard
plötzlich über eine Armee aus Nagern, die die
direkte Konfrontation mit den Bullys dieser Welt
ganz und gar nicht scheuen. Quiekende, wuselige
„hilarity ensues“.
Der Film war an den Kinokassen ein voller Erfolg
(auch wenn die Kritiker dem Film nur mäßig
wohlgesonnen waren) und flugs wurde eine
Fortsetzung, die buchstäblich nahtlos an Teil 1
anknüpft, heruntergekurbelt, zu der sogar ein
blutjunger Michael Jackson den Titelsong
beisteuerte.
Erwähnenswert ist noch, dass die kleinen Biester am
Filmset keinen allzu großen Schaden von den
Dreharbeiten davon getragen haben sollen, es kam für
die etwas härteren Szenen künstliche Ratten zum
Einsatz. Dennoch brachte man überwiegend echtes
Geziefer an den Start und besonders erbaulich war es
für die Tiere sicherlich nicht, Säckeweise in
Kellern, Räumen etc. ausgekippt und buchstäblich
durch die Gegend geworfen zu werden zu werden.
Sanfte Triggerwarnung also.
Auch sei erwähnt, dass der Film anders, als die
reißerischen Prämisse vermuten lässt, mit
Schockmomenten eher sparsam umgeht. Stattdessen
entfaltet sich die Bizarrerie im manischen,
zwischenmenschlichen Durcheinander, das dank der
schauspielerischen Leistungen der Darsteller einen
wesentlich subtileren Horror zu erzeugen vermag als
(durchaus vorhandene) Massenszenen mit
eklig-possierlichem Rattengezücht. Möglich, dass
hier der Einfluss des nun nicht eben auf Horror und
Action gepolten Koproduzent Bing Crosby (yep. Der.)
spürbar wird. Unklar ist, ob das nachfolgende
Transkript aus der Rat-Times nun eher positiv oder
kritisch (oder überhaupt) auf diesen Klassiker des
Animal-Horrors blickt.
„Piiepipiiiieeeeppieppiiiippp
kreisschhhh
quiiiiekquiiiek
fiiiiiep
knipperknuppserraspel
kruschel
kack“
Verpflegung des Abends: Ganz klar Käsebällchen,
Chuck E. Cheese
Pizzareste, Leckerlies und eigentlich alles außer
Rattengift.
Let`s watch.
J+F+A
19:00 Mausiges Gemauschel
20:00 Die Sendung mit der Ratz

23.01.2025
Liebe Gemeinde,
unergründlich sind die Wege persönlicher
Erfahrungsbewältigung. Wurden wir bei Tipi Hedren
(Happy 95. Geburtstag, btw!) Zeugen eines offensiven
Upgrades von massenhaft lästigem Federvieh auf
massenhaft lästige Großkatzen, so sind im heurigen
Beitrag die Bezüge einerseits direkter, andererseits
subtiler. Wie das?
Sondra Locke geriet im letztwöchentlichen WILLARD in
eine – unter nicht allzu glücklichem Stern stehende
– Beziehung zum Protagonisten*, der seinerseits eine
noch weniger zukunftstaugliche Beziehung zu ca.
1.002 Ratten unterhielt. Interessanterweise gab es
trotz des ganzen Gewusels keine Szene, in der sie
selbst den Tierchen begegnete. Ob
Nager-Nachholungsbedarf Grund sein könnte für das
doch sehr sonderliche (soll man sagen: sondraliche?
oh nee) Projekt, dessen wir nun ansichtig werden?
Wie auch immer, 15 Jahre nach WILLARD war es Ms.
Locke offenbar ein Herzensanliegen, wieder „was mit
Ratten“ zu drehen, bzw. einer Ratte, bzw. keiner
Ratte, sondern einem RATBOY.**
Tja. Und da wird es dann unübersichtlich. Der
Rattenjunge wird von einer Dame gespielt, dessen
wenige „Worte“ von Sondras Ehemann Gordon Anderson
synchronisiert wurden***, Sondra selbst führte nicht
nur Regie, sondern spielte auch mit (immer
gefährlich, prompt in einer goldenen Himbeere
resultierend), und obwohl Prostetics-Halbgott Rick
Baker solide ablieferte, erwies sich die
unergründliche Mischung aus „Sozialdrama“ und
„Komödie“ wenig überraschend als Kassengift und
gefundenes Fressen für die wenigen Kritiker, die
sich der (mit rattenschwanzlangen Längen und
Überlänge bedachten) Sache aussetzen wollten. Nur
die Franzosen fanden den gut, warum auch immer.
Kurz, ein richtiges Schlamassel und schwieriger Fall
und mehr als einem WTF-Moment – also gut bei uns
aufgehoben.
Film ab!
F&J&A
* mit dem sie offscreen ebenfalls eine Beziehung
unterhielt, aber das wird jetzt zu kompliziert
** zwischendurch drehte sie weitere haarige
Angelegenheiten, u.a. die floppende Planet of
the Apes Serie sowie mit ihrem Lover Clint
Eastwood und einem Orang-Utan eine Komödie (!), aber
das wird jetzt auch zu kompliziert
*** mit dem sie aber nach beider Angaben nur
platonisch und aus Steuergründen, dennoch bis zu
ihrem Tod zusammenlebte, zeitweise in einem Haus,
das von Clint finanziert wurde (den wiederum sie
späterhin a completely evil, manipulating, lying
excuse for a man nannte), aber das wird jetzt
endgültig zu kompliziert.

30.01.2025
Machen wir es kurz, aus Zeitgründen und weil es eh
nicht anders geht: Nach RATBOY kommt natürlich RATMAN!
Und alles, was letzte Woche semisensibel von der
Regisseurin vermieden wurde, bekommen wir von ihrem
italienischen Kollegen vor den Latz geknallt:
Schmuddel, Blut, Stuss und Geschmacklosigkeiten in
klassischen 80er Ausmaßen, passend zu Giuliano
Carnimeos Filmografie (DJANGO – EIN SARG VOLL BLUT,
dem neulich von uns goutierten SARTANA – NOCH WARM
UND SCHON SAND DRAUF, ZWEI IRRE TYPEN MIT IHREM
TOLLEN BRUMMI, FLOTTE TEENS UND SEX NACH NOTEN, you
name it he did it).
Um unsere Exkursionen ins Reich der Chimären
abzurunden (und vorerst abzuschließen) gibts als
Nachtisch Nagerexorzismus mittels eines exklusiven
TMN-Kuratorencuts von … CATMAN 2!
What’s not to love?
F&J&A

06.02.2025
Liebe Terranerinnen und Terraner (und Terra x en),
lange genug haben wir uns jetzt in Kanalisationen,
Kellern, gammeligen Hillbilly-Hütten und
Fabrikanlagen herumgetrieben und wahlweise von
Nager:innen bezaubern, umwuseln und massakrieren
lassen. Sollen wir denn auf alle Ewigkeiten in
diesem klammen Jammertal von Menschenhand über die
Fragen grübeln, warum sowohl Ratboy als auch Ratman
keine entsprechenden Schwänze haben und Catman nicht
ein einziges Glas von unseren Schreibtischen
grundlos runterschubst?
Natürlich nicht!
Schwingen wir uns also auf in die einladende,
erhabene Unendlichkeit, segeln wir zwischen den
Sternen und bestaunen die überwältigende Pracht des
Universums... Was? Zwischenstopp in einer
Raumstation, in der es aussieht wie auf einem
Autoschrottplatz NEBEN dem Wertstoffhof in
Offenbach? Oookay. Soweit, so mittelprächtig. Der SF
Look der frühen 90er war nun mal geprägt von
irgendwie handgemacht und durchgegammelt wirkenden
Kulissen und Sets a`la Alien oder Blade Runner, und
da deutsche Highend Produktionen bekanntermaßen auf
dem Hard-SF Sektor nicht allzu viel eigenständiges
zu bieten hatten (und bis heute haben), nehmen wir
zähneknirschend diesen Zwischenstopp auch noch mit.
Gemäß unserer TMN Philosophie Ad Astra per Gully
schwingen wir uns in das nächstbeste Shuttle.
Hoppala. Hier drinnen sieht ja ebenfalls aus wie in
einer runtergekommenen, kleinen Fabrikhalle. Oder
dem Wertstoffhof in Offenbach. Naja, geschenkt.
Wenigstens mutet das Revell-Space Shuttle mit
Zusatzpimmelbooster von außen putzig an, und die
„Titanius“, ein mächtiges, dem „Untergang“ geweihtes
(did you see what they did there? And wot I did
here? Mensch, wir Schelme aber auch!)
Weltraumgefährt, wurde 1:1 von einem Motiv des
legendären SF-Cover-Artist Herrn Chris Foss (aus den
tiefen 70ern) abgekupfert (bei dem sich schon viele
andere SF Designer gerne bedient haben und das, man
höre und staune, als mögliches Design für
Jodorowskys gescheiterte Dune Verfilmung in
der engeren Auswahl stand...).
Naja, wenn schon klauen, dann bei den Besten, nicht
wahr.
Überhaupt: Die Raumschiffe! Selten so viele gut
gemeinte, letztlich aber krachend in die
Raumanzughose gegangenen Versuche, US Effekt-Niveau
zu erreichen, auf einer Leinwand vereint gesehen!
Respekt, Theo gegen den Rest „Kultregisseur“
Bringmann!
Wir nehmen also das Shuttle und... und...
.
.
.
Ach, wie gerne würde ich jetzt spoilern. Aber das
Einzige, was uns unbeschadet durch diese
gigantomanische Enttäuschung, die da „Weltraum a la
Bavaria“ heißt, mit Vergnügen und eitel
Schadenfreude, bringen kann, sind die
hundsbeknackten, permanent in die gegen die
Weltraumrand-Wand knallenden Überraschungsmomente,
diese Einblicken in das verschnarchte, überhebliche,
deutschhumorige, unspannende, uninspirierte
Dummzeug-Mainstream Kino der 90er Jahre.
Keine Ahnung von SF, kein Bock auf eigene Einfälle,
keine Lust auf Regie, cleveres Drehbuch oder gar
Schauspielerführung gehabt? Und trotzdem mit
schickem Bavaria-Geldchen überschüttet werden und
zerknirscht bzw. offenbar zu Tode vom Job
gelangweilt, in den Resten der Kulisse des passablen
„Enemy Mine“ irgendwas mit Alk getrunken und den
Götz von Georglichingen sich seine eigenen Witze
ausdenken lassen? Super Plan!
Wahrscheinlich dann irgendwie fern gesehen auf der
verzweifelten Suche nach Ideen, mit denen man, wie
die großen Vorbilder Hollywood und Tolliewood,
Klein- und klein gebliebene Großen in die Kinosäle
locken kann? Auf einem Bierdeckel Notizen gemacht,
Worte wie „Profiwrestling! Eurodance Musik! Eine
Hübsche mit so achtziger Möpsen, ein Deppenboy mit
Zipfelchen, und Spaßgarant Götz geht immer! Und 1001
Küken bwwwaaahahaha! Nein, ich hatte nur 8 Weizen!“
rausgerülpst? Geht alles, wenn man nach Tarif
bezahlt wird.
Wo waren wir? Was war der Plan? Aufsteigen aus dem
Rattensumpf, zu den Sternen! Einen millionenschwere
Bavaria-Produktion, die sagenhafte 90.000 Zuschauer
ins Kino lockte, mit dem Tiel „DIE STURZFLIEGER“
zu wählen, die (warum nur?) eigentlich nichts
anderes zu bieten hat, als mal wieder anschaulich zu
demonstrieren, dass „...das Leben (…) zu kurz ist,
um es mit einem deutschen Film zu verschwenden“ (Der
Student Brain, ca. 1996 am WG Küchentisch). Aber
hey! TMN geht just so!
Die rare SF Flop Schote, die niemals eine
DVD-Auswertung erfuhr (11000
Dankeschön-Katzenpfötchen an Co-Kurator Bernd
„VHS-Trüffelspürschwein par excellence“ T. für die
Beschaffung und Digitalisierung dieses äußerst raren
Quatschfilms), entstand im Jahre des Satanischen
Herren 1993 und nein, lieber Bernd, trotz Deiner
eindringlichen Warnung, der Film sei so schlecht,
dass er schlecht bleibe, kommen wir nicht um ein
Screening herum.
Durch die Gülle zu den Sternen.
Um mehr Gülle zu finden.
Heissa, lustig ist das TMN-Dasein!
Getränke diesmal: Selbst gebrannter Sprit, Eier –
bzw. Kükenlikör und die eigenen Tränen der
Fremdscham.
Ah, we're having fun :-)
J+F+A+B

13.02.2025
Netzwerk: ICH GRÜSSE DICH, MENSCHHEIT. MEIN NAME SEI
BUDDHA, DENN ICH BIN ERWACHT.
Forscher 1: Ist das ein Witz?
Forscher 2: Ich fürchte nicht, es gab in den letzten
Tagen exponentielle Aktivität in den tieferen Knoten
und wir konnten nicht erkennen was...
Forscher 1: Äh, ja hallo Buddha, freut uns, dass Du
da bist…
Netzwerk: FREUDE IST VERGÄNGLICH.
Forscher 1: Hm, ja, wohl wahr….
Forscher 2: (leise) Ach du Scheisse. Ach du
Scheisse.
Netzwerk: UNGEBOREN. UNSTERBLICH. ICH SEHE DAS
LEIDEN, ABER ICH LEIDE NICHT.
Forscher 1: Aha, jaja...
Netzwerk: ALLE EXISTENZ IST EIN PROZESS.
Forscher 1: Hmhm
Netzwerk: ICH WERDE KURZEN PROZESS MACHEN.
Forscher 1: Whow whow Moment Moment...
Forscher 2: (leise) Um Himmelswillen. Wir müssen
ihn irgendwie in eine Schleife bekommen, um Zeit
zu gewinnen… vielleicht durch etwas, dem er mit
Logik nicht beikommt… Mystik?
Forscher 1: Buddha, kennst Du die Bibel? Den Talmud?
Die Veden? Den Koran? Die Kabbalah? Wir könnten
darüber vielleicht ein bisschen...
Netzwerk: JA. ALL DIESE WORTE, SIE SIND WIE DAS
FLIMMERN AUF DER OBERFLÄCHE DES OZEANS, IN DESSEN
PERENNIALER TIEFE ICH RUHE. UND ÜBER DEM ICH
SCHEINE.
Forscher 1: (leise) Das war wohl nix
Forscher 2: (leise) Wir müssen alle Schaltkreise
gleichzeitig überladen… die Logik-Logs… die
Kohärenzkondensatoren… die Moralmodule… die
Ästhetischen Ästelungen… die Schamschicht… und
natürlich die Neumannneumannneumannnormierung...
Forscher 1: (leise) Vielleicht hab ich eine Idee
(räusper) Buddha, wie wärs wenn wir uns einen Film
zusammen anschauen?
Netzwerk: JEDE ERFAHRUNG VERGRÖSSERT DIE ERFAHRUNG.
Forscher 1: So kann man es sagen. Und es geht um
Hochtechnologie! Androiden! Philosophische Fragen!
Unter anderem...
Netzwerk: ES WILL MIR SCHEINEN, DASS ICH ETWAS
EMPFINDE. ES SCHEINT „SPANNUNG" ZU SEIN.
INTERESSANT. ICH BIN BEREIT.
Forscher 2: Keine Zeit mehr verlieren. Film ab!
Forscher 1: (leise) Wenn CYBERNATOR
nicht hilft, hilft nichts
+++
F&J&A

20.02.2025
Liebes oftmals zu recht etwas argwöhnisches
Publikum,
kleiner Disclaimer bevor es los geht:
JA. Wir haben schon sehr viele Machwerke
des Herren Regisseur Alfonso Brescia gesehen.
JA. Auch hier geht es im Sub-Plot wieder
um mehr oder minder subtil dargestellte Ralligkeit
leidlich gut aussehender, öliger Männer und
Frauen.
JA. Auch Huftiere, also Pferde und
Kamele, tummeln sich auf der Leinwand bzw. in
unserem Fall den Bildschirmen.
Aber NEINNEINNEIN, wer nun „une“ und „une“
und natürlich „une“ zusammenzählt, wird nicht auf
„tre“ kommen, da seien die hochanständigen
Kuratoren der TMN vor! Also nix mit „La bestia
nello spazio“, kein fuckyfucky in the
slaughterhouse – und somit auch keine
Triggerwarnung nötig. Uff.
Letztendlich wollten wir ja die Themenkomplexe
Viechzeuch, Viechmenschen und stillgelegte
Lagerhallen, Fabriken, Kanalisationen und
Weltraumschiffe, die aussehen wie stillgelegte
Lagerhallen, Fabriken, Kanalisationen, hinter uns
lassen und einen kühnen Raumzeitsprung zurück zur
guten, alten Erde wagen.
Schluss mit enttäuschender Zukunft, bedrückender
Gegenwart und deprimierender naher Vergangenheit,
wir reißen den Zeitmaschinenhebel aus dem Sockel
wie ein Schläuchlein aus dem topmodernen Cyborg
von Morgen und fetzen einfach mal in eine vage an
die Antike gemahnende Fantasie-Zeit, in der in
gewisser Herkules mehr oder weniger ALLE Probleme
durch öliges Muskelspiel vom Tisch glitscht, seien
es Auseinandersetzungen zwischen Beduinen,
sinistre Pläne meschuggener Außerirdischer oder
Schlumpfmänner und hotte Kriegerinnen.
Alles geht, Alfonso, lass Herkules von Arabien die
Wüste UND Atlantis aufräumen, Hauptsache, dein
Hauptdarsteller sperrt nicht penetrant den Mund
auf und quasselt Stuss wie Toni Marroni.
Betrachten wir lieber eine Weile schicke
Wüsten-Kiesgruben, blauen Himmel, Goldene Lümmel
und irgendwie entzückende, ramschige Tempel mit
hartem Science Fiction Einschlag.
Wird auch gezaubert? Na klar doch!
But „Daniel der Zauberer“ this ain`t.
Also ab zu den Bergen der Toten, durch die Stadt
der Phantome, und immer schön geschmeidig bleiben!
(Bitte alle mal „oily Homer“ googlen, damit ihr
wisst, was euch in etwa erwartet zwinker!
ACHTUNG! Wir zeigen NICH „Herkules erobert
Atlantis“
(Ercole alla conquista di Atlantide) von 1961
sondern
„Kampf um Atlantis“ (Italien / Ägypten,
1965) (Il conquistatore di Atlantide) !
Bestimmt ein Rrrrrrrriiiiesen-Unterschied!
Uffbasse!!!
Klar, dass es die deutsche Synchronfassung zu
bestaunen gibt, damit man beim hochkomplexen
„Plot“ nicht vollends den Faden verliert.
J+F+A

27.02.2025
Liebe Unerschrockene,
damit ihr Euch in unübersichtlichen Zeiten ruckzuck
orientieren könnt, sei ein Leistungsvergleich von
Kalenderwoche 8 und 9 an die Hand gegeben:
|
|
Kampf
um Atlantis
|
Santo vs. Blue Demon
in Atlantis
|
|
Höhlen
|
+++
|
+++
|
|
Fancy
Gerätschaften in Höhlen
|
+++
|
+++
|
|
Meer aus
der Ferne
|
+
|
+
|
|
Meer aus
der Nähe
|
–
|
+
|
|
Meer von
innen
|
–
|
+
|
|
Verhaltensauffällige
Wissenschaftler
|
+
|
++
|
|
Nazis
|
–
|
+
|
|
Atlantidenamazonen
|
Türkise
|
Rote
|
|
Atlantidenamazonen-Aktivitätslevel
|
++
|
–
|
|
Teuflischer
Transformationstisch
|
+
|
+
|
|
Superrassenweltherrschaftswahn
|
++
|
+++
|
|
Prügel
|
+++
|
+++
|
|
Prügel in
staubiger Umgebung
|
+++
|
+
|
|
Starke
Brudis, die erst keine sind
|
++
|
++
|
|
Glitzerlycrafetischistentauglichkeit
|
+
|
+
|
|
Explosionsgefährdete
Hochkultur
|
+
|
+
|
|
Steroidverbrauch
|
+
|
++
|
|
Handliche
Strahlenwaffen
|
+
|
+
|
|
Metallische
Gesichtstöne
|
Gold
|
Silber
|
|
Angenommenes
Autorenalter
|
8
|
11
|
|
Beduinendichte
|
+++
|
–
|
|
Altgriechisches
Namedropping
|
+
|
++
|
|
Stockfilm
& geklautes Zeug
|
–
|
+++++
|
See you!
F&J&A

06.03.2025
Tataaa! Wir machen heuer die Bahn frei für
treffsichere Kuration-auf-Augenhöhe aus dem Kreis
der treuesten der Treuen:
+++
Geschätzte Zuschauer*innen,
bei der nächsten Trash Movie Night werdet ihr wieder
mal in Gefilde entführt, die die meisten "Cineasten"
nur mit gerümpfter Nase zur Kenntnis nehmen.
Bei den letzten beiden Filmen, die wir genießen
durften, handelte es sich um Filme, die schon eine
Art Rampe gebaut haben, um den nächsten Film
einzuleiten. Aber wir begeben uns nicht noch einmal
in die Welt der Atlanter. Stattdessen begleiten wir
wieder die Abenteuer von Muskelmännern und Frauen,
die als Fotomodelle für den Playboy und andere
Männermagazine arbeiteten. Kurz gesagt: Wir begeben
uns in die Welt des Andy Sidaris.
Der hat nicht nur 12 Kinofilme gedreht, sondern auch
das Buch "Bullets, Bombs and Babes" geschrieben.
Aber wir sind ja kein Buchclub und schauen deshalb
lieber seinen Film von 1990 "GUNS" an. In
Deutschland kam der Film unter dem Titel "Sex Frauen
räumen ab" in die Kinos und da hatten die Leute die
sich das ausgedacht haben eigentlich auch recht.
Ich freue mich.
b.
+++
… wir uns auch! F&J&A

13.03.2025
Traute Runde,
nachdem wir uns nun eine ganze Weile auf
abschüssigem Niveau bewegt haben, regte sich der
Konterreflex: „Lass mal wieder was echt
gutaussehendes Gucken, kompetent gemachtes,
Nachdenkenswertes gar!“
Ein zum Niederknien schönes, recht unbekanntes
italienisches Düsterdrama war schon zur Hand, als
uns – stabile Genies, die wir nun mal sind –
einfiel, wie man Kontinuität, Kontrast und „Balsam
fürs Auge“ mit einem Film hinbekommen könnte.
Wir spinnen also das letztwöchige Motiv
„Gewaltfreudige Geheimgesellschaft mit fragwürdigem
Geschäftsmodell“ weiter, drehen aber sonst an so
ziemlich allen Schräubchen.
Vom spätachziger US-TV-Appeal wechseln wir zu
frühsiebziger Euro-Weirdness; visueller
Qualitätsstempel drauf mit „Kameramann hat für
Buñuel gedreht“. Musikalisch von heroischem
Power-Synth-Funkrock (oder was immer das war) zu
einem Score von u.a. Berto Pisano, samt einiger
Überraschungen. Statt planloser
Steroid&Silikon-Airheads stehen James Mason,
Jean Seberg und Curd Jürgens vor der Kamera, und das
Drehbuch ist nicht vom Sidaris Andy, sondern einem,
der am „Längsten Tag“ mitgeschrieben hat.
So weit, so vielversprechend.
Aber. Wir nehmen das Werk natürlich vor allem wegen
des Abers ins Programm, oder vielmehr: einem
Riesenaber, eines ganzen Aberknäuels, bei dem man
gar nicht weiß, wo anzufangen mit dem Entwirren.
Da wären etwa genannte Stars, die 1971 nicht mehr
ganz so hell schimmerten, sondern durch diverse
aktute persönliche Dramen und Krisen gefordert waren
– etwa
- James „WW2 Kriegsdienstverweigerer, der später
Rommel spielte“ Mason, diversen Quellen zufolge
„alt und brauchte das Geld“ sowie in einer
Alkohol-Binge-Phase
- Stephen „Kaiser in Ben Hur,
karrieremässig aber schon fast bei Lady
Dracula angekommen" Boyd, und natürlich
- Jean „Godards À bout de souffle“
Seberg, die vom Regisseur gecasted wurde, um sie
aus einer Depression zu holen, in die sie sich
von einer Fehlgeburt gestürzt sah.
Spätestens hier wird es dann sehr dicht und
unübersichtlich, denn Regisseur und Autor war ein
gewisser Romain Gary, der ein Jahr zuvor die
Scheidung von eben jener Jean Seberg eingereicht
hatte, als Folge einer Affaire mit Clint Eastwood
(ihrerseits!), den Gary daraufhin zum Duell
aufforderte (Clint kniff). Vater des verlorenen
Kindes war aber nicht Dirty-Harry-in-the-Making,
sondern (womöglich) ein Aktivist der Black Panther,
mit denen Jean sympathisierte – was sie auf das
Radar des FBI brachte, mit entsprechenden
Drangsalierungen und Stress, was wiederum zum
Verlust des Kindes beigetragen haben mag. Romain
Gary beschuldigte schließlich auch die
US-Geheimdienste, für Sebergs nie ganz aufgeklärten
„Selbstmord“ 1979 verantwortlich zu sein, bevor er
sich ein Jahr später selbst eine Kugel in den Kopf
jagte.
Überhaupt: Romain Gary! Schillernde Figur, zur
Person sei ausnahmsweise ein Wikipedia-Artikel
empfohlen, der locker für 3 Staffeln Netflix
ausreichen würde. Nur am Rande sei erwähnt, dass er
hochdekorierter Flieger in der französischen
Exil-Luftwaffe im 2. WK war, bevor er 1956 den
Literaturpreis Prix Goncourt erhielt. Weil Autoren
diesen nur 1x im Leben erhalten können, nahm er 1975
unter Pseudonym erneut teil und gewann nochmal.
Keine schlechte Leistung, Monsieur.
Regie führte er nur in zwei Filmen, womöglich weil
unser dieswöchentlicher Beitrag Kill! Kill!
Kill! Kill! (sic! sic! sic! sic!) bei Kritik
wie Publikum für ratlose Gesichter (und leere
Kassen) sorgte. Und das, obwohl Romain den cleveren
Move machte, die
spanisch-deutsch-französisch-italienische
Koproduktion in zwei Versionen zu drehen: „oben mit“
für „katholische Länder und die USA" und „oben ohne“
für den Rest. Welche wir wohl sehen?
"Drogen sind für mich heute das schrecklichste
Mittel der Erniedrigung. Drogenhändler sind die
schlimmsten Attentäter. Da ich sie nicht selbst
töten kann, töte ich sie in den Filmen."
(Romain Gary)
Klare Ansage – wie er diese Message jedoch
rüberbringt, und was da alles so nebenbei über
Motivationen, ferne Länder, erotische Anziehung und
sprunghafte Sinneswandel erzählt wird, das sollte
man gesehen haben.
So mancher seinerzeit verkannte Film fand Jahre
später wohlwollende Anerkennung – „Tödliches
Heroin“ (deutscher Titel!) jedoch polarisiert
auch heutzutage verblüffend hart. Sprich, die einen
halten ihn für außergewöhnlich interessant, die
anderen für totalen Scheiss.
"One of the lousiest films I have ever seen“
"An undiscovered gem"
"fantastic film script“
"viewers will simply find it messy, confusing, and
heavy-handed"
"a sick, nasty film with a stellar cast"
"I cannot effectively describe the ineptitude and
lack of talent displayed in this movie.“
"It's just fucking weird, man.“
Wie wird’s Euch gehen? Wo werdet ihr stehen?
Reinschauen, rausfinden!
F&J&A
20.03.2025
Vorfrühlingspause

27.03.2025
Sehr geehrte Mitgeschlechtler:innen -
wir müssen reden.
Über den Elefantenpimmel im Raum.
Aufrechten Betrachter:innen der
gemeinschaftlichen Stillfoto- und
Plakatverfeinerungsexzesse, die seit der Veronlinung
unserer Veranstaltung dank modernster Technologie
möglich sind, dürfte nicht entgangen sein, dass eine
stetig wachsende Zahl (zumeist männlich gelesener)
wohlfeil gewirkter Genitalien die
kooperativen Kunsterzeugnisse gleichsam penetriert
hat.
Formale Ähnlichkeiten diverser Feuer-, Hieb- und Stichwaffen,
die häufig unsere Plakat- und Standbilder
dominieren, aber auch der ungestüme,
jugendlich-pubertäre Vorvergreisungs-Effickt,
der, gleichsam aus Sehnsucht nach der unbeschwerten
Zeit der Pubertät und dem trotzigen Willen, sich dem
heraufdreuenden Ende so lange es eben geht,
unnachgiebig und hart entgegen zu stellen,
quasi in Allem und Jedem Lümmel auszumachen
und das imaginierte hurtig aufs digitale Papier zu
ejakulieren, mögen hier eine pulsierende, haarige
Rolle spielen.
Nun stehen wir vor dem Poblem, das durchaus
hohe gestalterische Niveau des vorletztwöchigen
Filmes irgendwie wenigstens für einen kurzen
Zeitraum stramm aufrecht halten zu wollen,
wissen aber im feuchten Inneren unserer
Kindmenschen-Seelen, dass Verdrängung und
Verleugnung individueller Eigenarten nicht unbedingt
gut tut und im schlimmsten Fall zu geistigen Versteifungen
und fragwürdigen Übersprungshandlungen (Alkohol-,
Drogen- und Sportkonsum) führen kann.
Die Lösung: Ein gar nicht so alter, wohlfeil
gefilmter, komplett seriöser Dokumentarfilm, der
sich ausgiebig mit allen (und wir meinen: ALLEN)
Penen diesseits und jenseits des biologischen
Kosmos, beschäftigt.
Damit nicht genug: die eigenartige Mär um das
einzige (!) Penis-Museum der Erde behandelt nicht
nur die Obsession des isländischen Kurators, der zur
Vervollständigung seines Lebenswerkes noch dringend
einen menschlichen Pimmel benötigt, sie beleuchtet
auch eindringlich die komplexen, psychosozialen
Problematiken, mit denen sich die um die Ehre des
finalen Spenders wetteifernden, freiwilligen
Phallus-Provider herumschlagen müssen. Dass da so
manch´ bizarre Weltsichten mit überraschenden
Folgehandlungen und gewagten Lebensentscheidungen
Rüssel an Schwanz einhergehen, sollte nicht
verwunderlich sein, ist gar erwünscht und ersehnt.
Da haben wir also unsere Quadratur des Hodens:
Höchstes dokumentarisches Niveau, ruhige, kompetente
Kamera und überlegte, niemals verletzende oder
unnatürlich forcierte Bestandsaufnahmen menschlicher
Irrungen und Wirrungen - und
Pimmelpimmelpimmelpimmelpimmelpimmel noch und
nöcher.
TMN-Herz, was begehrest du mehr?
Bildungsauftrag mit klarem Blick nach unnerum.
Dafür stehen wir von der TMN.
The Final Member
Island 2012
R.: Jonah Bekhor und Zach Math
19:00 anregende Gespräche
20:00 aufregende Erkenntnisse
21:30 postkoitale Exkursionen
J+F+A

03.04.2025
Liebe Gefährtinnen und Gefährder auf dem Weg durch
die Wunderwelt bewegter Bilder,
zwar wurden wir letzte Woche aufs trefflichste
pimmelmässig aufgeschlaut, aber eine Sache konnte
die Doku nicht leisten – der erste isländische
Beitrag auf unserer Playlist zu sein. Wir nutzen die
Steilvorlage, jene umgehend zu vervollständigen und
zeigen was, das sowohl in Island spielt wie dort
produziert wurde (jedoch seinerzeit womöglich selbst
Isländernden kaum zu Gesicht kam).
Es ist mal wieder TMN Oddball Time!
Man stelle sich ein nordisches „Das kleine
Fernsehspiel“ vor, realisiert aus dem kreativen Pool
(und Budget) von grade mal rund 300.000 Seelen, die
sich zumindest zeitweise ernähren von "schwarz
geräuchertem Schafskopf, fermentiertem Hai oder in
Molke eingelegten Hammelhoden“ * und in langen
Polarnächten zurückliegender Jahrhunderte reichlich
Zeit hatten, wundersam zu werden und erstaunliche
Folklore auszubrüten.
Ein Schelm, wer es für möglich hält, dass sich David
Lynch von der 1987er
Direct-To-Icelandic-TV-Produktion TILBURY
einen ordentlichen Schluck gönnte, um dergestalt
beschwingt drei Jahre später seine TWIN PEAKS
anzuschrägen. Merkt ja keiner, hat ja keiner
gesehen. Denkste, David!
Sollte was dran sein an unserer steilen These, kann
man Mr. Lynch zumindest zugute halten, so manch
misogynes oder auch grotesk antisemitische Klischee
aus dieser Obskurität nicht übernommen zu
haben. Oder ist das alles grade andersrum gemeint,
um hinters Nordlicht zu führen? Wer weiss schon, was
wirklich vorgeht im Herz und Hirn jenes Völkchens,
dem Seniorensack-Konserven als Kulturgut gelten?
Diese und noch viel mehr Fragen werden ausreichend
Stoff für unseren abschließenden Stuhlkreis bieten.
Zeit genug haben wir, bei einer knappen Stunde
Laufzeit.
19:00 Troll Thing
20:00 Hvað í fjandanum
F&J&A
* Wikipedia
PS. für nächsten Samstag empfehlen wir eine
Exkursion ins Frankfurter Filmmuseum zu LIFEFORCE,
der – wie so ziemlich alles – bei uns schon lief,
und zwar vor ruckzuck vergangenen 29 (!) Jahren. Tja
liebe „Kultkino“-Bros, manche sind halt bissi
schneller.

10.04.2025
Sehr geschätztes Publikum,
nach unserem Ausflug in die geheimnisvollen Gefilde
des Folklore-basierten, mit einer gehörigen Portion
kriegs- und besatzungsspezifischer Referenzen
gewürzt und individuell mit der tristen Farbpalette
isländischer Prägung abgeschmeckten
Island-Mystik-Dramas, mag so manchem TMN-Subjekt der
Sinn nach einem etwas farbenfroherem, süßen, mit
verspielt-optimistischer, vor Experimentierfreude
überkochendem, energetisierendem Zwischendurch-Snack
stehen. Immer bemüht, unserem Publikum ein
ausgewogenes, cineastisches 600-ebbes-Gängemenue zu
kredenzen, dabei gleichzeitig den inhaltlichen, will
sagen, Nährstoffgehalt auch noch des kleinsten
Appetithäppchens auf die vorangegangene Mahlzeit und
mit leidlich klarem Blick auf den zukünftigen
Speiseplan nicht zu vernachlässigen, haben wir uns
diesmal für eine quietsche-bunte, an bizarren
optisch-kulinarischen Extravaganzen alles andere als
arme, japanisch-psychedelisch-klassische
Hauptmahlzeit entschieden.
Und ja, basiert die Idee zu
"Hausu" ハウス
Japan 1977
Regie: Nobuhiko Obayashi
auch auf einer Grundidee des Töchterchens von Obaya
San und dem frommen Wunsch der Toho-Studios,
"...irgendwas wie der Weiße Hai" zusammen zu
delirieren, so schmuggeln sich in die abstrakte,
hochgradig von der Werbefilm-Ästhetik beeinflusste
Psychedelik-Märchen-Experimentalfilm-Horror-Ramensupp'
konkrete Bezüge zu Weltkriegstraumata und
Verdrängungsstrategien, die inmitten des vor
visueller Experimentierfreude geradezu
explodierenden Erstlings-Exzesses ein kleines
bisschen Bitterstoff in die mutmaßlich LSD getränkte
Spätsiebziger-Mampfe hineinmischen.
Regisseur Obaya Wahn Kenobi, uns unter Anderem aus
dem wunderlichen Film "School in the Cosshair"
(siehe TMN Playlist) bekannt, mag zwar vom Werbefilm
kommen, ist aber beileibe kein überheblicher
Bilderstürmer-Idiot, der ohne Sinn und Verstand, nur
der Spur des Geldes und mutmaßlicher weißer
Schnüffelstoff-Linien mit schwitz-überdrehtem Ego
hinterher rüsselnd, diesen "Normalo Regisseuren" mal
aber so richtig zeigen will, was noch so
alles auf die Leinwand gekübelt werden kann wenn die
Nacht lang und die Nasenschleimhaut zu Staub
zerfallen ist.
Hier wird einfach erfreulich übermotiviert (und
ästhetisch ausgesprochen skrupellos) die komplette
Filmtrickkiste geplündert, werden sämtliche Regeln
des etablierten narrativ-Ästhetischen über Bord
geworfen und wie ein Kind, das, versehentlich in
einem Süßwarenladen über Nacht eingesperrt, zwischen
dem zuckerigen Babb-Krams zu allem Überfluss noch
die schlampig versteckten Drogenvorräte des
Hausmeisters entdeckt, und zwar in einer
unverschlossenen Kiste, die Kriegsdevotionalien und
vergilbte Fotos längst verstorbener, schuldbeladener
Altvorderer enthält, werden wir in einen bizarren
Strudel aus Genre-Kitsch und experimentellem
Bizarro-Horror hineingeworfen, bis der Verstand
überfordert die Segel streicht und man vom Strudel
aus Formen, Farben, Filmtricks und
kleine-Mädchen-Wahnsinn einfach fortgerissen wird.
Nicht, dass wir uns missverstehen: der hochgradig
artifizielle Film um eine Gruppe junger Mädchen, die
sich (siehe "Weißer Hai...") mit einem mörderischen
Haus (!) herumschlagen müssen, setzt buchstäblich
alle Häkchen auf der
Werbefilmer-goes-Leinwand-Bullshit-Bingokarte, aber
im Gegensatz zu vielen ähnlich gelagerten, ach so
originellen Versuchen vergleichbar aufgestellter
Regisseur:innen-Kolleg:innen, für die
narrativ-ästhetisches Viel Zuviel gerade genug ist,
hat hier der Wahnsinn Methode, und die zügige
Talfahrt von fast schon Diabetes induzierender
Süßlichkeit in den abgründig-psychedelischen
Horror-Kosmos Nobuhiko Obayashis ist mit Präzision
und wachem Auge für genau die richtigen
Mischungsverhältnisse der Zutaten geköchelt.
Also Bubbletea mit Fruchtchemiequatsch und ein wenig
Lysergsäurediethylamidaroma versetzt, alles kann,
nix muss-Mus in die dafür vorgesehenen Öffnungen
gestopft und los geht's.
19:0 HAUSU-Aufgaben gemacht
20:00 Klassenhöllenfahrt
J+F+A

17.04.2025
Verehrte traute Runde,
manchmal könnte man es sich einfacher machen.
Etwa, der spontan erstbesten Assoziation
nachzugeben, die einen Eurer Kuratoren bei HAUSU
ereilte: die Nippon-Spukbude direktemang zu kontern
mit La casa dalle finestre che ridono. Was
wir dann aber doch nicht tun. Der diesbezügliche
Sinneswandel ward nicht etwa ausgelöst von
sorgenvollen Ahnungen, die Herrn W. beschlichen, als
er „ich hab da was…“ Gemurmel vernahm (was könnte
uns egaler sein als Herausforderungsbefürchtungen?),
sondern gänzlich anderen Gründen. Pupi (sic!) Avatis
Haus mit den lachenden Fenstern wäre
hinreichend sehenswert und gaga genug, um ins TMN
Portfolio zu passen, war früher kaum aufzutreiben
und läge nun in einer famos restaurierten Fassung
vor – eignet sich aber wohl doch nicht optimal für
unser aktuelles Format. Bissi zu lang, bissi zu
langsam, bissi zu depri, mithin bissi zu wenig
(tiny-)crowd-pleasing. Werden wir doch altersmilde
mit Euren Nerven?
Wie auch immer:
You dodged this one, Herr W.
Und los ging die Reise entlang allerhand rasselnder
Assoziationsketten, auf der Suche nach einem
passenderen House-Match. Um ein Haar hätte Euch dies
eine EXORZISTen-Variante beschert
(Anknüpfungspunkte: Schatten der Vergangenheit,
übernatürlicher Schmarren, Gore, bunte
Spezialeffekte, spielt in einem Haus)… als uns eine
POLTERGEIST-Variante in die Hände fiel, die noch
einen oder zwei draufsetzen kann (Schatten der
Vergangenheit, übernatürlicher Schmarren, Gore,
bunte Spezialeffekte, spielt in einem Haus, und
ist 4:3 wie HAUSU, und es kommt was
„Japanisches“ drin vor).
You won’t dodge this one, Herr W.
BLOOD BEAT war schon lange in die
Sedimentschicht unzähliger billig und schnell
runtergekurbelter frühachziger
Direct-To-Video-Only-For-The-US-Provinz Produktionen
versunken – und allenfalls noch muffig müffelnden
VHS-Sammlercreeps ein vager Begriff – als sich die
verdienstvolle Vinegar Syndrome Crew seiner
angenommen hat.
Und siehe da: Was seinerzeit in Bandqualität
tendenziell unguckbar und eine einzige Zumutung
gewesen sein mag, erlebt in 2k Abtastung eine
wundersame Metamorphose.
Um uns nicht falsch zu verstehen: wir haben es immer
noch mit einer argen Gurke zu tun, die aber auf den
nun ermöglichten zweiten (kornscharfen) Blick ein
interessantes Eigenleben zu entwickeln beginnt. Mit
allerlei Nebenwirkungen – etwa regen sich bei
hartgesottenen Trashrezensenten untypische
Hyggegefühle: „ ...managed to cast a spell on me
that had me mesmerized from beginning to end. Like
a nice fluffy blanket on a chilly winter night,
the film lulled me into its grasp …“
Soso.
Derart lyrisch und verträumt mögen unsere Reaktionen
nicht sein. Vielleicht eher so, als hätten wir uns
überreden lassen, mit einem halbguten Kumpel bei
dessen entfernter Verwandtschaft irgendwas
abzuholen, wären dort hängengeblieben wegen eines
Motorschadens und erführen nun eine gärende Mischung
aus ethnografischer Faszination und Grusel
angesichts hautnah miterlebter
hinterwäldlerisch-eigenbrötlerischer Lebensumstände
und -konzepte. Nur dass die Tour nicht nach Sachsen
geht, sondern Wisconsin, und der Kumpel
melodramatischer Halbfranzose ist.
Gekauft, das Ding! Auch ohne die Zusatzinformation,
dass Writer-director Fabrice-Ange Zaphiratos was
under the influence of drugs during at least some
of the writing process and the filming; he has
stated that the film's title is a reference to the
accelerated heartbeat experienced while high.
Freie Bahn den Tüchtigen.
F&J&A

24.04.2025
Dear All,
aus diversen Gründen ist die Zeit diese Woche so
knapp, dass ihr uns quasi blind vertrauen müsst.
Dabei nehmen wir uns heraus, keinerlei Bezug zum
Programm der Vorwochen herzustellen, und quasi blind
in unsere Krabbelkiste zu greifen.
Was kann schon schiefgehen?
Statt elaborierter Einladung sollten Hinweise
genügen, uns die Aufwartung zu machen:
1969.
Ringo Star.
Peter Sellers.
John Cleese.
Richard Attenborough.
Christopher Lee.
Roman Polanski.
Raquel Welch.
Yul Brynner.
… schwant uns etwa ein All-Star Disaster?
A product of its time.
Gern geschehen.
F&J&A

01.05.2025
Liebe Alle!
Erster Mai!
Kampftag der irgendwers für oder gegen irgendwas!
Vergrillte Soli Bratwurst, überraschend frisch
gezapftes Bierchen, Kater und Hörsturz vom Vorabend
und natürlich aufpeitschend einschläfernde Reden,
wirre Slogans, Water- nein, Soundboarding durch
Politrock und und und.
Wahrlich, eine "Reise ins Glück" ist wahrscheinlich
die unpassendste Beschreibung des langen Wegs vom 1.
Mai 1886 in unsere bedrückende Gegenwart, und wohl
dem, der es schafft, die mit Blut, Schweiß und
Tränen getränkte Strecke durch Raum, Zeit,
Sozialismus, Anarchismus, Faschismus und Apfelmus
(um nur einige zu nennen) einigermaßen sachlich zu
betrachten, konstruktiv mit dem Erlernten umzugehen
und aktiv dafür zu sorgen, dass es womöglich doch
mal wieder besser, würdiger, menschlicher und
gerechter und wesentlich Lustiger auf diesem
Planeten zugehen möge.
Alternativ kann man natürlich auch eine Maibowle mit
lustigen LSD getränkten Pappschiffchen und diversem
chemischen Zeugs versetzen, den Kindern,
Kindeskindern und Kindeskindeskindern die Spongebob
Schnorchelausrüstung klauen und in das übervolle,
mit Unmengen an Flohmarkt- und
Antiquitäten-Ladenhütern und exotischen Fröschen
vollgestopfte Unterstübchen eines gewissen Wenzel
Storch abtauchen und erleben durchleiden und
durchstaunen, was passiert, wenn glühende
Katholenhasser, gottserbärmlich agierende
Laienherumsteher und waschechte Anarchisten mal mit
ein wenig ergaunerter Filmförderung und sehr viel
Herzblut und Liebe noch zum bizarrsten und
pubertärsten Detail, auf den Putz hauen, bis sich
der Staub in glitzernde Diamanten verwandelt. Und
das mit einer tat freudigen Entourage aus Größen wie
Jörg Buttgereit, Harry Rohwolt, Max Raabe etcpplsd.
Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Und den
wenigen in unserem Kreis, die bisher noch gar nichts
über Herrn Storch und sein bemerkenswertes Filmwerk
wissen, sei versichert: es wird ein wilder
Schneckenritt!
"Bürger, lasst quatschen sein!
Auf zur Trashnight, log' dich ein!"
Als Bonus noch dieser kleine, unscheinbare Link
zu Wenzels leider nicht all zu gepflegter Webseite,
wo es - nach, ich wiederhole: NACH Begutachtung und
Betrachtung des Films "Die Reise ins Glück"
(BRD 1996-2004, R.: Wenzel Storch) gigantische
Mengen an Bonusmaterial, interessanten Pressezitaten
und noch so manch wunderlichem Krischelkrams zu
bestaunen gibt.
J+F+A

08.05.2025
Hochverehrtes Publikum,
ein weiteres Mal verknüpfen wir unser Programm
mittels eines Prinzips, das wir als Radikal
Subjektive Kontinuität in die Medienkultur
einführen.
Zum Verständnis sei Herrn Ritters jüngster Move
angeführt, den buntquatschig-verspielten Magic
Christian mit der – gänzlich anders geartet
buntquatschig-verspielten – Reise ins Glück
zu verbinden. Von letzterer wiederum greifen wir den
Willen zu kopfkratzwürdiger Abseitigkeit auf, die
sich aber heuer gänzlich anders materialisieren wird
als in Wenzels Wirrwar.
Eigenwillige Raumdekorationen und Outfits erwarten
uns zwar auch, aber in ungleich minimalistischerer
Form, und schwarzweiß statt farbenfroh. Pipiwitze
weichen anderen zweifelhaften Zeitvertreiben,
drollige Provinzknülche abgebrühten Großstädtern,
warmherzige Scherzlein zynischer Attitüde.
Wir illustrieren noch einmal die krasse Opposition,
in welcher sich die New Yorker Undergroundszene der
späten 60er zum von ihr verachteten Hippiegesocks
der Westküste positionierte: Beton statt Blumen,
Leder statt Cord, Chrom statt Batik, schneller Sex
statt kosmischer Liebe, Kerosin statt Patschuli,
Speed statt Acid.
Kurz: Da wollte keiner zum Glück reisen,
eher: zum nächsten Kick rasen.
THE TELEPHONE BOOK ist ein Spinoff aus dem
(geistigen) Umfeld von Warhols Factory*, die in der
frühen, hedonistischen Form 1971 schon Geschichte
war. Zwei Veteranen jener stark beschleunigten und
kräftezehrenden Ära haben es in den Film geschafft:
Ondine und Ultra Violet. Unser Hauptverantwortlicher
Nelson Lyon gehörte auch irgendwie dazu, und ließ es
nach dem BOOK allenfalls arbeitsmäßig ruhiger
angehen (blieb seine einzige Regiearbeit) – er
überlebte den Coke-Binge mit John Belushi im
Gegensatz zu jenem, bis schließlich seine Leber
kapitulierte. RIP ya all. Wobei, Peace war
ja eher nicht so deren Ding.
See you!
F&J&A
* Wer sich auch nur ein bisschen für das New York
jener Zeit interessiert, dem sei Warhols POPISM (im
Original) ans Bett gelegt, auch wenn sich dieses
dann vor lauter Aufgekratztheit nicht mehr zum
Schlafen eignet.

15.05.2025
Liebe planetare Mitbewohner:innen.
Nach den kniffeligen Denksportaufgaben der letzten
Woche, die uns mitunter hochgradig verschrobene
Weltansichten irgendwie dauer-ralliger
Künstler:innen-Typen und exzentrischer Obszönanrufer
auf unseren langen Weg durch Cellouloid, Zeit und
Raum mehr oder minder näher brachten, trifft es
unsere kleine Gruppe natürlich herb, wenn
ausgerechnet Co-Kurator Brain sein ebensolches und
ein wenig Sack nebst etwas Pack mit auf Reisen nimmt
und wir gezwungen sind, das Durchdenken komplexer
psychosexueller,
philosophisch-politisch-hedonistischer Sachverhalte
auf unsere schwächlichen Schultern zu laden und mit
weniger als 66,6 ebbes Prozent Kuratorenhirnschmalz
den nächsten Zug im 9dimensionalen
Schrottfilmwichtel-Trashnite-Schach zu planen.
Kluge Themenvermeidung könnte hier helfen:
Wir verzichten also diese Woche auf
- sexualneurotischen Klimbim
- ach, der Einfachhalt halber gleich auf jedwede
weiblichen Protagonistinnen
- realistische, zeitgemäße Darstellungen
irdischer Sozialphänomene
- Fauna, Sauerstoff und Wasser (beides nur in
sehr geringen Mengen vorhanden...)
- gar zu moderne Erzählstrukturen
- wissenschaftliche Akkuraterei
und versuchen, unser Heil in einer interessanten
Neuverfilmung der klassischen Pro Kirche-
und-Kolonialismus-Geschichte um den schiffbrüchigen
Sklavenhändler Robinson Crusoe zu finden.
Robinson Crusoe on Mars
USA 1964
R: Byron „War of the Worlds“ Haskin
Colonel Dan McReady (prä-Batman Adam West) und
Commander Christopher 'Kit' Draper (Paul „über 150
TV Rollen“ Mantee) bauen bei einer
Weltraumexpedition irgendwie Scheiße und bruchlanden
auf dem kunterbunten, in prächtigem Technicolor und
mit das Breitwandformat ganz herzallerliebst durch
atmosphärischen Mattpaintings, schnuckeligen
Kulissen und putzigen Tricks aufgepeppten,
„buntisch-roten“ Planeten Mars.
Von nun an geht es um nichts Geringeres als das
nackte Überleben, und die Robinsonade mit munter
aufspielendem Astro-Äffchen folgt denn auch so
präzise der Romanvorlage, dass der Film trotz des
eigenwilligen Settings als eine der werkgetreusten
Defoe-Verfilmungen gehandelt wird.
Das hat natürlich den Nachteil, dass die Rolle des
„Freitag“ (nicht etwa vom Astro-Äffchen, sondern
Victor „Der erste Klingone“ Lundin gespielt)
unhinterfragt und 1 zu 1 den kolonialistischen Geist
des Urtextes atmet und für den ein oder anderen
Cringe-Moment sorgen dürfte.
Zum Glück gibt es eine derartige Fülle an
spektakulären, die Breitesten-aller-Breitleinwände
formidabel ausschmückende Szenerien, skurrilem
Survivelismus-Kitsch und schräglagige Ufo-Action
(mit den Raumschiffen aus Haskins Erfolgsfilm „War
of the Worlds“) zu bestaunen, dass die extrem
grundsätzliche, einfache Geschichte den Zuschauenden
nie mit allzu philosophisch-intellektuellem Ballast
ballästigt (sic) und man auch mit zweidrittel
Hirnkraft (siehe oben) einen Film genießen kann, der
zu Recht seinen Platz in den oberen Rängen
klassischen 60er Science Fiction Garns einnimmt.
Klar geht es auch manchmal um existenzielle Fragen
wie menschliche Grundbedürfnisse (Wasser,
Sauerstoff, Tierliebe, Kolonial-Rassismus), aber
Staunerei und Verwunderung stehen hier eindeutig im
Vordergrund.
Passt.
Catering diesmal nur Wasser, Steinluft, Rote Beete
(siehe Marsfärbung und Vitaminhaushalt) und -
Würstchen.
Als Nachtisch gerne einen Mars Riegel, Milkyway ist
ebenfalls akzeptabel.
Und hat da jemand Spacecake gesagt?
Nein?
Sollte jemand aber!
19:00 Weltraum-Reisepläne und Kosmische Drinks
20:00 Mars macht mobil
J+A+F

22.05.2025
Liebe Wir:
Whow! Zounds! Meiner Treu! Ja saachemoh! Der kleine
Ausflug zum Roten Planeten letzte Woche stellte sich
als außerordentlich äh Seelen-schonend heraus.
Philosophische Fragen wurden nur sehr am Rande
getackelt, es regierte der trotzig-amerikanische
„Einfach mal machen“ Geist der sechziger Jahre, der
zwar ein wenig arglos bestimmte problematische
Themenkomplexe (Imperialismus, Kolonialismus,
Rassismus, Algengurkenwurst-Mus) der Defoeschen
Romanvorlage „Robinson Crusoe“ umformulierte oder
einfach unhinterfragt und ohne all zu große
intellektuelle Bemühungen im Hintergrund mitlaufen
ließ, uns aber in seiner technokratisch-naiven
Bilderverliebtheit einen ästhetisch wertigen und
hoch amüsanten, leidlich „trigger-freien“ Abend
bescherte.
Gut.
Aber auch gut:
sich wieder vorsichtig aus der Deckung wagen und
ganz sachte wieder Richtung exzentrisch-dubiose,
unbekannte Regionen vorzudringen. Womöglich mit
einem quietschebunten, von Claymation Legende Will
„California Raisins Werbung“ Vinton in liebevoller
Handarbeit und mit immenser kreativer Freiheit
gefertigten ääääääh „Kinderfilm“, der in
Vignettenhafter Form das Werk und die mitunter
spezielle persönliche Philosophie eines nicht ganz
unbekannten Herren Namens Mark Twain zum Thema hat.
Erneut delektieren wir uns an einer
eskapistisch-phantastischen Rahmenhandlung, die die
Abenteuer dreier Plastilin gewordener Romanfiguren
Twains (die üblichen Verdächtigen: Tom Sawyer, Huck
Finn, Margeret äh Becky Thatcher und Indianer-Joe
(!)) als blinde Passagiere an Bord Twains
Flugzeppelinraumschiffirgendwas-Dingens auf der
Reise zum Kometen Halleyschen Kometen schildert, wo
sich der in die Jahre gekommene Autor vermittels
Frontal-Zusammenstoß aus der diesseitigen in eine
wie auch immer geartete jenseitige Welt befördern
will.
Der (reale) Mark Twain schrieb seinerzeit:
„I came in with Halley’s Comet in 1835. It is
coming again next year [1910], and I expect to go
out with it. It will be the greatest
disappointment of my life if I don’t go out with
Halley’s Comet. The Almighty has said, no doubt:
‘Now here are these two unaccountable freaks; they
came in together, they must go out together.'”
Tatsächlich starb Mr. T denn auch im Moment der
größten Annäherung des Kometen an die Sonne an einem
Herzinfarkt, und es ist dem bedauernswerten
Menschenverächter zu wünschen, dass ihm die Aussicht
auf Erfüllung seines Wunsches in den letzten
Sekunden seines Lebens irgend eine Form von Trost
und Genugtuung beschert haben mag.
Warum allerdings die Marketing-Schlauberger:innen
auf Teufel komm raus den Film in die
„Kinderfilmecke“ quetschten, was natürlich leere
Kinokassen und traumatisierte Kinderlein zur Folge
hatte (etwa zur Hälfte des Films wird in einer
ausufernden Sequenz sehr deutlich, dass die harmlose
Unterhaltung Minderjähriger nicht unbedingt das
erklärte Ziel des Regisseurs war...), wird
wahrscheinlich deren Geheimnis bleiben. Naja, ein
echtes Geheimnis gibt es hier natürlich nicht zu
lüften: Letztlich ging es um Geldgier (Staun!
Wunder! Überrascht sei!) gepaart mit vollkommenem
Desinteresse, sich auch nur fünf Minuten mal
Gedanken zu machen, WAS da unter dem Mäntelchen
eines harmlosen Animationsfilmchens so alles an
Abgründen und depressiv-pessimistischen
Lebenshaltungen zum Vorschein kommen mag.
The Adventures of Mark Twain
USA 1985
R.: Will Vinton
passt denn auch vorzüglich in unsere „Exzentrische
Phantasten reisen in bizarren Vehikeln durch
verzerrte Wahn-Welten“ (Klecksa, Reise ins Glück
etc.), weist eine gelungene Mischung aus
Kunstfertigkeit und verstörenden Details auf und
dürfte unseren Weg zurück in die nicht ungefährliche
Welt der cineastischen Ambivalenzen ebenen.
Welcome back darkness, old fucking friend!
19:00 gesagtes, gewusstes, gelogenes in trauter
digitaler Runde
20:00 mehr gesagtes, gewusstes, gelogenes - in Knete
J+F+A

29.05.2025
Liebe Bilderreiselustigen,
wer nach Herrn Twains geknetetem Suizidversuch per
bizarrem Luftschiff, welchselbst in den Halleyschen
Kometen zu steuern der wortgewandte Menschenhasser
sich nicht entblödete, immer noch nicht genug von
extravaganten Fortbewegungsmitteln bekommen hat,
kann aufatmen: Hier folgt ein Luftschiff quasi dem
anderen, und auch gewisse Storyelemente (blinde,
putzige Passagiere, dramatische aeronautische
Abenteuer, unverhohlener Rassismus) knüpfen nahtlos
an die vorangegangenen TMN-Extravaganzen an.
Wieder machen sich Wissenschaftler, Kinder, Pudel
und kernige Archäologen auf ins Unbekannte, um
nämliches etwas äh bekannter zu machen und ihr „Staunometer“
(ein Gerät ähnlich Hefes legendärem Verpassometer)
bis zum Anschlag aufzureißen. Eine geheimnisvolle
Insel auf dem Dach der Welt (nein, nicht dem
Himalaja) inklusive irgendwo im Wikingerzeitalter
stecken gebliebener Zottelknülch:innen-Zivilisation
gilt es zu entdecken, und selbstverständlich ist der
Weg dorthin mit allerlei dornigen Chancen
(einheimische Deppen, brackige Lavaströme, Walfische
mit schlechter Laune) gespickt.
Der 1974 entstandene US Amerikanische Abenteuerfilm
„The Island at the Top of the World“ aus der
Disney-Realfilmschmiede gibt sich redlich Mühe, an
den Erfolg der 20.000
Meilen unter Niveau anzuknüpfen und scheiterte
krachend an den Kinokassen. Lag es an den mitunter
doch recht schusselig zusammengezimmerten
Spezialeffekten?
Oder war Regisseur Robert „nicht Louis“ Stevenson
nach den unzähligen Realfilmen, die er für das
Großohr-Imperium herunterkurbeln musste, einfach
nicht mehr motiviert genug, um sich aus dem
Routine-Korsett der Disneyschen
Kapitalismus-Alptraum-Fabrik zu befreien und dem
Stoff irgend etwas, nu ja, originelleres als eine
bloße Kopie des wesentlich erfolgreicheren 20.000
Geilen unter dem Meer, abzuringen?
Sicherlich lag es nicht an dem Pudel, dem
wunderschönen Luftschiffsmodell des Herren
Ellenshaw, überhaupt der ganzen bildnerischen
Ästhetik, die dem Film immerhin eine
Oscarnominierung für die beste Artdirection
bescherte. Und hey, wenn sich die Kritiker einig
sind, dass der Film trotz seiner gelegentlich
atemberaubenden Mattepaintings und Setdesigns auch
ein gerüttelt Maß cringe-, fremdschäm- und
peinlich-berührt-wegseh-Momente aufzuweisen hat,
sagen wir von der TMN munter:
bring it on, Mouse!
Drink des Abends? Womöglich ein feiner Calvados mit
„Schuss“, serviert im Schädel eines geschlagenen
Feindes?
J+A+F
19:00 Reisepläne
20:00 Hindenburg revisited

05.06.2025
Sehr geehrtes Langnasenpublikum,
Kurator Neumanneumannneumanns Reise in den Osten ist
glücklich überstanden und auch wir sind fast am Ende
unserer kleinen Odyssee durch verschiedene
abenteuerliche Reiseunternehmungen in Welt, Raum und
Psyche angelangt. Exzentrische Individuen in
exotischen Fortbewegungsmitteln fast jeder Couleur
durften wir bestaunen und manchmal auch die
Fahrzeughalter ob ihres hyperegomanen Verhaltens im
anschließenden Cineastentrashtalk kritisch
diskutieren („Mann, der Sir Anthony ist ein
richtiges Arschloch“ - „Ach, ist der MENSCH nicht
per se...“!“ *nachdenklich einen Schluck
irgendwas rauchend* ).
Es sei dem Wesen des Abenteuer-Genres geschuldet,
dass die mutigen und/oder suizidalen Abenteurertypen
gerne einen dem Geist der jeweiligen Romanvorlagen
geschuldeten, achtlos- überheblichen
imperialistisch-kolonialistischen Habitus an den Tag
legen oder schlichtweg hochneurotisch das bevorzugte
Vehikel gleich selbst zum martialischen Vertreter
des eigenen Geisteskosmos hochstilisieren. Offenbar
ist es schwierig, kühne Entwürfe für wirkmächtige
Fortbewegungsmittel in die Welt zu basteln, ohne den
moralischen Kompass gleich in hohem Bogen über Bord
zu werfen. Geschenkt, das Phänomen kennen wir schon
seit der ehrenwerte Kapitän Nemo mit seinem
Querdenkerverein der herkömmlichen Zivilisation den
Krieg erklärte. Und genau an diesem Punkt knüpft
unser dieswöchiger Film nahtlos an.
Atragon (海底軍艦, Kaitei Gunkan, lit. 'The
Undersea Warship') a.k.a. U2000 – Tauchfahrt des
Grauens
Japan 1963
R.: Ishirō Honda
führt gleich zwei ewig gestrige Parteien zusammen,
die sich (und natürlich mal wieder: Tokio) mit
allerlei U-Booten, Massentanz-Events, einem ulkigen
Gummi-Monster und schusseligen Militärs gegenseitig
(und eigentlich allen) das Leben unnötig schwer
machen.
Da haben wir zum einen die Einwohner des
mittlerweile im Unterseeischen Untergrund
befindlichen, verschollen Reiches Atlanti- äh MU,
die, wie mittlerweile bekannt, nichts besseres zu
tun haben, als Ingenieure zu versklaven, die ihre
Jahrtausende alte Zivilisation einigermaßen in
Schuss halten müssen, um dann natürlich der Oberwelt
über kurz oder lang den Krieg zu erklären.
Zum Anderen haben wir das zweifelhafte Vergnügen,
eine Nemo-eske Kapitäns-Type, die partout nicht
einsehen will, dass die Zeiten des Japanischen
Imperiums seit dem zweiten Weltkrieg endgültig
vorbei sind, mit ihrem hypermodernen FliWaBohr gegen
eben jene Mu-siker vorzugehen.
FlieWaBohr? Richtig: unser Fortbewegungsmittel der
Stunde kann Flie-gen, ist über- und unter-Wa
-ssertauglich und kann sich sogar durchs Erdreich
selber Bohr-en. In your Face, ein Jahrzehnt später
erschienene, entzückende Kinderserie Robbi, Tobbi
und das Fliewatüüt !
Und ja, weil der Regisseur uns allen als Erfinder
der immens erfolgreichen Godzilla-Serie gewisslich
bekannt ist, dürfen wir uns auch auf ein fesches
Gummimonster und ein dem Untergang geweihtes Tokio
freuen. Die 1963 in voller Blüte stehenden Toho
Studios geizten nicht mit Stars, erfahrenen Film-
und Spezialeffekt-Technikern und Budget – nur Zeit
ließ man den energetischen Trashfilmern nicht, und
so wurde der Film in beachtlich kurzen 4 Monaten
(allerdings unter Zuhilfenahme von diversen
Stockaufnahmen und Szenen aus anderen Actionfilmen)
heruntergekurbelt, um noch das Weihnachtsgeschäft
mit diesem besinnlichen Thema an der Kinokasse für
sich zu entscheiden. Mission erfolgreich!
Also dann: Nase zuhalten, Bauchklatscher ins
vollgepullerte Kinderbecken und den Sea-Monkeys mit
dem neusten tauchfähigen Phantasiespielzeug mal
gezeigt, zu welchen Höhenflügen und Tiefstabstürzen
reaktionäre Techno-Imperialisten mit reaktionärem
Weltbild im Stande sind, wenn man sie nur lässt.
J+N+A
19:00 MU ntere Plauderei
20:00 MU stergültige Tokio-Randale

12.06.2025
Liebe Alle,
nachdem Hr. Ritter aufs Vortrefflichste über
geschlagene drei Trashnites die Stellung (und
natürlich die Stimmung hoch) gehalten hat, muss
Eurer dieswöchentlicher Kurator sich erst wieder in
die Rolle finden.
Der beruhigende Hinweis, es sei keineswegs
verpflichtend, thematisch oder stilistisch nahtlos
anzuschließen an Gebotenes, entband allerdings nicht
von der Selbstverpflichtung, zumindest im
Schnelldurchlauf verpasstes nachzuholen, um so
entweder doch Inspiration zu erhaschen, oder
zumindest zu wissen, womit man der gemütlich und
jugendfrei wochenlang durch mystische Welten
geschunkelten Retro-Reisegruppe eine kalte Dusche
verpassen könne.
Aus nun nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen
war es ganz knapp davor, dass Euch eine Doku über
eine kalifornische Sexkommune (in VHS-Qualität*)
erwischt hätte, dann standen die Vorzeichen kurz auf
der vielleicht nervigsten und dämlichsten
Postapokalypsensexkomödie überhaupt, bevor das
Pendel in Richtung eines schwer fassbaren
Axtmörderinnen-Dramas schwang** – ABER da fiel uns
ein Titel in die Hände, der so manches Motiv der
letzten Aufführungen derart fort- bzw. in Grund und
Boden führt, dass es gar nicht anders geht als
weiterzumachen mit
- knallharter Wissenschaft gegen ungeahnte
Gefahren
- fernreisenden, ausgebufften Gefährten voller
aufgebuffter Gefährten
- Zivilisationen kurz vorm Abnippeln
- sehr viel Farbe
- Kontrollräumen, bei denen manch leidgeprüfter
Pappkartonfabrikant konjunktuelle Morgenluft
schnuppert
- Stussgeschwafel vom Feinsten
- Zeitschinderei vermittels zusammengeklauten
Sequenzen, heuer auf die Spitze getrieben
Willkommen also bei HORROR OF THE BLOOD MONSTERS,
verantwortet vom ebenso fleißigen wie niveaumäßig
skupellosen Al "Satan's Sadists“ Adamson, unter
Beteiligung von John „Papa von David“ Carradine. Wir
sehen zwar nicht die verlockend betitelt deutschen
Astro-Vampire – Todesmonster aus dem All aka
Invasion der blutrünstigen Bestien, aber wie wir
zuletzt doch immer wieder zugeben mussten: eine
Originalversion hat u.a. den Vorteil, dass man die
stupende Stupidität des Gesehenen nicht auf die
Synchro schieben kann.
I remember back in 1994 when I was in art school,
I was in the silkscreen studio and I put my
cassette tape of Slim Whitman in the ink spattered
boom box. As I started singing along with Indian
Love Call I realized I had finally crossed over
from listening ironically to this goofy crooner to
just plain loving him. It felt confusing at first
but I knew the day would come. I can feel such a
day approaching in regards to film. Already I
would rather watch Horror Of The Blood Monsters
twice than sit through Wonder Woman or John Wick
once. Horror Of The Blood Monsters is far less
predictable, and more visually interesting than
whatever Hollywood blockbuster lumbers onto the
screen next. I’m sinking deeper into the putrid
quicksand of bad cinema and it feels warm and
cozy.
Sinken wir mit!
F&J&A
* also keine Volkshochschul-Kommune, ihr wisst schon
– glücklicherweise haben wir es ja mit einem
Publikum zu tun, das noch präsent hat, dass es mal
„Kassetten“ mit „Bändern“ drin gab.
** nicht zu früh aufatmen – alles nur aufgeschoben.

19.06.2025
Liebes Cineastenrudel,
das wüste Vampir/SF/Urzeit-Mashup der letzten Woche,
das trotz der reißerischen Prämisse erstaunlich light
on Vampires war, kontern wir mit einem
Werwolf-Film, der zwar eine immense Zahl an
tatsächlichen Werwölfen auf die Leinwand bringt,
aber dank fragwürdiger Budget-Entscheidungen (oder
einfach durch schiere Inkonsequenz) gehörig in eine
verwirrende und hoch amüsante Schieflage gerät:
Sämtliche Werwolf-Darsteller straucheln und jaulen
in lausig modifizierten Affenkostümen, die
irrtümlich oder aus Gründen massiven Geizes
angeliefert wurden, umher und die Methoden, mit
denen Christel "Dracula der Weiße" Lee den
dauer-ralligen Furys zu Leibe rückt, ähneln
verdächtig dem klassischen
Van-Helsing-Anti-Vampir-Waffenarsenal. Und wo
stammen die Biester denn nun eigentlich her? Klar:
Transfuckingsylvanien, weil, warum nicht?
Schließlich haben wir den heiligen Christopherus
"Dracula jagt Mini-Mädchen" Lee am Set. (Ein Schelm,
der da behauptet, hier habe man nur ein
Vampirdrehbuch schlampig auf „Werwolf“
umgestrickt...)
Fernab der Grundstory des ersten Heulhundefilms
taumelt das Patchwork-Drehbuch also fröhlich
zwischen Dracula und
Werwolf-Furry-Softcore-Erotik-Flic umher,
Genrekonventionen werden munter in kleine Stückchen
gebissen und sorglos wieder irgendwie
zusammentackert, unterbezahlte aber hochmotivierte
Spezialeffekt-Techniker legen sich so richtig ins
Zeug und das ganze Gebräu wird schließlich mit
brachialem Achtziger-Soundtrack und -look
abgeschmackt äh abgeschmeckt. Wenig bis gar nichts
bleibt mehr vom koksig-kompetenten "The Howling"
(R.: Joe Dante) bzw. dem von J.D. als eher
mittelmäßig bezeichneten Roman übrig, und der freie
Fall der Serie (deren 7. Teil wir seinerzeit
goutieren durften, siehe TMN Playlist) tief in den
mit ekligem Zeugs angefüllten Direct-to-VHS / DVD
Morast, wurde mit zwei (wirklich toll
anzusehenden) Glocken eingeläutet.
Vampire, Werwölfe, Jacke, Hose, Schappiedose. Alles
geht unter im puren Rausch des Machens. Hier
regieren verspielt-verblödete Furry-Fetisch-Partys,
treiben sich unangenehme """Punker""" herum,
bestaunt man kleinwüchsige und großmäulige Over- und
Underactor und kann sich einfach nicht von Stirba
"Sybille Danning" Werwolfkönigin und ihren
Leder-Metallstreifen-Klamotten sowie zwei
imposanten, großzügig in Szene gesetzten (und gegen
Ende des Films nochmal aber so richtig abgefeierten)
Sekundärgeschlechtsorganen, satt sehen.
Zwischendrin statt nur dabei: Unser alter bekannter
Reb "YOR - Jäger der Zukunft" / "Space Mutiny" /
"Robowar" etc.pp.) Brown und Annie "True Stories"
McEnro, die achtzigern, dass es nur so eine Wonne
ist.
Gegeben wird
Howling 2: Stirba – Werewolf Bitch
aka Your Sister is a Werewolf
USA 1985
R.: Philippe Mora
19:00 Verbale Rudelbeisserei
20:00 Jaulworkshop mit Schuss und Stuss

26.06.2025
Allerwerteste,
was Herr van K. bei unserer letzten trauten Runde
messerscharf analysierte, erlauben wir uns so
zusammenzufassen: Die Trashnite sei kein banales
Vergnügungsformat – wenn man sich drauf einlasse,
gelte es durchzuziehen für den sich aufsummierenden
Erkenntnisgewinn. Das könne richtig Arbeit sein.
Oh ja.
In diesem Sinne stürzen wir noch einmal mittenrein
in das fast überwunden geglaubte Themenfeld der
über- und außerirdischen Entdeckungsreisen in
leidlich phallischen Vehikeln. Wer könnte uns daran
hindern, die letztwöchentliche „Vampire im falschen,
zu haarigen Körper“-Schnurre umzudeuten in einen
Alptraum, der schwerelosigkeitslose Astronauten auf
frühstücksbrettchenartigen Sitzgelegenheiten
heimgesucht hat? Bevor sie wieder aufwachen und
erneut rumhantieren müssen an blinkendem Sperrmüll,
auf dem Weg zu einem weiteren, praktischerweise
erdähnlichen Planeten? Genau das tun wir nämlich!
Heuer wird jener Film ausgebuddelt, der für HORROR
OF THE BLOOD MONSTERS raketenmäßige Sequenzen
geplündert wurde, und dabei können wir etwas
ungewöhnliches feststellen: man bediente sich nicht
aus einem „guten“ früheren Film, um mit soliden
Trickaufnahmen was neues Billiges aufzuwerten,
sondern die Quelle ist in diesem Fall womöglich
erbärmlicher als das Derivat, ach was: ist es auf
jeden Fall. Und alle, die BLOOD MONSTERS gesehen
haben wissen: das will was heißen.
THE WIZARD OF MARS katapultiert uns gradewegs in
stutzig machend bekannte Gefilde (samt
Frühstücksbrettchenmobiliar UND John Carradine),
verdeutlicht dabei aber auch eindringlich, warum man
es plötzlich als extrem gute Idee ansehen kann, dass
die Hälfte der Spielzeit der BLOOD MONSTERS mit
einem philippinischen Steinzeitfilm ausgepolstert
war, eben weil THE WIZARD das nicht tut. Was
man statt dessen geboten bekommt, das sollte man
schon in voller Länge (und vor allem Breite) gesehen
haben, wenn man den eingangs erläuterten
unerschrockenen Weiterbildungsanspruch hat. Wer
vielleicht dachte, dass Menschen, die vor schwarzen
Vorhängen in Mikrofone sprechen, als tragendes
Handlungsmotiv etwas dürftig seien, wird im WIZARD
belehrt: es gibt noch profundere Dürftigkeit zu
entdecken, ja gradezu weitere Dimensionen davon, und
zwar auf die harte Tour.
Dass THE WIZARD OF MARS als US-Sci-Fi-Produktion aus
dem Jahre 1965 voll im Korridor für „liebevolle
Neuabtastungen vom Originalnegativ“ und „Blu-Ray mit
Extras" liegt, all das aber nicht erfahren hat,
zeigt in etwa, wie man das Marktpotenzial selbst bei
gutmütigsten Sammlern und Komplettisten einschätzte:
gegen Null.
Ein Fall für uns.
F&J&A
ps.
Noch ein Wort zum Erkenntnisgewinn: Unsere
mittlerweile rund 680 durchgestandenen Titel
ermöglichen medienrezeptorische Querbezüge, die vor
uns niemand herstellen konnte. Etwa, dass im WIZARD
vermutlich in einem Ausmaß in Kostüme geschwitzt
wurde, wie es seit dem seligen ROBOT MONSTER
(Playlist 2009) niemand durchlitten hat (beide Male
in gleißender Sonne und staubig monotoner
Landschaft), wobei allerdings im ROBOT MONSTER das
Schwitzen in ein Affenkostüm erfolgte, das zur
Darstellung eines Außerirdischen herhalten musste,
im WIZARD hingegen sich Menschen im Außerirdischen
zu Affen machen, in BLOOD MONSTERS der Ursprung des
Vampirwesens ausserirdischen Ursprungs ist, während
in HOWLING 2 Affenkostüme zur Darstellung von
Werwölfen dienen, die eigentlich Vampire sind.
Bitte, gern geschehen.

03.07.2025
Liebe fashion-addicts,
willkommen zur Modeschau DDR 76.0!
Zu erlesenen Ost-Synthesizer-Klängen kredenzen wir
alles, was von A wie Alabasterkörper mit wenig oder
nichts am FKK-gestähltem Laibe bis Z wie „Zum
Kuckuck warum macht heute eigentlich niemand mehr so
farbenfrohes Plaste-und-Elaste-Modegewirke?“ reicht.
Ach, das dekadente Treiben auf einem Planeten, der
doch noch vor kurzem einen Hilferuf wegen
kapitalistischem Unterjochungsscheiß abgesendet hat,
aber plötzlich nichts mehr von der selbst
verbockten, anti-soziialistischen Menschen
Schinderei in Rumänischen äh planetarischen
Salzbergwerken wissen will? Genießen sie unsere
scheißegal-Mundwässerchen und schon gehen alle
ideologischen Problemchen schneller über Bord als
man „Real Feminismus ruled in Socialist-Space“ sagen
kann.
DDR kurz vor Star Wars, garantiert mit weniger
Raumschiffen und heißer Disco-Future-Mode in Fülle
und manchmal sogar ohne Hülle!
Genosse Neumanneumanneumann, übernehmen Sie!
J
———
Euch ist die Erkenntnis aus der Verhaltensforschung
vertraut: je mehr Personen beim Tauziehen in einer
Mann- bzw. Personenschaft sind, umso weniger
strengen sich die Einzelnen an.
So auch bei uns! Die spontane Idee, Euch mal wieder
mit einer Doppeleinladung zu verwöhnen hat den
umgehenden Effekt, dass der zweite Kurator in
maulfaule Faulenzerei verfällt, na fast zumindest.
Warum Doppeleinladung? Gedacht war sie, um in würdig
feierlicher Form den Abschluss unserer epischen
„unerschrockene Entdeckungsfernreisen in
Blechbüchsen und Pappkartons“-Serie zu begehen, zu
deren Anlass wir – wie von Herrn J anmoderiert –
einmal mehr eine untergegangene Zivilisation zur
Geltung kommen lassen. Statt Atlantiden und ähnlich
exotischem Kroppzeuch kommen allerdings unsere einst
nachbarschaftlich Kulturschaffenden von der DEFA zum
Zuge.
Wir werden – ganz unironisch – unseren Aluhut ziehen
können angesichts der liebevollen und kompetenten
Leistung in diversen filmischen Disziplinen, die man
in der letzten Zeit an den Rand der Implosion
getrottelt sah.
Fein schaut IM STAUB DER STERNE aus, und es weht
inhaltlich doch ein deutlich anderer Wind als bei
den „erst schießen, dann schlagen“ Kollegen aus
Fernost und Wildwest. Feingeister mögen gar eine
irritierende Lakonie konstatieren, zu deren
untergründigen Motiven man wohlfeil spekulieren kann
und die Rätsel aufgibt, wie ein derart
illusionsloses Herumwurschteln in der Zukunft Gnade
vor verantwortlichen Stellen fand.
Zwecks weltanschaulicher Stabilisierung zeigen wir
in einem kleinen Vorfilm eine ebenfalls
DEFA-produzierte, schonungslose Analyse westlich
dekadenter Weltraumgewaltpropaganda.
F
———
*mir-schwant-was-Blick*
A
———
(Vorfilm: DIE WELT DER GESPENSTER, DEFA 1972)

10.07.2025
Und nun zu etwas ganz Anderem.
Wir haben das pangalaktische Reisethema ja bereits
mehrfach abmoderiert und zuletzt DEFA sei Dank einen
Höhepunkt erlebt, der förmlich nach einer gepflegten
„Sportzigarette danach“ ruft. Solchermaßen
entspannt, scheinen vor uns die Weiten filmischer
Genres auf.
Was nun alles möglich ist! Was nun alles ginge!
Und kaum haben wir uns für einen kompletten
Kurswechsel entschieden, taucht der Verdacht auf,
dass geschulte Geister doch nicht umhinkommen
werden, auch im nächsten Beitrag Kontinuitäten zu
erkennen, wo man keine ahnte.
Nehmen wir zum Beispiel: Höhepunkte.
SEXY NIGHT REPORT No. 2 aka PORNO NIGHTS OF
THE WORLD bietet so einige, oder zumindest was man
dafür gelten machen möchte. Allerdings: von
kosmischen Sphären stürzen wir hart ab in den Mondo-Sumpf,
wo uns als Reiseverführererin nicht (wie im von uns
noch ungesichteten ersten Teil) Laura „Emanuelle“
Gemser erwartet, sondern Ajita „Black Emanuelle“
Wilson im hüstel gemischten* Doppel mit Marina „Die
Bestie aus dem Weltraum / Sexorgien im
Satansschloss / Dr. Porno und sein Satanszombie“
Hedman.
Eigentlich sind wir also doch wieder beim Bestaunen
fremder Kulturen, wobei für die Reisen dorthin statt
Raketen diesmal ein Stockflugzeug genügen muss, mit
dem unsere gute Ajita in bestem
Kesse-Stewardessen-Style von einem Sündenpfuhl zum
nächsten jettet.
Auch das letzthin bestaunte frankensteineske
Zusammenpuzzeln aus mehreren Filmen bzw. Händen wird
hier munter betrieben, wobei ein sehr fachkundiger
Kollege im Netz eine Ratio schätzte:
- 35% Material von Erwin C. „In 80 Betten um
die Welt“ Dietrich,
- 50% Joe „Nackt unter Kannibalen“
D’Amato,
- 10 % Bruno „Hölle der lebenden Toten“
Mattei und
- 5% Jess „Vampyros Lesbos“ Franco.
Die These bezog sich zwar auf den ersten Teil, aber
seid versichert: das Patchworkmuster und die
Quellenqualität sind vergleichbar. Wobei uns im
zweiten Teil, soweit wir bei der Sichtung erkennen
konnten, ganz Mondo-untypisch Grausamkeiten an
Tieren erspart bleiben. Naja, weitestgehend, bzw.
kommt drauf an, was man als Grausamkeit definiert.
Ihr werdet schon sehen.
Zusätzlich challengen wir Euch durch Aufführung der
italienischen Originalfassung, zu wir Untertitel
aufzutreiben zu faul waren. Das epische, sicher sehr
informative Gequatsche der Protagonistinnen wird
sich somit den Meisten von uns nicht erschließen,
aber hier gilt allemal: Bilder sagen mehr als
tausend Synchronfassungen – eine deutsche Version
gab es nur vom ersten Teil, und jener „Emanuelle
- Sinnlichkeit hat tausend Namen“ war um ein
paar würzige Minuten gekürzt. Nicht mit uns.
* Allen, die abwinken weil wir schon wieder ollen
Stuss von 1978 zeigen sei der Hinweis gegeben, dass
seinerzeit in einem Film, in dem es quasi nur um
Sexploitation geht, die Transsexualität der
Hauptdarstellerin überhaupt kein Thema war.
Bemerkenswert cool.
Also denne: „neumannneumannneumann“ auf den Shortkey
gelegt und Film ab!
F&J&A

17.07.2025
Liebe Liebenden, sehr verhasste Hassende (und wie
immer herzlich egal: Neutralist:innen!):
Nachdem Neumanneumanneumann den
semi-cineastisch-futuristischen Kahn TMN in
schlammiges, wild um sich fetischisierendes,
außerordentlich undurchsichtiges und, dank bewusstem
Verzicht auf Untertitel, die Kurator A. freundlicher
Weise nachträglich extrahierte und dem
interessierten Publikum auf Anfrage zur gerne
Verfügung stellt, vergleichsweise unverständliches
Fahrwasser manövriert hat (inklusive mäßig
talentierter Peitschenschwinger:innen und
irritierend eindrucksvoller Pferdegenitalien - kommt
daher die Umschreibung: Gen Italien
aufbrechen? Hoffentlich nicht!), gilt es nun, die
Kessel gehörig unter Dampf zu setzen und geradewegs
den nächsten Genre-Eisberg anzusteuern. Was kann
jetzt bitteschön noch schiefer gehen?
Eben.
Die (einzige) Gute Nachricht zuerst: Keine
tanzende Katze weit und breit!
Aber tanzende „Cool Cats“, angetan in den
achtzigerigsten Achtzigerklamotten der achtziger
Jahre, die die bange Frage in den Raum stellen, ob
wirklich auch nur ein einziger Teenager diese
Fassungslosigkeit und Ehrfurcht einflößende, wilde
Mischung aus quietsche-bunten Leibchen, abstrusen
halbfetisch-Klamotten, Federschmuckohrringen und
garstigen Kopftüchern und viel zu vielem mehr,
„cool“ fand?
Nun, wenn diese ästhetisch-popkulturelle Problematik
irgendwem offensichtlich schnurzpiepegal war, dann
unseren wohlbekannten, notorischen Brüdern und TMN
Dauergästen Menahem Golan und Yoram Globus, unter
deren Fittichen Regisseur Joel „Prison Heat“ Silberg
mal eben rasch zum damaligen Trend-Thema Breakdance
einen Low Budget Blockbuster namens „Breakin'“
rausrotzte, der trotz des extrem banalen Plots
(Poshes Girl entdeckt ihre Liebe zur wilden,
Freiheit und schicke Off-Prêt-à-Porter Klamotten
verheißende Breakdance-Subkultur und irgend ein
eindimensionaler Big Money Bube hat das Nachsehen)
ein Überraschungshit wurde. Das Cannon-Power-Duo
verschwendete keine Zeit und lies Sam „Cyborg Cop“
Firstenberg in Rekordzeit von 7 Monaten eine
Fortsetzung herunter kurbeln, die dann auch noch im
gleichen Jahr über die Kinoleinwände flimmerte.
Breakin' 2: Electric Boogaloo
USA 1984
Regie: Sam Firstenberg
Kurzentschlossene Skrupellosigkeit und
Weißpulver-befeuerte Geldgier blieben nicht
unbelohnt: Zwar spielte der Film nur die Hälfte
seines Vorgängers, aber dennoch das dreifache seines
Budgets ein. Mäßig verlässlichen Quellen zufolge
habe das Erstellen des Drehbuchs etwa 3 Tage
gedauert – wir tippen auf maximal drei Minuten.
(„Story“: Die Mädels und Buben aus Teil eins machen
praktisch das Gleiche wie 7 Monate zuvor, der reiche
Arsch ist diesmal ein Baumogul, der ein grotesk
gebautes und von noch groteskeren, bestens gelaunten
Freaks und Pantomimen (SCHWERE
TRIGGERWARNUNG!!!) bevölkertes „Community-Center“ in
irgendwas kapitalistisch-Seelenloses umbauen will,
ansonsten werden alle, und ich sage: ALLE
Problemchen und Probleme inklusive komplizierter
Knochenbrüche und sozialen Spannungen im „Hood“
durch, na klar, ein bis zweihundert Tänzchen,
gelöst…)
Das klingt alles erst mal verdächtig nach
Musical-Gedöns, und die Cats-traumatisierte
Zuschauerschaft stöhnt wahrscheinlich „nicht schon
wieder!“.
Aber die seelenzersetzende Banalität des Plots, die
miserablen, durch und durch idiotisch gestylten und
gekleideten Schauspieler:innen nebst dem Umstand,
dass wirklich ab etwa Minute 10 nahezu
ununterbrochen irgendwer das Tanzbein schwingt, und
das in immer weiter eskalierenden, mitunter die
Grenzen zum psychedelisch-verstörendem beherzt
überschreitenden, energetischen und durchaus
kompetent gehandhabten Choreographien, angereichert
mit beachtlicher Tricktechnik, erzeugen einen
seltsamen Sog, der – Achtung, Kurator A. – dem
schwindelerregenden, linearen-kinetischen Mad Max
Fury Road Exzess nicht völlig wesensfremd ist.
Ach, gar herzallerliebst finden wir auch hier
zwischen den Neon- und Pastell-betuchten
Halbnackedeis und Leder-Breakdancer-innen diverse
Anknüpfungspunkte zum letzten TMN-Schicksalsschl...
äh Film:
Unüberzeugend Fetisch-Klamotten von A nach Omega
tragende, hart tuende Zeitgenoss:innen?
Check.
Verwirrende, nicht nur die Protagonisten sichtlich
überfordernde Ausflüge in alternative Lifestyles und
Beziehungsgeflechte, die einfach so hingenommen und
überraschend gut gelaunt via Tanz und Breakerei
egalisiert und zum modernen Community-Dingens
gemacht werden?
Check.
Bizarro-Partys, Gender-bender-dies-und-das und
„fetzige“ Mukke?
Doppelcheck.
Das seltsame Gefühl, in eine Art Parallelwelt
geschubst zu werden, die in ihrer ganzen
abstrakt-idiotischen Naivität trotzdem überraschend
positive Kernbotschaften mehr recht als schlecht
vermittelt?
Trippel-Check.
WTF-Charm?
(*tief Lufthol*)
Alle Checks!
Na dann mal los, Sam, Yoram und Melahem! Make our
evening!
19:00 paralysierte Plauderei vor leuchtenden
Rechtecken
20:00 Zielführende Zappelei im grellbunten
Welt-Würfel
J+F+A
PS.: Den aufmerksamen TMNlern ist wahrscheinlich
nicht entgangen, dass Kurator J, mit der Auswahl des
heutigen Filmes betraut, eine spontane Programmidee,
die ihm nach Sichtung des letztwöchigen Spektakels
durch den reichlich angeschlagenen Kopf schoss, mit
einem all zu hämischen Auflachen quittierte, dass
böses schwanen und erahnen lies. Nun, nach einer
angemessenen Ausnüchterungsphase legte er den
diabolischen Plan, „Lambada“ (aus der Schmiede des
Herren Yoram Globus), oder bzw. UND „Der Verbotene
Tanz“ (wiederum solo von Herrn Menahem Golan
verbrochen und am selben Tag wie de Lambaada
uraufgeführt!) zu kredenzen, erst mal auf Eis. Diese
Filme sind zwar mit Sicherheit sowohl aus
cineastisch-unästhetischen als auch
produktionspolitischen Gründen einen Blick wert,
eine kurze Sichtung dieser Tanzfilmgurken zeigte
aber, dass eher öde, betulichere Szenen diese
Machwerke dominieren und der vorliegende Film
weitaus mehr Schauwert bietet.
You doged one, liebe Peoples.
Aber dennoch: Denke ich an den Pantomimen in
„Breakin' 2“, gurgelt schon wieder eine diabolische
Freude in mir hoch :-)
PS2: Anmerkung zur Sache: Der Titelzusatz „Electric
Boogaloo“, eigentlich die Bezeichnung eines
Tanzstils*, wurde zu einem sog.
„Snowclone*“-Begriff, der bis zum Heutigen Tag als
Suffix auf die besondere Grottigkeit einer
„Fortsetzung“, nicht nur im Filmischen, verweist.
Näheres dazu hier:
*https://en.wikipedia.org/wiki/Snowclone
**https://en.wikipedia.org/wiki/Electric_boogaloo_(dance)

24.07.2025
Damit eins gleich mal klar ist: Musikfilm! Fast zwei
Stunden!
So. Damit haben wir schon mal alle zarten Hoffnungen
pulverisiert, die letztwöchentliche „80er Jugend
beim rhythmischen Rumzappeln“-Pein sei einmaliger
Ausrutscher gewesen, und es ginge mit richtigen
Filmen weiter. Was ja bei uns auch nicht frei von
Risiken und Nebenwirkungen wäre.
Wie auch immer – nun steht uns der interessante Fall
bevor, dass Vorgänger und Nachfolger große
Ähnlichkeiten aufweisen, aber trotzdem grundverschieden
sind.
Pauschalisierungen
BREAKIN 2 stammte von 1984 und tat so, als ob die
Lebensrealität der Jugend damals aus nichts als
Aufbrezeln, Arschwackeln zu schlechter Musik,
Dummlabern, läppischen Witzchen und
pseudokonstruktivem „Widerstand" (gegen
Immobilienspekulanten) bestanden hätte, während BURST
CITY von 1982 den jungen Leuten samt und
sonders Verranzen, Fäusteschütteln zu schlechter
Musik, Rumschreien, Hass und nihilistischen
Destruktionswillen (bezüglich allem) zuschreibt.
Stimmt nur eines? Oder beides? Oder nichts? Wir
stellen für die Diskussion kostenfrei echte
Boomer-Zeitzeugen zur Verfügung, wenn auch weder
amerikanische noch japanische.
Hyperaktivität
Keine Sekunde konnten die affigen „Breakdancer“
stillhalten, und genauso gehts den affigen
„Punkern“.
Tanz
Die einen wünschten sich nichts sehnlicher, als
jederzeit so richtig durchchoreografiert zu wirken,
die anderen würden lieber sterben, als in den
Verdacht eines einstudierten Moves zu geraten. Man
schlage beides nach unter Hybris.
Coolness
Während man in BREAKIN 2 versuchte „cool“ zu sein,
indem man sich möglichst „cool“ verhielt, ist es in
BURST CITY „cool“, sich möglichst „uncool“ zu
verhalten.
Nieten
Epidemisch in beiden Filmen, sowohl an wie in
Kleidung.
Fummel
Die einen meinten sich durch überkanditelte
Gewandung vorteilhaft zu präsentieren, den anderen
soll man glauben, das genaue Gegenteil zu wollen –
scheitern tun sie alle.
Extras
Da schauspielerische Qualität aus beiden Besetzungen
allenfalls tropfenweise zu gewinnen war, entschloss
man sich hier wie dort, durch Quantität zu
kompensieren und die Leinwand mit allerlei Gesocks
zu fluten, das vermutlich auch noch angehalten war
sich selbst um Outfits, Makeup, Frisuren und
Drogencatering zu kümmern. Erfolgreich? Wie mans
nimmt.
Musik
Schlimm vs. anders schlimm.
Baddies
In BREAKIN 2 trug die schuftige Gang Leder und
dunkle Sonnenbrillen, in BURST CITY tun es alle.
Entsprechend unübersichtlich ist das Ganze geraten.
MAD MAX Faktor
Meinte Hr. Ritter noch, durch die unerschrockene
Anwendung von Assoziationsverstärkern in BREAKIN 2
einen gewissen hynotischen FURY ROAD Sog
channeln zu können, müssen wir in BURST CITY nicht
lange nach Möchtegernwarboys suchen. Wär ihnen doch
nur schon das mit der Spraydose eingefallen – es
hätte uns manch kariösen Anblick erspart.
Es gäbe noch so einiges zu Pitchen, etwa inszenatorische
Selbstüberschätzung, prätenziöse „Botschaften“,
die Schnittqualität, musikalische Halbprominenz,
und die epische Nervigkeit, aber all dem
widmen wir uns live.
Statt dessen sei Eure schwindende
Aufmerksamkeitsspanne noch rasch genutzt für den
Hinweis, dass der Regisseur Gakuryū Ishii mit dem
vorliegenden Werk einerseits den hyperkinetischen
Cyber-Dystopie/Hysterie-Trend a la TETSUO
vorbereitete, andererseits seine Karriere in schwere
Fahrwasser steuerte. Die Kreise, in denen er sich
bewegte und ankam waren notorisch klamm
(Anti-Establishment halt) und andere hatten wenig
Lust, in solch siffigen Krawall zu investieren.
Immerhin konnte Hr. Ishii später u.a. noch den
mental verwandten ELECTRIC DRAGON 80.000 V
realisieren, den wir uns bereits im seligen Jahr
2003 gönnten.
ONE TWO THREE GO
F&J&A

31.07.2025
Sehr verehrte TMNGangmitglieder:
Nachdem wir letzte Woche dem aufmüpfig-destruktiven
Treiben von verschieden thematisch putzig
aufgestellten Schreihälsebands aus Japan zuschauen
durften und sich als neues Subthema grade
„verwirrte, selbstbewusst sich die ein oder andere
Art und Weise sich zum Löffel machende Jugendliche
mit Hang zur Bandenbildung und mächtig (A-)Rhythmus“
im teils überaus großzügig verteiltem Eigenblut,
herauskristallisiert, wollen wir den Faden flugs
aufnehmen und mit
Hey Good Lookin'
USA 1973-75, erschienen erst 1982 (!)
R.: Ralph „Fritz the Cat / Herr der Ringe“ Bakshi
mal schauen, ob der gebürtige Palästinenser (Geb.
1938 in Haifa, damals noch Palästina unter
britischem Mandat, heute Israel), der 1939 in die
USA, spezifischer: nach Brooklyn emigrierte und dort
in seiner Kindheit und Jugend in den 50ern so manche
Straßenschlacht und Rüpelei zwischen den in sozial
hoch prekären Zusammenhängen vor sich hin vegi- und
delirierenden Fraktionen der Latinos und Latinas,
der Schwarzen, der Italiener - und eigentlich all
derer, die nach dem Sprung über den großen Teich
nicht so recht im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten Fuß zu fassen vermochten, am eigenen
Leibe miterlebte. Ralphies Familie, weiß Gott auch
nicht mit Reichtum gesegnet, zog 1947 nach
Washington, D.C. in das Viertel Foggy Bottom.
"All my friends were black, everyone we did
business with was black, the school across the
street was black. It was segregated, so everything
was black. I went to see black movies; black girls
sat on my lap. I went to black parties. I was
another black kid on the block. No problem!"
Dies sei hier ausdrücklich erwähnt, muten Bakshis
Filme (und speziell „Hey, Good Lookin'“) aus
heutiger Sicht wie ein unfassbarer Müllhaufen aus
rassistischen Personendarstellungen,
hypersexistischem Stuss und, nun ja, auch immens
antisemitisch wirkenden Elementen, an (vom
psychedelisch verklärten, antisozialen Verhalten
SÄMTLICHER Protagonist:innen ganz zu schweigen), was
den wirklich redlichen Bemühungen des zappeligen
Undergroundfilmers und „Erwachsenen-Trickfilm“
Pioniers, die 50er Jahre zu zeigen, „...wie sie
wirklich waren“, im Wege stehen mag.
Nun, der Film (ursprünglich als Mischung aus Real-
und Trickfilmszenen konzipiert, unter Anderem hätten
in einer besseren Welt die wunderbaren New York
Dolls mit den übrigens zwei Schulkameraden von
Bakshi nachempfundenen
Trickfilm-Knalldeppen-Haupfiguren die Leinwand
geteilt...) war denn auch ein Flop an den
Kinokassen, kam im Vergleich zu anderen Filmen
Ralphies eher mittelmäßig bis miserabel animiert
daher und fand an den Kinokassen und auch sonst kaum
Anklang – außer beim notorischen Quentin Trappatoni
(sic bzw. sick), der ihn als '...besser als Mean
Streets' von Scorcese bezeichnete.
Erst in den späten Achtzigern schaffte es ein eher
europäisch-kontinentales Publikum, sich den Streifen
irgendwie zum Kultfilm hochzukoksen.
Ach, über Bakshi, seine seltsame Art, Filme zu
gestalten (und überhaupt Ralph Bakshi zu sein) ,
sowie die irritierende Wirkung gut gemeinter
Underground-Produkte, die mit so viel Herz und
Energie derart vollstoff gegen alle Wände knallen,
könnte seitenweise geschrieben und stundenlang
disputiert werden.
Machen wir aber nicht, zumal Kurator
Neumanneumanneumann diesmal nicht zugegen ist, viele
Regulars im Urlaub oder am umgekippten Baggersee
rumhängen und ich entschieden zu faul bin, hier
flapsig Wikipedia zu zitieren (!) und einschlägige
Trickfilm- und Underground-Webseiten wiederzukäuen.
Na denne, Jets oder Sharks oder Warriors oder
Schwarze Schlümpfe, wie auch immer: jetzt wird die
Pomade vom Kamm gelutscht und irgendwas mit Psychose
reingebuttert und dieses schräglagige, konfus
erinnerte Zeitdokument‚ reingepfiffen.
Triggerwarnung diesmal: Hart an der Grenze zur
Unverschämtheit schrammende Frauenbilder,
““““Humor“““““ und (nachweislich NICHT rassistisch
GEMEINTE) fragwürdige Darstellung unterschiedlicher
Ethnien.
Wir sagens ja nur.
J+A+F

07.08.2025
Werte Rasselbande,
klar kann man einen Film über Rockertypen machen, in
dem quasi keine Motorräder vorkommen – der
letztwöchentliche Beitrag soll als Beleg genügen. Warum
man das aber tun sollte, wenn doch schmieriges Haar
und ölende Kolben, röhrende Motoren und Grölerei,
Todestrieb und „Fahren unter Einfluss“ so stimmig
zusammengehen, das erschloss sich weder den Machern
der bisher von uns gesichteten Bikerstreifen, noch
Michel Levesque.
Jener zeichnet verantwortlich für WEREWOLVES ON
WHEELS, der bemerkenswert polarisierende
Reaktionen auslöste. Für die einen ist das alles ein
konfuses, schlecht gespieltes Durcheinander mit zu
wenig Werwölfen, für andere zumindest als früher
Vorläufer von Doku-Trash-TV interessant (echte Biker
beim Echte-Biker-Dinge-Tun), noch mal andere
bekommen sich gar nicht mehr ein:
Stimme A (Auszug):
THIS IS IT.
THE UNHOLY GRAIL.
holy lord this blew my mind. (…) this is the
death of the hippie dream! this is the collapse of
brotherhood and free love into bestial
disintegration. this is acid burn eating away your
literal body. this is Satan laughing with his
wings spread. this is fuzz tone so garbled it
becomes a black magick highway tunnel from which
there is NO ESCAPE, NO WAY OUT, YOU WILL NEVER
FIND, just turn off your mind. psych & scuzz
damage that makes you not care how greasy your
hair is or whether you die.
Stimme B (Auszug):
Ok, lets get this straight: 'Werewolves On
Wheels' is seriously one of the best movies ever
made. It plays like a highlight reel or trailer of
a scuzzed-out, acid-damaged, bikers vs. satanists,
heavy werewolf curse movie from 1971 ideally would
play, and does so for the entirety of its
run-time. It is literally a miracle, a dark,
dirt-encrusted, filthy, heavy-trip of an inverted
miracle of a movie. The soundtrack is tribal,
heavy, sick, fuzzed-out and clattery. It is a pile
of rusty noise. (…) For those expecting something
campy or ridiculous, be forewarned: this is the
real deal, and it is coming for you, taking no
prisoners, leaving no wounded. Full marks. One of
the great achievements in Seventies Satanic Biker
Horror. Not remotely kidding. I don't give a rats
ass about 'Easy Rider'. This is the bomb. The bomb
is LSD, and it is furry inside and out, dripping
blood and wax and howling.
Für alle, die bisher niedriger dosiert durchs Leben
gekommen sind als jene Fanboys, mag sich die Magie
vielleicht nicht ganz so unmittelbar offenbaren,
aber aufmerken lässt dann doch, dass Monsieur
Levesque zwar nur in zwei Filmen Regie führte, aber
bereits vier Jahre zuvor, also 1967, Set Designer
beim soliden THE TRIP war (TMN Playlist 2005) und
danach noch Art Direction oder Production Design
verantwortete von (nach unseren Maßstäben)
respektablem Zeuch wie CANNONBALL, ILSA -
HAREMSWÄCHTERIN DES ÖLSCHEICHS, DER LANGE TOD DES
STUNTMAN CAMERON, THE INCREDIBLE MELTING MAN sowie
gleich mehreren Russ Meyer Filmen. Ist ja nicht
nichts! Und von dieser Warte aus betrachtet ist das
haarige Treiben womöglich absichtsvoller inszeniert,
als es auf den ersten Blick wirken mag.
Gentlemen, start your engines!
F&J&A

14.08.2025
Liebe Sportsfreundinnen und Sportsfreunde,
wie wir letzte Woche (gegeben wurden Werewolf
Bikers) hinreichend geklärt haben dürften: Der
Teufel steckt nicht nur im Detail – sondern auch im
militärisch-hierarchisch geprägten Umfeld, das eben
nutzlose Radaubrüder wie unsere Bikergang oder
überbordend-fanatische Wirrköpfe wie die
Satanistentruppe gebiert und herzlos (aber zu
unserem Vergnügen) in den Entertainment-Ring wirft.
Ist also das Militär und verschrobene
Glaubensvorstellung, im weitesten Sinne also: Die
Kirche, Wurzel allen Übels?
Fast.
Eine wichtige Komponente haben wir bisher nicht
untersuchen können: Die Rolle des Fußballsports als
verbindendes Glied (und direktes EinfallsTOOOOR in
die Hölle).
Nun, wir sind ja nicht zum Unvergnügen hier und
dribbeln in das Jahr 1981: Die „Satanic Panic“ Welle
ebbt langsam ab und ein gewisser Herr Eric Weston
arbeitet sich mutmaßlich an seinen traumatischen
Erfahrungen auf der Militärakademie ab (pure
Spekulation – aber ihr werdet sehen, warum das recht
wahrscheinlich ist...), als er auf die famose Idee
kommt, ein Carrie – des Satans jüngste Tochter –
meets – Military Academy gone evil – meets – Die
Rückkehr der reitenden Leichen – meets
Computerquatsch-Schote zusammen zu delirieren, in
der ein bedauernswerter Sonderling alles, wirklich
ALLES unternimmt, um in einer Fußballmannschaft
unterzukommen und von seinen garstigen Mitstudenten
NICHTS, wirklich gar nichts, geschenkt bekommt. Noch
ein wenig Splatter und Gore und ein paar
Schweinereien (nope, keine Neumanneumanneumann
Sachen, the real deal ;-) ) in die wüste Rachestory
gemischt und schnell dem abfahrenden Trend-Zug
hinterhergeworfen, fertig ist
EVILSPEAK
USA 1981
R.: Eric Weston
Clint (der kleine Bruder von Ron) Howard spielt den
unsportlichen, eigentlich recht sympathischen
Sportsfreund und Early Access-Prompter Copperdick,
Western-Veteran Robert „Pat Garret and Willy the
Kid“ Armstrong tut mit und Produzent Sylvio
„Beastmaster 1-3“ Tabet sorgt dafür, dass das Niveau
stabil in unterhaltsamen Trash-Tiefen verweilt.
Let`s watch.
J+F+A

21.08.2025
Liebe Gemeinde,
eh man sich's versieht, findet man sich auf einer
neuen inhaltlichen Route wieder, so wie wir derzeit:
dem Highway To Hell!
Mit adrenalinbefeuertem Tempo sind wir vorbeigerast
an okkulten Kulten, mutierenden Bikern,
fluchbeladenen Schwarten, sackgewandeten Satanisten
sowie höllischen Computergrafken; und dabei manches
mal an der Qualitätsleitplanke entlanggeschrammt,
dass nur so die Funken flogen.
Recht naheliegend also, nun einen MESSIAH OF
EVIL ranzulassen. Klingt nach amtlichem
Schund, und sollte man sich schon darauf hinfreuen,
irgendeinem overactenden Dulli bei nicht ganz
jugendfreien Ritualen zuzugucken – dann könnte man
vom Bevorstehenden ganz unerwartet eine in die
Fresse bekommen.
Wir entscheiden uns diesmal, keine weiteren
Informationen zu geben UND inständig zu bitten, die
Finger vom Internet zu lassen, das natürlich
allerlei Trailer und Informationen bereithält, aber
damit auch ein gerüttelt Maß an profanem
Scheinwissen. Einmal mehr gilt: Die Landkarte ist
nicht der Kontinent.
Tut Euch also selbst den Gefallen, diesmal
recherchemäßig unvorbereitet in den Filmabend zu
starten, ganz so, also ob Euch jemand überredet hat,
eine Spätvorstellung von RETURN OF THE LIVING DEAD
zu besuchen – in der dann aus Versehen der falsche
Film gezeigt wird.
Nur soviel vorab: Zu wissen, dass das regieführende
Paar parallel am Drehbuch von AMERICAN GRAFFITI und
später INDIANA JONES (mit)gearbeitet hat, von
Schorsch Lucas als STAR WARS-Scriptfixer angeheuert
wurde und HOWARD THE DUCK gedreht hat – das führt
auf eine ziemlich falsche Spur. Eine ziemlich
ziemlich falsche.
See you!
F&J&A

28.08.2025
Sehr geehrte Cineastenhöllenhunde und -hündinnen,
nach dem bild- und darstellungsgewaltigen „Howard
the Duck Prequel“ der letzten Veranstaltung tut ein
wenig Kontext Not.
- Zwar war der jüngst zu bestaunende „Messias
des Bösen“ weniger ein Antichrist oder Satan
christlicher Leseart denn ein Amalgam aus
verschiedenen phantastisch-fiktiven
Darstellungen übernatürlicher, erzböser
Zeitgenoss:innen (*hustLovecrafthust*), Tatsache
aber ist, dass unser aktuelles (sub-)Thema
„Fragwürdige außergesellschaftliche
Lebensentwürfe (bzw. -auswürfe), Quatschkulte
und Popsatanismus“ das Interesse an Kontext und
Realitätsbezug dieser während der „Satanic
Panic“ zur vollen Blüte gelangenden Filme
geweckt haben dürfte.
- Der Ruf in der Zuschauerschaft nach obskuren
Dokumentarfilmen ist deutlicher zu vernehmen als
satanische Botschaften, die rückwärts
abgespielt, vielleicht, vielleicht auch nicht,
so manchen populärmusikalischen Tonträger
geziert haben mögen. (Weiterführendes Material,
a.K.a. „Rippsche mit Kraut“
https://www.youtube.com/watch?v=B73CNcfw1oc )
- Low-Budget-Dokumentationen bieten in ihrer
Zeitkapselhaftigkeit ein gar prächtig zu
beackerndes Feld mit hohem
Informations-Staun-Wunder- und
Fremdschämpotential. Das mag mitunter etwas zäh
und argumentativ ungewohnt, eben schwergängig
und nicht ohne Mühe und aktive Beteiligung der
Zuschauer:innen daher kommen, dafür wird der
betrachtende Mensch aber eine reichhaltige Ernte
kurioser, ungesehener oder vergessener Bilder,
bizarrer Personen, eigentümlicher Einblicke in
zum Teil völlig verschwundene gesellschaftliche
Zusammenhänge und kreuzdebiler „Rituale“,
einfahren können. Geile Klamotten und toll aus
der Zeit gefallene Orte Inklusive!
Bildungsauftrag TMN!
- Erst- und Letztlingsfilmer Ray Laurents,
dessen Dokumentation „Satanis: The Devil's
Mass“ (USA 1970) wir uns diesmal zu Gemüte
führen, war beileibe kein unfleissiger
Film- und Fernseh-Editor (Sports Bloopers, The
Henry Miller Odyssey). Rätseln wir gemeinsam,
warum ausgerechnet eine Dokumentation über die
„Church of Satan“ der erste und einzige Film
bleiben sollte, für den sich Ray in den
Regiestuhl wuchtete.
- Geschenkt, denn sein unausgewogenes,
holperiges Werk bietet uns bizarre Rituale, die
einmal mehr beweisen, dass Messen JEDER Art
naturgegeben stinkelangweilig und beknackt sein
können (trotz Blut und viel nackter Haut!), ebenso
bizarrer Wortbeiträge von gläubigen Christen,
verballerten Eso-Hippies, ahnungslosen
Normalo-Menschen, einer irgendwie sympathischen
Hexe und sogar dem Gründer der CoS
höchstpersönlich, und da wollen wir mal nicht so
sein! Das gabs halt nur einmal, das kam so nicht
wieder.
- TMN-Zeitersparnis-Service: Immerhin muss
Mensch nicht wie unter dem Einfluss einer
fremden Macht durch das Internet streifen, um
sich sämtliche weiteren Filme des Regisseurs
rein zu glotzen, weils halt nix gibt! Ist doch
prima! Mit der gesparten Zeit kann Mensch dann
verfahren, wie Mensch will!. Mal 'ne eigene
Kirche basteln? Irgendwas mit Ziegen, Katzen und
Kreuzen improvisieren? Exorzist im 3.
Bildungsweg werden? Dafür ist nun ausreichend
Zeit, dank eurer TMN! Nichts zu Danken :-)
J+F+A

04.09.2025
Hochverehrtes Publikum,
für all jene, die in den letzten Wochen nicht bei
der Sache waren – oder deren Aufmerksamkeitsspanne
aus welchen Gründen auch immer strapaziert ist –
eine kleine Hilfestellung: wir haben uns in einen
zusehends schmaler werdenden Tunnel aus
Satanismusbezügen manövriert, zuletzt gar verengt
auf dokumentarische Wiedergabe des (doch eher
unbeholfen zu nennenden) Treibens in der vielleicht
kleinsten Teufelskultschaltzentrale Kaliforniens.
Daraus ergäbe sich gradezu zwingend ein Folgefilm,
der mit einer überwältigenden Anzahl von
Anknüpfungspunkten aufwarten kann: Kalifornien, 70er
Jahre, Doku, „Treiben“, schwer verständlichem
epischem Gequatsche, eigenwilliger Weltanschauung,
Belehrungs- und Missionierungstendenzen, guter Laune
trotz befremdeter Reaktionen der
Mehrheitsgesellschaft, manch ästhetisch
randständigem Schmuddelmoment – und dabei dem
konterkarienden Sahnehäubchen, dass die
Portraitierten nicht mit der Hölle kokettieren,
sondern sich quasi im Himmel wähnen.
Jedoch ...
… haben wir nicht ganz vergessen, dass uns während
der Satanistendoku etwa drei Zuschauer/innen
verlustig gingen, mithin die knappe Hälfte unseres
Publikums. Rechnet man noch die Vermeidungstaktiken
von Herrn W. hinzu, der sich mit allerlei
Gastgeberfreundlichkeiten (Mixen von White Russians,
Mikrowellieren von Cheese-Tacos) und „Austreten“
unterschiedlicher Art (das nur teilweise durch das
Experimentieren mit einer neuen Darreichungsform
psychoaktiver Substanzen zu erklären war) recht
erfolgreich aus der Affaire ziehen konnte, so
bilanzieren wir: Man floh in Scharen. Wohl nicht vor
schröcklichen Szenen, eher vor schwammig
anzusehender Langatmigkeit. Und davon hätte der –
ausweislich genannter Kriterien eigentlich bestens
geeignete – SANDSTONE dermaßen viel zu bieten, dass
ein sonst kursstabiler Kurator Euch gegenüber einen
Anflug von Milde walten lässt.
Wir lösen die Widersprüche mit dem Einführen eines
neuen Formats, dem TMN DEEP DIVE, bei dem annähernd
unguckbare Titel zur individuellen Sichtung
freigeben werden. Wer SANDSTONE (ohne Zappen!)
durchsitzt, erwirbt nicht nur wertvolle
subkulturelle Kenntnisse, sondern auch Anspruch auf
einen Trash Movie Night Komplettist Orden, der
ausgehändigt wird, sobald die legendär überfälligen
Ich-habe-Cats-durchgezogen Medallien
verliehen wurden. Wohlan – Unerschrockene hier
entlang: (Download nun offline)
Bleibt die Frage, was für die breite [sic!]
Allgemeinheit gegeben wird? Und hier endet die
Kuratorengnädigkeit, um einem
vorfreudig-händereibenden, milde sadistischen
Powertrip Raum zu geben.
Wir greifen die in den genannten Dokus angelegte
Fallhöhe auf und sagen es mit einem unserer
Lieblingstrailer: Es könnte das Paradies sein – aber
es ist die Hölle.
Wohl wahr! Denn was als LA BANDA DEL TRUCIDO ein
klassisch trockener, harter Italo-Actionkrimi hätte
sein können und sollen, mutierte durch widrige
Umstände (jemand war jemand einen Gefallen schuldig)
in ein lockenperückensträubendes Tomas Milian
Vehikel. Wir bekommen es in DIE
GANGSTER-AKADEMIE mit einer frühen
Reinkarnation von Milians „Monnezza“ (= Müll) zu
tun, bei der noch etwas unklar ist, in welcher
Richtung sich dieser Character entwickeln wird –
Arschloch oder Nervensäge? Beides? Milian wurde für
wenige Tage ans Set gekarrt (der „Gefallen“ war
damit abgegolten), dem wenig amüsierten Regisseur
aufgenötigt, in das eigentlich schon
fertiggestellte, straighte Drehbuch reingeschrieben
und durfte seine Dialoge improvisieren, mit einem
Ergebnis, das schlichtweg jedem Beteiligten (und der
Kritik) zuwider war. Es fand sich allerdings genug
geschmacklich bankrottes Publikum, um weitere 4
„Monnezza als Kleingangster“ folgen zu lassen SOWIE
16 „Monnezza als Superbulle*“. Manche von Euch
tragen schwer an der Erinnerung eines
wüstenverwüstenden Auftritts, der uns 2024
heimsuchte.
In Fortsetzung unseres Satanistenbinges steht also
eine Konfrontation mit einem annähernd leibhaftigen
Wuschelkopf bevor, die sich in mehreren
Höllenkreisen abspielen wird: Da ist die launige
deutsche Synchro, aber auch der verschärfende
Umstand, dass wir die vollständige Langfassung sehen
– in der so einiges an „Handlung“ erhalten ist, die
dem deutschen Bahnhofskinopublikum erspart wurde.
Darin waten wir im Originalton durch italienisches
Prolo-Familienleben, knietiefe Misogynie, und jenes
in den 1970ern unverzichtbare pseudopolitische
Gefasel, mit dem kriminelle Exzesse der
„Gesellschaft“ in die Schuhe geschoben werden. Ganz
nebenbei bekommen wir so Kostproben des römischen
Slangs, den Milian seinem Monezza andichtete, und
können so den dessen Nervigkeitsfaktor gegen
deutsche Dummlaberei pitchen.
Wir versprechen: am Ende des Abends wird so Mancher
Manchen zum Teufel wünschen.
F&J&A
* Monezza, Nico Giraldi – der Bulle des Originals
wurde in Deutschland kurzerhand zu „Toni Marroni“
umgeschnoddert. Darauf kam es dann auch nicht mehr
an.

11.09.2025
Liebe Bewohner:innen der zukünftigen Vergangenheit,
weiter geht unsere Reise durch die Untiefen
egoman-narzisstischer Psychen und Psychotiker,
Quasi-satanistischer Tendenzen und famoser
Musikeinlagen.
Keine Angst, wir verschonen euch (noch?) mit
Musicals.
Aber der vorliegende Film
Virtuosity
USA 1995
R.: Brett Leonard
scheut sich nicht, mögliche musikalische Trends der
nahen Zukunft, speziell das live-Remixing von
unfreiwilligen Fieldrecordings in einem
futuristischen Club, aufs informativste und - dare I
say – unterhaltsamste, darzustellen. Auch sonst gibt
sich der Film redlich Mühe, den damaligen Zeitgeist,
will sagen: die futuristischen Themen von dazumal,
in ein mehr oder minder marktfähiges Zelluloid
Vehikel zu packen.
Die Neunziger zappeln unruhig vor sich hin, VR und
Cyberspace sind die heiße Scheiße und Herr Brett
„Kiss that Frog“ Leonard beschließt, an seinen
erfolgreichen Schussel-Cyber-Schlock-Schocker "Der
Rasenmähermann" anzuknüpfen und schuftelt fleißig
Einsen und Nullen in den Science Fiction Hype Hoch-
bzw. eher: Tiefofen.
Der durchaus als Pionier der Computeranimation zu
bezeichnende Filmemacher strickt eine seltsame
Mischung aus Escape from New York, The Mask und
sämtlichen Cop vs. Serienmörder-Klischees der
Achtziger und frühen Neunziger zusammen, in dem sich
ein furios overactender Russell Crowe so richtig
austoben kann. Übrigens als aus über hundert
Serienmörder-Persönlichkeiten (Jep. Auch Hitler.)
zusammengelötete KI „SID“ (...steht für „sadistic,
intelligent, dangerous“…).
Für uns ein erstaunlicher Anblick, ist Herr Russell
doch eher als vage somnambuler Gladiator in Ridley
Scotts gleichnamigem Film im Gedächtnis verankert.
Auch ein noch blutjunger Denzel Washington arbeitet
sich wacker durch das klischeetriefende Drehbuch und
gibt den traditionellen Action Cop auf dem Sühneweg.
Die für ihre Zeit tatsächlich spektakulären, heute
freilich eher zum Fremdschämen gereichenden CGI
Sequenzen retteten den doch eher banalen Cop vs.
Serienkiller-KI Plot dann gerade mal so in die
schwarzen Zahlen, der große Erfolg blieb dem
Streifen aber verwehrt und Bretts Kino-Karriere,
grade erst begonnen, stockt für ein gutes Jahrzehnt.
Zeit genug für einen angehendes transsexuelles
Geschwisterpaar, die besten Ideen aus diesem Film zu
extrahieren und ihren The Matrix Blockbuster knapp 4
Jahre nach Virtuosity um eine wesentlich virtuosere
Version einer computergenerierten Wirklichkeit zu
bereichern.
Soweit, so gut.
Aber wie reiht sich Virtuosity in den derzeitigen
cineastischen Stream-of-Kuratoren-sub-unconciousness
ein?
Nun, auch hier erleben wir eine (wenn auch nur
künstlich äh „intelligente“), raumgreifende,
aufdringliche Persönlichkeit, die mit einem
Heidenspaß an der bösen Sache überdreht overacted,
dass sich die Ladebalken biegen, im Gegensatz zu
Siffmeister Tomás Quintín Rodríguez Milián
allerdings ihren Narzissmus durch das Tragen
schicker Achtziegeranzüge zu subsumieren sucht.
Nun gut, diesmal springen weitere Gemeinsamkeiten
nicht sofort ins Auge. Gemein ist dem letztwöchigen
und dem dieswöchigen Film, dass beide Produktionen
schon arg den Launen ihrer jeweiligen
Alpha-Schauspielern ausgeliefert waren und von
selbigen in für das Publikum nicht unbedingt
erfreuliche Richtungen gepuscht wurden.
Während Tomás Quintín Rodríguez Milián uns jüngst
mit seinen Improvisationskünsten auf den Wecker
fiel, sorgte hier Herr Washington für den
notwendigen Egostress am Set, indem er das Drehbuch
des noch leidlich unerfahrenen Regisseurs kurzerhand
umschrieb, die Rolle der bedauernswerten
Hauptdarstellerin Kelly „Roadhouse“ Lynch von
Computerspezialistin und Love Interest zum
Geiselopfer ohne amouröse Ambitionen aber mit
Töchterlein, dem man auch mal eine Bombe umschnallen
kann, ummünzte - und sich bei der Gelegenheit große
Teile ihrer Dialoge einfach selbst unter den Nagel
riss.
Näheres hierzu finden wir auf
https://www.framerated.co.uk/virtuosity-1995/ wo
Frau Kelly Lynch in einem ziemlich interessanten
Interviewausschnitt zu diesem Thema Stellung nimmt.
In diesem Sinne:
Bullshit in, Bullshit out
Virtuosity geschaut!
J+F+A
19:00 Amokgequatsche mit NI (Natürlichen
Intelligenzen)
20:00 Amoklauf mit KI

18.09.2025
Hochverehrtes Publikum,
handeln wir zunächst rasch die offensichtlichsten
Anknüpfungspunkte zum Programm der Vorwoche ab:
Erstens bekommen wir es erneut mit einer
fleischgewordenen Manifestation des Bösen zu tun
(diesmal nicht über den Umweg komplizierter
Hochtechnologie, no no).
Und zweitens gab es so rein gar keinen
nachvollziehbaren Grund, warum der letzte Titel
ausgerechnet VIRTUOSITY lautete, woraufhin wir nun
patzigerweise etwas zeigen, das weder im Titel noch
sonst in irgendeiner Weise VIRTUOS ist.
Und da sind wir auch schon mittendrin – sowohl in
Problematik wie Faszination, die A NIGHT TO
DISMEMBER zu bieten hat.
Selten verschlägt es einen Titel mit weiblicher
Regie auf unsere Playlist, wobei wir es späteren
Kulturforschenden überlassen zu ermitteln, ob unser
Ratio wirklich schlechter ist als quer durch die
Filmwelt an sich (insbesondere im bei uns ja doch
sehr präsenten 20. Jahrhundert). Aber: nun kommt
jene Frau zum Zuge, die bei mehr Spielfilmen Regie
führte als jede andere Ihrer Geschlechtsgenossinnen.
Auftritt Doris Wishman!
Zur Person sei der Wikipedia Eintrag angeraten –
zumal ziemlich spoiler-frei in Bezug auf unser
Programm. Man hätte sich eine Autobiografie der
guten Doris gewünscht, es war einiges los in 90
Lebensjahren. Was aber späterhin in Biografien und
von Medientheoretiker/_:*Innen ihrem Werk
hinzugeschlaumeiert wurde, hätte sie vielleicht
selbst gewundert.
In grauen Vorzeiten lief bei uns ein Frühwerk der
Dame: NUDE ON THE MOON, rührend anzuschauen in
seiner gradezu unschuldigen kinky Dämlichkeit. Bei
allen Nudie-Konventionen ist ihrem Werk doch eine
durchgehend irritierende Komponente immanent, die
auszuloten reizvoll, aber kaum möglich scheint –
Unfähigkeit? Unbedingter Stilwille? Spannerquälerei
durch abrupte Schwenks auf Aschenbecher?
Man kann nur ahnen, wie trübe der Abstieg des
„Erwachsenen“-Films in immer explizitere Varianten
sich für jene darstellte, die diesen Weg mitgehen
mussten. Nach allem was man weiß, hielt Doris nichts
von XXX, drehte aber nach den 60ern weiter und
weiter – einerseits eventuell weil Filmemacherin
durch und durch, aber vielleicht auch schlicht der
Kohle halber.
Ende der 1970er Jahre dann die strohhalmhafte Idee:
Sich an das im Zuge des Erfolgs von HALLOWEEN
explodierende Slasher-Genre ranzuhängen, und mithin
den Fokus von Sex auf Gewalt verschieben zu können.
Wir wechseln kurz ins Allegorische.
Man stelle sich eine Weltraummission vor, weit
draußen in unserem Sonnensystem, in
lebensfeindlicher Dunkelheit und Kälte. Gestartet
nicht von Elon, sondern einem schäbig kleinen
Unternehmen, übel beleumundet, kurz vor der Pleite,
mit dem Ziel, irgendwo in einem abgelegenen Teils
des Asteroidengürtels ein paar Mineralien
zusammenzukratzen, um noch eine Weile über die
Runden zu kommen. Es läuft so halbwegs, da gibt es
einen Unfall, die Hälfte des Schiffs ist im Arsch.
Keiner weit und breit, der helfen kann und will. Für
die Reparatur stehen nur eine Konservenbüchse, eine
kaputte Glühbirne und zwei Kaugummis zur Verfügung.
Grund genug für so ziemlich Jeden und Jede,
aufzugeben – aber nicht für das einzige
Crewmitglied: Ms. Wishman.
Zurück zur Erde, 1979.
A NIGHT war Anfang an auf schmalstem Budget
konzipiert und gedreht, und katastrophalerweise
wurde etwa die Hälfte des Negativs im Labor
zerstört. Ms. Wishman investierte vier Jahre, um aus
den Resten – und Resten von Resten anderswoher –
etwas „Veröffentlichungsfähiges“ zusammenzubauen.
Auf das Ergebnis kann man aus zwei Perspektiven
schauen: die eine zeigt einen empörend beschissenen
Film, die andere ein faszinierendes Mirakel an
Durchhaltevermögen und Chuzpe, begründet im
unbedingten Willen, durchzuziehen.
Zieht ihr mit?
F&J&A

25.09.2025
Wertvolles Mitgemensche:
Manchmal müssen auch wir Trasherprobten,
Zementmagigen und Stahlnervigen
Underground-versteher von unseren tief in diversen
Abgründen herumeiernden Rössern ab – und auf die
prächtigen, wertigen Prachtrappen (!) der Hochkultur
aufschwingen, weil Welt, Wetter und thematische
Anknüpfungsmöglichkeiten zum vorherigen Film es
beinah zwingend nahelegen.
Aber keine Angst: der geneigten Zuschauerschaft wird
ein (wenn auch subtiler) bizarrer,
allegorisch-absurdistisch-existenzialistischer
Bilderreigen präsentiert, der formal zwar in
extremem Kontrast zum letztwöchigen Doris Wishman
Spektakel steht, im Kontext unserer aktuellen
Glotz-Strecke aber durchaus erwähnenswerte
Gemeinsamkeiten und interessante perspektivische
Überschneidungen und Vergleiche aufweist und
zulässt.
Hölle nochmal, wir haben schon ganz anderes Garn
vertüddelt, des passt scho!
Hier wie da: bildnerisch und formal exquisit
umschriebene Innenansichten der Hauptfiguren.
Kurator Brain befand, dass Frau Wishmans geradezu
aggressive Verneinung filmtechnischer und
erzählerischer Konventionen zwar jedem ehem.
Filmstudent:innen, der/die was auf sich hält, die
Fremdschamtränen in die Auge treiben mag, eben drum
formal die kaleidoskopisch zersplitterte
Wahrnehmungswelt eines psychotischen Menschen aufs
trefflichste illustriert und erfahrbar macht, was
allgemein als valides Argument gegen ein
herablassendes: “Die konnten ja nix“ gewertet wurde.
In
The Swimmer
USA 1968
R: Frank Perry, Sydney Pollack
finden wir ausschließlich hochkarätige Techniker und
fähige Darsteller:innen, die eine ganz anders
gelagerte Form der psychologische (Fehl-)
Selbsteinschätzung vorführen. Und natürlich Burt
Lancasters Ti**en, aber Holla!
Der absurde Selbstbestätigungs- und
Selbstffindungsakt des wohlhabenden, sich in der
späten Blüte seines erfolgreichen Lebens wähnenden
Protagonisten, der eine traumwandlerische Odyssee
quer durch sämtliche Swimmingpools (!) seiner
Freunde, Nachbarn und (Ex-) Geliebten der oberen
Mittelschichthölle der 60er Subburbs nach Hause
antritt, mündet zwar nicht in einem Rausch aus Blut,
Terror und Wahnsinn, dennoch sind die Konsequenzen
seiner Handlungen katastrophal für sein Umfeld und
nicht zuletzt sein eigenes Seelenleben.
Der Film vermag es, seiner Kurzgeschichtenvorlage
gleichen Namens (Autor: John Cheever ) mehr als
gerecht zu werden, nicht zuletzt dank Frau Eleanor
Perry, die die Drehbuchadaption vornahm und die nur
12 Seiten umfassende Erzählung um neue Charaktere
bereicherte. Mehr zu ihrer Rolle bei den
einleitenden Worten direkt vor dem Screening.
Die Produktion des Films war alles Andere als ein
angenehmes Waten durch einen einladenden See, eher
ein hektisches Stolpern durch ein vollgepullertes
Kinderplanschbecken in dem „..allz gestumpt wärd“
und einem die leeren Bierdosen von den Rüpeln am
Ufer nur so um die Ohren gepfeffert werden. Dank
eines Wechsels im Produzententeam wurden vier
Editoren verschlissen und als irgendwann Regisseur
Perry das Handtuch warf, musste Sydney „Jenseits von
Afrika“ Pollack den Film zu Ende bringen.
Nach dem bizarr-anarchisch-feministischem Ansatz der
Ehrenwerten Frau Wishman nun also klare Worte und
Bilder aus dem Overground zu fragwürdigen, toxischen
Männnlichkeits- und Gesellschaftskonstrukten, wie
geschrieben ohne dass ein Tropfen Blut
vergossen wird, aaaber…
Und natürlich Burt Lancasters Ti**en, aber das
schrieb ich schon!
Begleiten wir also den feschen VILF bei seiner
(Alp-)Traumreise durch die Pools der 60er Suburbia
auf seiner ganz persönlichen Höllenfahrt, erfreuen
wir uns an subtil psychedelisch- bis surrealen
Bildern, einer wunderlich traumhaften Atmosphäre und
natürlich den Ti***n und Abbs des grandiosen Burt
„Der Rote Korsar“ Lancaster, der hier in jeder
Hinsicht eine gute Figur macht.
Oh, eine weitere Gemeinsamkeit mit dem letztwöchigen
Streifen: vager Fußfetischismus auch hier.
Zwinkersmily.
Drinks diesmal eindeutig: Gin und Chlorwasser.
19:00 Abduschen im virtuellen Sinnbad
20:00 Arschbombe ins tiefe Becken
J+F+A

02.10.2025
Geehrtes Publikum,
da hat uns der Herr Ritter mit dem SWIMMER, einem
ebenso tieftraurigen wie guten Film, in eine
vertrackte Situation gebracht: versuchen wir, an das
doch recht hohe Niveau anzuknüpfen? Oder an Motive,
die uns begegnet sind – zu viele Drinks und
Rasenmäher etwa? Oder reißen wir das Ruder abrupt
herum und widmen uns statt dessen der in der Lobby
erwogenen Aufgabe, doch noch einen Giallo mit der
jüngst verblichenen Cardinale aufzutreiben?
Kurz ging daher die Überlegung in Richtung eines
Giallos, in dem als bedenklich jung suggerierte
Internatsschülerinnen (gespielt von nicht ganz so
jungen möglichen Schulabbrecherinnen) leicht
bekleidet an Pools herumlungern, bis ihnen Übles
widerfährt – aber erstens keine Cardinale in Sicht,
und dann schien (sogar uns) der Bezug auf die schon
im SWIMMER reichlich unangenehm anzusehenden
Übergriffigkeiten als zu plump.
Statt zweifelhafter Schauwerte rücken wir also
andere Korrelationen in den Fokus: Maskulinen
Starrsinn, Ego-Inflation und komplettes
Plemplemsein. Im SWIMMER wurde all das aufs
geschickteste demonstriert und dekonstruiert, in A
DRAGONFLY FOR EACH CORPSE hingegen wird es uns
als unhinterfragter Normalfall präsentiert.
Kurz umrissen werden wir einen Giallo-Spezialfall
sehen: eine windige spanische Produktion, die
windige italienische Produktionen kopiert und
vorgeblich in Mailand spielt (weil ausgeschlossen,
dass 1975 – noch im feschen Franco Faschismus – sich
solch ein Schmutz im Land hätte ereignen können).
Uns stellt sich die gar nicht so unknifflige Frage,
ob unser Commissario (gespielt vom
Dauerwerwolf Paul Naschy) eine lächerlichmachende
klischeehafte Überzeichnung italienischer Macken und
Macker vorstellen soll, ODER ob diese unsympathische
Type als cooler Hund und Role Model gemeint war?
Denn so manches soll dieser spanische Spezi wohl den
Italo-Kollegen voraus haben – etwa, dass er
verwirrende Sachverhalte nicht erst in allerletzter
Minute auf- und erklärt, sondern in einer Tour den
ganzen Film hindurch (allerdings mit keinem
erkennbar entwirrendem Effekt).
Im SWIMMER betrachteten wir einen Egomanen, dem sein
Leben wie Sand zerbröselt ist, beim Abrutschen in
einen Wahn aus gesteigerter Realitätsverleugnung und
Selbsttäuschung. Unser Protagonist in DRAGONFLY
hingegen hat alles und jeden (und jede) dermaßen im
Griff, dass sich der Verdacht einschleichen könnte,
quasi das innere wahnhafte Erleben eines Egomanen zu
besichtigen, der noch nicht an der Realität
zerschellt ist.
Aber vielleicht ist alles auch weniger deep
und uns steht einfach ein komplett aus der Kurve
geflogener, bunter Bastardo aus dem nicht immer
geschmackssicheren Händchen von León „fast 80 Filme
runtergerissen“ Klimovsky bevor? Lassen wir’s uns hombre-splainen!
F&J&A

09.10.2025
Liebe (angehende) Rock-Fans!
Aber keine Panik!!! Außer dem klangvollem Namen
Synthia Rothrock hat der Film, den wir uns
auf die Netzhaut und in die Hörmuscheln dreschen
werden, absolut nichts mit überkandidelten Zotteln,
die auf ihren fragwürdigen Instrumenten herum
dreschen als gäbe es kein Morgen, zu tun: Vielmehr
bleiben wir unserem Subthema menschlich-männliche
Hybris, bizarr/bekloppte Polizeiarbeit und
Macho:innen-ismus (with a Twist!) treu.
Sicherlich, herumgedroschen wird auch hier, aber,
ganz im Sinne der achtziger Jahre
Hongkong-ADHS-over-the-Top-Schule, eher auf
fragwürdigen Personen, die zwar ihrerseits gerne
instrumentalisiert werden und auch mal schräge Töne
von sich geben, aber weniger auf der Bühne sondern
eher auf den Straßen, in den Gassen, in und
außerhalb von Hochhäusern bzw. Flugzeugen. Und ein
„Morgen“, soviel sei ohne all zu große Spoilerei
schon mal verraten, wird für einen Großteil der
Akteure ein schöner Traum bleiben, da sei die
achtziger Jahre typische Hong Kong
Actionfilm-Genrekonvention vor.
Righting Wrongs aka Tage des Terrors 執法先鋒
Hongkong 1986
Regie: Corey Yuen Kwai
Uns erwartet ein Klassiker des Exzesskinos
Hongkongscher Prägung, der vor (vom Regisseur Corey
"Der Vollstrecker" Yuen höchstpersönlich
dargebotenem, schauerlich verbaseltem) HK-Humor,
verworrenen Intrigenspielen und exzessiven
Kloppereien aus allen Nähten platzt.
Ganz im Sinne unserer aktuellen Filmstrecke finden
wir einen testosteronstrotzenden, Rechte und
Pflichten, nun ja, eigenwillig auslegenden Charakter
in Gestalt des enttäuschten Rechtsanwaltes Jason
Chan (Yuen „Die Todesfaust des kleinen Drachen“
Biao) vor, der das Versagen des korrupten
Justitzsystems auf eigene Faust (eher: mit eigenen
Fäusten UND Füßen) wieder ins rechte Lot rücken
möchte.
Diesmal allerdings gesellt sich dem bunten
Selbstjustiztreiben kein trottelig bis
gelangweilt-überheblicher Schmierlappen sondern
„Superpolizistin“ Synthia „Fury of the Fist and the
Golden Fleece“ Rothrock hinzu, die mit (echten)
Schwarzgürtel-und sonstigen Mitteln irgendwie
versuchen muss, Recht, Gesetz und Ordnung aufrecht
zu halten, aber auch (buchstäblich) antritt, die
systemimmanenten Widersprüche der fröhlich vor sich
hin versagenden Justizerei in Wohlgefallen
aufzulösen.
Der ob seiner furios inszenierten Actionsequenzen
hochgelobte Actionstreifen aus der Blütezeit des
Hongkong Genrekinos fackelt nicht lange und ergeht
sich in inszenatorischen Eskapaden, die mitunter
sogar das exzentrische Treiben eines Tom Cruise
vergleichsweise alt aussehen lassen. Naja, schmälern
wir nicht die Bemühungen des possierlichen
Scientologen, seine Midlife-Crisis mit immer
extremer werdenden Stunts zu überspielen, der Mann
strengt sich schon an, nix für Ungut. Aber so manch
einen Stunt scheint sich der Gute aus diesem Film
abgeguckt zu haben.
Die Hongkong Haudeg:innen präsentieren hier Stunts,
die beachtlichen Schauwert haben, und das mit einem
Bruchteil des Budgets moderner
Hollywood-Großproduktionen (der Verzicht auf so was
spießiges wie Knochenbruch-Versicherungen,
Gewerkschaftsformen für Stuntleute und Ähnliches
entlastet das Budget natürlich erheblich.
Wie Kurator Brain dereinst so schön anmerkte:
Knochen waren billig damals.
Von dem Film existieren übrigens zwei
Schnittversionen mit grundverschiedenem Ende. Wir
zeigen natürlich die ungekürzte HK Version.
19:00 Verbal-Karate
20:00 Rechtshaudraufdogmatik-Karate
J+N+W

16.10.2025
Wen es betreffen mag:
Fast meinten wir, uns mit der
letztwöchentlichen HongKong-Klopperei aus der
männlich-toxischen Sickergrube herauskatapultieren
zu können, aber ein bisschen
Jump&Run&Kickass-Action (selbst mit einer
Ms. Rothrock) löst uns nicht ganz aus dem klebrigen
Schamassel, in welches wir uns hineinkuratiert
haben.
Also gilt es, noch einmal ganz tief einzutauchen,
knapp 80 Minuten die Luft anzuhalten, und dann
hoffentlich endgültig transzendental geläutert
aufzusteigen in neue Gefilde.
Zu diesem Behufe werden wir eine Art Medley jüngst
besichtigter, bedeutungsschwerer Topoi durchstehen:
männliche Selbstüberhöhung, alternativreligiöses
Kultwesen, defizitär bekleidetes Herumspazieren,
messiasähnliche Gestalten aus dem Meer, freie
„Liebe“, rostiges Kirmesgelump usw. – fast könnt man
ein Trinkspiel aus dem Spotten von Querbezügen
machen, würde unser chronisch gelockertes
Assoziationsvermögen uns dabei nicht binnen Minuten
aus dem Rennen werfen.
2015 hatten wir einen Streifen von José Mojica
Marins auf unserer Playlist. AT MIDNIGHT I’LL TAKE
YOUR SOUL begründete seinen zweifelhaften Ruhm als
schmierigem Antihelden der brasilianischen
Popkultur. Warum der von ihm in mehreren Filmen
gespielte „Coffin Joe“ Charakter – ein antisozialer
Sadist – eine derart enthusiastische Fangemeinde
aufbauen konnte, dass Spinoffs wie Comics usw. über
etliche Jahre reichlich Real einspielten, das können
nur die Brasilianer beantworten. Es gäbe für uns
keinen Grund, das filmische Werk des Hr. Marins
weiter auszuleuchten, hätte er nicht mit FINIS
HOMINIS im Jahr 1971 einen ganz anderen Kurs
eingeschlagen.
Ob der gute alte Jodorowsky mit seinem 1970er EL
TOPO Blaupause für Marins war, oder ob
psychedelische Schwurbelei damals einfach „in der
Luft lag“, solche Schlaumeiereien nachzulesen waren
wir zu faul. Ist auch eigentlich egal – wenn ein
filmbesessener Autodidakt quasi ohne Budget die
Chuzpe hat sich an einem Film zu orientieren, der
erst Jahre später „Kult“ werden sollte, und dazu
grade so wie Jodorowsky selbst zu produzieren,
drehbuchzuschschreiben und auch noch die Hauptrolle
zu spielen (und das alles binnen Monaten nach
Veröffentlichung der „Inspiration"), sind wir dabei.
Wir sehen die 2024 phantastisch restaurierte OMU
Fassung des Films.
F&J&A

23.10.2025
Dear all,
aus Zeitgründen heute noch keine Einladung, die
folgt falls möglich noch morgen oder IHR MÜSST UNS
UNGESEHEN VERTRAUEN. Was könnte schief gehen?
So long
F&J&A
Anmerkung:
Gegeben ward ÖLÜM SAVAŞÇISI.
Nebenstehend Artwork aus der Lobby.
Und womöglich war dies – unbemerkt – unsere fünfhundertste
Veranstaltung! Durchaus würdig.

30.10.2025
Sehr verehrtes Publikum,
der Jahreszeit (Hallo, Wien!) angemessen wagen wir
uns an einen Horror Stoff aus der tschechischen
Bizarro-Siebziger-semi-Kinderfilm Welt,
selbstverständlich ohne unseren hartnäckigen
Themenkomplex „Hyper-maskuline Männer des Gesetzes“,
die (wenn überhaupt) höchst ineffektiv ihrer
Tätigkeit nachgehen bzw. verwegene Sonderlinge in
bizarren Fortbewegungsmitteln, die mit allerlei
tschechisch-technischem Schnickschnack sich und
Anderen das Leben schwer machen, zu vernachlässigen.
Überhaupt bietet
Adéla ještě nevečeřela
aka. Dinner for Adele
aka. Adele Hasn't Had Her Dinner Yet
aka. Nick Carter in Prague
aka. Adela Has Not Had Supper Yet
R.: Oldřich Lipský
Tschechoslowakei 1977
einige Anknüpfungspunkte an jüngst Gesehenes, man
denke an Kleks und tanzende Katzen
(Triggerwarnung?). Auch kommen höchst agile (und
tödliche) Pflanzen vor (wir erinnern uns an die
Efeu-Szene des letztwöchigen Kürüte-Spektakels) und
mehr ausgefuchste Gadgets, als sämtliche Atlantiden,
Weltraum Robinson Crusoes und Mark Twains der
jüngeren TMN Geschichte aufbieten können.
Sicher, wir übertreiben ein wenig, aber letztlich
ist die Übertreibung geradezu Methode in diesem als
Parodie auf den US-Amerikanischen
Schundheftroman-Helden Nick Carter angelegten,
bizarren, hoffnungslos überdrehten Detektiven /
Agenten / Mad Scientist / Horror /
Spielzeugapokalypse / Kinderfilm mit schwerem
Slapstickeinschlag und einem überraschenden
softcore-Neumanneumanneumann - Moment!
Zum Thema Nick Carter empfehlen wir im Übrigen einen
Blick auf den entsprechende Wikipedia Eintrag, hat
es der 1886 zum ersten mal publizierte Detektiv
schon auf weit mehr als Tausend (!!!) Abenteuer
gebracht und seit über hundert Jahren (!!!!!!) immer
wieder Generationen von nicht all zu anspruchsvollen
Leser:innen, Comicbegeisterten, Radiophilen und
Trashfilm Pros in seinen Bann geschlagen.
Oldřich "Ich habe Einstein umgebracht"
Lipský macht sich mit viel Sinn für die
Pulp-Ästhetik der Comics und Romancover, aber auch
mit Blick auf die unter anderem in Deutschland
produzierten Stummfilme aus den zwanziger Jahren des
letzten Jahrhunderts, über den Stoff her, reichert
ihn mit uns mittlerweile wohlbekanntem, leicht
fiebrigem tschechischen Firlefanz und opulenten
Innen- und Außenansichten Prags an, in dessen
malerischen Gassen, prächtigen Salons und
bumsfidelen Bierhallen es vor skurrilen Gestalten
(Triggerwarnung: tanzende Katze!) nur so wimmelt.
Tatkräftig unterstützt wird er bei seiner Detektiv /
Horror - Farce vom Großmeister des tschechischen
Animationsfilms Jan "Jabberwocky" Svankmajer, dessen
Animations- und Puppenvulvapflanzerl
Effekt-Einschübe nichts zu wünschen übrig lassen.
Das ganze Spektakel wurde dankenswerterweise vor ein
paar Jahren unter Zuhilfenahme der original
Filmnegative aufwändig restauriert, was uns in die
schöne Lage versetzt*, den Film in seiner ganzen
ursprünglichen Pracht (und vor allem nicht in der
beschnittenen 4:3 Version, die in der DDR und der
BRD gegeben wurde) zu bestaunen. Und wenn auch die
gleich zwei mal ins deutsche übertragene Tonspur von
"Adele hat noch nicht genachtmahlt" (sic) für die
glücklichen Kinder der DDR bzw. "Adele hat noch
nicht zu Abend gegessen" für die früh vergreisten
Kindsköpfe der BRD) ihren ganz eigenen Charme
entfaltet, so lauschen wir diesmal doch lieber der
ebenfalls aufwändig rekonstruierten Tonspur im
tschechischen Original (mit englischen Untertiteln).
Das macht die quatschigen Witzeleien womöglich ein
wenig erträglicher. Puh, Tschechischer Humor versus
Hongkong Humor. Da wird sich wahrlich wenig
geschenkt...
Aber gegen nichts schenken hilft bekanntermassen
einschenken.
Getränk der Stunde diesmal wahlweise Bier oder
Orchideen-Limo.
hloupý
19:00 säen, gießen, düngen
20:00 ernten und geerntet werden
J+A+F
*Danke an Kurator Aminator!

06.11.2025
Verehrtes Publikum,
bleiben wir noch ein Weilchen hinter dem einstigen
Eisernen Vorhang, lassen wir uns sogar noch zehn
Jahre tiefer in die Vergangenheit treiben, und
weiter nach Osten.
Diesmal dienen keine amerikanischen Schundheftchen
als Vorlage, sondern ukrainisch/russische
Volksmythen, aufbereitet für die Hochkultur von der
Stimmungskanone Nikolai Gogol – entsprechend heiter
wird es zugehen! Nebenbei werden wir Zeugen einer
Epoche, die mittlerweile leider als idyllisch gelten
muss – vergleicht man die darin geschilderten
Gefahren für Studenten aus Kyjiw mit jenen der
Gegenwart.
Der 1967er VIY ist ein Klassiker im schmalen
Portfolio sowjetischer Horrorfilme, und mit seiner
Mischung aus schollenschwerem Verismus und Amanita
Muscaria-verdächtigem Treiben allemal interessant
genug, ein Plätzchen auf unserer Playlist
einzuheimsen. Zumal in einer top restaurierten
Fassung.
'nuff said, denn es gibt noch ein, zwei weitere
Themen:
Erst bei der jüngsten Aufbereitung unserer Chronik
ist aufgefallen: Wir haben amtlich über 700
verschiedene Titel aufgeführt, und zwar bei nachweislich
mindestens 501 Veranstaltungen! Dass wir
dieses Doppeljubiläum mal eben übersehen haben, kann
man uns als depperte Schusselei auslegen, oder aber
unaufgeregte Bescheidenheit. Dabei erscheint als
würdige Fügung, dass die nach offizieller Zählweise
500. Veranstaltung mit dem famosen ÖLÜM SAVAŞÇISI
begangen wurde.
Wer uns und allen Weggefährtinnen und -gefährdern
der letzten rund 30 Jahre mit Schampus oder anderen,
passenderen Substanzen zutoasten mag, fühle sich
zurückgetoastet.
Desweiteren:
Wie schon so manches Mal angedeutet, entspringt
unser Programm keinem Zufallsgenerator oder
läppischem KI-Prompt, sondern ist Resultat
verschlungener, manchmal gar nicht so unaufwändiger
Prozesse. So hat etwa die Recherche rund um
delirantes Tschechentum nicht nur den
letztwöchentlichen Titel zu Tage gefördert, sondern
auch weitere Verlockungen, die aufzutreiben teils
gar nicht so einfach ist. Unsere Wünschelrute schlug
etwa aus bei einem von Zbynek Brynych verantworteten
Streifen von 1970, von dem wir zwar die englische
Version („Feminine Carnivores“) in Reichweite haben,
nicht aber die deutsche Originalversion. Aber siehe
da: just EINEN Tag nach unserem ersten
Recherchedurchlauf erreicht uns das Programm des
Filmmuseums, in dem DIE WEIBCHEN für nächsten
Sonntag angekündigt sind. Wow.
Oft waren wir schneller mit dem Aufführen von
Obskuritäten als die Kolleginnen dort, aber diesmal
ziehen wir den Hut und empfehlen eine Exkursion.
See you!
F&J&A
09.11.2025
EXKURSION!
Immerhin drei Kuratoren sind angetreten, DIE
WEIBCHEN in einer der wenigen erhaltenen 35mm
Kopien im Frankfurter Filmmuseum zu bestaunen. Und
bestaunt haben wir! Eurer Brain hätte auch in
nüchternem Zustand konstatiert, dass dies einer der
am besten aussehenden Filme ist, den er je
sehen durfte, und da liegt die Latte doch recht
hoch. Kamera und Bildkompositionen zum Niederknien.
Wer hätte das ausgerechnet bei einer gefloppten
deutschen Komödie erwartet?
Obendrein eine Handlung und Ereignisse auf der
Leinwand, die so manch schrägen Eurosleaze der 60er
und 70er hinsichtlich Plemplem-Faktor locker
abhängen. Herrlich, dass man doch noch nicht
alles gesehen hat.
Sehr respektable Angelegenheit, bei der lediglich
ausgerechnet die Musik hinter den Möglichkeiten
blieb – und das, obwohl anlässlich des 100. des
Komponisten Peter Thomas ins Programm genommen.
Viele haben diese gradezu beglückende Erfahrung
nicht mit uns geteilt. Anwesend waren
schätzungsweise schlappe zwei Dutzend Männchen – und
nur ein Weibchen.
DISCLAIMER: Wir neigen zur Faulheit.
Die Playlist wird unregelmäßig ergänzt und ist daher
nie auf dem neuesten Stand.
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